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Entmündigung im Jugendamt?

Bezirkssozialarbeit zwischen Interventionszwang und klienteler Autonomie

Title: Entmündigung im Jugendamt?

Term Paper , 2009 , 22 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Rainer Wolff (Author)

Social Work
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Die öffentliche Jugendhilfe soll einerseits helfend, fördernd und beratend tätig werden, um soziale Krisen und Problemlagen überwinden zu helfen und muß andererseits direkt intervenieren, wenn das Wohl von Kindern und Jugendlichen gefährdet ist und die Eltern nicht bereit oder in der Lage sind, diese Gefährdungen von ihren Kindern abzuwenden. Das seit 1990 geltende Kinder- und Jugendhilfegesetz hebt zwar den sozialpädagogischen Leistungscharakter der Institution „Öffentliche Jugendhilfe“ deutlich hervor, Eingriffe in die familiale (Rechts-)Struktur sind jedoch nach wie vor unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Dies ist zur Erfüllung der Aufgabe als staatliches „Wächteramt“ letzten Endes sicherlich auch nötig und sinnvoll und manifestiert sich im § 8a SGB VIII. Das Problem in der sozialpädagogischen Zusammenarbeit mit den Klienten ist jedoch, daß diesen die Eingriffsmöglichkeiten des Jugendamtes, wenn auch nicht unbedingt die gesetzlichen Grundlage dafür bewußt sind, und so eine fruchtbare Kooperation mit dem Bezirkssozialarbeiter in vielen Fällen von Anfang an durch Mißtrauen und Skepsis erschwert ist. Die kurze Darstellung des Doppelten Mandates soll mir in dieser Hausarbeit jedoch nur als Hintergrund für die Formulierung der eigentlichen ethischen Problemstellung dienen, mit deren Auseinandersetzung ich mich hier beschäftigen werde: Sind staatliche Eingriffe durch das Jugendamt in das Elternrecht moralisch vertretbar und zulässig oder stellen sie eine unverhältnismäßige Beschneidung klienteler Autonomie dar?
Im Zuge der Recherchen zu dieser Arbeit stieß ich auf das 6-Schritte-Modell nach Heinz Eduard Tödt, „eine ethische Theorie sittlicher Urteilsfindung“. Dieses Schema möchte ich als ethische Referenztheorie dahingehend überprüfen, ob und inwieweit es einem Bezirkssozialarbeiter in Entscheidungssituationen behilflich sein kann. Nicht zuletzt aufgrund der medialen Präsenz immer wieder neuer spektakulärer Fälle von Kindeswohlgefährdung in den letzten Jahren, scheint mir diese Frage eine besondere Aktualität und Brisanz zu haben. Den Druck der Öffentlichkeit entweder „endlich etwas zu unternehmen“ oder in konträr gelagerten Fällen „endlich von staatlichen Eingriffen in Familien abzusehen“ spüren die Jugendämter verstärkt und reagieren darauf u.a. mit Fachtagungen und der Entwicklung und Ausarbeitung immer neuer Instrumentarien zur Einschätzung und Bewertung von Kindeswohlgefährdung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Analyse des Handlungsfeldes

2.1 Aufgaben der Institution „Jugendamt“

2.2 Gesetzliche Grundlagen

2.3 Die sozialpädagogische Arbeit mit den Ratsuchenden

3 Fallbeispiel

4 Ethische Konzepte in der Bezirkssozialarbeit

4.1 Autonomie

4.2 Eine ethische Theorie sittlicher Urteilsfindung nach Heinz Eduard Tödt

5 Eigene Stellungnahme

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem gesetzlichen Interventionszwang und der klientelaren Autonomie in der Arbeit des Jugendamtes. Ziel ist es, ethische Entscheidungshilfen für Bezirkssozialarbeiter zu evaluieren, um angemessen auf komplexe Kindeswohlgefährdungsfälle reagieren zu können.

  • Das "Doppelte Mandat" zwischen Hilfe und Kontrolle
  • Rechtliche Grundlagen und das staatliche Wächteramt (SGB VIII)
  • Herausforderungen in der Arbeit mit hochbelasteten Familien
  • Anwendung des 6-Schritte-Modells ethischer Urteilsfindung nach Tödt

Auszug aus dem Buch

Schritt 1: Wahrnehmung und Bestimmung des Problems als eines sittlichen

Die sittliche Wahrnehmung bemüht sich um eine ganzheitliche, also nicht sektorale (z.B. juristische) Wahrnehmung des Problems und wird in den Gesamtzusammenhang des Lebens eingeordnet.

Zum Fallbeispiel: Der Sozialarbeiter trifft in unserem Beispiel auf eine Familie bestehend aus zwei Menschen, die aufeinander angewiesen und voneinander abhängig sind. Keiner von beiden wünscht eine Veränderung der Situation, beide fühlen sich ihren eigenen Aussagen zufolge wohl.

