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Vergangenheit als Erlebte Wirklichkeit

Zu Stil und Sprache in Hermann Lenz‘ Roman „Neue Zeit“

Título: Vergangenheit als Erlebte Wirklichkeit

Trabajo Escrito , 2007 , 13 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Andrea Soprek (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Unsere heutige Gesellschaft hat sich in hohem Maße der Pflege und Vermittlung der Vergangenheit verschrieben. Die Geschichte, insbesondere die jüngere Geschichte, wird als maßgeblich für die Identität der westlichen Gesellschaft und für die Gestaltung der Gegenwart und die Entwicklung der Zukunft angesehen. Daher wird enormes Gewicht auf historisches Wissen und dessen Vermittlung gelegt, sei es in Bild, Ton oder Schrift, in Historienfilmen, in Dokumentationen, im Geschichtsunterricht. Doch dieser starken Tendenz zur Erhaltung und zum Verständnis der Vergangenheit, stellt sich ein immenses Problem entgegen: Nie zuvor hat sich die Welt so schnell verändert wie heute. Zwar gab es zu jeder Zeit Entwicklungen, Erfindungen und maßgebliche gesellschaftliche Errungenschaften, doch das tägliche Leben ist sich von Generation zu Generation weitestgehend gleich geblieben. Heute hingegen können wir uns nur schwer vorstellen, das Leben unserer Eltern- oder gar Großelterngeneration zu führen, insbesondere wenn diejenige Generation in Zeiten etwa eines Krieges gelebt hat. Für den Großteil der Bevölkerung Europas ist ein Krieg, soviel er davon auch wissen mag, etwas Abstraktes, etwas, von dem der Großvater ab und an berichtet, oder das man in erschreckenden Berichten aus weit entfernten Ländern im Fernsehen sieht. Der Zustand Krieg ist uns völlig fremd. Und um so mehr gilt dies für so ungeheure, unvorstellbare und hoffentlich völlig einzigartige Ereignisse wie den 2. Weltkrieg oder die Schoah. Doch gerade hier ist wirkliches, tiefgehendes Verständnis, das über bloßes Wissen hinausgeht, besonders wichtig. Doch wie kann man einem Menschen, der viele Jahrzehnte von diesen Ereignissen entfernt ist, etwas derartiges verständlich machen? Einer, der sich mit dieser Frage in seinem literarischen Werk ausführlich beschäftigt hat, ist Hermann Lenz. Sein erklärtes Ziel war es immer, die Vergangenheit so darzustellen, wie sie sich aus seiner Sicht ereignet hat, wobei „Zeitgeschichte nicht in abstrakten Zusammenhängen erfaßt, sondern in ihren konkreten Auswirkungen als erlebte Wirklichkeit sichtbar gemacht“ wird. Besonders deutlich wird dies in seinem autobiographischem Roman „Neue Zeit“, der Lenz‘ Erlebnisse als Soldat während der Jahre 1938 bis 1945 beschreibt, erzählt von einem weitestgehend neutralen Erzähler aus der Sicht des Eugen Rapp, der Hermann Lenz in vielen seiner Romane „vertritt“.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Entfremdung von der Vergangenheit

2 Vergangenheit Erleben

2.1 Subjektivität der Erzählung: Eugen Rapp als Vermittler

2.1.1 Die Figur Eugen Rapp

2.1.2 Eugen Rapp als Verbindung verschiedener Bevölkerungsgruppen

2.1.3 Eugen Rapp als sympathischer Antiheld

2.2 Authentizität der Erzählung: Die Sprachliche Ausgestaltung des Romans

2.2.1 „Schreiben, wie man ist“

2.2.2 „Erinnerung so darstellen, wie man sie erlebt hat“

2.3 Vermittlung von Zeitgeschehen

2.3.1 Spannung zwischen Innerlichkeit und Außenwelt

2.3.2 Zeitgeschichte als Rahmen

3 Der Roman als Geschichtsquelle

4 Zur Behandlung der Schoah in „Neue Zeit“

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, wie Hermann Lenz in seinem autobiographisch geprägten Roman „Neue Zeit“ durch die subjektive Perspektive seines Protagonisten Eugen Rapp eine unmittelbare und authentische Vermittlung der Kriegsjahre 1938–1945 erreicht. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwiefern dieser spezifische Erzählstil und die Charakterzeichnung des Antihelden Rapp dazu beitragen, späteren Generationen ein tiefgreifendes Verständnis für die erlebte Wirklichkeit und die Atmosphäre dieser Epoche jenseits reiner Fakten zu vermitteln.

  • Subjektivität und Erzählstruktur durch die Figur Eugen Rapp
  • Authentizität durch sprachliche Gestaltung und schwäbische Dialektik
  • Spannungsfeld zwischen privater Innerlichkeit und historischem Zeitgeschehen
  • Die Rolle des Romans als alternative Geschichtsquelle
  • Ethische Reflexion zur literarischen Darstellung der Schoah

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Die Figur Eugen Rapp

Dieser Stuttgarter Eugen Rapp ist in erster Linie ein sehr leiser Mensch. Zwar geht er mit offenen Augen durch seine Zeit, sieht und erkennt die Entwicklungen durchaus, ahnt schon sehr früh, dass es Krieg geben und er in das Geschehen hineingezogen werden wird (vergl. 45, 58, 88), und baut daher einen vehementen inneren Widerstand gegen das Hitlerregime auf, doch äußert sich dieser lediglich in versteckten Handlungen und in seinen Empfindungen, so freut es ihn etwa „arg“ (vergl. 16), als er erfährt, dass Treutlein Hanni, eine Mitstudentin, die im Verlauf des Romans zur zentralen Figur für Eugen wird, „Halbjüdin“ ist. Dies und einige kritische Gespräche mit Personen, von denen Eugen weiß, dass sie ihm ähnlich gesinnt sind (vergl. 48f, 122, 142), machen seinen Widerstand aus.

