Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption und Diskussion von Maßnahmen zur Förderung der Therapieadhärenz bei chronischen Erkrankungen auf der Basis des HAPA-Modells am Fallbeispiel einer Personen mit Diabetes mellitus Typ 1. Hierfür werden zunächst die Besonderheiten einer chronischen Erkrankung beschrieben und mit Prävalenzdaten der häufigsten Erkrankungen zur Übersicht gebracht. Anschließend werden wichtige Merkmale, sowie die Epidemiologie und Therapie der Diabetes mellitus Typ 1 Erkrankung aufbereitet. Kapitel 3 definiert zunächst den Begriff der Therapieadhärenz, um dessen Schwierigkeiten im Anschluss mit Diabetes mellitus Typ 1 in Verbindung zu bringen. Nachfolgend wird das HAPA-Modell beleuchtet, um darauf aufbauend Maßnahmen zur Förderung der Therapieadhärenz bei Diabetes mellitus Typ 1 zu erarbeiten. Es zeigt sich, dass die Anwendung der Theorie des HAPA-Modells zur Konzeption dieser Fördermaßnahmen geeignet ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Chronische Erkrankung
1.1 Definition
1.2 Epidemiologie chronischer Erkrankungen in Deutschland
2 Diabetes Typ 1
2.1 Epidemiologie
2.2 Therapie
3 Therapieadhärenz
3.1 Therapieadhärenz bei Diabetes Typ 1
4 HAPA-Modell
4.1 Motivationsphase
4.2 Volitionsphase
5 Maßnahmen zur Förderung der Therapieadhärenz bei einer chronischen Diabetes Typ 1 Erkrankung auf Basis der HAPA-Modells
5.1 Maßnahmen Motivationale Phase
5.2 Maßnahmen Volitionsphase
6 Bewertung und Diskussion
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das HAPA-Modell genutzt werden kann, um die Therapieadhärenz bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 durch gezielte, phasenbasierte gesundheitspsychologische Interventionen zu verbessern.
- Grundlagen chronischer Erkrankungen und deren sozioökonomische Relevanz
- Klinisches Bild und spezifische Herausforderungen bei Diabetes mellitus Typ 1
- Differenzierung des Gesundheitsverhaltens in Motivations- und Volitionsphase
- Anwendung des HAPA-Modells zur Implementierung von Fördermaßnahmen
- Bedeutung von Selbstwirksamkeit und Coping-Strategien für das Selbstmanagement
Auszug aus dem Buch
4.1 Motivationsphase
Die Motivationsphase dient zunächst der Bildung einer Handlungsabsicht. Die Intention, das eigene (Gesundheits-)Verhalten ändern zu wollen, wird hier zunächst von einer Risikowahrnehmung geleitet. So führt beispielsweise die Wahrnehmung der gesundheitlichen Langzeitrisiken von hohen Blutzuckerspiegeln zur Intention, auf eine gute Therapieeinstellung zu achten. Die Risikowahrnehmung beruht dabei auf der subjektiven Einschätzung der eigenen Verwundbarkeit und dem Schweregrad des Risikos (Finne et al., 2021). Da die Wahrnehmung eines Risikos jedoch für die Intentionsbildung allein nicht ausreicht, kommen die Konstrukte der Handlungsergebniserwartung, sowie der Selbstwirksamkeitserwartung hinzu.
Die Handlungsergebniserwartung stellt zunächst eine Kosten-Nutzen-Abwägung dar, bei der verschiedene Handlungsalternativen und deren voraussichtlichen Ergebnisse gegeneinander aufgewogen werden. Jede Alternative bringt dabei meist Anreize und Barrieren mit sich (Finne et al., 2021). So kann bei Diabetiker*innen beispielsweise der Anreiz bestehen, das spontan gekaufte Eis direkt zu essen und die Erfrischung zu genießen, ohne den nötigen Spritz-Ess-Abstand einzuhalten. Dieses positive Ereignis muss hier gegen die negativen Folgen (hoher Blutzuckerspiegel kurz nach dem Eis-Verzehr) abgewogen werden und stellt eine Barriere in der Überlegung dar.
