Diese Arbeit befasst sich mit dem von Eugenio Coseriu aufgestellten Begriffspaar System und Norm. Dieses beschreibt metalinguistisch die einzelnen Bereiche des Sprechens. In einem ersten Teil wird dargelegt, wie Coseriu diese Kategorien entwickelte. Nach der Klärung der Begrifflichkeiten und deren Erläuterung konzentriert sich die Arbeit schwerpunktmäßig auf das Phänomen der Norm und zeigt zunächst einige Beispiele für Realisierungen derselben in der Sprache des durchschnittlichen Sprechers auf. Im Anschluss daran wird insbesondere auf die Einflussnahme
der Norm auf die Wortbildung eingegangen.
Wie alle abstrakten und weniger abstrakten Versuche, metalinguistische Aussagen zu treffen, wirft auch das im Zentrum stehende Begriffspaar Kritik und neue Fragestellungen auf. Auf diese wird in einem sich anschließenden Punkt eingegangen, bevor die Arbeit in einer endgültigen Zusammenfassung ihren Abschluss findet.
Bezug nimmt die Arbeit zu einem Großteil auf das schriftliche Vermächtnis von Eugenio Coseriu, so wie auf ausgewählte Werke von Ernst Burgschmidt, der sich mit der Thematik ausführlicher befasste.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung
2. Die Unterscheidung von Norm und System durch Coseriu
3. Begriffsdefinitionen und Erläuterungen
3.1 System
3.2 Norm
3.3 Die Relation von Norm und System zueinander
4. Realisierungen der Norm
4.1 Semantik
4.2 Phonetik
4.3 Lexik
4.4 Morphologie
5. Wortbildung und Norm
5.1 Beschränkungen der Zahl der tatsächlich realisierten Wortbildungen durch Normphänomene
5.1.1 Semantische Restriktionen
5.1.2 Phonologische Restriktionen
5.1.3 Etymologische Restriktionen
5.1.4 Syntaktische Restriktionen
5.1.5 Morphologische Restriktionen
5.1.6 Pragmatische Restriktionen
6. Diskussion
7. Abschließende Stellungnahme
8. Bibliographie
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit widmet sich der metalinguistischen Untersuchung des Begriffs- und Differenzierungspaares System und Norm, wie es von Eugenio Coseriu geprägt wurde. Das Hauptziel besteht darin, die theoretischen Grundlagen dieser Kategorien darzulegen und ihre praktische Anwendung, insbesondere in den Bereichen Lexik und Wortbildung, zu analysieren.
- Theoretische Differenzierung von System und Norm nach Coseriu
- Analyse der Realisierungen der Norm in verschiedenen sprachlichen Ebenen
- Untersuchung von Restriktionen in der Wortbildung durch Normphänomene
- Kritische Diskussion der theoretischen Modelle im Kontext der Sprachwissenschaft
Auszug aus dem Buch
3.2 Norm
Die Sprachnorm enthält all das, was in einer Sprache üblich, traditionell, allgemein und beständig ist, nämlich alles, was „so und nicht anders“ sagt (und versteht), d. h. „in der Norm wird festgelegt, welche der vom System zugelassenen inhaltlichen und formalen Varianten die übliche ist und welche ungebräuchlich sind oder einen bestimmten Stilwert besitzen“ (z. B. bei der Wahl zwischen Synonymen → vgl. S. 9). Die Norm existiert dabei – wie auch das System – nicht nur im lautlichen, sondern in allen Bereichen der Sprache.
Ernst Burgschmidt definiert „Norm“ als „als Sprachnorm tatsächliche Realisierung des systematisch grundsätzlich Möglichen und oppositiv Systematisierbaren; so sind viele Allophone zu einem Phonem einer Einzelsprache denkbar, aber nur wenige realisiert (diese aber überidiolektisch); viele Wortbildungen denkbar, aber ohne eigentlich erkennbare Systemrestriktionen nicht bildbar; Sätze mit 8 eingebetteten Relativsätzen sind systematisch möglich, aber in der Norm nicht realisiert“.
Norm ist dabei auch regelhaft – in dem Sinne, daß sie Gruppenverhalten zeigt (vgl. hierzu die Versuche einer Einteilung in Kap. 4). Regelverletzung ist hier unter dem Gesichtspunkt der Akzeptabilität und kommunikativer Toleranz oder Sanktion zu sehen, d. h. wenn das Gesagte in einer Sprache nicht akzeptabel ist, empfindet der Sprecher es nicht als seiner Sprache zugehörig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung: Einleitung in die Thematik der Begriffe System und Norm und Vorstellung der theoretischen Grundlage.
2. Die Unterscheidung von Norm und System durch Coseriu: Herleitung der Begriffe aus dem saussureschen System und Darstellung der Kritik an der Dichotomie langue/parole.
3. Begriffsdefinitionen und Erläuterungen: Präzise definitorische Abgrenzung von System, Norm und deren wechselseitiger Relation.
4. Realisierungen der Norm: Anwendung der Begriffe auf konkrete sprachliche Ebenen wie Semantik, Phonetik, Lexik und Morphologie.
5. Wortbildung und Norm: Detaillierte Untersuchung von Restriktionen innerhalb der Wortbildung, unterteilt in semantische, phonologische, etymologische, syntaktische, morphologische und pragmatische Faktoren.
6. Diskussion: Kritische Reflexion der Konzepte und ihrer praktischen Anwendbarkeit in der Sprachanalyse.
7. Abschließende Stellungnahme: Zusammenfassende Bewertung der Nützlichkeit von Modellen wie der Coseriu'schen Terminologie.
8. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Literatur und Quellen.
Schlüsselwörter
Eugenio Coseriu, System, Norm, Sprachwissenschaft, Wortbildung, Sprachsystem, langue, parole, Sprachkompetenz, sprachliche Restriktionen, Semantik, Phonetik, Lexik, Morphologie, Sprachnorm.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die von Eugenio Coseriu entwickelte Differenzierung zwischen den linguistischen Begriffen System und Norm sowie deren Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Sprache.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung von System und Norm, deren Einfluss auf die Wortbildung sowie die Analyse von Sprachrealisierungen in Semantik, Phonetik, Lexik und Morphologie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die theoretische Fundierung der Begriffe System und Norm zu erläutern und ihre Wirksamkeit in der Beschreibung und Analyse sprachlicher Phänomene aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung des metalinguistischen Modells von Eugenio Coseriu auf konkrete sprachliche Beispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Definitionen, die Analyse der Realisierungen der Norm sowie eine detaillierte Untersuchung der verschiedenen Restriktionen, die den Wortbildungsprozess steuern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind System, Norm, Wortbildung, Sprachnorm, Coseriu, Restriktionen und Sprachkompetenz.
Wie unterscheidet sich das "System" von der "Norm" nach Coseriu?
Das System umfasst alles, was aufgrund der Regeln einer Sprache möglich ist, während die Norm dasjenige festlegt, was in einer Sprachgemeinschaft üblich, traditionell und somit tatsächlich realisiert ist.
Warum ist die Unterscheidung für die Wortbildung relevant?
Die Unterscheidung erklärt, warum bestimmte Wortbildungen zwar systemintern möglich, aber aufgrund von normativen Restriktionen (z. B. semantische oder pragmatische Gründe) nicht gebräuchlich oder unakzeptabel sind.
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- Astrid Schaumberger (Author), 2003, Die Begriffe "System und Norm" nach Eugenio Coseriu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13810