Diese empirische Arbeit untersucht, ob die jugendliche Internetnutzung mehrheitlich Chancen oder Risiken birgt, unter besonderer Berücksichtigung der Internetviel- und Internetwenignutzung. Zu diesem Zweck wurden vier Gruppendiskussionen mit jeweils zwei Gruppen von Jugendlichen und zwei Gruppen von Eltern, die jeweils Internetviel- oder Internetwenignutzer sind, durchgeführt. Festzustellen galt es nicht nur, welchen Gefahren die Jugendlichen im Internet ausgesetzt sind, sondern auch, wie gefährdet sich die Jugendlichen selbst sehen, welche Erfahrungen sie im Netz machen, mit welchen Erfahrungen sie zu den Eltern gehen und wie sie allgemein ihre Internetnutzung empfinden. Durch die Gruppendiskussionen mit den Eltern sollte erkennbar werden, inwiefern sich die Eltern für die Internetnutzung ihrer Kinder interessieren, wie sie selbst zu diesem Medium stehen, welche Eingriffstrategien sie haben und ob es einen Zusammenhang zwischen dem Erziehungs- und dem Kommunikationsstil, bezogen auf die jugendliche Internetnutzung, gibt. Ummantelt von den Cultural Studies als theoretischen Zugang und den normativen Positionen des öffentlichen Mediendiskurses als weiterer, theoretischer Anknüpfungspunkt, werden Begriffe wie Kindheitstheorien, das Jugendalter, Entwicklungsaufgaben, Medienkompetenz, Medienpädagogik, Pflichten der Eltern, Erziehungsstile, Mediensozialisierung, Internet und Identitätsbildung, veränderte Mediennutzung, die Internetnutzung in starker Anlehnung an die ARD/ZDF-Onlinestudie 2008 und die jugendgefährdenden Inhalte im Internet erläutert. Der empirische Teil zeigt auf, dass das „wie“ der Internetnutzung bestimmt, ob sich die Nutzung konstruktiv oder subversiv auswirkt. Dieses „wie“ der jugendlichen Internetnutzung ist abhängig von zahlreichen Einflussfaktoren: Ausbildung, Mediensozialisierung durch Eltern und Peer Group, soziokulturelle Faktoren wie ländlicher oder urbaner Wohnort und Einkommen der Eltern, Technologieausstattung im Haushalt, Erziehungsstil und vieles mehr. Insgesamt konnten sechs Internetnutzungstypen bestimmt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Persönlicher Zugang zum Thema
