Jugendliche sehen sich in ihrer besonderen Lebensphase mit vielen Veränderungen und Herausforderungen konfrontiert. Infolgedessen kann es bei der Auseinandersetzung mit diesen Veränderungen zu einigen Krisen und damit zur Suche nach Hilfe kommen. Daher soll genau für diese Zielgruppe untersucht werden, inwieweit Angebote der Online-Beratung eine relevante Möglichkeit für sie darstellen können. Ein weiterer Grund, weshalb sich diese Arbeit mit Jugendlichen beschäftigt, liegt in deren hohen Medienaffinität, wodurch sie womöglich zur Hauptzielgruppe der Online-Beratung gehören.
Die JIM-Studie aus dem Jahre 2017 ergab in diesem Zusammenhang, dass ganze 93% von 1.200 befragten 12-19-Jährigen sich täglich mit ihren Smartphones beschäftigen und 89% sich täglich im Internet aufhalten. Abgesehen von dieser Zielgruppe steigen die Zahlen der Internetnutzer generell immer weiter, wodurch die verändernden Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten auch Einfluss auf die Beratungswelt und deren Setting haben. Durch die innovativen Wege und Methoden der Online-Beratung sollen die vorherrschenden Face-to-Face Beratungen unterstützt und „abgepuffert“ werden. Doch inwieweit kann das Online-Setting diesen Ansprüchen in Bezug auf jugendliche Ratsuchenden gerecht werden?
Bei der Online-Beratung handelt es sich somit um ein neueres Feld der Beratung, welches sich in den letzten Jahren auch im europäischen Raum zu einer weit verbreiteten und ausdifferenzierten Praxis entwickelt hat, welche deutliche Unterschiede zu der traditionellen Face-to-Face Beratung aufzeigt. Die Spezifika sind einmalig und sollen daher genau untersucht werden. Mit den zuvor aufgeführten Merkmalen der systemischen Beratung soll geprüft werden, ob diese Merkmale sich in dem Online-Setting anwenden lassen. Anschließend wird versucht, anhand möglicher Vor- und Nachteile der Online-Beratung die Forschungsfrage nach der Relevanz für Jugendliche abzuleiten.
Vor allem aufgrund der aktuellen Corona-Krise und den damit einhergehenden Einschränkungen, durch das Einhalten physischer Distanz, werden Berater mit der dringenden Notwendigkeit konfrontiert, auf anderen Wegen mit den Ratsuchenden in Kontakt zu treten. Daher wird am Ende dieser Arbeit ein Fazit der aufgeführten Untersuchung gezogen, wobei ein möglicher Ausblick für die systemische Online-Beratung entworfen wird.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2. Systemische Beratung
3. Spezifika der Online-Beratung
3.1 Merkmale der computervermittelten Kommunikation (CvK)
3.2 Merkmal der Anonymität
3.4 Merkmale der Niedrigschwelligkeit
3.5 Merkmal der Schriftlichkeit
3.6 Verschiedene Formen der Online-Beratung
3.7 Vermittlung von Emotionen
4. Systemische Techniken in der Online-Beratung
4.1 Auftragsklärung
4.2 Konstruktivismus
4.3 Neutralität
4.4 Methodenvielfalt
4.5 Lösungsorientierung und Kurzzeitinterventionen
5. Vor- und Nachteile sowie Relevanz für Jugendliche
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themenbereiche
Diese Arbeit untersucht die Relevanz der systemischen Online-Beratung für Jugendliche unter Berücksichtigung ihrer hohen Medienaffinität. Im Fokus steht die Frage, inwieweit etablierte systemische Methoden in ein virtuelles Setting übertragen werden können, um jugendliche Ratsuchende effektiv bei der Bewältigung ihrer Lebenskrisen zu unterstützen.