Der Sozialarbeiter wird indes kaum vermeiden können, festzustellen, dass „hier etwas nicht stimmt“, unabhängig von Informationen Dritter oder bereits gemachter eigener Erfahrungen. Die zwei Menschen scheinen in einer eigenen Welt zu leben, unzugänglich für die soziale Umwelt. Neben seinem beruflichen Ethos wird er ein sittliches Empfinden aus sich selbst heraus verspüren, welches ihn zur Realisierung eines Problems, eines zu verändernden Zustandes auffordert.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Der Autor führt in das Spannungsfeld des „Doppelten Mandats“ (Hilfe und Kontrolle) ein und formuliert die zentrale ethische Forschungsfrage hinsichtlich staatlicher Eingriffe in das Elternrecht.

2 Analyse des Handlungsfeldes: Es werden die Aufgaben des Jugendamtes, die gesetzlichen Rahmenbedingungen des SGB VIII sowie die sozialpädagogische Arbeitsweise mit verschiedenen Klientengruppen detailliert beschrieben.

3 Fallbeispiel: Ein authentisches Fallbeispiel einer alleinerziehenden Mutter und ihres 12-jährigen Sohnes veranschaulicht die Problematik der symbiotischen Bindung und Kindeswohlgefährdung.

4 Ethische Konzepte in der Bezirkssozialarbeit: Dieser Teil befasst sich theoretisch mit dem Autonomiebegriff und wendet das ethische Modell von Heinz Eduard Tödt konkret auf das zuvor geschilderte Fallbeispiel an.

5 Eigene Stellungnahme: Der Autor reflektiert das Modell im Kontext der pädagogischen Paradoxie und kommt zu dem Schluss, dass ethische Modelle zwar bei der Reflexion helfen, die finale Verantwortung für das Wagnis einer Entscheidung jedoch beim Sozialarbeiter verbleibt.

Schlüsselwörter

Jugendamt, Bezirkssozialarbeit, Kindeswohlgefährdung, Autonomie, Doppeltes Mandat, SGB VIII, Ethik, Heinz Eduard Tödt, Soziale Arbeit, Familienhilfe, Eingriffsbefugnis, Fallbeispiel, Pädagogische Paradoxie, Verantwortung, Sozialpädagogische Diagnose

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit dem ethischen Dilemma von Sozialarbeitern im Jugendamt, die zwischen dem Auftrag zur Hilfe und dem staatlichen Wächteramt bei Kindeswohlgefährdung vermitteln müssen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen das "Doppelte Mandat", der Begriff der klientelaren Autonomie, die gesetzlichen Grundlagen nach dem SGB VIII sowie ethische Theorien zur Entscheidungsfindung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die ethische Reflexion über die Zulässigkeit staatlicher Eingriffe in das Elternrecht und die Prüfung, inwieweit das 6-Schritte-Modell nach Tödt als Entscheidungshilfe in der Praxis dienen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor kombiniert eine Literaturanalyse zu ethischen und rechtlichen Grundlagen mit einer fallbasierten, ethischen Reflexion unter Anwendung eines spezifischen Modells.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Handlungsfelder des ASD, präsentiert ein konkretes Fallbeispiel und führt in das ethische 6-Schritte-Modell der Urteilsfindung nach Tödt ein.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Kindeswohlgefährdung, Autonomie, staatliche Intervention, Berufsethos und Sozialpädagogische Fallhilfe beschreiben.

Warum ist die Arbeit mit dem Fall "Frau Klein und Konrad" so schwierig?

Weil eine symbiotische, indoktrinierende Mutter-Kind-Beziehung vorliegt, die nach außen hin stabil wirkt, aber die kindliche Entwicklung massiv beeinträchtigt, was die Abgrenzung zwischen Hilfe und Eingriff erschwert.

Welches Fazit zieht der Autor zum Modell von Heinz Eduard Tödt?

Der Autor schätzt das Modell als wertvolle Hilfe zur bewussteren Strukturierung ethischer Aspekte ein, bemängelt jedoch das Fehlen einer "Evaluation" und den hohen Handlungsdruck im Alltag, der das sequentielle Durchlaufen der Schritte erschwert.

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Details

Title
Entmündigung im Jugendamt?
Subtitle
Bezirkssozialarbeit zwischen Interventionszwang und klienteler Autonomie
College
Catholic University of Applied Sciences Freiburg
Course
Seminar Angewandte Ethik
Grade
1,7
Author
Rainer Wolff (Author)
Publication Year
2009
Pages
22
Catalog Number
V138166
ISBN (eBook)
9783640476800
ISBN (Book)
9783640476688
Language
German
Tags
Kindeswohlgefährdung Ethik Sozialarbeit Intervention Entscheidungsfindung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Rainer Wolff (Author), 2009, Entmündigung im Jugendamt?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138166
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