Bluejeans sind ein kulturhistorisches Phänomen. Vor genau 150 Jahren patentiert, haben sie sich von der Arbeitshose zum Kultobjekt und letztlich zum neutralen Massen- und Wegwerfartikel entwickelt. Die Bluejeans tragen wesentlich bei zu einer Uniformität der Kleidung im öffentlichen Raum.
Warum tragen so viele Menschen Bluejeans? Wie bedienen sie das paradoxale menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Abgrenzung und Profilierung? Was verbinden Menschen mit dem Tragen dieser Hosen? Hatte die rebellische Generation in den 1970er-Jahren andere Gründe, Bluejeans zu tragen als die Jugend heute? Wie kommt es, dass sie immer wieder als Modeartikel vermarktet werden?
Diese und weitere Fragen beantwortet Anne Marie Juli in ihrem Buch. Im Fokus stehen dabei die unterschiedlichen Einstellungen verschiedener Generationen gegenüber der Jeans. Mit ihrem Buch richtet sich die Autorin an Lehrende und Studierende der Sozial- und Kulturwissenschaften, Modefachschulen, Mitarbeitende der Textilbranche und alle, die sich Gedanken zum Ausdruck der eigenen Identität machen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Kapitel 1 Einleitung
Fragen und Zielgruppen
Reichweite
Aufbau
Kapitel 2 Bluejeans oder Jeans? Eine Begriffsklärung
Denim und Raw Denim
Indigo(blau)
Kapitel 3 Werdegang eines kulturhistorischen Phänomens
Von der Arbeits- zur Freizeithose
Filmidole in Bluejeans: Vorbilder für Halbstarke der 1950er-Jahre
Bluejeans – die Revoluzzerhose?
Zeitzeugen
Bluejeans für alle überall
Bluejeans als Teil subkultureller ‚Dresscodes’
Fazit
Kapitel 4 Forschungsobjekt Bluejeans
Theoretischer Bezugsrahmen
Anpassung versus Profilierung
Individualisierung versus Uniformierung
Identität versus subkulturellen Kontext
Kapitel 5 Forschungsdesign
Wissenschaftliche Verortung
Triangulation
Methodenmix
Strichlistenerhebung
Großflächige Umfrage
Leitfadeninterviews
Kapitel 6 Jeansblaue Uniformität im öffentlichen Raum
Strichlistenerhebung
Bluejeans-Träger in Osnabrück
Geschlecht und Alter
Bluejeans und Dresscodes?
Soziale Unterschiede?
Fazit
Kapitel 7 Was macht Bluejeans populär?
Die Umfrage
Wer trägt Bluejeans?
Gründe, Bluejeans zu tragen
Bluejeans-Eigenschaften
Tragegewohnheiten
Warum tragen Menschen keine Bluejeans?
Sind Abstinenzler weniger angepasst als Bluejeans-Träger?
Unterschiede zwischen Generationen?
Fazit
Kapitel 8 Bluejeans für den individuellen Kleidungsstil
Fragestellungen
Ein individueller Kleidungsstil?
Gewünschtes Erscheinungsbild?
Sind Bluejeans-Träger modeorientiert?
Auffallen oder untertauchen?
Sind ‚Normalos‘ angepasster?
Nostalgie?
Bluejeans und die Mode
Fazit
Kapitel 9 Bluejeans – der ‚ewige Modeartikel‘?
Was ist Mode?
Gründe für den Modewandel: Abgrenzung und Nachahmung
Bluejeans und die Mode
Kapitel 10 Bluejeans - Uniform einer individualisierten Gesellschaft?
Individuelle Freiheit versus gesellschaftliche Zwänge
Individualisierung und Uniformierung
Kapitel 11 Bluejeans – Produkt erfolgreicher Werbung?
Werbung und Marketing
Werbeausgaben und Umsatzentwicklung in der Jeansbranche
Werbewirksamkeit
Bluejeans in der Werbung
Indirekte Bluejeans-Werbung in der „Brigitte“
Fazit
Kapitel 12 Deshalb tragen so viele Menschen Bluejeans
Uniformierung und Individualisierung
Bluejeans und die Mode – über Anpassung und Profilierung
Identität und (sub)kultureller Kontext
Fazit und Ausblick
Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studie untersucht die Gründe für die anhaltende Popularität von Bluejeans in Deutschland und die damit verbundene vestimentäre Uniformität im öffentlichen Raum, wobei insbesondere der Vergleich zwischen der ersten Bluejeans-Generation der 1970er-Jahre und der Generation nach der Jahrtausendwende im Fokus steht. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu ergründen, warum Bluejeans trotz des Wunsches nach Individualität und Selbstverwirklichung zu einem allgegenwärtigen Massenartikel geworden sind und welche Rolle das Streben nach Anpassung versus Profilierung dabei spielt.
- Historischer Werdegang der Bluejeans vom Arbeitsgewand zum Identitätssymbol
- Analyse des Spannungsfeldes zwischen Modetrends und individueller Ausdrucksform
- Empirische Untersuchung des Bluejeans-Trageverhaltens und demografischer Merkmale
- Die Bedeutung von Werbung und Marketing für die anhaltende Imagebildung
- Untersuchung nonkonformistischer Subkulturen im Verhältnis zur Massenkonfektion
Auszug aus dem Buch
Werdegang eines kulturhistorischen Phänomens
Zwei Fragen stehen in diesem Kapitel zentral: Wie entwickelte sich die Popularität der Bluejeans im Laufe der letzten Jahrzehnte und was war deren Funktion für ihre Träger?
