Kinder müssen bei einem Trauerfall angemessen begleitet werden, damit sie verstehen können, was geschieht und sie mit ihren Ängsten und Fantasien nicht allein gelassen sind. Schon frühzeitig mit Kindern über den Tod ins Gespräch zu kommen, wird in der Literatur als guter Weg beschrieben, denn vielfach sind Erwachsene, besonders Eltern, aber auch Lehrkräfte, in konkreten Verlustsituationen emotional betroffen. Manchmal sind sie aber auch unsicher und können Signale der Kinder nicht richtig einordnen und sie in ihrem Trauerprozess nicht angemessen begleiten.
Zu Beginn der theoretischen Grundlagen im 1. Teil der Arbeit geht es um die Definition der Begriffe „Tod“ und „Trauer“, aber auch „Körper“, „Geist“, Seele“ und „Auferstehung“. Sie werden in Bezug auf das Alte und Neue Testament näher betrachtet, um anschließend die Entwicklung eines Todeskonzeptes, die Trauerphasen und -aufgaben als Grundlage für den späteren Hauptteil der Arbeit zu beschreiben. Der Umgang mit Tod und Trauer in der Gesellschaft unter Einbeziehung theologischer Aspekte steht im Mittelpunkt des 2. Teils der Arbeit. Nach einem Entwicklungsüberblick über den Umgang mit Tod und Trauer in unserer Gesellschaft werden die drei orthopraktischen Thanatagogikbereiche nach Plieth vorgestellt: Familie, Gemeinde und Schule.
Im anschließenden Hauptteil dieser Arbeit werden dann am Beispiel des Bilderbuches „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley die Themen Tod und Trauer im Religionsunterricht der Grundschule durch die praktisch-theologische Analyse des Buches anhand der Kriterien nach Plieth beschrieben. Es folgen einige unterrichtliche Möglichkeiten, auch unter dem Stichwort „Orthopraktische Thanatagogik in der Schule“. Weitere methodisch-didaktische Anregungen in Bezug auf Unterrichtsgespräche, eingepasst in die Kriterienanalyse, sollen helfen, der Frage nachzugehen, ob das Bilderbuch gute Möglichkeiten bietet, um mit den Themen Tod und Trauer sensibel im Religionsunterricht der Grundschule umzugehen und Gespräche zu diesem Thema anzubahnen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Einordnung der Themen „Tod“ und „Trauer“
1.1. Begrifflichkeiten zu den Themen „Tod“ und „Trauer“
1.1.1. Definition „Tod“
1.1.2. Der Tod im Alten und Neuen Testament
1.1.3. Definition „Trauer“
1.1.4. Die Trauer im Alten und Neuen Testament
1.2. Körper, Geist, Seele und Auferstehung im Alten und Neuen Testament
1.2.1. Körper, Geist, Seele
1.2.2. Auferstehung
1.3. Entwicklung eines kindlichen Todeskonzeptes
1.3.1. Entwicklung im Säuglingsalter
1.3.2. Entwicklung im Kleinkinderalter
1.3.3. Entwicklung im Vorschulalter
1.3.4. Entwicklung im Grundschulalter
1.3.5. Entwicklung im Jugendalter
1.4. Phasen der Trauer und Aufgaben der Trauer
1.4.1. Trauerphasen
1.4.2. Traueraufgaben
2. Umgang mit Tod und Trauer in der Gesellschaft unter Einbeziehung theologischer Aspekte
2.1. Tod und Trauer „Früher“ und „Heute“
2.2. Orthopraktische Thanatagogik nach Plieth
2.2.1. Orthopraktische Thanatagogik in der Familie
2.2.2. Orthopraktische Thanatagogik in der Gemeinde, ergänzt durch praktische Beispiele der Hohenwestedter Kirchengemeinde
2.2.3. Orthopraktische Thanatagogik in der Schule
3. Tod und Trauer im Religionsunterricht der Grundschule, analysiert anhand des Bilderbuches „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley
3.1. Die Themen „Tod“ und „Trauer“ im Lehrplan des Faches Evangelische Religion
3.2. Bilderbucheinsatz im Unterricht
3.3. Analyse des Bilderbuches „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley mit methodisch-didaktischen Anregungen, nach Kriterien von Martina Plieth
3.3.1. Kriterium I: Berücksichtigung literarästhetischer Aspekte
3.3.2. Kriterium II: Qualität bildhafter Elemente
3.3.3. Kriterium III: Authentizität der Todesdarstellungen
3.3.4. Kriterium IV: Veranschaulichungsgrad von Stimmungswerten
3.3.5. Kriterium V / VI: Plausibilität von Lösungs - und Bewältigungsstrategien, Tragfähigkeit von Konsolationselementen
3.3.6. Kriterium VII: Kontinuität von Kommunikations- und Interaktionsstrukturen
3.3.7. Kriterium VIII: Offenheitsgrad bzgl. religiöser und/oder christlicher Wertmaßstäbe
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert praktisch-theologisch, wie das Bilderbuch „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley im evangelischen Religionsunterricht der Grundschule eingesetzt werden kann, um Kindern den sensiblen Umgang mit den Themen Tod und Trauer zu vermitteln und Trauerprozesse pädagogisch zu begleiten.
