Die vorliegende Hausarbeit „Albinos in Afrika“ behandelt allgemein das Thema Behinderung in Afrika. Sie umreißt zunächst das Verständnis von Behinderung im europäischen und afrikanischen Kontext. Anschließend wird auf Albinismus eingegangen und hinterfragt, ob und inwieweit die Erkrankten in Afrika heutzutage von sozialer Benachteiligung bzw. gesellschaftlicher Ausgrenzung betroffen sind. Welche Erklärungen gibt es dafür?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Behinderung
2.1 Definitorische Annäherung an das Phänomen „Behinderung“
2.2 Behinderung nach der WHO-Klassifikation ICIDH
2.3 Disability-Studies
3. Behinderung in Afrika
3.1 Anzahl der Behinderten in Afrika
3.2 Behinderung als kulturspezifisches Phänomen
3.3 Erklärungsversuche für Behinderung
3.4 Ursachen für Behinderung
3.5 Folgen für Menschen mit Behinderung
4. Albinismus
4.1 Begriffsklärung
5. Albinos in Afrika – Die weißen Außenseiter
5.1 Grausame Behandlung
5.2 Soziale Akzeptanz
6. WHO-Klassifikation auf Albinismus angewandt
6.1 Impairment
6.2 Disability
6.3 Handicap
7. Schluss
8. Quellen
8.1 Literaturverzeichnis
8.2 Internetquellen
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht das Verständnis von Behinderung im europäischen und afrikanischen Kontext mit einem besonderen Fokus auf die Situation von Menschen mit Albinismus in Afrika. Ziel ist es zu analysieren, ob und inwieweit diese Personengruppe heute mit sozialer Ausgrenzung und Diskriminierung konfrontiert ist.
- Vergleichendes Verständnis von Behinderung (Europa vs. Afrika)
- Soziologische und medizinische Definitionen von Behinderung
- Ursachen und Auswirkungen von Albinismus
- Strukturelle Diskriminierung und Hexenglaube in Afrika
- Analyse von Albinismus anhand der WHO-Klassifikation
Auszug aus dem Buch
5.1 Grausame Behandlung
„Die Menschen glauben, wir wären glücklich", sagte Al-Shaymaa Kwegyir, Mitglied im Parlament und selbst ein Albino. „Deshalb bringen sie uns um." Manche halten Albinos sogar für unsterblich. In Afrika kommt nach Schätzungen der südafrikanischen Albinismus-Vereinigung ein Albino auf 4.000 Menschen. Doch die Opfer der Pigmentstörung sind weder glücklich noch unsterblich - im Gegenteil. Gerade in Tansania, wo ein Bürger von 3000 betroffen ist, leiden die Patienten besonders stark unter den intensiven Sonnenstrahlen. Dort werden Menschen, die an Albinismus leiden, diskriminiert, verfolgt und von der Gesellschaft verstoßen. Seit März 2008 wurden mindestens 25 Albinos, darunter auch Kinder im Gebiet um den Viktoriasee getötet. Denn diese in Afrika lebende Minderheit ist Opfer eines weit verbreiteten Glaubens, der sie zum Zielobjekt von Medizinmännern macht. Tilman Zülch, Gründer und Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker International, erklärt, warum weißhäutige Afrikaner in Ost-Afrika verfolgt werden: „Es gibt diesen Aberglaube in Tansania, in Kenia und im Kongo. Die dortigen Schamanen haben einen Mythos geschaffen, dass Albinos Zauberkräfte haben.“ Dieser Glaube führt schließlich dazu, dass einige Menschen Albinos überfallen, töten, zerhacken und dann Haut, Knochen, Blut und Haar für alle möglichen Zaubertränke benutzen. „Ich habe gehört, dass bis zu 60.000 Dollar für den Körper eines Albinos gezahlt werden, “ sagt Nikodem Gahimbare, der Oberstaatsanwalt der Provinz Ruyigi, der die Ermittlungen bei den Albino-Morden in Burundi leitet. Fast alle Albinos sind in ihren Dorfgemeinschaften Außenseiter, denen es unmöglich ist, ein normales Leben zu führen. Sie fühlen sich gejagt und vom tödlichen Hexenglauben bedroht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema Behinderung in Afrika vor und führt die Fragestellung zur sozialen Lage von Menschen mit Albinismus ein.