- Grundprinzipien der systemischen Beratung und ihre Anwendbarkeit im digitalen Raum
- Spezifische Merkmale der Online-Beratung wie Anonymität, Schriftlichkeit und Niedrigschwelligkeit
- Übertragung systemischer Techniken (Auftragsklärung, Konstruktivismus, Skalierung) auf die Online-Kommunikation
- Analyse der Vor- und Nachteile der Online-Beratung spezifisch für die Zielgruppe der Jugendlichen
- Evaluation des hohen Potentials digitaler Beratungsangebote als ergänzende Hilfeform
Auszug aus dem Buch
3.4 Merkmale der Niedrigschwelligkeit
Bei der Online-Beratung handelt es sich um ein Angebot, welches sich durch eine äußere und örtliche Niedrigschwelligkeit auszeichnet (Knatz 2009: 61). Die Inanspruchnahme von Beratung im Internet hat sich aus diesem Grund bei Jugendlichen als ein Mittel der Wahl etabliert. Online-Angebote können bei Jugendlichen, die sonst beim Zugang zu traditionellen Beratungsformaten gehemmt sind, eine Möglichkeit sein diese zu überwinden (Kupfer/Mayer 2019: 248). Es gibt einige persönliche Barriere, die junge Menschen davon abhalten können professionelle Hilfe anzunehmen. Darunter fallen mangelnde Erfahrung und Wissen über professionellen Hilfsangeboten, Sorgen bezüglich der Vertraulichkeit, Überforderung durch unbekannte Themen und Schamgefühle sowie Angst missverstanden zu werden. Somit kann Online-Beratung ein wichtiger Zugang und Einstieg für Jugendliche darstellen, da sie den Schutz der Anonymität wie auch die Möglichkeiten zur Kontaktsteuerung besitzen, um ihre intime Probleme einfacher zu besprechen (ebd.). Des Weiteren spielen auch die geringe finanzielle Belastung, Bequemlichkeit, zeitliche Flexibilität und die sofortige Verfügbarkeit eine entscheidende Rolle bei der Nutzung von Online-Beratungen. Das Angebot richtet sich also zusätzlich auch an Zielgruppen, die bislang mit einer Unterversorgung im Beratungsbereich konfrontiert waren, wobei das Format Zugang an jedem Ort und Zeit der Welt bietet (Knatz 2009: 61).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die hohe Medienaffinität von Jugendlichen und begründet die Relevanz der Online-Beratung als zeitgemäße Ergänzung zur klassischen Face-to-Face Beratung.
2. Systemische Beratung: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundprinzipien des systemischen Ansatzes erläutert, wie etwa die Ressourcenorientierung und das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe.
3. Spezifika der Online-Beratung: Dieses Kapitel arbeitet die charakteristischen Merkmale der digitalen Kommunikation heraus, darunter Anonymität, Schriftlichkeit und Asynchronität.
4. Systemische Techniken in der Online-Beratung: Hier wird untersucht, wie methodische Ansätze wie die Auftragsklärung und der Konstruktivismus erfolgreich in den textbasierten Online-Kontext integriert werden können.
5. Vor- und Nachteile sowie Relevanz für Jugendliche: Dieses Kapitel bewertet die Chancen und Risiken der Online-Beratung für die Jugendlichen, wobei insbesondere Aspekte wie Datenschutz und die Hürden der rein schriftlichen Kommunikation diskutiert werden.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die wachsende Bedeutung digitaler Beratungsformen gerade in Krisenzeiten.
Schlüsselwörter
Systemische Beratung, Online-Beratung, Jugendliche, Medienaffinität, Anonymität, Niedrigschwelligkeit, Schriftlichkeit, Auftragsklärung, Konstruktivismus, Kurzzeitintervention, Ressourcenorientierung, digitale Kommunikation, Psychologische Beratung, Selbstmanagement, digitale Hilfeangebote.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit exploriert die Schnittstelle zwischen der systemischen Beratungsphilosophie und dem virtuellen Beratungsraum, um deren Tauglichkeit für jugendliche Zielgruppen zu prüfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung konzentriert sich primär auf die Spezifika computervermittelter Kommunikation und die methodische Adaptation systemischer Techniken für den digitalen Bereich.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwieweit die systemische Online-Beratung ein adäquates und relevantes Unterstützungsangebot für Jugendliche in ihrer spezifischen Lebensphase darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der theoretischen Herleitung, wie etablierte Beratungskonzepte unter veränderten medialen Rahmenbedingungen wirksam bleiben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Merkmale der Online-Beratung, die systemischen Techniken (z.B. Reframing, Skalierung) und die spezifischen Vor- und Nachteile für Jugendliche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die inhaltliche Ausrichtung?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Medienaffinität, systemische Kurzzeitintervention, Anonymität und Ressourcenorientierung.
Wie gehen Berater im Online-Setting mit dem Fehlen von Mimik und Gestik um?
Berater nutzen kompensatorisch Zeichen, Emoticons und eine achtsame Sprache, um auch schriftlich eine vertrauensvolle Bindung und emotionale Nähe zum Ratsuchenden aufzubauen.
Welche Rolle spielt die Anonymität für jugendliche Ratsuchende?
Die Anonymität fungiert als essenzieller Schutzfaktor, der Hemmschwellen abbaut und Jugendlichen die notwendige Autonomie gibt, um auch schambesetzte Themen offen anzusprechen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Systemische Online-Beratung für Jugendliche. Unterschiede zur Face-to-Face-Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382439