Statt aktiv gegen die erkannten Mißstände vorzugehen – „Was aber nützte es, wenn Eugen seine Meinung ehrlich sagte? Das brachte ihn nur in Gefahr, änderte aber nichts.“ (129) - verlegt er sich darauf, von der Zeit und den Ereignissen um sich Abstand zu gewinnen, indem er sich etwa in Erinnerungen oder in „eine andre Heimat, dort, in Wien, um neunzehnhundert“ (62) flüchtet. Seine extreme Passivität, die stellenweise geradezu in Pessimismus umschlägt, lässt Eugen den Ereignissen beinahe ungerührt entgegenstehen: “Es geschehen lassen, weil dir, wie bekannt, nichts anderes übrigbleibt“ (285) bzw. „ohnmächtig sein und gelähmt bleiben, darauf läuft‘s für dich hinaus.“(81). Immer seinen Leitsatz „au net schlecht“ auf den Lippen, läßt Eugen sich durch die Jahre 1938 – 45 schleppen, „so wie er es als einer gewohnt war, der mittappte, hinter den anderen hertaumelte, stolperte und abwesend war im Geheul vor dem Angriff“ (240), immer in der Hoffnung verletzt oder gefangen genommen zu werden.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Entfremdung von der Vergangenheit: Dieses Kapitel erläutert die Problematik, wie historische Ereignisse für heutige Generationen als erlebte Wirklichkeit zugänglich gemacht werden können.

2 Vergangenheit Erleben: Hier wird analysiert, wie Hermann Lenz durch die Figur Eugen Rapp und eine authentische Sprache die Kriegsjahre für den Leser unmittelbar erfahrbar gestaltet.

3 Der Roman als Geschichtsquelle: Dieser Abschnitt bewertet das Werk als Quelle, die zwar keine umfassende Epochenspiegelung bietet, aber tiefere Einblicke in das Leben eines durchschnittlichen Menschen dieser Zeit ermöglicht.

4 Zur Behandlung der Schoah in „Neue Zeit“: Es wird kritisch diskutiert, inwiefern die gewählte Perspektive des Protagonisten trotz der Zurückhaltung bei der expliziten Thematisierung der Schoah einen legitimen und wichtigen Beitrag zum historischen Verständnis leistet.

Schlüsselwörter

Hermann Lenz, Neue Zeit, Eugen Rapp, Zweiter Weltkrieg, Literaturwissenschaft, Schoah, Autobiographischer Roman, Erzählperspektive, Zeitgeschichte, Authentizität, Antiheld, Erinnerungskultur, Subjektivität, Vermittlung, Widerstand

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser literaturwissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht den Roman „Neue Zeit“ von Hermann Lenz hinsichtlich seiner Fähigkeit, die vergangene Zeit des Zweiten Weltkriegs für den Leser als „erlebte Wirklichkeit“ statt als abstraktes Geschichtswissen darzustellen.

Welche Themenfelder werden in der Analyse primär bearbeitet?

Zentrale Felder sind die Erzähltechnik, die psychologische und gesellschaftliche Positionierung des Protagonisten Eugen Rapp sowie die sprachliche Gestaltung des Romans.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den speziellen Erzählstil von Lenz zu ergründen, der den Leser durch einen „Antihelden“ in das Zeitgeschehen einbindet und so ein tieferes Verständnis für die Lebensumstände zwischen 1938 und 1945 ermöglicht.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die den Roman durch den Abgleich mit Rezensionen und Forschungsliteratur interpretiert.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Subjektivität der Erzählung, die Charakteristik von Eugen Rapp als Vermittler, die sprachliche Authentizität und die Spannung zwischen privater Innenwelt und historischer Außenwelt.

Was charakterisiert die vorliegende Arbeit?

Die Arbeit zeichnet sich durch die Auseinandersetzung mit der Erzähltheorie, die Reflexion über Geschichtlichkeit in der Literatur und eine ethische Einordnung der Schoah-Darstellung aus.

Warum wird Eugen Rapp in der Arbeit als „Antiheld“ bezeichnet?

Er wird so bezeichnet, weil er sich durch Passivität, Angst und ständiges Mitlaufen auszeichnet, statt durch heldenhafte Taten oder einen aktiven Widerstand gegen das Regime zu glänzen.

Wie bewertet die Autorin den Umgang von Hermann Lenz mit der Schoah?

Die Autorin betrachtet die Darstellung als legitim und wertvoll, da Lenz die Grenzen des Wissens und Erlebens seines Protagonisten respektiert und somit einen authentischen Weg aufzeigt, wie ein Deutscher in dieser Zeit die Ereignisse wahrnehmen konnte.

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Detalles

Título
Vergangenheit als Erlebte Wirklichkeit
Subtítulo
Zu Stil und Sprache in Hermann Lenz‘ Roman „Neue Zeit“
Universidad
University of Augsburg
Curso
Proseminar: Schreiben nach Auschwitz
Calificación
1,0
Autor
Andrea Soprek (Autor)
Año de publicación
2007
Páginas
13
No. de catálogo
V138218
ISBN (Ebook)
9783640467877
ISBN (Libro)
9783640467501
Idioma
Alemán
Etiqueta
Hermann Lenz Neue Zeit Schreiben nach Auschwitz Schoah Vergangenheitsbewältigung
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Andrea Soprek (Autor), 2007, Vergangenheit als Erlebte Wirklichkeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138218
Leer eBook
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