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Der Labeling Approach

Eine Ausarbeitung der verschiedenen Richtungen des Etikettierungsansatzes

Title: Der Labeling Approach

Seminar Paper , 2009 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Rainer Wolff (Author)

Social Work
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„The young delinquent becomes bad, because he is defined as bad“ – dieser Satz beschreibt in etwas polemischer Art und Weise, aber dennoch anschaulich ein soziologisch geprägtes Paradigma abweichenden Verhaltens: Der Labeling Approach, je nach Literatur auch als Ettikettierungs-, Definitions- oder Reaktionsansatz bezeichnet.
Die Ausarbeitung dieses Erklärungsansatzes reizt mich vor allem deshalb, weil der Labeling Approach im Gegensatz zu den meisten anderen Kriminalitätstheorien die Ursache abweichenden Verhaltens nicht in der Person oder dem sozialen Umfeld des „Täters“ selbst zu erkennen glaubt, sondern in der gesellschaftlichen Reaktion auf dessen Verhalten.

Auch als Student der Sozialen Arbeit unterliegt man tendentiell zunächst eher den ätiologisch- individualistischen Erklärungsansätzen für Kriminalität, wohl nicht zuletzt deshalb, weil sie bequemer sind. Insofern hat der Labeling Approach durchaus provokative Aspekte zu bieten.
Im Studium wird man aber auch immer dazu angehalten Perspektiven zu wechseln, ungewohnte Standpunkte und Sichtweisen einzunehmen um den Erfahrungshorizont zu erweitern. Dies möchte ich im Zuge dieser Ausarbeitung tun.

Zunächst werde ich die Sichtweisen der wichtigsten Vertreter des Labeling Approach darlegen, deren Unterscheide und Gemeinsamkeiten.
Im Anschluß daran werden die Zugänge auf deren Anwendbarkeit hin überprüft.
Zum Schluß werde ich meine eigenen Gedanken zum Thema beschreiben und Stellung beziehen.

Grundlage dieser Arbeit ist das Buch von Siegfried Lamnek „Theorien abweichenden Verhaltens – ‚Klassische‘ Ansätze“ in der 8. Auflage. Fußnoten, die keinen anders lautenden Verweis enthalten, beziehen sich auf dieses Buch.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Definition

2. Theorien des Labeling Approach

2.1. Die Begründung des Labeling Approachs durch Tannenbaum

2.2. Primäre und sekundäre Devianz bei Lemert

2.3. Der Machtaspekt und die ‚kriminelle Karriere‘ bei Becker

2.4. Formelle und informelle Sanktionen bei Erikson und Kitsuse

2.5. Der „radikale“ Ansatz nach Sack

3. Gemeinsamkeiten

4. Beurteilung und Anwendbarkeit des Labeling Approach

5. Eigene Stellungnahme

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht den Labeling Approach als soziologisches Erklärungsmodell für abweichendes Verhalten. Das primäre Ziel ist es, die verschiedenen Ansätze der Etikettierungstheorie darzulegen, ihre Gemeinsamkeiten zu identifizieren und ihre Anwendbarkeit sowie Grenzen kritisch zu hinterfragen.

  • Theoretische Grundlagen des Etikettierungsansatzes
  • Interaktionsprozesse bei der Entstehung von Devianz
  • Die Bedeutung gesellschaftlicher Reaktionen und Sanktionen
  • Die Rolle von Macht und Stigmatisierung in der Normsetzung
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Erklärungsreichweite

Auszug aus dem Buch

2.3. Der Machtaspekt und die ‚kriminelle Karriere‘ bei Becker

Becker unterscheidet in seinen Überlegungen zwischen regelverletzendem Verhalten und abweichenden Verhalten. Ob und wie stark eine Handlung als abweichend betrachtet wird, ist das Produkt eines Interaktionsprozesses; nämlich die Reaktion der Gemeinschaft auf das zur Disposition stehende Verhalten. Dies bedeutet, daß durchaus gegen Regeln verstoßen werden kann, dies jedoch von anderen nicht zwingend als abweichend empfunden werden muß.

Becker hierzu: „Nur weil jemand gegen eine Regel verstoßen hat, heißt das noch nicht, dass andere so reagieren werden als sei dies geschehen“.7 Nicht alle Regelverletzer werden somit durch Normanwendung als Abweicher definiert. Es findet also eine Selektion in der Normanwendung statt. Determinanten hierfür sind Täter, Opfer, Zeitpunkt oder Folgen der Handlung. Je nach Gewichtung der einzelnen Determinanten wird die Handlung von der Gesellschaft als mehr oder weniger abweichend empfunden und eine dementsprechende Normanwendung gefordert.

