Das Maßgeblichkeitsprinzip ist ein aktuelles, umstrittenes Thema. Besonders zurzeit, wo das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (kurz: BilMoG) beschlossen wurde. Seit Jahren wird diskutiert, ob die Maßgeblichkeit für das deutsche Bilanzrecht bestehen bleiben soll.
Ziel dieser Arbeit ist es, das Maßgeblichkeitsprinzip zu erläutern. Es soll die Entstehung sowie Bedeutung aufgezeigt werden. Die drei Formen, materielle, umgekehrte und formelle Maßgeblichkeit, werden ihren gesetzlichen Grundlagen zugeordnet und die Vorgehensweise zur Erstellung einer Einheits- bzw. Steuerbilanz wird dargelegt. Im zweiten Abschnitt wird auf das BilMoG, also die derzeitige Entwicklung des deutschen Bilanzrechts und somit auch des Maßgeblichkeitsprinzips, eingegangen. Ziele des BilMoG und dessen Einflüsse auf die Maßgeblichkeit werden aufgeführt. Abschließend soll ein Fazit die wichtigsten Punkte zusammenfassen und einen Ausblick geben.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Maßgeblichkeitsprinzip
I. Entstehung und Bedeutung
II. Formen der Maßgeblichkeit
1. Materielle Maßgeblichkeit
2. Umgekehrte Maßgeblichkeit
3. Formelle Maßgeblichkeit
C. BilMoG
I. Ziele
II. Einfluss auf die Maßgeblichkeit
D. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist die fundierte Erläuterung des Maßgeblichkeitsprinzips im deutschen Bilanzrecht unter Berücksichtigung der historischen Entwicklung und der Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG).
- Historische Entstehung und Bedeutung des Maßgeblichkeitsprinzips
- Unterscheidung der materiellen, umgekehrten und formellen Maßgeblichkeit
- Analyse der steuerrechtlichen Gewinnermittlung und Handelsbilanzverknüpfung
- Einfluss des BilMoG auf die Fortführung der Maßgeblichkeit
- Diskussion über die zukünftige Entwicklung und mögliche Abschaffung der Einheitsbilanz
Auszug aus dem Buch
II. Formen der Maßgeblichkeit
Als Erstes soll die materielle Maßgeblichkeit vorgestellt werden. Sie ist in § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG kodifiziert:
Bei Gewerbetreibenden, die auf Grund gesetzlicher Vorschriften verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen, oder die ohne eine solche Verpflichtung Bücher führen und regelmäßig Abschlüsse machen, ist für den Schluss des Wirtschaftsjahres das Betriebsvermögen anzusetzen (§ 4 Abs. 1 Satz 1), das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung auszuweisen ist.
Somit sind Buchführungspflichtige sowie freiwillig Bücherführende verpflichtet, bei der steuerrechtlichen Gewinnermittlung auf die handelsrechtlichen GoB zurückzugreifen.
Hinsichtlich der materiellen Maßgeblichkeit ist jedoch umstritten, ob die GoB oder die handelsrechtlichen Normen des Handelsgesetzbuches (HGB) maßgeblich sind. Obwohl der Wortlaut des § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG explizit für die Maßgeblichkeit der GoB spricht, ist die Mehrheit der Literatur- und Rechtsmeinungen der Auffassung, dass die konkreten Handelsbilanzansätze maßgeblich für die Steuerbilanz sind.
Diese Auffassung vernachlässigt die Funktionsunterschiede des Handels- und Steuerrechts. Während das Handelsrecht ein Ordnungsrecht ist, stellt das Steuerrecht ein Lastenverteilungs- sowie öffentliches Eingriffsrecht dar. Das Handelsrecht hat mitunter die Aufgabe, sämtlichen Anteilseignern und Gläubigern Informationen zur Verfügung zu stellen sowie eine Ausschüttungsbemessungsgrundlage zu schaffen. Künftige Verluste sollen verhindert werden, was sich aus dem übergeordneten Vorsichtsprinzip begründet. Diesem steht auf der steuerrechtlichen Seite das Periodizitäts- und Leistungsfähigkeitsprinzip entgegen. Außerdem ist der Fiskus, als alleiniger Adressat der Steuerbilanz, nicht an Informationen interessiert, da er keinerlei Unternehmensentscheidungen trifft. Das Steuerrecht will ‚lediglich’ eine gerechte und gleichmäßige Besteuerung veranlassen. Das heißt eine möglichst willkürfreie Gewinnermittlung muss zu Grunde gelegt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Diese Einleitung führt in das aktuelle und umstrittene Thema des Maßgeblichkeitsprinzips ein und skizziert den Aufbau sowie die Zielsetzung der Arbeit unter Berücksichtigung des BilMoG.
B. Maßgeblichkeitsprinzip: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung, die Bedeutung sowie die drei Formen der Maßgeblichkeit und ordnet diese ihren gesetzlichen Grundlagen zu.
C. BilMoG: Hier werden die Ziele des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes dargestellt und der spezifische Einfluss der Reform auf das Maßgeblichkeitsprinzip sowie die Abschaffung der Umkehrmaßgeblichkeit analysiert.
D. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse der Arbeit zusammen und reflektiert über die Folgen des BilMoG sowie die zukünftigen Diskussionen zur vollständigen Abschaffung der Maßgeblichkeit.
Schlüsselwörter
Maßgeblichkeitsprinzip, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Einheitsbilanz, BilMoG, GoB, materielle Maßgeblichkeit, umgekehrte Maßgeblichkeit, formelle Maßgeblichkeit, Steuerneutralität, Gewinnermittlung, Vorsichtsprinzip, Bewertungsrecht, Ansatzvorschriften.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der steuerrechtlichen Verknüpfung der Handelsbilanz mit der Steuerbilanz, bekannt als Maßgeblichkeitsprinzip, und den Auswirkungen aktueller Gesetzesänderungen darauf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die gesetzliche Verankerung der Maßgeblichkeit, die verschiedenen Formen der Verknüpfung sowie die Auswirkungen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG).
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erläuterung des Maßgeblichkeitsprinzips, die Analyse seiner drei Formen sowie die Untersuchung, wie sich das BilMoG auf die steuerliche Gewinnermittlung und die handelsrechtliche Bilanzierung auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine systematische Analyse von Gesetzestexten (insbesondere EStG und HGB) sowie eine Literaturanalyse aktueller fachwissenschaftlicher Diskussionen und Kommentierungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die historische Entwicklung, die materielle, umgekehrte und formelle Maßgeblichkeit sowie die gezielten Änderungen durch das BilMoG und deren Einfluss auf die Einheitsbilanz detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Maßgeblichkeitsprinzip, BilMoG, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Einheitsbilanz und die verschiedenen Ausprägungen der Maßgeblichkeit charakterisiert.
Was unterscheidet die materielle von der umgekehrten Maßgeblichkeit?
Die materielle Maßgeblichkeit verpflichtet dazu, handelsrechtliche GoB für die steuerliche Gewinnermittlung zu nutzen, während die (nun abgeschaffte) umgekehrte Maßgeblichkeit bestimmte steuerliche Wahlrechte von deren Ausübung in der Handelsbilanz abhängig machte.
Welche Bedeutung hatte die Einheitsbilanz vor dem BilMoG?
Die Einheitsbilanz ermöglichte eine Vereinfachung, indem die Steuerbilanz quasi als Abschrift der Handelsbilanz fungierte, wodurch eine eigenständige Steuerbilanzierung oft entfiel.
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- Nadine Wiese (Author), 2009, Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138214