In dieser Seminararbeit wird die sozialistische Ideologie in der KJL der DDR betrachtet. Strittmatters Werk Tinko wird als Grundlage dafür genutzt. Zunächst erfolgt eine Betrachtung der Ideologievermittlung im Allgemeinen und in der DDR. Eine grundsätzliche Definition von Begriffen wie Sozialismus oder Ideologie erfolgt ebenfalls. Die Analyse der Ideologievermittlung erfolgt in Verbindung mit einer Figurenanalyse der drei männlichen Protagonisten, die unterschiedliche politische Ansichten verkörpern. Die Forschungsfrage dieser Arbeit ist: Auf welche Weise werden in Erwin Strittmatters Roman "Tinko" sozialistische Ideologien vermittelt?
In Strittmatters Roman wächst der junge Protagonist Martin Kraske, genannt Tinko, zur Zeit des Zweiten Weltkrieges bei seinen Großeltern auf dem Bauernhof auf. Nach Kriegsende kehrt sein Vater aus der Kriegsgefangenschaft nach Märzbach zurück. Durch ihn treten verstärkt sozialistische Werte in Tinkos Leben. Diesen Wertvorstellungen steht Tinko zunächst skeptisch gegenüber, ebenso wie sein Großvater, der ihn nach traditionelleren Werten erzogen hat.
Daraus resultiert die Hypothese, dass die Vermittlung sozialistischer Werte primär über die Figur des Vaters erfolgt. Der zunächst skeptische Tinko wird im Verlauf der Handlung durch seinen Vater an die sozialistischen Denkweisen herangeführt und von ihnen überzeugt. Im Fokus dieses Meinungswandeln stehen auch die Beziehungen zu Vater und Großvater.
Um diese Hypothese zu prüfen und die Fragestellung zu beantworten, werden zuerst für die Seminararbeit relevante Begriffe definiert. Die politische Ideologie in der DDR wird komprimiert dargestellt, ebenso wie die Verwendung von KJL in der DDR. So wird eine fundierte Grundlage für die Analyse der Ideologievermittlung in Strittmatters Roman geschaffen. Es folgt eine Darstellung der politischen Wertvorstellungen des Vaters und Großvaters. Die abschließenden Betrachtungen rücken den männlichen Protagonisten in den Fokus. Es wird betrachtet, wie sich seine Beziehungen zum Großvater und Vater verändern und welchen Einfluss dies auf Tinkos politische Wertvorstellungen nimmt. Mit einer Erklärung zur Ideologievermittlung in Strittmatters Werk wird fortgefahren, bevor mit einem generellen Fazit und Ausblick geschlossen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sozialistische Ideologie
2.1 Definition Ideologie
2.2 Sozialismus und Kommunismus
2.3 Politische Ideologie in der DDR
3. Kinder- und Jugendliteratur in der DDR
3.1 Ideologievermittlung
3.2 Relevante Motive der KJL in der DDR
4. Tinko
4.1 Erwin Strittmatter
4.2 Politische Vorstellungen
4.2.1 Des Großvaters
4.2.2 Des Vaters
4.3 Tinko als Figur im Spannungsfeld
4.3.1 Veränderung der Beziehungen zu Vater und Großvater
4.3.2 Wandel der politischen Wertvorstellung
5. Ideologievermittlung in Tinko
6. Fazit und Ausblick
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sozialistische Ideologien im Roman „Tinko“ von Erwin Strittmatter vermittelt werden und wie der Protagonist Martin „Tinko“ Kraske im Hinblick auf seine politischen Wertvorstellungen geprägt wird.
- Wirkung von Kinder- und Jugendliteratur in der DDR
- Definition und Grundlagen sozialistischer Ideologie
- Politisierung des Erziehungswesens und Literaturlebens in der DDR
- Charakterisierung und Wandlung der Protagonisten Tinko, Vater und Großvater
- Analyse der Wertekollision zwischen Tradition und Sozialismus
Auszug aus dem Buch
3.1 Ideologievermittlung
Kinder- und Jugendliteratur bringt eine potentiell sehr große ideologische Wirkung mit sich. Diese mögliche Einflussnahme auf die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen wurde sich im Besonderen zur Zeit des Nationalsozialismus zu Nutze gemacht. Doch auch darüber hinaus wurde das Potential der KJL als „Erziehungsmittel“ erkannt.
In der DDR wurde das Kinderbuch ebenfalls zur Vermittlung der politischen Überzeugungen verwendet. Zur Gründungszeit der Deutschen Demokratischen Republik war der Buchmarkt hauptsächlich durch übersetzte Werke aus der sowjetischen KJL bestimmt. Auch in den darauf folgenden Jahren richtete sich der Fokus auf „Kinderklassiker anderer osteuropäischer Länder“. Bereits zu diesem Zeitpunkt lag der Veröffentlichung der Kinderbücher zugrunde, dass sie der ideologischen Wertvorstellungen und der sozialistischen Erziehung folgten.
