Diese Bachelorarbeit soll die theoretischen Grundlagen rund um die Thematik Consumer Confusion, Nachhaltigkeit und Gütesiegel klären. Erarbeitet werden soll, wie sich die vielen Nachhaltigkeitssiegel im deutschen Lebensmittelmarkt auf die Kaufentscheidung der Verbraucher auswirken. Helfen die Nachhaltigkeitslabel dem Verbraucher oder sorgt die große Vielfalt dieser nur für Verwirrung beim Einkaufserlebnis? Ist die wahrgenommene Verwirrung abhängig von bestimmten Reizen oder soziodemografischen Merkmalen des Konsumenten?
Diese Fragen sollen mittels des empirischen Teils dieser Arbeit beantwortet werden können. Abschließend sollen die aktuellen Grenzen der Forschung aufgezeigt werden, um zu klären, wo der weitere Forschungsbedarf bei der vorhandenen Thematik liegt. Aus den genannten Zielsetzungen dieser Arbeit ergibt sich folgende Forschungsfrage: Wie beeinflusst die große Anzahl der Nachhaltigkeitslabel die Kaufentscheidung von Verbrauchern in Bezug auf den nachhaltigen Lebensmittelkonsum?
Unternehmen machen sich bereits seit längerer Zeit den Verbrauchertrend des nachhaltigen Konsums und den dazugehörigen wachsenden Markt an nachhaltigen Lebensmitteln zu Nutze. Eine Marketingmaßnahme, welche dahingehend immer mehr Anwendung findet, sind die nachhaltigen Gütesiegel. Diese Produktkennzeichnungen sollen den Konsumenten die Kaufentscheidung erleichtern.
Jedoch führt der Mangel an rechtlichen Voraussetzungen zur Erstellung von Nachhaltigkeitssiegel dazu, dass eine inflationäre Nutzung dieser Label zu beobachten ist. Diese hohe Anzahl ist für die Verbraucher nicht mehr überschaubar und kann beim Einkaufen für Verwirrung sorgen. Wahrgenommene Vielfalt, Neuartigkeit, Komplexität und Konflikte sind Einflussfaktoren, welche zur sogenannten Consumer Confusion durch Nachhaltigkeitssiegel führen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Stand der Forschung
1.3 Zielsetzung und Forschungsfrage
1.4 Konzept der Arbeit und Methodik
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Nachhaltigkeit
2.1.1 Definition und Geschichte der Nachhaltigkeit
2.1.2 Dimensionen und Modelle der Nachhaltigkeit
2.1.3 Heutiger Stellenwert von Nachhaltigkeit
2.2 Gütesiegel
2.2.1 Definition und Grundlagen von Gütesiegeln
2.2.2 Historische Entwicklung von Gütesiegeln
2.2.3 Arten von Gütesiegeln
3 Nachhaltige Gütesiegel in der Lebensmittelbranche
3.1 Markt der nachhaltigen Lebensmittel
3.2 Bekannte Öko-Label aus der Praxis
3.2.1 Staatliche deutsche Bio-Siegel
3.2.2 Demeter-Siegel
3.2.3 Fairtrade-Siegel
3.2.4 MSC-Siegel
3.2.5 Rainforest Alliance-Siegel
3.3 Vielfalt und Herausforderung der Öko-Label
4 Zielgruppe der nachhaltigen Gütesiegel
4.1 LOHAS
4.2 Nachhaltiger Konsum
4.3 Sozial-ökologisches Konsumentengewissen
5 Consumer Confusion
5.1 Bedeutung von Consumer Confusion
5.2 Theoretisches Konzept - Consumer Confusion
5.3 Determinanten von Consumer Confusion
5.3.1 Das Konzept der Konsumentenverwirrtheit
5.3.2 Stimulivielfalt und Ähnlichkeit
5.3.3 Stimulineuartigkeit
5.3.4 Stimulikomplexität
5.3.5 Stimulikonflikt
5.4 Consumer Confusion durch nachhaltige Produkte
6 Empirische Untersuchung
6.1 Forschungsmethoden
6.2 Hypothesenvorstellung
6.3 Online-Befragung
6.3.1 Vorbereitung der Umfrage
6.3.2 Durchführung der Umfrage
6.4 Quantitative Auswertung und Überprüfung der Hypothesen
6.4.1 Übersicht der Hypothesen
6.4.2 Überprüfung Hypothese H1
6.4.3 Überprüfung Hypothese H2, H3 und H4
6.4.4 Überprüfung Hypothese H5 und H6
6.4.5 Überprüfung Hypothese H7
6.5 Qualitative Auswertung
6.5.1 Vorgehensweise der qualitativen Auswertung
6.5.2 Durchführung der qualitativen Auswertung
6.6 Interpretation und Fazit des empirischen Teils
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, wie sich die Vielzahl an Nachhaltigkeitssiegeln im deutschen Lebensmittelmarkt auf das Konsumentenverhalten auswirkt. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die große Anzahl dieser Labels die Kaufentscheidung von Verbrauchern in Bezug auf nachhaltigen Lebensmittelkonsum beeinflusst, wobei insbesondere die Entstehung von Konsumentenverwirrung betrachtet wird.
- Analyse der Rolle von nachhaltigen Gütesiegeln und deren Marktbedeutung
- Untersuchung des Phänomens Consumer Confusion im Kontext nachhaltiger Lebensmittel
- Erforschung der psychologischen und verhaltensbezogenen Einflussfaktoren (Stimulivielfalt, Stimulikonflikt etc.)
