Bedeutung nonverbaler Signale im Gespräch


Hausarbeit, 2000
13 Seiten

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Gliederung

1 Einleitung

2 Nonverbale Signale – Eine Begriffsbestimmung
2.1 Nonverbale Signale auf dem kinetischen Wahrnehmungskanal: Körperkontakt und Distanzverhalten
2.2 Nonverbale Signale auf dem optischen Wahrnehmungskanal: Blickverhalten, Augenausdruck, Mimik, Gestik und Körperhaltung
2.3 Nonverbale Signale auf dem akustischen Wahrnehmungskanal:Tonlage, Lautstärke ect
2.4 Zum Verhältnis von Sprache und nonverbalen Signalen

3 Erklärungsmodelle der Bedeutung und Funktion nonverbaler Kommunikation
3.1 AGYLE/FORGAS
3.2 EKMAN/FRIESEN
3.3 MEHRABIAN
3.4 Vergleich der Erklärungsmodelle

4 Nonverbale Signale in Gesprächssituationen
4.1 Nonverbale Signale als Ausdruck des Selbstkonzepts des Gesprächspartners
4.2 Klärung der Aussageintention: Newsgroups – Ein Beispiel für „Gespräche“ ohne nonverbale Signale
4.3 Zeichen der Wertschätzung: Körperkontakt

5 Schluß

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Über nonverbale Signale wird unter dem Etikett „Körpersprache“ in populärwissenschaftlichen Büchern viel verbreitet; oft wird dabei der Eindruck erweckt, dass es für jede Regung der Gestik oder Mimik eine sofort passende Erklärung gibt: das Kratzen an der Nase sei auf Unsicherheit zurückzuführen und nicht etwa auf eine juckende Nase. Für eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema ist das nicht sehr hilfreich, da anzunehmen ist, dass die Bedeutung nonverbaler Signale in der menschlichen Kommunikation vielschichtiger und komplexer ist, als dies so simple Schlußfolgerungen vermuten liesen.

Um dieser Vielschichtigkeit – und damit der Bedeutung nonverbaler Signale in Gesprächssituationen – auf die Spur zu kommen, ist es sinnvoll, zunächst die einzelnen Signale nonverbaler Kommunikation genauer zu beschreiben. dies geschieht, gegliedert nach den unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen in Punkt 2 dieser Arbeit. In Punkt 3 befasse ich mich mit den unterschiedlichen Klassifizierungsmodellen nonverbaler Kommunikation, die den Signalen bestimmte Funktionen zuweisen, aber auch Auskunft geben über die Aufgaben, den Inhalt und der Aussageintention nonverbaler Signale. Hier werden die Modelle von ARGYLE/FORGAS, EKMAN/FRIESEN und MEHRABRIAN dargestellt und miteinander verglichen. Am Ende der Arbeit möchte ich im Gliederungspunkt 4 die konkrete Bedeutung nonverbaler Signale in speziellen Gesprächssituationen (face-to-face; newsgroups und Telefongespräch) aufzeigen.

2 Nonverbale Signale – Eine Begriffsbestimmung

OSCHMANN (1986) definiert nonverbale Kommunikation als den „Austausch von Informationen durch nicht-sprachliche Reize.“ (S. 98). Dazu gehören auch nicht-sprachliche vokale Signale, wie Räuspern, der Tonfall ect.

Die nonverbalen Signale können nach den Kommunikationskanälen unterschieden werden, auf denen sie wahrgenommen werden (optisch, akustisch, kinetisch, auch termisch und olfaktorisch – vgl. ELLGRING (1997) S. 199), wobei immer im Blick zu behalten ist, dass nonverbale Signale meist auf mehreren Kanälen gleichzeitig gesendet und empfangen werden, die jedoch zusammen gehören und in ihrer Wirkung und Bedeutung als Ganzes zu sehen sind (vgl. OSCHMANN (1986) S. 61). Das oben genannte „Kratzen“ an der Nase ist so nur ein Element im nonverbalen Kommunikationsprozess, das in seiner Bedeutung von anderen nonverbalen, aber auch verbalen Signalen (Naseputzen und Sprechen über Heuschnupfen, oder auch Blickverhalten und Stottern) in Verbindung steht und von diesem Gesamt der Selbstmitteilung her zu verstehen ist.

2.1 Nonverbale Signale auf dem kinetischen Wahrnehmungskanal: Körperkontakt und Distanzverhalten

Nach ARGYLE (1974) ist der Körperkontakt die ursprünglichste Art sozialen Verhaltens, der zunehmend durch visuelle und sprachliche Äußerungen ergänzt und ersetzt wird (vgl. S. 91). In Gesprächssituationen tauchen sie bei Begrüßung und Abschied in Form von Händeschütteln und auch Küssen auf, aber auch im Festhalten einer Person. Auch als Ausdruck von Aggressionen können Körperkontakte Gesprächssituationen begleiten. „In unserer Kultur signalisiert eine leichte Berührung gewöhnlich Intimität und Interesse und ruft beim Berührten eine geringfügige Erregungsreaktion hervor. Interessanterweise können Berührungen die Einstellungen des Berührten positiv beeinflussen, auch wenn dieser sich gar nicht bewußt ist, berührt worden zu sein.“ (FORGAS 1999, S. 153f) Und andererseits: „Berührungen können auch Superiorität und Dominanz signalisieren. Unterwürfige oder rangniedrigere Menschen sind körperlich verfügbarer, „berührbarer“ als dominante. Kinder, Behinderte, Dienstboten oder Untergebene sind häufiger Objekt solcher nicht-reziproker Berührungen.“ (FORGAS 1999, S. 155)

Körperkontakt hat als nonverbales Signal in einem Kommunikationsprozeß also neben den ritualisierten Grußformen v.a. die Funktion Informationen über die Beziehung der Gesprächspartner zu geben.

