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Das sprachliche Phänomen ‚Ironie’

Funktion und Wirkung

Title: Das sprachliche Phänomen ‚Ironie’

Thesis (M.A.) , 2009 , 105 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Rebecca Stabbert (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

„Dann solltest du auch sagen, was du meinst“, fuhr der Schnapphase fort. „Das tue ich ja“, widersprach Alice rasch; „wenigstens – wenigstens meine ich, was ich sage – und das kommt ja wohl aufs gleiche heraus.“ „Ganz und gar nicht“, sagte der Hutmacher. „Mit dem selben Recht könntest du ja sagen: ‚Ich sehe, was ich esse’ ist das gleiche wie ‚Ich esse, was ich sehe’!“

Lewis Carroll, Alice im Wunderland (zitiert nach Lapp 1997²: 11)

Die Kommunikation zwischen Menschen dient nicht nur ausschließlich dazu Informationen auszutauschen, sondern darüber hinaus Meinungen und Ansichten zu vermitteln. Die Übermittlung kann zum einen auf direktem Weg über die wörtliche Formulierung vollzogen werden oder auf indirektem Weg, indem der Sprecher neben der wörtlichen Bedeutung eine zusätzliche transportiert. Diese Eigenschaft beinhaltet unter anderem das Phänomen der Ironie. Sowohl in der Alltagskommunikation als auch in der Literatur findet sie Verwendung. Darum besteht seit der Antike ein hohes Interesse an der Erklärung ihres Auftretens und ihrer Begreifbarkeit. Eine Vielzahl von Theorieansätzen der Ironie bemüht sich, das sprachliche Phänomen in ihrer Komplexität zu erfassen und transparent zu machen.

Statt eines homogenen Ironiebegriffes, der empirisch nutzbar wäre, verfügt die Wissenschaft bislang lediglich über eine Aneinanderreihung bestimmter Kriterien, deren Geltungsbereich und deren Interaktion unklar bleiben. (Prestin 2000: 1)

Darin wird die Schwierigkeit eines übereinstimmenden Begriffes deutlich. Auch die vorliegende Arbeit erhebt nicht den Anspruch eine vollständige und endgültige Ironieauffassung zu formulieren. Vielmehr verfolgt sie das Ziel, die bisherigen Erkenntnisse zu einem Gesamtbild zu integrieren, welches Aussagen über die Funktionen von Ironie in Printmedien enthält und mögliche Wirkungen im Zusammenhang mit den Kontextbedingungen beschreibt. Denn beim Verständnis der Ironie muss der Rezipient auf ein bestimmtes Hintergrundwissen zurückgreifen, um das zu verstehen, was der Produzent übermitteln möchte.
Das Phänomen Ironie bereichert die menschliche Kommunikation, indem sie ermöglicht, trotz der Übermittlung von Kritik, das Gesicht des Ironisierten zu wahren, etwas anderes mitzuteilen als die wörtliche Bedeutung und mit der Äußerung Humor zu erzeugen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Einführung in die Arbeit

