Der Geschichtsunterricht ist heutzutage oftmals nicht kindgerecht und interessant genug gestaltet. Doch historisches Lernen kann auch anschaulich und für die Schüler erlebbar gestaltet werden: Und zwar schon in der Grundschule, wenn historische Themen im Sachunterricht behandelt werden.
Der größte Kritikpunkt am herkömmlichen Unterricht ist, dass die Neugier und Interessen der Kinder und Jugendlichen nicht berücksichtigt werden und sie immer mehr den Bezug zum Fach Geschichte verlieren. Allzu oft werden Ereignisse anhand des Schulbuchs einfach chronologisch abgearbeitet, ohne auf die Bedürfnisse und Fragen der Schüler einzugehen.
„Häufig kann die Schule die Begeisterung für die Sache nicht umsetzen in eine Begeisterung für das Fach. Da stellt sich die Frage, warum im Geschichtsunterricht nicht viel öfter auf Jugendbücher zurückgegriffen wird und diese als Medium zur Geschichtsvermittlung genutzt werden.“
Die Resultate der PISA-Studien geben weiteren Anlass, über eine Neugestaltung des Unterrichts nachzudenken. Da die deutschen Schüler vor allem in der Lesekompetenz schlechte Ergebnisse vorweisen, würde es sich doch geradezu anbieten, vermehrt historische Kinder- und Jugendbücher, die den Interessen der Schüler entgegenkommen, in den Unterricht zu integrieren. So kann einerseits die Kluft zwischen dem Schullesen und dem Freizeitlesen verringert werden, andererseits können Belehrung und Unterhaltung durch spannende historische Romane kombiniert werden.
Der Geschichtsunterricht und der Sachunterricht in der Grundschule bieten eine optimale Plattform dafür, die Freizeit- und Schullektüre näher aneinander heranzuführen: „Vielleicht ist das im Geschichtsunterricht sogar leichter als im Deutschunterricht. Hier verhindert gerade für leistungsschwache Schülerinnen und Schüler die Bewertung oder Prüfung des Lesens durch Noten und Klassenarbeiten ein lustvolles Lesen. Im Geschichtsunterricht ist die „Entschulung“ des Lesens, die im Hinblick auf die Leseförderung so wichtig ist, vielleicht einfacher.“ Demnach ist es die Aufgabe der Schule, das Lesevergnügen der Kinder aufzubauen und zu verstärken und die Lesesozialisation zu beschleunigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historisches Lernen in der Grundschule
2.1 Was ist historisches Lernen?
2.2 Dimensionen des Geschichtsbewusstseins
2.2.1 Temporalbewusstsein
2.2.2 Wirklichkeitsbewusstsein
2.2.3 Historizitätsbewusstsein
2.2.4 Identitätsbewusstsein
2.2.5 Politisches Bewusstsein
2.2.6 Ökonomisch-Soziales Bewusstsein
2.2.7 Moralisches Bewusstsein
2.3 Historisches Lernen in der Grundschule
2.4 Ziele historischen Lernens
3. Historische Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht
3.1 Definition von historischer Kinder- und Jugendliteratur
3.2 Chancen und Gefahren von historischen Romanen
4. Begründung der Themenauswahl „Geschichte des alten Roms“
5. Analyse ausgewählter historischer Kinder- und Jugendbücher
5.1 Vorstellung des Kriterienkatalogs
5.1.1 Alltagsgeschichte
5.1.2 Förderung der Dimensionen des Geschichtsbewusstseins
5.1.3 Fachwissenschaftliche Korrektheit
5.1.4 Identifikation
5.1.5 Veranschaulichung und Vergegenwärtigung
5.1.6 Schülerinteressen und Lesemotivation
6. Analyse ausgewählter historischer Kinder- und Jugendbücher
6.1 Fiktiver Roman - Quintus in Gefahr (Hans- Dieter Stöver)
6.1.1 Alltagsgeschichte
6.1.2 Förderung der Dimensionen des Geschichtsbewusstseins
6.1.3 Fachwissenschaftliche Korrektheit
6.1.4 Identifikation
6.1.5 Veranschaulichung und Vergegenwärtigung
6.1.6 Schülerinteressen und Lesemotivation