- Empirische Überprüfung von Hypothesen zu soziodemografischen Einflüssen und Konsumententypen
Auszug aus dem Buch
5.3.2 Stimulivielfalt und Ähnlichkeit
Die Stimulivielfalt beschreibt die Verwirrung durch eine hohe Anzahl an angebotenen Produkten und die damit große Menge an zu verarbeitenden Informationen. Im Handel findet sich heutzutage eine immer größer werdende Auswahl. Dass diese große Auswahl zu einer kognitiven Überlastung führt, liegt in Betrachtung der erwähnten OSL-Theorie nahe. Die kritische Hinterfragung eines großen Sortiments fand bereits in den 70er-Jahren statt. Forschungen zeigten, dass eine breitere Auswahl zwar Konsumenten anlockt, jedoch ein überschaubares Angebot zu mehr Käufen führt. Werden Konsumenten also bei der Entscheidungsfindung mit zu vielen Informationen konfrontiert, greifen diese auf Strategien zurück, um die Entscheidung zu vereinfachen. Diese Beziehung zwischen der Attraktivität einer großen Vielfalt und der damit einhergehenden Überforderung bei der Kaufentscheidung ist unter dem Begriff „Consumer Ambivalence“ bekannt. Bei der Produktvielfalt gilt es jedoch zwischen Pflichtprodukten und Kürprodukten zu unterscheiden. Pflichtprodukte beschreiben dabei Güter, welche für den alltäglichen Gebrauch benötigt werden. Bei Kürprodukten handelt es sich um Luxusgüter. Eine Vielfalt an Pflichtprodukten führt leicht zu einer Verwirrung, da sich der durchschnittliche Verbraucher mit den Eigenschaften nicht detailliert befasst oder befassen möchte. Im Gegensatz dazu beschäftigt sich der Konsument in der Regel intensiv mit den Produkteigenschaften von Kürprodukten, wodurch eine breitere Auswahl nicht so schnell zur Verwirrung führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Relevanz des nachhaltigen Konsums ein und leitet die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen ab.
2 Theoretische Grundlagen: Hier werden Definitionen und Geschichte der Nachhaltigkeit sowie verschiedene Gütesiegel-Konzepte als theoretisches Fundament erarbeitet.
3 Nachhaltige Gütesiegel in der Lebensmittelbranche: Das Kapitel beleuchtet den Markt nachhaltiger Lebensmittel und analysiert beispielhafte, bekannte Öko-Label hinsichtlich ihrer Herausforderungen.
4 Zielgruppe der nachhaltigen Gütesiegel: Diese Sektion definiert die Konsumententypen im Bereich Nachhaltigkeit, insbesondere die LOHAS, und erörtert deren Motivation zum nachhaltigen Konsum.
5 Consumer Confusion: Der Hauptteil erläutert das Konzept der Konsumentenverwirrung, stellt Determinanten wie Stimulivielfalt und -konflikt vor und transferiert diese auf den Bereich der nachhaltigen Produkte.
6 Empirische Untersuchung: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Design der Online-Befragung, stellt Hypothesen auf und wertet diese quantitativ sowie qualitativ aus.
7 Fazit und Ausblick: Das letzte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert Implikationen für die Praxis, etwa die Forderung nach Standardisierung der Label.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Lebensmittelmarkt, Gütesiegel, Consumer Confusion, Konsumentenverwirrung, Öko-Label, LOHAS, Kaufentscheidung, Greenwashing, Stimulivielfalt, Stimulikonflikt, Nachhaltiger Konsum, Point of Sale, Konsumentengewissen, Empirische Untersuchung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik von "Consumer Confusion" bzw. Konsumentenverwirrung, die durch die inflationäre Nutzung von Nachhaltigkeitssiegeln bei Lebensmitteln entsteht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Felder umfassen die Definition von Nachhaltigkeit, die Typologie von Gütesiegeln, die Zielgruppe der LOHAS und das psychologische Konstrukt der Konsumentenverwirrung am Point of Sale.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, wie die hohe Anzahl an existierenden Nachhaltigkeitssiegeln die Kaufentscheidung beeinflusst und ob sie den Konsumenten eher verwirrt als unterstützt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet einen Mixed-Methods-Ansatz, bestehend aus einem theoretischen Bezugsrahmen und einer empirischen quantitativen Online-Befragung mit ergänzenden qualitativen offenen Fragen.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zuerst werden die theoretischen Konzepte wie OSL (Optimal Stimulation Level) dargelegt, danach erfolgt die empirische Analyse und Hypothesenprüfung der befragten Konsumenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Nachhaltigkeit", "Gütesiegel", "Consumer Confusion", "Stimulivielfalt" und "Konsumentenverwirrung" geprägt.
Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie laut der Untersuchung für den Konsum?
Die Studie zeigt, dass der Wunsch nach nachhaltigem Konsum seit Beginn der Pandemie gestiegen ist, was zu einer intensiveren Konfrontation der Verbraucher mit Nachhaltigkeitslabels geführt hat.
Warum ist das MSC-Siegel laut der Befragung umstritten?
Obwohl das MSC-Siegel sehr bekannt ist, kritisieren die Befragten die mangelnde Glaubwürdigkeit und aktuelle, negative Debatten in der Öffentlichkeit, was zu einem Stimulikonflikt führt.
Welche Handlungsempfehlung spricht die Arbeit aus?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine deutliche Reduzierung der Siegelanzahl und eine stärkere Standardisierung notwendig sind, um das Vertrauen der Konsumenten und die Übersichtlichkeit am Markt zu stärken.
- Quote paper
- Niklas Wuzik (Author), 2022, Consumer Confusion am deutschen Lebensmittelmarkt. Auswirkungen der "Labelflut" auf den nachhaltigen Konsum der Verbraucher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1380585