3. Grundannahmen und Prinzipien
In der normalen Regelschule werden die individuellen Gefühle, Bedürfnisse und Interessen der Kinder unzureichend berücksichtigt (Baillet, 1999: 16). Die Schüler haben weder Einfluss auf die Mitgestaltung des Unterrichts, noch auf die Bewertungsmaßstäbe (Kock, 2006: 66). Sie lernen dass die Entscheidungsmacht immer andere haben und dass sie dies akzeptieren müssen, was jede Eigeninitiative unterdrückt. Die Schüler haben bestimmten Normen zu entsprechen, die Hauptsorge des Erziehers ist, dass diese Normen respektiert werden. (Baillet, 1999: 16)
Diese Standarisierung lehnt die Pädagogik Freinets strikt ab. Sie geht davon aus, dass jedes Kind anders ist und bezeichnet es als eine der wichtigsten Aufgaben von Schulen, der Verschiedenheit von Kindern Rechnung zu tragen. Das Ziel der Schule soll sein, dass sich das Kind zum Subjekt entfaltet, also zu einer für sich selbst verantwortlichen Persönlichkeit. Dies soll dem Kind ermöglicht werden, indem der Erzieher alle kindlichen Bedürfnisse berücksichtigt. (Baillet, 1999: 17)
Die Kenntnis des einzelnen Kindes und einhergehend auch die Kenntnis seiner individuellen Bedürfnisse ist nur möglich, wenn das Kind in seinem alltäglichen Verhalten und Handeln beobachtet wird. An diesen Beobachtungen sollen sich die Lehrer und Lehrerinnen orientieren, wenn sie die selbsttätige Erziehung des einzelnen Kindes, durch Bereitstellung von Unterrichtstechniken und Arbeitsmitteln, unterstützen. (Kock, 2006: 57) Daraus soll die Realisierung, der im Folgenden aufgeführten Grundsätze, resultieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biografie von Célestin Freinet und Entwicklung seiner Pädagogik
3. Grundannahmen und Prinzipien
3.1. Freie Entfaltung der Persönlichkeit
3.2. Kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt
3.3. Selbstverantwortung des Kindes
3.4. Kooperative Arbeit und gegenseitige Verantwortlichkeit
4. Freinet-Pädagogik in der heutigen Praxis
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Aktualität der pädagogischen Grundsätze von Célestin Freinet und analysiert, inwieweit diese historischen Prinzipien noch heute in modernen Bildungseinrichtungen angewendet werden und Relevanz besitzen.
- Biografischer Hintergrund und Entstehung der Freinet-Pädagogik
- Analyse der zentralen Grundsätze wie Selbstverantwortung und freie Entfaltung
- Untersuchung der praktischen Umsetzung an heutigen Schulen
- Vergleich der Anwendung in Schulen und Kindertagesstätten
Auszug aus dem Buch
3.2. Kritische Auseinandersetzung mit der Umwelt
Kinder haben einen natürlichen Wissensdrang, Neugier und Interesse bezüglich ihrer unmittelbaren Umgebung. Wenn sie die Möglichkeit dazu haben, sammeln sie Erfahrungen und Erkenntnisse durch eigene Erkundungen und Untersuchungen. Sie sollen lernen eine aktive Rolle einzunehmen, statt ihrer immer komplexer werdenden Umwelt passiv gegenüber zustehen.
Im Gegensatz zum üblichen schulischen Lernprozess, den das Lernen eines vorgegebenen Lerninhaltes unter einem gewissen Leistungsdruck kennzeichnet, ist der Ausgangspunkt des Lernens der Freinet-Pädagogik, die Motivation des Kindes. Natürlich bekommen die Schülerinnen und Schüler auch bestimmte Arbeitsvorgaben, hierbei können sie Arbeitseinteilung und Lerntempo jedoch stets selbst bestimmen.