6.2 Zeitreise - Die Zeitenläufer. Verschwörung im alten Rom
6.2.1 Alltagsgeschichte
6.2.2 Förderung der Dimensionen des Geschichtsbewusstseins
6.2.3 Fachwissenschaftliche Korrektheit
6.2.4 Identifikation
6.2.5 Veranschaulichung und Vergegenwärtigung
6.2.6 Schülerinteressen und Lesemotivation
6.3 Interaktive Zeitreise - Gefangen im alten Rom
6.3.1 Alltagsgeschichte
6.3.2 Förderung der Dimensionen des Geschichtsbewusstseins
6.3.3 Fachwissenschaftliche Korrektheit
6.3.4 Identifikation
6.3.5 Veranschaulichung und Vergegenwärtigung
6.3.6 Schülerinteressen und Lesemotivation
6.4 Mitratekrimi – Falsches Spiel in der Arena (Fabian Lenk)
6.4.1 Alltagsgeschichte
6.4.2 Förderung der Dimensionen des Geschichtsbewusstseins
6.4.3 Fachwissenschaftliche Korrektheit
6.4.4 Identifikation
6.4.5 Veranschaulichung und Vergegenwärtigung
6.4.6 Schülerinteressen und Lesemotivation
6.5 Roman mit Sachbuchelementen – Viel Spaß mit den Römern! (Freya Stephan-Kühn)
6.5.1 Alltagsgeschichte
6.5.2 Förderung der Dimensionen des Geschichtsbewusstseins
6.5.3 Fachwissenschaftliche Korrektheit
6.5.4 Identifikation
6.5.5 Veranschaulichung und Vergegenwärtigung
6.5.6 Schülerinteressen und Lesemotivation
7. Vergleich der ausgewählten historischen Romane
8. Einsatz von historischen Romanen im Unterricht
9. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern historische Kinder- und Jugendromane zum Geschichtslernen in der Grundschule beitragen können. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und wie durch ausgewählte Romane zum Thema „Altes Rom“ ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein bei Kindern gefördert werden kann, wobei sowohl fachwissenschaftliche Korrektheit als auch kindgerechte Identifikationsmöglichkeiten und Lesemotivation kritisch bewertet werden.
- Entwicklung eines geschichtsdidaktischen Kriterienkatalogs zur Analyse historischer Romane.
- Untersuchung von historischen Romanen zu unterschiedlichen Genres (fiktiver Roman, Zeitreise, Mitratekrimi, Sachbuch-Roman).
- Analyse der Förderung verschiedener Dimensionen des Geschichtsbewusstseins (z.B. Temporal-, Wirklichkeits- und Historizitätsbewusstsein).
- Evaluation der fachwissenschaftlichen Korrektheit historischer Details und Alltagsschilderungen.
- Konzeptionelle Vorschläge für den didaktisch sinnvollen Einsatz historischer Literatur im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
6.1 Fiktiver Roman - Quintus in Gefahr (Hans- Dieter Stöver)
Der 15-jährige Quintus arbeitet in einem Buchladen in Rom um 49 v. Chr. Eines Tages wird er Opfer einer Verwechslung und entführt. Doch Quintus kann seine Entführer austricksen, indem er seinen Freunden eine Nachricht zukommen lassen kann. Diesen gelingt es daraufhin, Quintus zu befreien und die Entführer zu stellen.
Hans-Dieter Stöver vermittelt in seinem Roman eine Reihe von interessanten Details aus dem Alltag im alten Rom. So erfahren die Kinder und Jugendlichen, die dieses Buch lesen, was für Speisen die reicheren Römer bei einem üppigen Mahl zu sich genommen haben. Darunter befanden sich unter anderem „Geflügel, Schweinebraten, verschiedene für den Winter eingesäuerte Gemüse, Pasteten, gefüllt mit dem zarten Fleisch von Krammetsvögeln, kandierte Früchte, mit Honig gesüßte Mandeln und Nüsse.“ Außerdem wird geschildert, dass zu den Mahlzeiten oft Wein, mit Wasser verdünnt, getrunken wurde und das Abendessen im antiken Rom als die Hauptmahlzeit galt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit, Geschichtsunterricht durch die Einbindung historischer Kinderliteratur kindgerechter und motivierender zu gestalten.
