Die folgende Arbeit versucht die Frage zu beantworten, ob es sich bei dem platonischen Idealstaat um das Fundament des Totalitarismus handelt. Zunächst wird im theoretischen Teil dieser Arbeit erörtert wie sich Platon seinen Idealstaat vorstellte. Hierbei wird auch die diesbezügliche Ontologie Platons erörtert. Um dabei nicht, das Hauptziel der Arbeit aus den Augen zu verlieren, beschränkt sich die ontologische Untersuchung nur auf themenrelevante Elemente. Anschließend wird der Begriff des Totalitarismus genauer verortet, da dies für die Beantwortung der Frage von großer Bedeutung ist. Da es eine Vielzahl unterschiedlichter Definitionen gibt, die sich mal mehr mal weniger gleichen, werde ich mich aus Gründen der Übersichtlichkeit auf die von Carl J. Friedrich und Zbigniew Brzezinskis beschränken. Im Hauptteil wird der platonische Idealstaat mit den Merkmalen eines totalitaristischen Systems abgeglichen. Hierbei greife ich die wichtigsten Kritikpunkte Karl Poppers mit auf, da dieser der schärfste Kritiker der platonischen Staatsphilosophie ist. Zudem wurde diesem Thema in neuerer Zeit nur noch wenig Beachtung geschenkt, da sich selten jemand auf die Popper`sche Platonkritik bezieht. Abschließend möchte ich meine Ergebnisse in einem kurzen Fazit zusammenfassen und versuchen die Rolle des Mittlers zwischen den Platonikern und Antiplatonikern zu übernehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung: “Politeia” als kontroverses Werk der Politischen Philosophie
2. Theorie: Der platonische Idealstaates
3. Merkmale des Totalitarismus
3.1 Definition nach Friedrich und Brezezinski
3.2 Definition nach Karl R. Popper
4. Vergleich und Widerlegung
4.1 Die Ideologie
4.2 Die Massenpartei
4.3 Das Terrorsystem
4.4 Die Monopolisierung
4.5 Die Zentralwirtschaft
5. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Fragestellung, ob Platons Idealstaat als Fundament des Totalitarismus betrachtet werden kann. Dabei wird insbesondere die Rezeption durch Karl R. Popper analysiert und Platons Staatsmodell mit modernen Definitionen totalitärer Systeme nach Friedrich und Brzezinski abgeglichen, um eine wissenschaftlich fundierte Einordnung vorzunehmen.
- Analyse des platonischen Idealstaats und seiner ontologischen Grundlagen
- Untersuchung der Totalitarismusdefinitionen nach Friedrich/Brzezinski und Popper
- Kritische Gegenüberstellung von Platons Staatsmodell mit totalitären Merkmalen
- Reflexion über die Anwendbarkeit moderner Begriffe auf antike Gesellschaftsmodelle
- Erörterung der Legitimität der Popper’schen Platonkritik
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition nach Friedrich und Brezezinski
Die bekannteste Definition des Totalitarismusbegriffes stammt von Carl J. Friedrich und Zbigniew Brezezinski und wird als “politologisch-strukturelle” Version betitelt. Für sie ist der einzige Unterschied zwischen den neueren totalitären Staaten und den alten Autokratien, die Tatsache, dass sich diese an die Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts angepasst haben. Diese neueren Systeme wurden nicht bewusst entwickelt, sondern sind eigendynamische Ergebnisse der damaligen politischen Situationen. Wichtig für eine solche Entwicklung war eine gesamtgesellschaftliche Krise, die in den einzelnen Systemen unterschiedlich verarbeitet wurde. Dadurch gleichen sich auf den ersten Blick totalitäre Systeme.
Zugleich zeigt dies aber auch, das solche Systeme, mit Blick auf die Ziele, Vorbedingungen und Ideen doch nicht ganz gleichartig sind. Beispielsweise strebte die kommunistische Bewegung die umfassende Weltrevolution des Proletariats an, die Faschisten kämpften hingegen für die imperiale Vorherrschaft einer bestimmten Rasse über einen Teil beziehungsweise die ganze Welt. Die Stütze solcher Systeme sind die durch neue moderne, technische Gerätschaften entwickelten Organisationen und Methoden. Diese dienen dazu, im Auftrag einer ideologisch motivierten Bewegung, die alte Gesellschaft zu zerstören und eine neue Massengesellschaft zu begründen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung: “Politeia” als kontroverses Werk der Politischen Philosophie: Einführung in die Bedeutung der Politeia und Vorstellung der historischen Debatte um die vermeintlich totalitären Züge des platonischen Staatsentwurfs.
2. Theorie: Der platonische Idealstaates: Darstellung der philosophischen Grundlagen, insbesondere der Seelenlehre und der daraus abgeleiteten Ständegesellschaft sowie der Erziehungsideale.
3. Merkmale des Totalitarismus: Definition der Merkmale totalitärer Herrschaft basierend auf den Modellen von Friedrich/Brzezinski sowie der kollektivistischen Ethik nach Popper.
4. Vergleich und Widerlegung: Systematischer Abgleich der Kriterien Ideologie, Massenpartei, Terrorsystem, Monopolisierung und Wirtschaft zwischen Platons Idealbild und modernen totalitären Regimen.
5. Zusammenfassung und Fazit: Synthese der Ergebnisse und Einordnung von Platons Werk als utopisches Modell statt als Handbuch für totalitäre Herrschaft.
Schlüsselwörter
Platon, Politeia, Idealstaat, Totalitarismus, Karl R. Popper, Friedrich und Brzezinski, Politische Philosophie, Gerechtigkeit, Ideologie, Philosophenherrschaft, Kollektivismus, Staatsphilosophie, Historismus, Essentialismus, Gesellschaftsmodell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Debatte, ob Platons Modell des Idealstaates als Ursprung oder Fundament totalitärer politischer Systeme bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen Platons Staatsphilosophie aus der Politeia sowie die modernen politikwissenschaftlichen Konzepte des Totalitarismus und die spezifische Kritik Karl R. Poppers an Platon.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob der platonische Idealstaat als Fundament des Totalitarismus gelten kann, und dabei eine differenzierte, objektive Einordnung zu leisten.
Welche wissenschaftliche Methodik wird angewandt?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der die theoretischen Merkmale von Platons Staatskonzept mit modernen Definitionen von Totalitarismus abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Platons Staat und den Totalitarismusbegriff, gefolgt von einem Punkt-für-Punkt-Vergleich der beiden Modelle.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Philosophenherrschaft, das Verhältnis von Individuum und Staat sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem Totalitarismusbegriff.
Wie bewertet der Autor Karl R. Poppers Vorwürfe gegenüber Platon?
Der Autor ordnet Poppers Kritik als teilweise überzogen ein und weist darauf hin, dass Popper bei seiner polemischen Haltung den wissenschaftlichen Blick auf Platons ursprüngliche Intentionen verliert.
Kann die Politeia als Handbuch für totalitäre Herrschaft gelesen werden?
Das Fazit der Arbeit verneint dies; Platons Werk wird eher als utopisches oder normatives Modell verstanden, das nicht mit den realpolitischen totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts gleichgesetzt werden sollte.
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- Dominik Iwan (Author), 2009, Der platonische Idealstaat - Fundament des Totalitarismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138064