Hierzu wurde von Becker eine Matrix erstellt, deren Felder vier Möglichkeiten der Etikettierung enthalten:

ein Verhalten verstößt nicht gegen die Regel und wird auch nicht als abweichend empfunden (Konformität)

ein Verhalten verstößt gegen die Regel und wird als abweichend empfunden (Beispiel: Diebstahl)

ein Verhalten verstößt gegen die Regel, wird aber nicht als abweichend empfunden (Beispiel: Raubkopieren)

ein Verhalten verstößt nicht gegen die Regel, wird aber als abweichend empfunden (Beispiel: fälschliche Beschuldigung)

Diese Selektionsmechanismen bestehen in Macht; „Unterschiede in der Fähigkeit, Regeln aufzustellen und sie auf andere anzuwenden, sind ihrem Wesen nach Machtunterschiede (entweder legale oder außerlegale).“8

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Paradigma des Labeling Approach und die Motivation zur Auseinandersetzung mit diesem theoretischen Ansatz.

1. Definition: Erläuterung des Grundbegriffs des Labeling Approach als soziologischer, nicht-ätiologischer Erklärungsansatz für abweichendes Verhalten.

2. Theorien des Labeling Approach: Detaillierte Vorstellung der wichtigsten Vertreter, darunter Tannenbaum, Lemert, Becker, Erikson, Kitsuse und Sack.

3. Gemeinsamkeiten: Synthese der Kernelemente, auf die sich die unterschiedlichen Vertreter des Labeling Approach verständigen können.

4. Beurteilung und Anwendbarkeit des Labeling Approach: Kritische Analyse des Potenzials und der Grenzen des Ansatzes im Hinblick auf die Erklärung von Kriminalität.

5. Eigene Stellungnahme: Persönliche Reflexion des Autors über die Stärken und Schwächen der Theorie sowie ihre Bedeutung für die soziale Arbeit.

Schlüsselwörter

Labeling Approach, Etikettierungsansatz, Devianz, soziale Reaktion, Stigmatisierung, kriminelle Karriere, Normsetzung, Normanwendung, Interaktionsprozess, Machtaspekt, Selbstkonzept, Sanktionierung, Kriminalitätstheorien, sekundäre Devianz, Definitionsmacht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit behandelt den sogenannten Labeling Approach, eine soziologische Theorie, die abweichendes Verhalten als Resultat gesellschaftlicher Zuschreibungen und Reaktionen erklärt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Etikettierung, die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Devianz sowie der Einfluss gesellschaftlicher Sanktionen auf die Identität des Individuums.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit verfolgt das Ziel, die verschiedenen Richtungen des Etikettierungsansatzes darzustellen, ihre Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten und deren Anwendbarkeit in der Praxis kritisch zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin/Der Autor nutzt eine theoretische Literaturanalyse basierend auf dem Standardwerk von Siegfried Lamnek, um die Kriminalitätstheorien einzuordnen und zu bewerten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich den Ansätzen von Tannenbaum, Lemert, Becker, Erikson, Kitsuse und Sack sowie einer systematischen Analyse der Gemeinsamkeiten des gesamten Ansatzes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Etikettierungsansatz, Stigmatisierung, kriminelle Karriere, Definitionsmacht und sekundäre Devianz charakterisiert.

Wie unterscheidet Lemert zwischen primärer und sekundärer Devianz?

Lemert definiert primäre Devianz als gelegentliches Abweichen, während sekundäre Devianz den Prozess beschreibt, in dem das Individuum die ihm zugeschriebene Rolle als "Abweichler" in sein Selbstbild integriert.

Welche Bedeutung misst die Arbeit dem Machtaspekt bei?

Der Machtaspekt ist zentral, da die Fähigkeit, Regeln zu setzen und anzuwenden, gesellschaftlich ungleich verteilt ist und darüber entscheidet, wer als "abweichend" etikettiert wird.

Warum sieht der Autor den "radikalen" Ansatz von Sack skeptisch?

Der Autor argumentiert, dass eine konsequente Nicht-Intervention, wie sie der radikale Ansatz fordert, in der Praxis jedes sozialarbeiterische Handeln und präventive Maßnahmen unmöglich machen würde.

Welches Fazit zieht der Autor zur Anwendbarkeit des Modells?

Obwohl der Labeling Approach keine universelle Erklärung für alle Kriminalitätsformen liefert, wird er als wichtige Perspektiverweiterung geschätzt, die besonders für das Verständnis von Stigmatisierungsprozessen unerlässlich ist.

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Details

Title
Der Labeling Approach
Subtitle
Eine Ausarbeitung der verschiedenen Richtungen des Etikettierungsansatzes
College
Catholic University of Applied Sciences Freiburg
Course
Seminar Kriminalitätstheorien
Grade
1,0
Author
Rainer Wolff (Author)
Publication Year
2009
Pages
17
Catalog Number
V138104
ISBN (eBook)
9783640465903
ISBN (Book)
9783640466092
Language
German
Tags
Abweichendes Verhalten Kriminalität Etikettierungsansatz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rainer Wolff (Author), 2009, Der Labeling Approach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138104
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