Diese Arbeit präsentiert eine qualitative Fallstudie zum Erwerb von Pronomen in Subjektstellung bei zwei simultan bilingualen Kindern, K und M, im Alter von 1;05 bis 4;02. Die Studie konzentriert sich auf den Erstspracherwerb von Personalpronomen im Nominativ in den Sprachen Deutsch und Russisch. Ein interessanter Aspekt dieser Untersuchung ist der Einfluss der Pro-Drop-Eigenschaften beider Sprachen auf den Spracherwerb. Während Russisch eine partielle Pro-Drop-Sprache ist und das Weglassen des Subjekts im Satz erlaubt, erfordert Deutsch immer die explizite Nennung des Subjekts.
Die Untersuchung verwendet spontane Sprachaufnahmen der Kinder, um den Erwerb der Pronomen in beiden Sprachen zu analysieren. Die Arbeit erstellt Erwerbsprofile, die den zeitlichen Verlauf des Pronomenerwerbs darstellen. Sie zielt darauf ab, den Einfluss von Hintergrundfaktoren, wie der Spracheingabe und der Sprachdominanz, zu beleuchten und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede im Erwerbsprozess der beiden Kinder aufzuzeigen.
Besonderes Augenmerk gilt der Frage, ob die Kinder separate sprachliche Kompetenzen entwickeln und zwischen den spezifischen Strukturen der beiden Sprachen unterscheiden können. Die Arbeit bietet Einblicke in den Erstspracherwerb von Pronomen in subjektiver Position und betrachtet die Auswirkungen der unterschiedlichen grammatischen Anforderungen der Zielsprachen.
Der theoretische Teil der Arbeit erklärt relevante Grundlagen des bilingualen Erstspracherwerbs, einschließlich der Unterschiede nach dem Alterskriterium und den sprachlichen Merkmalen des bilingualen Erstspracherwerbs. Der methodische Abschnitt erläutert die Datenanalyse und die berechneten Ergebnisse. Die gewonnenen Daten werden in Erwerbsprofilen visualisiert und vor dem theoretischen Hintergrund interpretiert.
Abschließend fasst die Arbeit die wichtigsten Erkenntnisse zusammen und bietet einen Ausblick auf zukünftige Forschungsrichtungen im Bereich des bilingualen Erstspracherwerbs.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Bilingualismus: simultan/sukzessiv, gesteuert/ungesteuert
2.2 Hintergrundfaktor: Art der Inputvermittlung
2.3 Interferenz, Transfer, Sprachmischung
2.4 Der frühkindliche (bilinguale) Spracherwerb
2.5 Typologische Unterschiede Deutsch – Russisch: Morphosyntax
3. Methode
3.1 M und K
3.2 Datenerhebung: Analyse mit CLAN
3.3 Auswertung der erhobenen Daten
4. Ergebnisse
4.1 Erwerbsprofile
4.1.1 MR
4.1.2 MD
4.1.3 KR
4.1.4 KD
4.2 Interpretation der Ergebnisse
4.3 Limitationen der Studie
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Erwerb von Subjektpronomen bei zwei simultan bilingualen Kindern im Alter von etwa 1;05 bis 4;02 Jahren, die russisch-deutschsprachig aufwachsen. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, wie sich der Erwerb von Pronomen in beiden Sprachen gestaltet, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich in den Erwerbsprofilen zeigen und welchen Einfluss das Sprachinput sowie Hintergrundfaktoren auf diesen Prozess haben.