Die Antwort auf eine spezielle Frage wird nicht von dem der sie weiß gegeben (in der Regel der Lehrer), sie wird, mithilfe von Büchern und Arbeitskarteien, selbst erarbeitet. Es gibt keinen Frontalunterricht, welcher die Kinder zum aktiven zuhören zwingt. Auch geht es nicht darum sich etwas Vorgegebenes zu merken und es ggf. wieder anzuwenden. Stattdessen steht die Aneignung von Wissen basierend auf eigenen Erfahrungen, sowie auf den Erfahrungen der Klassenkameraden bzw. den Ableitungen und Schlussfolgerungen daraus, im Fokus des Lernverhaltens.
Die Rolle der Lehrkraft besteht darin, möglichst viele Aktivitäten anzubieten bzw. zu erlauben, die eine kritische und forschende Auseinandersetzung mit der Umwelt ermöglichen, und den Kindern dabei helfend zur Seite zu stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Motivation für das Thema erläutert und die Forschungsfrage nach der Aktualität der Freinet-Pädagogik sowie das persönliche Interesse an alternativen Erziehungsformen dargelegt.
2. Biografie von Célestin Freinet und Entwicklung seiner Pädagogik: Dieses Kapitel skizziert die Lebensstationen Freinets und die historische Entstehung seiner Reformbewegung, von den Anfängen als Lehrer bis zur Gründung internationaler Kooperativen.
3. Grundannahmen und Prinzipien: Es werden die zentralen pädagogischen Säulen wie Persönlichkeitsentfaltung, Umweltbezug, Selbstverantwortung und kooperatives Arbeiten detailliert beschrieben und mit konkreten Unterrichtstechniken verknüpft.
4. Freinet-Pädagogik in der heutigen Praxis: Hier wird der aktuelle Verbreitungsgrad der Pädagogik in internationalen Bewegungen sowie an deutschen Schulen und Kindertagesstätten untersucht.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Ergebnis, dass die Grundsätze Freinets aufgrund ihrer erfolgreichen Anwendung in vielen Bildungseinrichtungen als weiterhin hochaktuell zu bewerten sind.
Schlüsselwörter
Célestin Freinet, Freinet-Pädagogik, Reformpädagogik, Selbstverantwortung, Freie Entfaltung, Kooperative Arbeit, Schule, Kindertagesstätte, Erziehung, Kindorientierung, Unterrichtstechniken, Klassenversammlung, Eigenaktivität, Schulreform, Moderne Schule
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den pädagogischen Lehren von Célestin Freinet und deren heutiger Anwendung in Bildungseinrichtungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Biografie des Gründers, den pädagogischen Kernprinzipien und der praktischen Implementierung in der aktuellen Schullandschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie aktuell die grundlegenden pädagogischen Prinzipien Freinets nach über 80 Jahren noch sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturrecherche und eine Analyse historischer sowie aktueller Daten zur Verbreitung und Anwendung der Freinet-Pädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Biografie, die Erläuterung der vier Grundprinzipien und den Bericht über den Status Quo in heutigen Schulen und Kitas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Freinet-Pädagogik, Selbstverantwortung, Kooperation, freie Entfaltung und schulische Reform.
Warum spielt die Klassenversammlung eine wichtige Rolle?
Die Klassenversammlung ist das zentrale Instrument für kooperative Arbeit, in der Kinder lernen, Konflikte durch Argumentation zu lösen und Verantwortung zu übernehmen.
Wie unterscheidet sich die Anwendung in Kitas von der in Schulen?
In Kitas liegt der Schwerpunkt stärker auf dem freien Ausdruck durch praktische Gestaltung, während in Schulen zusätzlich die Lese- und Schreibkompetenz durch spezielle Techniken im Vordergrund steht.
Wird die pädagogische Arbeit von Freinet heute noch als erfolgreich bewertet?
Ja, die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die weitverbreitete Nutzung der Grundsätze in zahlreichen Institutionen den anhaltenden Erfolg und die hohe Aktualität des Konzepts belegt.
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- Theresa Reckstadt (Author), 2008, Die Freinet-Pädagogik nach Célestin Freinet, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138111