2 Einleitung
3 Erkenntnisinteresse
4 Theoretischer Zugang: Cultural Studies
4.1 Inhaltliche Definition der Cultural Studies
4.2 Cultural Studies und Medien
5 Normative Positionen im öffentliche Mediendiskurs
5.1 Die Kulturpessimisten
5.2 Die kritischen Medienoptimisten
5.3 Die euphorischen Medienpromotoren
6 Vorstellungen von Kindheit: Neue Soziologie der Kindheit und Klassisches Stufenmodell der Entwicklungspsychologie
6.1 Kulturpessimisten und Stufenmodell
6.2 Kritische Medienoptimisten/euphorische Medienpromotoren und die Neue Soziologie der Kindheit
6.3 Konsequenzen der Kindheitstheorien für die normativen Positionen
7 Das Jugendalter Adolescence
7.1 Entwicklungsaufgaben
7.2 Zentrale Themen im Jugendalter
7.2.1 Familie
7.2.2 Beziehungen zu Gleichaltrigen (Peers)
7.2.3 Schule und Berufsvorbereitung
7.2.4 Orientierung durch das Freizeitleben
7.3 Jugendliche Wertetypen in Österreich
7.3.1 Die unentschiedenen Optimisten
7.3.2 Die egozentrischen Hedonisten
7.3.3 Die resignierten Skeptiker
7.3.4 Die freizeitorientierten Hedonisten
7.3.5 Die leistungsorientierten Idealisten
7.3.6 Die prosozialen Pragmatiker
7.4 Psychosoziale Entwicklungen und Entwicklungsprobleme
8 Internet und Identitätsbildung
9 Medienpädagogik – Eine Einleitung
9.1 Medienpädagogische Handlungskonzepte nach Swoboda
9.2 Medienbildung nach Ingrid Geretschlaeger
9.3 Die Pflichten der Eltern
9.4 Medienkompetenz als Zauberformel?
9.5 Medienkompetenz durch die Mediensozialisation
9.6 Sozialisationsprozesse im Kontext der Mediennutzung
10 Das Internet als Dschungel
10.1 Medienbezogene Auslöser der veränderten Mediennutzung
10.2 Nutzerbezogene Auslöser der veränderten Mediennutzung
10.3 Anhaltspunkte der veränderten Mediennutzung
11 Internetnutzung
11.1 ARD/ZDF-Onlinestudie 2008
11.2 Einfluss der sozialen Milieus auf die Internetnutzung
11.3 Stadt-Land-Unterschiede in der Internetnutzung
12 Jugendgefährdung im Internet
12.1 Pornografie
12.2 Neonazis und politischer Extremismus
12.3 Okkulte Gruppierungen und Sekten
12.4 Selbstmord- und Pro Ana-Websites
12.5 Gefahren auf Social-Network- und Community-Seiten
12.6 Neue Phänomene „Happy Slapping“ und „Snuff“
12.7 Sexueller Missbrauch im Internet
Empirischer Teil
13 Erkenntnisinteresse
13.1 Qualitative Methode: Gruppendiskussion
13.2 Zielsetzung der Gruppendiskussion
13.3.Gruppenformen
13.4 Die Rolle des Diskussionsleiters
Reflexive Prinzipien nach Bohnsack
13.5 Ablauf der Gruppendiskussion
13.6 Vor- und Nachteile der Gruppendiskussion
13.7 Methodendesign
13.7.1 Internet-Vielnutzer und Internet-Wenignutzer: In Anlehnung an George Gerbner
13.7.2 Diskussionsanreiz
13.7.3 Zentrale Fragestellungen während der Gruppendiskussionen
14 Dominierende Orientierungsmuster
14.1 Gruppe elterliche Internetwenignutzer
Profile der teilnehmenden Ehepaare
Kurzbeschreibung des Diskussionsverlaufs
14.2 Gruppe jugendliche Internetvielnutzer
Kurzbeschreibung des Diskussionsverlaufs
Profile der Teilnehmerinnen
14.3 Gruppe elterliche Internetvielnutzer
Profile der Diskussionsteilnehmer
Kurzbeschreibung des Diskussionsverlaufs
14.4 Gruppe jugendliche Internetwenignutzer
Profile der Diskussionsteilnehmerinnen
Kurzbeschreibung der Gruppendiskussion
15 Typen
15.1 Der passive Internetpessimist
15.2 Der aufgeschlossene Internetoptimist
15.3 Der kritische Internetwenignutzer
15.4 Der indifferente Internetwenignutzer
15.5 Der hyperaktive, junge Internetrealist
15.6 Der junge, passive Internetwenignutzer
16 Fazit
16.1 Gute Zeiten – Schlechte Seiten
16.2 Der Reiz des Verbotenen
16.3 Die Verantwortung liegt bei allen
16.4 Normative Positionen und Internetnutzung
16.4.1 Die Kulturpessimisten
16.4.2 Kritische Medienoptimisten/euphorische Medienpromotoren und die Neue Soziologie der Kindheit
16.5 Soziokulturelle Faktoren
16.6 Mütter sorgen sich mehr, Männer kennen sich besser aus?
16.7 Medienkompetenz
16.8 Jugendgefährdung im Internet
16.8.1 Pornografie
16.8.2 Sexueller Missbrauch im Internet
17 Quellenverzeichnis
18 Anhang
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, ob die jugendliche Internetnutzung primär Chancen oder Risiken birgt, wobei ein besonderer Fokus auf den Unterschieden zwischen Internetviel- und Internetwenignutzern liegt. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, sowohl die elterliche Perspektive – inklusive deren Erziehungs- und Kommunikationsstil – als auch die subjektiven Erfahrungen der Jugendlichen selbst zu beleuchten und daraus medienpädagogische Ableitungen zu treffen.
- Empirische Untersuchung der jugendlichen Internetnutzung mittels Gruppendiskussionen.
- Analyse von elterlichen Kontrollstrategien und deren Auswirkungen auf die Mediensozialisation.
- Identifikation spezifischer Internetnutzungstypen bei Jugendlichen und Eltern.
- Kritische Auseinandersetzung mit Gefahren wie Pornografie, Cyber-Mobbing und sexuellem Missbrauch.
- Bedeutung von Medienkompetenz als präventive Kernfunktion im Erziehungskontext.