Generell ist in den meisten Kinder- und Jugendbüchern eine deutliche ideologische Erziehung zu erkennen, sie konnte aber auf zwei unterschiedliche Weisen erfolgen. In beiden besteht die Figurenkonstellation aus einem kindlichen Protagonisten und „einem Kollektiv von Kindern (und Erwachsenen)“.
Die beiden Ausgestaltungsmuster divergieren in der Grundhaltung eben dieses Protagonisten. In einem Typus ist die Hauptfigur der sozialistischen Ideologie überzeugt und handelt nach den Wertvorstellungen, um so eine Identifikationsfigur für die jugendlichen Rezipienten zu bieten.
Die zweite Vermittlungsweise stellt einen kindlichen Protagonisten dar, welcher nicht grundsätzlich von den sozialistischen Werten überzeugt ist, allerdings mit gesellschaftlichen Änderungen konfrontiert wird und sich zum Ende der Erzählung der Gemeinschaft und ihren Wertvorstellungen angleicht. Die Leser können so einen möglichen Meinungswandel gemeinsam mit dem Protagonisten durchleben.
Neben den Protagonisten bietet in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR die Erzählinstanz Vorbildcharakter, auch sie ist von den gesellschaftlichen Veränderungen und Werten überzeugt.
Die Ideologievermittlung im Kinderbuch geschieht im Allgemeinen nicht in der Welt der Erwachsenen, sondern in einer Kinderwelt oder mindestens einer Kinder angepasste Welt. Dieses Prinzip findet sich in Teilen in der KJL der DDR wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der ideologischen Prägung durch Kinder- und Jugendliteratur in der DDR ein und stellt die Relevanz von Erwin Strittmatter als Autor dar.
2. Sozialistische Ideologie: Das Kapitel definiert den Ideologiebegriff grundlegend und erläutert die Besonderheiten des Sozialismus und Kommunismus sowie dessen Ausprägung in der DDR.
3. Kinder- und Jugendliteratur in der DDR: Hier wird untersucht, wie Literatur gezielt als Erziehungsmittel zur Vermittlung sozialistischer Werte und Normen eingesetzt wurde.
4. Tinko: Dieser Abschnitt analysiert das Werk selbst, den Autor Erwin Strittmatter sowie die politischen Vorstellungen seiner Hauptfiguren.
5. Ideologievermittlung in Tinko: Die Analyse zeigt auf, wie der Protagonist Tinko im Verlauf der Erzählung ideologisch geformt wird und das Kollektiv für sich entdeckt.
6. Fazit und Ausblick: Diese Zusammenfassung fasst die Ergebnisse zur ideologischen Vermittlung in Strittmatters Roman zusammen und gibt Anregungen für zukünftige Untersuchungen.
7. Literatur: Auflistung der im Werk verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Kinder- und Jugendliteratur, DDR, Sozialistische Ideologie, Erwin Strittmatter, Tinko, Ideologievermittlung, Sozialismus, Politische Wertvorstellungen, KJL, Erziehungsmittel, Protagonist, Martin Kraske, Gesellschaftliche Wandlung, SED, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sozialistische Ideologien im Kinderroman „Tinko“ von Erwin Strittmatter im Kontext der DDR-Geschichte vermittelt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die ideologische Erziehung durch Literatur, die politische Praxis in der DDR und die Entwicklung von Protagonisten innerhalb eines sozialistischen Wertesystems.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit stellt die Frage, auf welche Weise im Roman „Tinko“ sozialistische Ideologien vermittelt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die den Text im historischen Kontext der DDR-Kulturpolitik betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der DDR-ideologischen Erziehung sowie die konkrete Darstellung der Figuren Tinko, dessen Vater und Großvater im Roman.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sozialistische Ideologie, KJL, Tinko, DDR-Literatur und ideologische Erziehung.
Warum wird Tinko als Identifikationsfigur genutzt?
Tinko durchläuft einen Wandlungsprozess vom Skeptiker zum Überzeugten, was ihn für junge Rezipienten zu einer nachvollziehbaren Figur macht, die den ideologischen Prozess mitgeht.
Welche Rolle spielen Vater und Großvater im ideologischen Konflikt?
Sie repräsentieren gegensätzliche Weltanschauungen: Der Großvater steht für traditionelle Werte und Skepsis gegenüber dem Sozialismus, während der Vater die neuen sozialistischen Ideale und die SED-Linie vertritt.
- Quote paper
- Laura Scheibe (Author), 2023, Sozialistische Ideologie in der Kinder- und Jugendliteratur der DDR anhand von Erwin Strittmatters Roman "Tinko", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1380677