Seit dem Ende des „Kalten Krieges“ hat sich die weltpolitische Lage drastisch gewandelt. Das klare Blockdenken und das Handeln in den vorgegebenen Grenzen ist nach der Auflösung der UdSSR weggefallen.
Nach einer Phase der Euphorie und einer positiven Zukunftserwartung, in der die Weltgemeinschaft eine friedliche Entwicklung vor sich haben sollte, wurde schon früh in den 90er Jahren klar, dass eine so positive Entwicklung nicht realistisch ist. Vor allem bei den „Theorien der Internationalen Beziehungen“ kam es durch die sich überschlagenden Ereignisse des Jahres 1990 zum Umdenken. In den USA wie auch in Europa wurden auf dem Gebiet des klassischen Forschungsgebietes „Krieg und Frieden“ durch eine kritische Auseinandersetzung mit den „veralteten“ Ansätzen, Methoden und Theorien neue Wege eingeschlagen, die durch interdisziplinäre Ansätze, andere Sichtweisen und neue Forschungsmethoden die neuen Gegebenheiten und Entwicklungen besser erklären konnten. So wohl die Kriegsursachenforschung als auch die Kriegsfolgenforschung wurden durch die veränderte weltpolitische Lage vor neue Herausforderungen gestellt, die mit den herkömmlichen Herangehensweisen nicht mehr bewältigt werden konnten.
In der Konfliktforschung wurden schon bestehende Theorien weiter ausgebaut und auf die neuen, globalen Herausforderungen angepasst und angewandt, wodurch eine Vielzahl neuer Datensätze und Erkenntnisse gewonnen werden konnten, mithilfe derer eine Erklärung von Konflikten und Krisen besser dargestellt werden konnte.
Für den deutschen Sprachraum hat Herfried Münkler in seinem Buch „Die neuen Kriege“ im Jahr 2002 die Veränderungen der Kriege unter den neuen weltpolitischen Begebenheiten dargestellt und dafür große Anerkennung aber auch einiges anKritik geerntet.
In dieser Arbeit werde ich die Grundüberlegungen und theoretischen Ansätze dieses Buches von Herfried Münkler darstellen. Zusätzlich werde ich in den jeweiligen Kapiteln die geäußerte Kritik an der „Theorie der neuen Kriege“ darlegen, bevor ich dann in einem Fazit meine eigene Meinung darstellen werde.
Inhaltsverzeichnis
A. Das Ende des „Kalten Krieges“ als Beginn der „neuen Kriege“
B. Die Theorie der „Neuen Kriege“
1. Der Kriegsbegriff
a) Theoretische Vorüberlegungen
b) Der Kriegsbegriff bei Münkler
c) Kritik an Münklers Kriegsbegriff
2. Was ist das „Neue“ an den „neuen Kriegen“?
a) Der Zusammenhang zwischen den „alten Reichen“ und den „neuen Kriegen“
b) Staatsbildungskriege in Europa und Nordamerika und „Failed States“ in der Dritten Welt
c) Kritik am Zusammenhang zwischen den „alten Reichen“ und den „neuen Kriegen“
3. Die Ökonomie der „Neuen Kriege“
a) Die Ökonomie als Kriegsursache
b) Privatisierung und Kommerzialisierung
c) Kindersoldaten und Brutalisierung des Krieges
d) Der billige Krieg
f) Kritik an Münklers Bedeutung der Ökonomie
4. Asymmetrische Kriege
a) Asymmetrie der Stärke und Asymmetrie aus Schwäche
b) Der Begriff „Terrorismus“
c) Asymmetrie des Terrorismus
d) Kritik an Münklers Bedeutung des Terrorismus
C. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der „Theorie der neuen Kriege“ von Herfried Münkler auseinander. Ziel ist es, die theoretischen Grundüberlegungen des Autors darzustellen, die veränderten Kriegsformen nach dem Kalten Krieg zu analysieren und die hierzu geäußerte wissenschaftliche Kritik zu reflektieren.
- Kriegsbegriffe und deren Wandel von der klassischen Clausewitz-Definition hin zu den heutigen Konfliktlagen.
- Die ökonomische Logik hinter modernen Kriegen, einschließlich der Rolle von Warlords und privatisierter Kriegsführung.
- Die Dynamik asymmetrischer Konflikte und die Rolle von Terrorismus als strategische Option.
- Die Bedeutung des Staatszerfalls und die Entstehung von sogenannten „Failed States“ in der globalisierten Weltwirtschaft.
- Die kritische Auseinandersetzung mit der Typologisierung „neuer“ versus „alter“ Kriege.
Auszug aus dem Buch
b) Der Kriegsbegriff bei Münkler
„[...]Der Krieg ist nichts als die Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel.“6. Die von Carl von Clausewitz zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschaffene Definition des Krieges ist bei Herfried Münkler nicht mehr anwendbar. Der Definition von Clausewitz liegen mehrere Annahmen zu Grunde, die aber die heutige empirische Kriegswirklichkeit nicht mehr widerspiegeln.
