„Wer hilft mir beim Sterben?“ – Die Antwort auf diese Frage hat vor allem bei unheilbar Kranken und leidenden Menschen eine wichtige und entscheidende Bedeutung. Denn was, wenn die Schmerzen und das Leid nicht mehr auszuhalten sind und ein inniger Wunsch nach dem baldigen Tod besteht?
Vor allem im Bereich des philosophischen Diskurses rund um die Sterbehilfe-Debatte zeigt sich ein weites Spektrum an Meinungen und Überzeugungen, ob die Sterbehilfe überhaupt ethisch gerechtfertigt werden kann.
In folgender Arbeit soll dieser Frage nachgegangen werden, wobei auch auf die passiv-aktiv Unterscheidung eingegangen werden soll. Im Fokus sollen dabei die Überlegungen der britischen Philosophin Philippa Foot stehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Sterbehilfe
1.1 Die Unterscheidung in aktive, passive und indirekte Sterbehilfe
1.2 Sterbehilfe und Euthanasie
1.3 Freiwillige, nicht-freiwillige und unfreiwillige Sterbehilfe
1.4 Rechtliche Einordnung
2. Ethische Untersuchung
2.1 Sterbehilfe bei Philippa Foot
2.2 Sterbehilfe im Kontext von Gerechtigkeit und Nächstenliebe
2.3 Die Grenzen des aktiven und passiven
2.4 Sterbehilfe durch Ärzte
3. Sterbehilfe - ja oder nein?
4. Gesellschaftliche Folgen
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit verschiedener Formen der Sterbehilfe vor dem Hintergrund der philosophischen Überlegungen von Philippa Foot. Das primäre Ziel besteht darin, durch eine differenzierte Analyse von aktiver und passiver Sterbehilfe sowie unter Berücksichtigung von Rechten und Tugenden wie Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu klären, unter welchen Bedingungen eine Sterbehilfe moralisch gerechtfertigt werden kann.
- Begriffsbestimmung und Abgrenzung verschiedener Sterbehilfeformen
- Ethische Analyse nach Philippa Foot (Töten vs. Sterbenlassen)
- Die Rolle von Gerechtigkeit und Nächstenliebe bei Sterbeentscheidungen
- Rechtliche Einordnung und gesellschaftliche Missbrauchspotenziale
Auszug aus dem Buch
Die Grenzen des aktiven und passiven
Foot betont zu Recht, dass in gewisser Weise die Wortwahl bereits irreführend ist, sodass auch passive Sterbehilfe durch eine hervorgebrachte Handlung erfolgen kann. Dementsprechend ist das Abschalten von lebenserhaltenden Maschinen demselben Akt zuzuordnen wie der Entscheidung, sie gar nicht erst anzuschalten. Der entscheidende Punkt, so Foot, „scheint zu sein, daß der Eingriff in ein Behandlungsgeschehen nicht dasselbe ist wie jeder andere Eingriff in das Leben eines Menschen“. Anhand des von James Rachels (1975) konstruierten Szenarium lässt sich der Unterschied gut erläutern. In dem Beispiel geht es darum, dass ein Kind auf zwei verschiedene Weisen in der Badewanne ertrinkt: „Das eine Mal drückt jemand seinen Kopf unter Wasser, das andere Mal trifft er es ertrinkend an und tut nichts.“
Das Ergebnis, dass das Kind stirbt, bleibt dabei dasselbe, sodass in diesem Fall das Töten und Sterbenlassen keinen Unterschied macht, denn die Handlung ist ebenso verwerflich wie die Nicht-Handlung. Es geht hierbei demnach nicht wie bei Rachels, um die Tatsache, dass Töten moralisch nicht schlimmer ist als Sterbenlassen, sondern vielmehr darum, „daß beide Handlungen in Gegensatz zu verschiedenen Tugenden stehen“, wodurch eine Handlung erlaubt bzw. nicht erlaubt sein kann. Folglich wird in Rachels Beispiel die Tugend der Gerechtigkeit verletzt, indem das aktive Unterwasserdrücken gegen die negative Pflicht des Nicht-Handelns verstößt. Beim Sterbenlassen wird hingegen die positive Pflicht verletzt, indem eine Handlung, nämlich das Retten des Kindes, nicht ausgeführt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Sterbehilfedebatte in Deutschland und führt in die moralphilosophische Fragestellung ein, wobei insbesondere auf die Position von Philippa Foot fokussiert wird.
1. Sterbehilfe: Dieses Kapitel definiert und differenziert die verschiedenen Arten der Sterbehilfe und analysiert deren rechtliche Einordnung sowie die Abgrenzung zum Begriff der Euthanasie.
2. Ethische Untersuchung: Hier erfolgt die zentrale Auseinandersetzung mit Philippa Foots Position, wobei Tugenden wie Gerechtigkeit und Nächstenliebe im Verhältnis zur Sterbehilfe untersucht werden.
3. Sterbehilfe - ja oder nein?: Das Kapitel diskutiert, unter welchen moralischen Bedingungen ein Sterbewunsch ethisch legitimiert betrachtet werden kann.
4. Gesellschaftliche Folgen: Hier werden die Risiken einer Legalisierung, insbesondere im Hinblick auf historischen Missbrauch, sowie die Rolle medizinischer Einrichtungen reflektiert.
Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von differenzierten Regelungen beim Umgang mit Sterbehilfe.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Euthanasie, Philippa Foot, aktive Sterbehilfe, passive Sterbehilfe, Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Selbstbestimmung, Lebensrecht, Suizid, Medizinethik, Moral, Patientenverfügung, Tugendethik, Beihilfe zum Suizid
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der ethischen Einordnung der Sterbehilfe und untersucht insbesondere die Unterscheidung von aktiven und passiven Formen aus Sicht der Moralphilosophin Philippa Foot.
Welche verschiedenen Formen der Sterbehilfe werden unterschieden?
Die Autorin unterscheidet zwischen aktiver, passiver und indirekter Sterbehilfe sowie zwischen freiwilliger, nicht-freiwilliger und unfreiwilliger Ausführung.
Was ist das primäre Ziel der ethischen Untersuchung?
Das Ziel ist die Klärung der Frage, unter welchen Umständen eine Sterbehilfe moralisch gerechtfertigt werden kann, ohne dabei die fundamentalen Tugenden wie Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu verletzen.
Welcher wissenschaftliche Ansatz wird verfolgt?
Es wird eine normativ-ethische Analyse durchgeführt, die maßgeblich auf den moralphilosophischen Argumenten von Philippa Foot basiert.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Sterbehilfe, der ethischen Untersuchung nach Foot, der moralischen Relevanz der Grenzziehung zwischen aktiven und passiven Handlungen sowie den gesellschaftlichen Folgen und Risiken einer Legalisierung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit zusammenfassen?
Kernbegriffe sind Sterbehilfe, Euthanasie, Selbstbestimmung, Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Lebensrecht.
Wie bewertet Foot die Unterscheidung zwischen Tun und Geschehenlassen?
Foot argumentiert, dass diese Unterscheidung zwar oft irreführend ist, jedoch in Bezug auf die Verletzung unterschiedlicher Tugenden (Gerechtigkeit vs. Nächstenliebe) moralisch relevant sein kann.
Warum spielt die historische Verwendung des Euthanasie-Begriffs eine Rolle?
Aufgrund des Missbrauchs durch das NS-Regime ist der Begriff im deutschsprachigen Raum negativ vorbelastet, weshalb eine klare Abgrenzung zur Sterbehilfe wissenschaftlich erforderlich ist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Wenn Sterben zum Wunsch wird. Sterbehilfe bei Philippa Foot, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1380741