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Lebensstilforschung als Baustein einer modernisierten Ungleichheitsforschung bzw. Sozialstrukturanalyse

Title: Lebensstilforschung als Baustein einer modernisierten Ungleichheitsforschung bzw. Sozialstrukturanalyse

Seminar Paper , 2001 , 17 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Thomas Reith (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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1. Einleitung und Problemstellung
Die Analyse ungleicher Sozialstruktur erfolgte bisher mit Hilfe von Klassen- oder Schichtmodellen, die den heutigen Gegebenheiten nicht mehr entsprechen, bzw. diese nicht mehr genau genug abbilden können. Bei der Untersuchung der sozialen Ungleichheit, also des vertikalen Aufbaus der Sozialstruktur, wird mit Hilfe der Klassenkonzepte erklärt, wie die Herausbildung von Gruppen mit ungleichen Lebensbedingungen aufgrund ihrer unterschiedlichen Stellung im Wirtschaftsprozess und den sich daraus ergebenden Herrschafts- und Konfliktkonstellationen erfolgt ist. Die Schichtenkonzepte dagegen beschreiben die Struktur sozialer Ungleichheit als vertikal abgestuftes Gefüge von Gruppierungen mit unterschiedlichen Lebensbedingungen. Diese stehen meist in mehr oder minder engem Verhältnis zur beruflichen Stellung.
Weder die Erklärungsfunktion des Klassenmodells, noch die Beschreibungsfunktion der Schichtenmodelle können heute noch hinreichend erfüllt werden.(1) Die Begründung dafür liegt vor allem im Strukturwandel der modernen Gesellschaften, der meist mit den Schlagworten »Differenzierung«, »Pluralisierung«, »Individualisierung« oder »Entstrukturierung«(2) beschrieben wird. Mehrere Autoren prägen in diesem Zusammenhang den Begriff der „neuen Ungleichheiten“(3) , wie z.B. NISBET (1959), BECK (1983) sowie CLARK und LIPSET (1991).
[...]
_____
1 vergl. S. Hradil: Sozialstrukturanalyse in einer fortgeschrittenen Gesellschaft. Von Klassen und Schichten zu Lagen und Milieus, Leverkusen 1987, S. 7. (im folgenden zitiert als: S. Hradil: Sozialstrukturanalyse.)
2 vergl. F. Zerger: Klassen, Milieus und Individualisierung. Eine empirische Untersuchung zum Umbruch der Sozialstruktur, Frankfurt 2000, S. 23f. (im folgenden zitiert als: F. Zerger: Klassen, Milieus und Individualisierung.)
3 F. Zerger: Klassen, Milieus und Individualisierung, a.a.O., S. 28.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Problemstellung

2. Bausteine für ein Modell sozialer Ungleichheit in fortgeschrittenen Gesellschaften

2.1 Anforderungen an ein zeitgemäßes Modell sozialer Ungleichheit

2.2 Soziale-Indikatoren-Bewegung

2.3 Statusinkonsistenzforschung

2.4 Sozialstrukturelle Sozialisationsforschung

2.5 Qualitative Sozialforschung in der Sozialstrukturanalyse

3. Sozialstrukturanalyse in einer fortgeschrittenen Gesellschaft

3.1 Begründung der Konzeption sozialer Ungleichheit

3.2 Soziale Lagen

3.3 Soziale Milieus

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Grenzen traditioneller Klassen- und Schichtenmodelle in modernen Gesellschaften aufzuzeigen und die Lebensstilforschung als notwendigen Baustein einer modernisierten Sozialstrukturanalyse zu etablieren. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie komplexe, neue Ungleichheitsstrukturen durch Konzepte wie soziale Lagen und Milieus präziser abgebildet werden können, um dem Strukturwandel, der durch Individualisierung und Pluralisierung geprägt ist, gerecht zu werden.

  • Kritische Analyse klassischer Klassen- und Schichtenmodelle vor dem Hintergrund gesellschaftlichen Wandels.
  • Erarbeitung von Anforderungen an ein zeitgemäßes Modell sozialer Ungleichheit.
  • Untersuchung neuerer Forschungsansätze wie der Soziale-Indikatoren-Bewegung und der Statusinkonsistenzforschung.
  • Konzeptionelle Herleitung sozialer Lagen als analytisches Instrument der Ungleichheitsforschung.
  • Bedeutung sozialer Milieus für die Erfassung subjektiver Lebensstile und individueller Handlungschancen.

Auszug aus dem Buch

4.1 Begründung der Konzeption sozialer Ungleichheit

Bevor in den letzten Abschnitten die Konzeptionen der sozialen Lagen und Milieus näher erläutert werden, soll an dieser Stelle noch eine Begründung der Konzeption sozialer Ungleichheit erfolgen.