Auszug aus dem Buch
1 Persönlicher Zugang zum Thema
Schon bei meinen beiden Bakkalaureat-Arbeiten an der Universität Salzburg waren meine Themen internetbasiert, ich behandelte jeweils in reinen Literaturanalysen die Themen „Journalismus im Umbruch – ist bloggen Journalismus?“ bei Prof. Dr. Hummel und „Chancen und Risiken der Cyberlove – Partnersuche im Internet“ bei Dr. Christian Fuchs. Und spätestens nach meiner zweiten Bakkalaureat-Arbeit über die Partnersuche im Internet wurde mir klar, dass sich auch meine Magisterarbeit rund um das Thema Internet drehen würde. Denn mir war bewusst geworden, dass das Internet nicht nur Vorteile mit sich bringt, sondern auch Nachteile und Gefahrenquellen - vor allem für labile oder junge Internetnutzer. Fortan betrachtete ich das Internet zunehmend mit anderen Augen und bemerkte schnell, dass es tatsächlich viele Inhalte gibt, die unkontrollierbar von jedem verwendet und auch online gestellt werden können.
So fiel mir beispielsweise auf der Social-Network-Plattform „Szene1“ beim Durchstöbern der verschieden Fotoalben auf, dass man immer wieder Fotos und Videos fand, die pornographisch, Gewalt (Fotos junger Männer mit Handfeuerwaffen, Bundesheerler mit angelegten Gewehren…) oder Drogen verherrlichend waren. Außerdem war es mir selbst öfters passiert, dass mich Männer in den 30ern und 40ern anschrieben, mir Komplimente zu meinen Fotos und teilweise recht eindeutige Angebote machten. Nur, ich war zu diesem Zeitpunkt bereits erwachsen – aber was wäre gewesen wenn ich zehn, 11 Jahre alt gewesen wäre? Wie wäre ich dann mit solchen Erlebnissen umgegangen?
Das Themenfeld „Jugendschutz im Internet“ geriet so in meine Aufmerksamkeit und ursprünglich wollte ich dieses Thema in meiner Magisterarbeit abhandeln. Doch nach dem ersten Magisterseminar-Termin bei Prof. Vitouch im WS 08/09 an der Universität Wien stellte sich heraus, dass es einen effektiven Jugendschutz im Internet de facto schlicht weg nicht gibt und wahrscheinlich nie geben wird – und deswegen nicht erforschbar ist. Deswegen verlagerte ich mein Erkenntnisinteresse in den Bereich, in dem in erster Linie Jugendschutz und das Verständnis dafür, geschehen sollte: innerhalb der Familie und auch während der Schulausbildung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Persönlicher Zugang zum Thema: Die Autorin reflektiert ihren wissenschaftlichen Werdegang und beschreibt, wie persönliche Erfahrungen mit bedenklichen Inhalten im Internet zu ihrem Erkenntnisinteresse am Jugendschutz im familiären und schulischen Kontext führten.
2 Einleitung: Die Einleitung konstatiert die steigende Bedeutung des Internets als Leitmedium in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen und stellt die Relevanz der Untersuchung vor dem Hintergrund wachsender Nutzungsintensität dar.
3 Erkenntnisinteresse: Dieses Kapitel definiert die Hauptforschungsfrage nach Chancen und Risiken jugendlicher Internetnutzung und operationalisiert diese in 22 detaillierte Unterfragen, die sowohl die Eltern- als auch die Jugendperspektive abdecken.
4 Theoretischer Zugang: Cultural Studies: Es wird begründet, warum die Cultural Studies als interdisziplinärer Rahmen für die empirische Arbeit dienen, um die komplexen Bedeutungssysteme der Internetnutzung zu erfassen.
5 Normative Positionen im öffentliche Mediendiskurs: Eine Typisierung der öffentlichen Diskurse in Kulturpessimisten, kritische Medienoptimisten und euphorische Medienpromotoren bietet den theoretischen Hintergrund für die Interpretation der Gruppendiskussionen.
6 Vorstellungen von Kindheit: Neue Soziologie der Kindheit und Klassisches Stufenmodell der Entwicklungspsychologie: Hier wird der theoretische Kontrast zwischen psychologischer Stufenlehre und soziologischem Kindheitsbegriff erörtert und deren Einfluss auf die medienpädagogische Sichtweise analysiert.