1.2. Gliederung der Arbeit

2. Begriffsdefinition der Ironie

2.1. Begriffsursprung und –entwicklung der Ironie

2.2. Abgrenzung der Ironie zu anderen Stilformen

3. Ironiesignale

4. Linguistische Ironietheorien

4.1. Implikaturtheorie nach Grice

4.1.1. Kooperationsprinzip und Konversationsmaximen

4.1.2. Generelle und partikuläre Implikaturen

4.1.3. Ironie als konversationelle partikuläre Implikatur

4.2. Sprechakttheorie nach Austin und Searle

4.2.1. Ironie als indirekter Sprechakt

4.2.2. Ironie als uneigentlicher Sprechakt

4.3. Neuere Theorieansätze der Ironie

4.3.1. Lapps Modell der Ironie als zweistufige Simulation

4.3.2. Die Pretense Theory von Clark und Gerrig

4.3.3. Die Echoic Mention Theory von Sperber und Wilson

4.3.4. Die Allusional Pretense Theory von Kumon-Nakamura

4.4. Zusammenfassung der Theorien

5. Das Korpusmaterial

6. Charakteristika der Zeitungen

7. Die Darstellungsformen Kommentar, Kolumne und Glosse

8. Verwendungsmotivation von Ironie in Printmedien

8.1. Wirkungen der Ironie

8.2. Funktionen der Ironie

8.2.1. Funktion der Negativen Bewertung

8.2.2. Funktion des Spiegels

8.2.3. Funktion des Ästhetischen Humors

8.2.4. Funktion der Höflichkeit

8.3. Zusammenfassung der Ergebnisse

9. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Ironie in Printmedien, mit dem Ziel, die bisherigen theoretischen Erkenntnisse zu integrieren, um die Funktionen und Wirkungen ironischer Äußerungen in diesem spezifischen Kontext sowie deren Abhängigkeit von Kontextbedingungen zu erläutern.

  • Theoretische Grundlagen und Entwicklung des Ironiebegriffs
  • Linguistische Modelle der Ironie (u.a. Grices Implikaturtheorie, Sprechakttheorie, Simulations- und Pretense-Theorien)
  • Analytische Abgrenzung der Ironie zu verwandten Stilmitteln
  • Empirische Analyse von Ironie in Printmedien (am Beispiel von Kolumnen und Glossen)
  • Funktionen der Ironie: Negative Bewertung, Spiegel, ästhetischer Humor und Höflichkeit

Auszug aus dem Buch

2.1. Begriffsursprung und -entwicklung der Ironie

Aus historischer Perspektive wird die Ironie in der Linguistik dem Bereich der Rhetorik zugeordnet und gilt traditionell als Stilmittel, um in öffentlichen Auseinandersetzungen den gegnerischen Standpunkt anzugreifen. Der Begriff bezeichnet eine Redeweise, bei der das Gegenteil des Geäußerten gemeint ist. Der früheste schriftliche Beleg lässt sich auf Aristophanes zurückführen, der mit dem Begriff eiron Menschen beschreibt, "die elastisch wie Gummi oder schlüpfrig wie Öl sind" (Lapp 1997: 18). Sie betrügen durch „leere Redensarten, hohles Geschwätz und [geben] sich den Schein des Wissens, um zu täuschen, zu heucheln, zu höhnen, zu spaßen und sich durchzuschwindeln“ (ebenda: 18). Diesen Begriff bezieht Aristophanes auf Sokrates, den er als „protzerischen Scharlatan, der wissenschaftlichen Unsinn von sich gibt“ bezeichnet und Platon, der zwar die “positive, pädagogische Funktion der spezifisch sokratischen Ironie (der Haltung des prätendierten Nichtwissens) herausstellt, [aber] nicht eindeutig Stellung bezieht“ (Lapp 1997: 18). Aristophanes fasst den Begriff eiron als eine geistige Betrügerei und Heuchlerei auf. Dieses Verständnis ist ebenso bei Platon zu finden, der unter eironeuestai ‚leeres Geschwätz‘ versteht, das sich den Schein des Wissens gibt. Er sieht die sokratische Ironie als ein kritisch-schadenfrohes Spiel der Überheblichkeit, indem sich Sokrates gegenüber seinem Gesprächspartner nicht ernsthaft verkleinert und Demut erweist, sondern sich vielmehr in der Verhöhnung und Verspottung des ‚großspurig‘ auftretenden Gegners übt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema Ironie als komplexes sprachliches Phänomen und Darlegung der Gliederung der Arbeit.

2. Begriffsdefinition der Ironie: Historische Herleitung des Begriffs und Abgrenzung zu ähnlichen Stilformen wie Satire, Sarkasmus oder Scherz.

3. Ironiesignale: Diskussion der Möglichkeiten, wie Ironie in Sprache und Text durch verschiedene Marker (mimisch, intonatorisch, lexikalisch) für den Rezipienten erkennbar wird.

4. Linguistische Ironietheorien: Detaillierte Darstellung theoretischer Ansätze, von Grice über die Sprechakttheorie bis hin zu neueren Modellen wie der Pretense Theory oder der Echoic Mention Theory.