2. Historisches Lernen in der Grundschule: Es werden die grundlegenden Dimensionen des Geschichtsbewusstseins nach Pandel erläutert und deren Bedeutung für das Lernen in der Grundschule dargelegt.
3. Historische Kinder- und Jugendliteratur im Unterricht: Dieses Kapitel definiert den Untersuchungsgegenstand und erörtert die didaktischen Chancen und Gefahren beim Einsatz fiktionaler historischer Literatur.
4. Begründung der Themenauswahl „Geschichte des alten Roms“: Hier wird dargelegt, warum das Thema „Altes Rom“ aufgrund zahlreicher Anknüpfungspunkte an die Lebenswelt der Schüler besonders für den Grundschulunterricht geeignet ist.
5. Analyse ausgewählter historischer Kinder- und Jugendbücher: Es wird ein Kriterienkatalog entwickelt, der Kategorien wie Alltagsgeschichte, Fachkorrektheit und Identifikationspotenzial umfasst.
6. Analyse ausgewählter historischer Kinder- und Jugendbücher: In diesem zentralen Teil werden fünf verschiedene Romane anhand der Kriterien detailliert analysiert und bewertet.
7. Vergleich der ausgewählten historischen Romane: Die verschiedenen Romantypen werden gegenübergestellt, wobei Stärken und Schwächen im Hinblick auf den schulischen Einsatz aufgezeigt werden.
8. Einsatz von historischen Romanen im Unterricht: Es werden methodische Ansätze wie die Arbeit mit Bücherkisten oder Romanauszügen für den Unterricht präsentiert.
9. Schluss: Die Arbeit resümiert, dass historische Romane eine wertvolle Ergänzung zum Geschichtsunterricht darstellen, sofern die Auswahl kritisch erfolgt.
Schlüsselwörter
Historisches Lernen, Geschichtsbewusstsein, Grundschule, Sachunterricht, Historische Romane, Antikes Rom, Lesemotivation, Kinderliteratur, Alltagsgeschichte, Identifikation, Fachwissenschaftliche Korrektheit, Geschichtsdidaktik, Fiktionalität, Authentizität, Lesekompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht die didaktische Eignung historischer Kinder- und Jugendromane zur Förderung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins in der Grundschule, insbesondere am Beispiel des Themas „Altes Rom“.
Welche Dimensionen des Geschichtsbewusstseins sind zentral?
Zu den untersuchten Dimensionen gehören das Temporal-, Wirklichkeits-, Historizitäts-, Identitäts-, politische, ökonomisch-soziale sowie das moralische Bewusstsein.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Kriterien für die Auswahl geeigneter historischer Literatur zu entwickeln und aufzuzeigen, wie diese Bücher sinnvoll in den Sach- und Geschichtsunterricht integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse angewandt?
Die Arbeit verwendet eine qualitative Inhaltsanalyse ausgewählter historischer Romane anhand eines eigens erstellten geschichtsdidaktischen Kriterienkatalogs.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil beinhaltet die Entwicklung des Kriterienkatalogs sowie die detaillierte Analyse von fünf spezifischen Romanen, darunter Werke von Hans-Dieter Stöver und Christian Tielmann.
Welche Schlüsselbegriffe definieren den Kern der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert auf zentrale Begriffe wie Historisches Lernen, Geschichtsbewusstsein, Lesemotivation, Fachwissenschaftliche Korrektheit und Identifikationspotenzial.
Warum ist gerade das „Alte Rom“ als Fallbeispiel gewählt worden?
Das „Alte Rom“ ist aufgrund vielfältiger medialer Vorerfahrungen der Kinder (z.B. Asterix) und der hohen Verfügbarkeit gut aufgearbeiteter Literatur ein idealer Gegenstand für historisches Lernen.
Welches Fazit zieht die Arbeit bezüglich des interaktiven Romans von Thilo?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der interaktive Roman „Gefangen im alten Rom“ zwar eine hohe Lesemotivation erzeugt, jedoch aufgrund fehlender Wissensgrundlagen und methodischer Nachteile für den zielgerichteten Schulunterricht weniger geeignet ist.
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- Stefan Nitsche (Author), 2008, Römische Geschichte für Grundschüler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138174