- Theoretische Fundierung von Tod- und Trauerbegriffen im christlichen Kontext
- Entwicklungspsychologische Aspekte kindlicher Todeskonzepte
- Methoden der Thanatagogik in Familie, Gemeinde und Schule
- Didaktische Filmbuchanalyse anhand der Kriterien nach Martina Plieth
Auszug aus dem Buch
1.1.1. Definition „Tod“
In der Literatur finden sich, je nach Fachrichtung, unterschiedliche Definitionen zum Begriff „Tod“. Im biologischen Lexikon wird vom „[…] Zustand eines Organismus nach Erlöschen aller Lebensfunktionen“ gesprochen. Otto Döhner bezeichnet im Handbuch psychologischer Grundbegriffe den Tod eines Organismus als „irreversibles Ende seiner physiologischen Anpassung an das innere und äußere Milieu“ und beschreibt den Tod eines menschlichen Individuums als „[…] das Ende der an die biologische Existenz gebundenen Subjektivität und Personalität.“ Als Sterben nennt er den Zeitraum des Übergangs vom Leben zum Tod. Eine Unterscheidung zwischen natürlichen und nicht natürlichen Todesarten ist auch aufgrund der Erfahrungswelt der Kinder angeraten und wird im Folgenden auch im Hinblick auf die Darstellung des Begriffes „Tod“ im Alten und Neuen Testament betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretische Einordnung der Themen „Tod“ und „Trauer“: Erläutert theologische Begrifflichkeiten, körperliche sowie seelische Aspekte im Alten und Neuen Testament und differenziert die Entwicklung kindlicher Todeskonzepte über verschiedene Altersstufen hinweg.
2. Umgang mit Tod und Trauer in der Gesellschaft unter Einbeziehung theologischer Aspekte: Beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Abschieden und stellt das Konzept der orthopraktischen Thanatagogik nach Plieth als Handlungsrahmen für Familie, Gemeinde und Schule vor.
3. Tod und Trauer im Religionsunterricht der Grundschule, analysiert anhand des Bilderbuches „Leb wohl, lieber Dachs“ von Susan Varley: Analysiert das Bilderbuch anhand von acht Kriterien auf seine Eignung für den Religionsunterricht und bietet methodisch-didaktische Anregungen zur Trauerbegleitung.
4. Schlussbetrachtung: Fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass das analysierte Bilderbuch Kindern wertvolle Hilfe bietet, um Ängste abzubauen und Trauer konstruktiv zu durchlaufen.
Schlüsselwörter
Tod, Trauer, Religionsunterricht, Grundschule, Thanatagogik, Bilderbuch, Sterbebegleitung, Todeskonzept, Trauerphasen, Theologische Analyse, Pädagogische Herausforderung, Abschied, Hoffnung, Jenseitsvorstellungen, Religionspädagogik
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptanliegen dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Lehrkräfte im Grundschulunterricht sensibel und fachlich fundiert mit den Themen Tod und Trauer umgehen können und welche Rolle das Bilderbuch „Leb wohl, lieber Dachs“ dabei als Medium spielt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit adressiert theologische Definitionen, psychologische Entwicklungsstufen des Kindes, gesellschaftliche Trauerpraktiken sowie konkrete methodische Ansätze im Religionsunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass Bilderbücher wie das von Susan Varley ein geeignetes Mittel sind, um Kindern einen angstfreien Zugang zum Thema zu ermöglichen und einen gelingenden Trauerprozess zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine praktisch-theologische Analyse, die durch Kriterien der Thanatagogik nach Martina Plieth ergänzt sowie durch Einblicke aus dem eigenen Vertretungsunterricht (Praktische Studien) gestützt wird.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Analyse des Bilderbuches „Leb wohl, lieber Dachs“ anhand von acht Kriterien, darunter literarästhetische Aspekte, Stimmungsdarstellung und die Eignung zur religiösen Wertvermittlung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Thanatagogik, kindliche Todeskonzepte, Trauerbegleitung, Religionsdidaktik und emotionale Kompetenzentwicklung zusammenfassen.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des „Tunnels“ im Bilderbuch für die Kinder?
Die Autorin sieht den Tunnel als symbolisches Element für den Übergang vom Leben zum Tod, warnt jedoch vor möglichen Missverständnissen (Reise vs. Endgültigkeit), die im Gespräch geklärt werden müssen.
Welche Bedeutung kommt der „Tier-Mensch-Distanz“ in der Geschichte zu?
Die Vermenschlichung der Tiere ermöglicht Kindern einen schützenden Abstand, der es ihnen erlaubt, sich mit schwierigen Gefühlen wie Angst und Schmerz auseinanderzusetzen, ohne direkt persönlich betroffen zu sein.
- Arbeit zitieren
- Rike Meyer (Autor:in), 2021, "Tod" und "Trauer" im Religionsunterricht der Grundschule. Eine praktisch-theologische Analyse anhand des Kinderbuches "Leb wohl, lieber Dachs" von Susan Varley, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382508