Das weitere Konstrukt der Selbstwirksamkeitserwartung wurde vom kanadischen Psychologen Albert Bandura entwickelt und von Schwarzer in sein Modell integriert. Selbstwirksamkeitserwartung bezeichnet die Überzeugung, eine Anforderungssituation aufgrund der eigenen Fähigkeiten bestehen zu können und wird deshalb auch als Kompetenzerwartung umschrieben (Bandura, 1977). Schwarzer (2008) unterteilt die Selbstwirksamkeitserwartung in seinem Modell in Handlungs-, Aufrechterhaltungs- und Wiederherstellungs-Selbstwirksamkeitserwartung. Die generelle Erwartung, mit der Diabetes Erkrankung umgehen zu können und sich selbst als wirksam bei der Regulation des Blutzuckers zu erleben, wäre ein Beispiel für die Handlungs-Selbstwirksamkeitserwartung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Chronische Erkrankung: Einführung in die Definition und Epidemiologie chronischer Krankheiten in Deutschland zur Einordnung der gesundheitspsychologischen Ausgangslage.
2 Diabetes Typ 1: Darstellung der medizinischen Grundlagen, spezifischen Symptomatik und der hohen Anforderungen an das tägliche Therapiemanagement.
3 Therapieadhärenz: Definition des Begriffs der Adhärenz im Kontext der Partnerbeziehung zwischen Patient und Behandler sowie Analyse der Schwierigkeiten bei Diabetes.
4 HAPA-Modell: Theoretische Herleitung des sozial-kognitiven Prozessmodells mit Unterteilung in Motivations- und Volitionsphase zur Verhaltensänderung.
5 Maßnahmen zur Förderung der Therapieadhärenz bei einer chronischen Diabetes Typ 1 Erkrankung auf Basis der HAPA-Modells: Konzeption konkreter Fördermaßnahmen für die motivationalen und volitionalen Abschnitte der Verhaltensänderung.
6 Bewertung und Diskussion: Kritische Reflexion der Anwendbarkeit des Modells unter Einbeziehung aktueller Studienlage und Limitationen.
7 Fazit: Zusammenfassende Einschätzung des HAPA-Modells als wirksames Instrument zur Entwicklung individueller Interventionen bei Diabetes.
Schlüsselwörter
Diabetes mellitus Typ 1, HAPA-Modell, Therapieadhärenz, Gesundheitspsychologie, Verhaltensänderung, Motivationsphase, Volitionsphase, Selbstwirksamkeit, Handlungsergebniserwartung, Risikowahrnehmung, Selbstmanagement, Patientenaufklärung, Coping-Strategien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Facharbeit analysiert die Möglichkeiten, die Therapieadhärenz von Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 durch die Anwendung des HAPA-Modells gezielt zu steigern.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die Epidemiologie chronischer Erkrankungen, das Krankheitsbild Diabetes, die Interaktion zwischen Arzt und Patient sowie die psychologischen Mechanismen der Verhaltenssteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Erarbeitung von praktischen Maßnahmen, die auf Basis des Health Action Process Approach (HAPA) Patienten dabei unterstützen, ihre Therapietreue im oft anspruchsvollen Alltag zu festigen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Anwendung eines psychologischen Prozessmodells auf ein spezifisches klinisches Fallbeispiel basiert.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung in die Therapieadhärenz, die Erläuterung der Phasen des HAPA-Modells und die daraus abgeleiteten Interventionsmöglichkeiten.
Welche Fachbegriffe definieren den Kern der Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Adhärenz, Motivationsphase, Volitionsphase, Selbstwirksamkeitserwartung und die Intentions-Verhaltens-Lücke.
Warum ist das HAPA-Modell speziell für Diabetes-Patienten geeignet?
Da Diabetes Typ 1 ein hohes Maß an bewusster Planung und Selbstmanagement erfordert, bietet das HAPA-Modell eine strukturierte Methode, um die Lücke zwischen guter Absicht und tatsächlichem Handeln zu schließen.
Welche Rolle spielt die Arzt-Patient-Beziehung laut Autor?
Der Autor betont, dass ein partnerschaftlicher Umgang statt bloßer Compliance-Forderungen essenziell ist, um Vertrauen aufzubauen und Barrieren im Therapiemanagement abzubauen.
Wie gehen Patienten nach dem Modell mit Rückfällen um?
Das Modell sieht eine Bewältigungsplanung vor, bei der Entgleisungen des Blutzuckers nicht als persönliches Scheitern, sondern als Teil des Krankheitsverlaufs verstanden und strategisch aufgearbeitet werden.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Anwendbarkeit des Modells?
Das HAPA-Modell erweist sich als äußerst flexible und nützliche theoretische Grundlage, erfordert jedoch eine präzise Zuordnung der Patienten zu ihren jeweiligen Motivations- oder Volitionsphasen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, Konzeption und Diskussion von Maßnahmen zur Förderung der Therapieadhärenz bei chronischen Erkrankungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382116