7 Das Jugendalter Adolescence: Dieses Kapitel verortet das Jugendalter als eigene Lebensphase mit spezifischen Entwicklungsaufgaben und identifiziert verschiedene Wertetypen innerhalb der österreichischen Jugend.
8 Internet und Identitätsbildung: Die Bedeutung des Internets als Raum für kognitive, emotionale und soziale Lernprozesse zur Identitätsfindung wird theoretisch ausgeführt.
9 Medienpädagogik – Eine Einleitung: Es werden medienpädagogische Konzepte, Pflichten der Eltern und der Begriff der Medienkompetenz eingeführt, um den Rahmen für einen konstruktiven Umgang mit Internetgefahren zu setzen.
10 Das Internet als Dschungel: Dieses Kapitel analysiert das Internet als komplexen Raum, der sich aufgrund seiner Netzwerkstruktur einer totalen Kontrolle entzieht, was neue Herausforderungen für Nutzer und Aufsichtspersonen schafft.
11 Internetnutzung: Unter Verwendung der ARD/ZDF-Onlinestudie werden die quantitative Nutzung, soziale Milieus und Stadt-Land-Unterschiede als Einflussfaktoren auf die Internetnutzung diskutiert.
12 Jugendgefährdung im Internet: Eine detaillierte Übersicht der Risiken im Netz, von Pornografie über politischen Extremismus bis hin zu okkulten Sekten und Pro-Ana-Websites, bildet die Grundlage für die spätere empirische Analyse.
13 Erkenntnisinteresse: Das methodische Design, basierend auf qualitativen Gruppendiskussionen, wird hier ausführlich begründet und die methodische Vorgehensweise detailliert dargelegt.
14 Dominierende Orientierungsmuster: Die Ergebnisse der vier durchgeführten Gruppendiskussionen mit Eltern und Jugendlichen werden hier anhand der Profile der Teilnehmer und des Diskussionsverlaufs rekonstruiert.
15 Typen: Die empirisch abgeleiteten Internetnutzungstypen – vom passiven Internetpessimisten bis hin zum hyperaktiven, jungen Internetrealisten – werden systematisch charakterisiert.
16 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, wobei die Verantwortung aller beteiligten Akteure für eine medienkompetente Internetnutzung betont wird.
Schlüsselwörter
Internetnutzung, Jugendliche, Mediensozialisation, Medienkompetenz, Jugendschutz, Cultural Studies, Eltern-Kind-Kommunikation, Gruppendiskussion, Online-Gefahren, Pornografie, Identitätsbildung, Internet-Vielnutzer, Internet-Wenignutzer, Web 2.0, Erziehungsstile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Chancen und Risiken der Internetnutzung bei Jugendlichen und wie diese Erfahrungen in der Familie und Peer-Group verarbeitet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Themen sind unter anderem Internetgefahren (wie Pornografie oder Cyber-Mobbing), die Mediensozialisation, der elterliche Erziehungsstil und die Entwicklung von Medienkompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die kommunikative Differenz zwischen Eltern und Jugendlichen in Bezug auf Internetnutzung zu verstehen und Strategien für einen konstruktiven Medienumgang zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt die qualitative Methode der Gruppendiskussion, um in vier spezifischen Gruppen (Eltern und Jugendliche, jeweils unterteilt in Viel- und Wenignutzer) Orientierungsmuster zu explorieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben theoretischen Grundlagen zu den Cultural Studies und Entwicklungspsychologie wird im empirischen Teil das Nutzungsverhalten verschiedener Typen von Jugendlichen und Eltern detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Mediensozialisation, Medienkompetenz, Jugendschutz, Internetnutzungstypen und Internetgefahren beschreiben.
Warum spielt die Unterscheidung in Viel- und Wenignutzer eine Rolle?
Die Autorin nutzt diese Kategorisierung in Anlehnung an George Gerbner, um zu analysieren, wie unterschiedlich sich die Wahrnehmung der Internetrealität je nach Nutzungsintensität und Medienkompetenz gestaltet.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Rolle der Eltern?
Sie schlussfolgert, dass Eltern nicht nur Verbote aussprechen sollten, sondern gefordert sind, sich fortzubilden, um eine aktiv-begleitende medienpädagogische Rolle einzunehmen, statt sich aus Ahnungslosigkeit aus der Verantwortung zu ziehen.
- Arbeit zitieren
- Teresa Penzenauer (Autor:in), 2009, Chancen und Risiken des Internets für jugendliche Nutzer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138037