Um das zu verdeutlichen, müssen wir uns nur folgende Szene vorstellen: die Auszubildende legt in einer Besprechung die Hand auf die Schulter des Firmenchefs, um ihm so ihre Anerkennung für seine Arbeit auszudrücken. Diese Szene wird sich in der Realität kaum fifnden, sehr wohl aber ihr Gegenstück: der Chef berührt die Auszubildende, um ihr Anerkennung für ihre Leistung zu zollen. Ungeachtet der (vielleicht) guten Absicht stößt dieses Verhalten bei der (wahrscheinlich) jungen Frau auf Ablehnung: der ranghöhere Vorgesetzte berührt die Rangniedrigere und stellt damit Intimität her, die nicht Ausdruck einer partnerschaftlichen Beziehung ist und damit umkehrbar wäre, sondern er drückt damit seine Wichtigkeit und Herrschaft aus. Allerdings ist auch denkbar, dass die Auszubildende diesen Körperkontakt positiv deutet, quasi als Signal für eine gute Beziehung. Auch hier gilt es, die ganze Situation in den Blick zu nehmen (Umgangsstil in der Firma, Vorgeschichte, begleitende verbale Signale ect.).

Pauschal kann jedoch festgestellt werden, dass der Körperkontakt und der Umgang mit der räumlichen Distanz in der Weise Informationen über die Beziehung der Kommunikationspartner liefert, in der eine um so häufigere und nähere gegenseitige Distanzverringerung der Gesprächspartner auf eine um so vertrautere und intimere Beziehung der Partner hinweist, egal ob diese bereits vorhanden oder von den Kommunikationspartnern erwünscht ist.

2.2 Nonverbale Signale auf dem optischen Wahrnehmungskanal: Blickverhalten, Augenausdruck, Mimik, Gestik und Körperhaltung

Aussagen wie die von der „Liebe auf den ersten Blick“, „dem ersten Eindruck“ und „Wenn ich den schon sehe ...“ sind Indizien für die hohe Bedeutung des optischen Kanals im Bereich der nonverbalen Kommunikation: da muß einer „noch nicht einmal den Mund aufmachen“, und schon ist die Beurteilung seiner Person (zumindest scheinbar) möglich. Es sind nicht nur Vorurteile, die bei dieser Wahrnehmung gepflegt werden, es ensteht ein „erster Eindruck“, der Orientierung schafft für weitere Kommunikation und der das Handeln reguliert.

Wesentliches nonverbales Signal ist bei face-to-face-Kommunikationen das Blickverhalten, das hier exemplarisch für andere nonverbale Signale aus diesem Wahrnehmungsbereich vorgestellt werden soll. Es ist nach FORGAS (1999) zugleich das wichtigste Signal bei der Aufnahme bzw. dem Abbrechen von face-to-face-Kontakten, aber auch bei der Regulation des Rederechts im Gespräch und steuert wesentlich die Wahrnehmung und Beurteilung der eigenen Person durch den Kommunikationspartner. Fehlt dieses Signal – wie etwa bei einer Unterhaltung mit einem Sonnenbrillenträger – wird Kommunikation schwierig: der Gesprächspartner ist in extrem hohen Maß auf den Wahrheitsgehalt der verbalen Aussagen angewiesen. Der Träger der Sonnenbrille ist zudem als Person viel schwerer einschätzbar, weil eine Vielzahl an (unbewußten) Eindrücken über die Persönlichkeit des Gesprächspartners fehlen. Er ist gleichsam der „Stärkere“ in dem Kommunikationsprozess, da ihm die durch das Blickverhalten übertragenen Informationen über den Gesprächspartner ja dennoch zur Verfügung stehen. Damit wird deutlich, dass neben der Regulation von Rederecht das Blickverhalten ein wichtiges Element in der Balance von Kommunikation hat.

2.3 Nonverbale Signale auf dem akustischen Wahrnehmungskanal:Tonlage, Lautstärke ect.

Eigentlich ist es ja erstaunlich, dass nonverbale Signale auch auf einem akustischen Kanal gesendet werden, sollte man doch annehmen, dass dort, wo keine Worte gebraucht werden, das Hören keine Rolle spielt. Aber wie wir seit Kindertagen wissen, macht „der Ton die Musik“, oft ist das „wie“ etwas gesagt wird wichtiger, als das „was“ gesagt wird. Und weil es dann eben nicht um Worte – verbi – geht sind die parasprachlichen Botschaften nonverbale Signale. Es geht bei dieser Signalgruppe um die Lautstärke und das Sprechtempo, um Intonation und Rhythmus, um den Tonfall und individuelle Stimmerkmale, aber auch um Seufzen, Räuspern und Lachen. So werden auf dem akustischen Kanal nonverbal Informationen über den Sender übertragen (Bildung, Status, Persönlichkeitsmerkmale), aber auch eigenständige Botschaften (wie z.B. das Lachen über den verbalen Inhalt des Gesprächs) gesendet (vgl. FORGAS (1999) S. 155ff.). Von Bedeutung für das Gespräch können sie u.a. sein, um mit der Aussageintention richtig verstanden zu werden: ein abgrenzendes „NEIN“ muß mit der entsprechenden Lautstärke und dem passenden Tonfall gesagt werden, um als „Nein“ und als „Ja“ verstanden zu werden.

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Details

Titel
Bedeutung nonverbaler Signale im Gespräch
Hochschule
FernUniversität Hagen
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V138155
ISBN (Buch)
9783640476671
Dateigröße
359 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bedeutung, Signale, Gespräch
Arbeit zitieren
Heike Kellner-Rauch (Autor), 2000, Bedeutung nonverbaler Signale im Gespräch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138155

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