Durch die Annahme der rein zwischenstaatlichen Kriege wurde als Grundlage dieser Definition dem Krieg nur eine Objektposition innerhalb der Instrumente der Politik zugeschrieben. Die Legitimität eines Krieges wurde durch die vorher und weiterhin bestehenden politischen Beziehungen zwischen den Staaten gerechtfertigt. Damit wurden mit Krieg immer politische Ziele und ein bestimmter Zweck verbunden und dadurch ergaben sich die anzuwendenden Mittel und der Umfang des Krieges und daraus folgend das angestrebte Ende eines Krieges mit der Durchsetzung des eigenen Willens.
Die meisten heutigen Kriege entsprechen aber nicht mehr diesen Annahmen. Nur selten ist überhaupt noch eine der Konfliktparteien staatlich oder unter staatlicher Kontrolle. Oftmals ist es heute gar nicht mehr möglich den Zweck oder die Ziele eines Krieg zu benennen, da der Kriegsbeginn schon so lange zurück liegt, dass die kämpfenden Parteien nicht mehr wissen, warum der Krieg überhaupt ausgebrochen ist und für welche Ziele sie überhaupt noch kämpfen. Zusätzlich bekommt der Krieg eine eigene Subjektivität, das vor allem in der angewandten Sprache deutlich wird, wenn man z.B. sagt, „Der Krieg schwelt, breitet sich aus oder greift über“. Der benutzte Kriegsbegriff bei Münkler geht also von der lange vorherrschenden Definition des zwischenstaatlichen Krieges als bloßes Objekt der Politik weg und gibt ihm eine eigenständige, unabhängige Existenz in der sich Ziel, Zweck und die Kriegsparteien stark im Gegensatz zu früher unterscheiden.7
Zusammenfassung der Kapitel
A. Das Ende des „Kalten Krieges“ als Beginn der „neuen Kriege“: Einleitung in den Themenkomplex, die den Wandel der weltpolitischen Lage nach 1990 beschreibt und die Relevanz der Konfliktforschung hervorhebt.
B. Die Theorie der „Neuen Kriege“: Umfassende Darstellung der Thesen Münklers sowie kritische Diskussion zu den Themen Kriegsbegriff, ökonomische Kriegsursachen und Asymmetrie.
C. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Analyse von Münkler sowie Reflexion über die Bedeutung der „neuen Kriege“ für die internationale Politik und die Bundeswehr.
Schlüsselwörter
neue Kriege, Herfried Münkler, Kriegsursachenforschung, Gewaltmonopol, Warlords, Failed States, Asymmetrie, Terrorismus, Privatisierung, Kriegsökonomie, Staatszerfall, Konfliktforschung, politische Gewalt, Völkerrecht, Kindersoldaten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die „Theorie der neuen Kriege“ von Herfried Münkler und untersucht, wie sich die Natur kriegerischer Konflikte nach dem Kalten Krieg verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen die Neudefinition des Kriegsbegriffs, die ökonomischen Hintergründe von Konflikten, die Privatisierung der Kriegsführung sowie die Besonderheiten asymmetrischer Kriege und des Terrorismus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darstellung der theoretischen Ansätze Münklers sowie die kritische Reflexion dieser Thesen vor dem Hintergrund empirischer Entwicklungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und vergleicht Münklers Thesen mit kritischen Positionen anderer Wissenschaftler.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Kriegsbegriffs, der Zusammenhang zwischen alten Reichen und neuen Kriegen, die Ökonomie der Gewalt sowie asymmetrische Kampfweisen detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind „neue Kriege“, „Warlords“, „Asymmetrie“, „Privatisierung“ und „Failed States“.
Warum ist der Begriff des „neuen Krieges“ bei Kritikern umstritten?
Kritiker bemängeln, dass der Begriff eine klare zeitliche Trennung suggeriert, die bei der Komplexität moderner Konflikte empirisch schwer nachweisbar ist und die Rolle staatlicher Akteure unterbewertet.
Welche Rolle spielt die Ökonomie in diesen Konflikten?
Die Ökonomie dient laut Münkler als rationale Kriegsursache; Krieg lohnt sich für Akteure wie Warlords, da sie Handelsbedingungen kontrollieren und Ressourcen für die Kriegsführung ausbeuten können.
Inwiefern hat sich die Taktik in „neuen Kriegen“ verändert?
Die Taktik hat sich von großen Entscheidungsschlachten regulärer Armeen hin zu Partisanentaktiken, der Vermeidung offener Offensiven und einer dauerhaften „Low Intensity“ Kriegsführung gewandelt.
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- Florian Semler (Author), 2009, Die Neuen Kriege nach Herfried Muenkler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138236