2. Behinderung: Dieses Kapitel erläutert den wissenschaftlichen Behindertenbegriff, inklusive der WHO-Klassifikation (ICIDH) und Ansätze der Disability-Studies.
3. Behinderung in Afrika: Hier werden die spezifischen kulturellen Wahrnehmungen von Behinderung auf dem afrikanischen Kontinent, die Ursachen sowie die sozioökonomischen Folgen thematisiert.
4. Albinismus: Das Kapitel definiert den Begriff Albinismus und erklärt die medizinischen Grundlagen der autosomal-rezessiven Erbkrankheit.
5. Albinos in Afrika – Die weißen Außenseiter: Die Arbeit beleuchtet die prekäre Lebenssituation von Albinos in Afrika, insbesondere durch Aberglauben motivierte Gewalt und Fälle von sozialer Akzeptanz.
6. WHO-Klassifikation auf Albinismus angewandt: Eine praktische Anwendung der WHO-Kriterien (Impairment, Disability, Handicap) auf das Krankheitsbild Albinismus.
7. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass soziale Faktoren und Armut die Lebensumstände der Betroffenen stärker prägen als die medizinischen Diagnosen.
8. Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur und Internetquellen zur Untermauerung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Albinismus, Behinderung, Afrika, Diskriminierung, Hexenglaube, WHO-Klassifikation, ICIDH, Disability-Studies, Medizinmänner, soziale Ausgrenzung, Menschenrechte, Minderheiten, Erbkrankheit, Sozialgesetzbuch, Armut.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die soziale Situation von Menschen mit Albinismus in Afrika im Kontext allgemeiner Behinderungstheorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition von Behinderung, kulturelle Unterschiede der Wahrnehmung, die medizinische Genetik des Albinismus und die menschenrechtliche Problematik von Gewalt gegen Betroffene.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Untersuchung, ob und wie Betroffene in Afrika heute von Ausgrenzung betroffen sind und welche soziokulturellen Erklärungen hierfür existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die soziologische Konzepte mit empirischen Belegen zur Situation von Albinos verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Rahmenbedingungen von Behinderung, vergleicht den afrikanischen mit dem westlichen Kontext und wendet die WHO-Klassifikation direkt auf den Albinismus an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Albinismus, Diskriminierung, Hexenglaube, soziale Ausgrenzung und die WHO-Klassifikation.
Welche Rolle spielt der Hexenglaube bei der Diskriminierung?
Der Hexenglaube fungiert als treibende Kraft hinter der Verfolgung, da Medizinmänner Mythen über angeblich magische Eigenschaften der Körperteile von Albinos verbreiten.
Warum wird Albinismus in dieser Arbeit als "soziale Behinderung" klassifiziert?
Neben der medizinischen Beeinträchtigung erfahren Betroffene durch ihre Umwelt eine soziale Benachteiligung, die ihre volle gesellschaftliche Teilhabe massiv einschränkt.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von Behinderung in afrikanischen Kulturen von der westlichen?
Während im Westen oft medizinisch-technische Kriterien dominieren, spielen in vielen afrikanischen Traditionen spirituelle Erklärungen und die familiäre bzw. soziale Einbettung eine entscheidende Rolle.
Welches Fazit zieht die Autorin zur Situation von Albinos in Ostafrika?
Die Autorin schließt, dass vor allem extreme Armut und der daraus resultierende Wunsch nach schnellem Wohlstand die Gewalt gegen Albinos befeuern, wobei die soziale Stigmatisierung die medizinische Beeinträchtigung bei weitem überwiegt.
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- Jasmin Neumann (Author), 2009, Albinos in Afrika. Die weißen Außenseiter., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138190