- Erwerb von Subjektpronomen im bilingualen Kontext
- Pro-Drop-Eigenschaften im Vergleich zwischen Russisch und Deutsch
- Einfluss der Input-Qualität und Sprachdominanz
- Qualitative Fallstudie von zwei bilingualen Kindern
- Analyse von Spontansprachdaten mittels CLAN
Auszug aus dem Buch
1.1 Gegenstand und Ziel der Arbeit
Die vorliegende Arbeit stellt eine qualitative Fallstudie zum Erwerb von Pronomen in Subjektstellung von zwei simultan bilingualen Kindern, K. und M. im Alter von 1; 05 – 4; 02 dar. Die Kinder sind ab dem Zeitpunkt ihrer Geburt dem Deutschen und Russischen ausgesetzt: Kinder, die ab der Geburt mit zwei Sprachen konfrontiert werden, durchlaufen einen Prozess, den Meisel (1989) als Bilingual First Language Acquisition (BFLA) bezeichnet, welcher eine besondere Form des bilingualen Spracherwerbs darstellt. Unter Subjektpronomen werden die Personalpronomen im Nominativ ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie verstanden. Eine der Besonderheiten dieser Untersuchung liegt darin, dass viele der Faktoren, denen ein Einfluss auf den Spracherwerb zugeschrieben wird, im Fall der untersuchten Kindern sehr ähnlich und deshalb gut vergleichbar sind. Der Erwerb von Personalpronomen bei simultan bilingualen Kindern, die Russisch und Deutsch sprechen, ist unter anderem aufgrund der Unterschiede in der Pro-Drop-Eigenschaften zwischen den beiden Sprachen ein interessanter Forschungsgegenstand. Russisch ist eine partielle Pro-Drop-Sprache oder Null-Subjekt-Sprache, was bedeutet, dass das Subjekt im Satz unter bestimmten Bedingungen weggelassen werden kann. Null-Subjekt und Pro-Drop werden nachfolgend synonym verwendet. Im Gegensatz dazu erfordert Deutsch, dass das Subjektpronomen im Satz immer ausgedrückt wird und erlaubt kein Null-Subjekt (vgl. Ivanova-Sullivan 2014: 63).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema des bilingualen Spracherwerbs und die Zielsetzung der Arbeit ein, die den Erwerb von Subjektpronomen bei zwei Kindern untersucht.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe des Bilingualismus definiert, die Art der Inputvermittlung erörtert und die spezifischen morphosyntaktischen Unterschiede zwischen Russisch und Deutsch bezüglich der Pro-Drop-Eigenschaften beleuchtet.
3. Methode: Das Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, insbesondere die Datenerhebung der Spontansprachaufnahmen sowie die computergestützte Analyse mittels des Programms CLAN.
4. Ergebnisse: In diesem Teil werden die gewonnenen Daten in vier individuellen Erwerbsprofilen (MR, MD, KR, KD) detailliert vorgestellt und visuell aufbereitet.
6. Fazit und Ausblick: Das Abschlusskapitel resümiert die wesentlichen Erkenntnisse der Studie in Bezug auf die Forschungsfrage und gibt einen Ausblick auf mögliche zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Bilingualismus, Russisch, Deutsch, Spracherwerb, Subjektpronomen, Pro-Drop, Morphosyntax, Inputvermittlung, Sprachdominanz, Fallstudie, CLAN, Spontansprache, Zweisprachigkeit, Spracherwerbsprofile, Syntax
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Erwerb von Subjektpronomen bei zwei Kindern, die russisch-deutsch simultan bilingual aufwachsen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zu den zentralen Themen gehören der bilinguale Spracherwerb, die Pro-Drop-Eigenschaften der beteiligten Sprachen sowie der Einfluss von Faktoren wie dem individuellen Sprachinput.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird angestrebt, Erwerbsprofile für die beiden Kinder in beiden Sprachen zu erstellen und zu analysieren, wie sich der Gebrauch von Subjektpronomen über einen Zeitraum von rund 2,5 Jahren entwickelt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine qualitative Fallstudie, deren empirische Basis Spontansprachaufnahmen bilden, die mithilfe des Software-Tools CLAN ausgewertet werden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung, die methodische Darstellung der Datenauswertung und die detaillierte Präsentation der Ergebnisse für die vier untersuchten Erwerbsprofile.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Bilingualismus, Sprachvergleich Russisch-Deutsch, Subjektpronomen, Null-Subjekt-Sprachen und Pro-Drop.
Inwieweit spielt die Pro-Drop-Eigenschaft eine Rolle für die Kinder?
Da Russisch eine Pro-Drop-Sprache ist und Deutsch nicht, müssen die Kinder in der Produktion der Pronomen lernen, in welcher Sprache das Subjekt fakultativ weggelassen werden kann und in welcher nicht.
Welche Rolle spielt die Inputvermittlung (z.B. OPOL-Prinzip)?
Die Studie beleuchtet, wie die Trennung der Sprachen durch die Eltern (One Person - One Language) oder andere Umgebungsbedingungen den Spracherwerb und die spätere Sprachdominanz der Kinder beeinflusst.
- Quote paper
- Michelle Paul (Author), 2023, Bilingualer Erstspracherwerb von Pronomen in Subjektstellung bei Kindern. Eine qualitative Fallstudie in Deutsch und Russisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1381017