5. Das Korpusmaterial: Erläuterung der Auswahl der analysierten Zeitungstexte, speziell Kolumnen und Glossen des Autors Harald Martenstein.

6. Charakteristika der Zeitungen: Untersuchung der medialen Rahmenbedingungen von Zeitungen als Medium der Massenkommunikation und deren Einfluss auf die Ironiewahrnehmung.

7. Die Darstellungsformen Kommentar, Kolumne und Glosse: Differenzierte Betrachtung der spezifischen Anforderungen und Merkmale dieser drei meinungsbetonten journalistischen Textsorten.

8. Verwendungsmotivation von Ironie in Printmedien: Analyse der Funktionen und Wirkungen ironischer Äußerungen, insbesondere im Hinblick auf Solidarisierung, Kritik und Humor.

9. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur Rolle der Ironie als Instrument sprachlichen Handelns in den Printmedien.

Schlüsselwörter

Ironie, Linguistik, Implikaturtheorie, Sprechakttheorie, Printmedien, Kolumne, Glosse, Negative Bewertung, Humor, Kommunikation, Sprachliche Ironie, Ironiesignale, Allusional Pretense Theory, Soziale Konventionen, Journalismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sprachlichen Phänomen der Ironie, insbesondere deren Funktionen und Wirkungen in Printmedien.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die linguistische Definition von Ironie, verschiedene wissenschaftliche Ironietheorien, die Rolle des Kontexts für die Ironiewahrnehmung und die Analyse von Ironie in journalistischen Textformaten wie Glossen und Kolumnen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, wie Ironie in Printmedien funktioniert, welche Wirkungen sie beim Rezipienten erzielen soll und wie Produzenten sie als Stilmittel einsetzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine fundierte theoretische Literaturanalyse mit einer empirischen Analyse von ausgewählten Zeitungsartikeln (Korpusanalyse).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Definitionen, Ironiesignale, Theorien) erörtert, gefolgt von einer praktischen Analyse der Verwendung von Ironie in Printmedien, inklusive ihrer verschiedenen Funktionen und Wirkungen auf den Leser.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Ironie, Linguistik, Implikatur, Sprechakttheorie, Printmedien, Kolumne, Glosse und die verschiedenen Funktionen der Ironie wie negative Bewertung oder ästhetischer Humor.

Warum ist Ironie in schriftlichen Texten schwieriger zu interpretieren als in der mündlichen Kommunikation?

Da in schriftlichen Texten wichtige Signale wie Mimik, Gestik und Intonation fehlen, ist der Rezipient stärker auf Hintergrundwissen und den Kontext angewiesen, um die Unernsthaftigkeit der Äußerung korrekt zu deuten.

Welche Rolle spielt die Allusional Pretense Theory (APT) für diese Arbeit?

Die APT dient als ein zentraler theoretischer Bezugspunkt, da sie das Phänomen Ironie umfassend als Anspielung auf enttäuschte Erwartungen oder Normen interpretiert und dabei verschiedene Aspekte wie Bewertung und Hintergrundwissen integriert.

Warum verwendet der Autor Martenstein in seinen Kolumnen so häufig Ironie?

Der Autor nutzt Ironie, um Kritik an Sachverhalten zu äußern, ohne dabei offen gegen soziale Konventionen zu verstoßen, und um seine Leser durch einen humorvollen, erzählenden Stil enger an das Medium zu binden.

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Details

Title
Das sprachliche Phänomen ‚Ironie’
Subtitle
Funktion und Wirkung
College
University of Rostock  (Institut für Germanistik)
Grade
2,3
Author
Rebecca Stabbert (Author)
Publication Year
2009
Pages
105
Catalog Number
V138055
ISBN (eBook)
9783640476756
ISBN (Book)
9783640476633
Language
German
Tags
Phänomen Funktion Wirkung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rebecca Stabbert (Author), 2009, Das sprachliche Phänomen ‚Ironie’, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138055
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