So geht HRADIL von einer Definition der Dimensionen sozialer Ungleichheit aus, nach der man unter sozialen Ungleichheiten „die mehr oder minder vorteilhaften Lebens- und Handlungschancen, die Menschen durch gesellschaftlich hervorgebrachte Lebensbedingungen dauerhaft vorgegeben sind“, versteht. Diese Definition wirft jedoch weitere Fragen auf: Wonach bemisst es sich, ob bestimmte Lebensbedingungen Vorteile bzw. Nachteile erbringen oder ob diese »wesentlich« sind? Welches sind also die Kriterien, die den Dimensionen sozialer Ungleichheit zugrunde liegen?

Es sind also Kriterien »besseren« oder »schlechteren« Lebens gefragt, die als Bezugspunkte dienen können. HRADIL geht davon aus, dass das Kriterium der Handlungsfähigkeit alleine nicht ausreichend sei: „Bessere bzw. schlechtere Lebens- und Handlungschancen lassen sich nicht allein danach bemessen, inwieweit dem einzelnen Handlungsmittel (Ressourcen) zur Verfügung stehen, die sich zu weitgehend beliebigen Zielen einsetzen lassen.“ Aus diesem Grund führt er das Kriterium der Lebensziele an: „Diejenigen Lebens- und Handlungsbedingungen sind besser als andere, die die bessere Befriedigung von Lebenszielen erlauben.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die Unzulänglichkeit traditioneller Klassen- und Schichtenmodelle angesichts gesellschaftlicher Prozesse wie Differenzierung und Individualisierung.

2. Bausteine für ein Modell sozialer Ungleichheit in fortgeschrittenen Gesellschaften: Hier werden fünf zentrale Anforderungen an moderne Ungleichheitsmodelle definiert und Ansätze wie die Soziale-Indikatoren-Bewegung diskutiert.

3. Sozialstrukturanalyse in einer fortgeschrittenen Gesellschaft: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die theoretische Begründung sozialer Ungleichheit sowie die spezifische Ausarbeitung der Konzepte sozialer Lagen und Milieus als Instrumente der Analyse.

Schlüsselwörter

Sozialstrukturanalyse, Soziale Ungleichheit, Lebensstilforschung, Klassenmodell, Schichtenmodell, Soziale Lagen, Soziale Milieus, Individualisierung, Strukturwandel, Soziale Indikatoren, Statusinkonsistenz, Handlungsfähigkeit, Lebensziele, Handlungstheorie, Modernisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der notwendigen Modernisierung der soziologischen Ungleichheitsforschung, da klassische Modelle der Sozialstruktur den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen nicht mehr genügen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit analysiert den Wandel von einer vertikalen Schichtungslogik hin zu komplexeren Konzepten, die horizontale Differenzierungen sowie subjektive Lebensstile berücksichtigen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, ein zeitgemäßes theoretisches Modell zu legitimieren, das soziale Ungleichheit durch die Berücksichtigung von Handlungsbedingungen und Lebenszielen präziser erfassbar macht.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die auf der kritischen Auseinandersetzung mit soziologischer Fachliteratur (insbesondere von Stefan Hradil) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil evaluiert neuere Ansätze der Sozialstrukturanalyse (Soziale Indikatoren, Statusinkonsistenz, Sozialisationsforschung) und arbeitet die Konzepte „Soziale Lagen“ und „Soziale Milieus“ detailliert heraus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Sozialstrukturanalyse, soziale Ungleichheit, Lebensstilforschung, soziale Lagen, soziale Milieus und Individualisierung.

Warum reicht das Kriterium der „Handlungsfähigkeit“ laut Hradil nicht aus?

Hradil argumentiert, dass reine Ressourcenverteilung nicht ausreicht; entscheidend für die Bewertung von Lebensbedingungen sei vielmehr, ob diese die Befriedigung von „Lebenszielen“ tatsächlich ermöglichen.

Was genau versteht man im Kontext der Arbeit unter „intervenierenden Faktoren“?

Dies sind objektive (z. B. Alter, Wohnort) oder subjektive (z. B. Einstellungen, Motive) Faktoren, die zwischen der sozialen Lage und dem tatsächlichen Handeln vermitteln und den Handlungsspielraum präzisieren.

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Details

Title
Lebensstilforschung als Baustein einer modernisierten Ungleichheitsforschung bzw. Sozialstrukturanalyse
College
Christian-Albrechts-University of Kiel  (Institut für Soziologie, Kiel)
Course
Proseminar: Lebensstilforschung
Grade
1,3
Author
Thomas Reith (Author)
Publication Year
2001
Pages
17
Catalog Number
V1380
ISBN (eBook)
9783638108560
Language
German
Tags
Lebensstilforschung Baustein Ungleichheitsforschung Sozialstrukturanalyse Proseminar Lebensstilforschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Reith (Author), 2001, Lebensstilforschung als Baustein einer modernisierten Ungleichheitsforschung bzw. Sozialstrukturanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1380
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