Der Ursprung und der historische Werdegang der Bluejeans ab Mitte des 19. Jahrhunderts sind in der Literatur bereits ausführlich dargestellt worden. Einen guten chronologischen Überblick mit internen Informationen über die Entwicklung der Firma Levi Strauss bieten beispielsweise Publikationen von Daniel Friedmann, Doris Schmidt und Elke Dettmer. Der Schwerpunkt liegt im vorliegenden Kapitel auf einer Analyse der Entwicklungen seit Mitte der 1960er-Jahre, auch wenn sich die Anfänge der Bluejeans im Rahmen dieser Studie nicht ganz ausblenden lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die weltweite Bedeutung der Bluejeans und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Ursache für die hohe Verbreitung dieses Massenartikels in Deutschland.
Kapitel 2 Bluejeans oder Jeans? Eine Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert den Begriff Bluejeans für die Studie und grenzt ihn von anderen Kleidungsstücken ab.
Kapitel 3 Werdegang eines kulturhistorischen Phänomens: Der Abschnitt analysiert die historische Entwicklung der Jeans von einer robusten Arbeitshose zu einem globalen Symbol für Freizeit und Protest.
Kapitel 4 Forschungsobjekt Bluejeans: Hier werden theoretische Bezugsrahmen wie Anpassung versus Profilierung bei der Nutzung von Kleidung wissenschaftlich eingeordnet.
Kapitel 5 Forschungsdesign: Dieses Kapitel beschreibt die explorative methodische Vorgehensweise, bestehend aus triangulären Erfassungsmethoden wie Strichlistenerhebungen und Umfragen.
Kapitel 6 Jeansblaue Uniformität im öffentlichen Raum: Die Autoren präsentieren empirische Befunde zur tatsächlichen Verbreitung von Bluejeans im öffentlichen Raum am Beispiel Osnabrück.
Kapitel 7 Was macht Bluejeans populär?: Durch eine Umfrage werden Motive wie Funktionalität und Tragekomfort auf ihre Bedeutung für verschiedene Altersgruppen untersucht.
Kapitel 8 Bluejeans für den individuellen Kleidungsstil: Vertiefende Interviews zeigen auf, wie Nutzer Bluejeans in ihr persönliches Erscheinungsbild integrieren.
Kapitel 9 Bluejeans – der ‚ewige Modeartikel‘?: Die Analyse hinterfragt kritisch, ob Bluejeans trotz ihrer Beständigkeit modetheoretisch als Modeartikel eingestuft werden können.
Kapitel 10 Bluejeans - Uniform einer individualisierten Gesellschaft?: Der soziologische Zusammenhang zwischen dem Streben nach Individualisierung und dem gleichzeitigen Trend zur Uniformität steht hier im Mittelpunkt.
Kapitel 11 Bluejeans – Produkt erfolgreicher Werbung?: Das Kapitel untersucht, inwieweit professionelles Marketing und Werbekampagnen für die fortwährende Beliebtheit der Hose verantwortlich sind.
Kapitel 12 Deshalb tragen so viele Menschen Bluejeans: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert das Zusammenspiel aus individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichem Einfluss.
Schlüsselwörter
Bluejeans, Denim, Uniformität, Individualisierung, Anpassung, Modetheorie, Konsumverhalten, Markenbildung, Kleidungskultur, Identität, Generation Y, Babyboomer, Werbung, Kleidungsstil, Sozialisation.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieses Buches?
Das Buch untersucht die wissenschaftlichen Gründe für die weite Verbreitung von Bluejeans in Deutschland und geht der Frage nach, warum trotz eines starken gesellschaftlichen Fokus auf Individualität ein so einheitliches Kleidungsbild entsteht.
Welche Altersgruppen stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die Studie vergleicht primär die sogenannten Babyboomer, die erstmals in den 1970er-Jahren mit der massiven Verbreitung von Bluejeans konfrontiert waren, mit der heutigen Generation Y und Z.
Warum tragen so viele Menschen Jeans?
Die Studie identifiziert Funktionalität, Trageeigenschaften und Gewohnheit als primäre Gründe für den Jeanskauf, während die explizite Absicht, ein modisches Statement zu setzen, für die meisten Träger eine untergeordnete Rolle spielt.
Wie wurden die Daten für diese Studie erhoben?
Die Arbeit basiert auf einem Mixed-Methods-Ansatz, der Strichlistenerhebungen im öffentlichen Raum, eine deutschlandweite Online-Befragung von über 1000 Personen und leitfadenbasierte Interviews umfasst.
Was bedeutet der Begriff „jeansblaue Uniformität“ in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt den beobachtbaren Effekt, dass über 50 % der Passanten im öffentlichen Raum Bluejeans tragen, was trotz zahlreicher anderer modischer Alternativen auf eine uniforme Grundausstattung hindeutet.
Spielt Mode bei der Entscheidung für eine Jeans eine entscheidende Rolle?
Überraschenderweise zeigen die Daten, dass der „Mode-Aspekt“ für die Mehrheit der Träger keineswegs kaufentscheidend ist; vielmehr werden handfeste Gebrauchseigenschaften priorisiert.
Funktioniert die Jeans heute noch als Symbol für Rebellion?
Nein, das ehemals rebellische Image der Jeans aus den 1970er-Jahren wurde weitgehend durch ein neutrales, unauffälliges Image ersetzt, das eher für Anpassung und Normalität steht.
Wie reagieren „Abstinenzler“ auf das Angebot an Bluejeans?
Personen, die keine Bluejeans tragen, zeigen kein höheres Bedürfnis nach Individualität als Träger. Sie bevorzugen schlichtweg einen anderen Stil, bei dem Jeans für sie persönlich nicht passen.
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- Anne Marie Juli (Author), 2023, Bluejeans. Globale Kluft oder persönliches Statement?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382110