Diese Arbeit geht der Frage nach welche Möglichkeiten der Didaktik der Hörästhetik sich anbieten, um die erzählte Welt eines Buches zu imaginieren. Als Medium wird hierbei der Audioguide betrachtet. Zu Beginn der Arbeit wird der Bereich der Hörästhetik näher erläutert. Hierzu wird im ersten Schritt auf die besondere Rolle des Hörens neben dem Lesen eingegangen. Anschließend wird als „neues“ Medium der Audioguide vorgestellt. Aspekte wie die Textfunktion, aber auch die Unterscheidung von Audioguides und Hörtexten hinsichtlich der Rezeption werden näher in den Blick genommen. Im letzten Abschnitt wird Bezug auf die Fragestellung genommen.
Schon bereits vor Schulbeginn ist Kindern allein durch das Zuhören ein Zugang zur Welt des Wissens möglich. Zuhören ist nicht nur zentral für den Erwerb von Sprache, sondern es ist auch eine grundlegende Voraussetzung um erfolgreiches Lernen in der Schule zu ermöglichen. Außerdem stellt es auch eine soziale und kulturelle Fähigkeit dar. Auch bezüglich des Lesenlernens spielt das Zuhören eine wichtige Rolle. Hörmedien gehören zu den Medien, zu welchen Kindern relativ früh eine intensive Beziehung aufbauen. Nennenswert ist hierbei das Hörspiel als Beispiel. Durch Hörspiele können Kinder die fiktionale Welt imaginieren. Dies stellt einen Zugang zur Literatur dar. Zudem ermöglichen Hörmedien eine selbstständige Rezeption auch von schwierigeren und längeren Texten. Damit ist das Zuhören, aber auch weil es kommunikative Anforderungen mit sich bringt, in den Deutschunterricht eingebettet. Das Einbeziehen von „neuen“ Medien in den Deutschunterricht stellt keine Seltenheit dar. So wird darüber nachgedacht die Didaktik des Deutschunterrichts prinzipiell neu auszurichten, beispielsweise als Medienkulturdidaktik. Auch Wermke plädiert für einen medienintegrativen Deutschunterricht. Vor allem durch die Veränderung der Mediengesellschaft sollte nicht mehr das Buch allein als Leitmedium fungieren. Demnach sollte der Deutschunterricht seinen Gegenstandsbereich so ausweiten, dass andere Medienformate und Medienästhetiken dazu gehören. Eine besondere Rolle hierbei spielt die hörästhetische Kompetenz, also die Fähigkeit „das Gehörte zu verstehen und zu genießen“. Laut Wermke wäre eine Hörästhetik ein systematischer Ort um auditive Medien im Deutschunterricht zu verankern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bereich der Hörästhetik
2.1 Das Hören neben dem Lesen
2.2 Die Hörästhetik
3. Audioguides
3.1 Rezeption von Audioguides und von Hörtexten
3.2 Textfunktion
4. Möglichkeiten der Hörästhetik zur Imagination der erzählten Welt im Audioguide
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das didaktische Potenzial von Audioguides im Deutschunterricht, um Schülern zu helfen, die in literarischen Werken erzählte Welt durch gezielte auditive Gestaltung und hörästhetische Ansätze lebendiger zu imaginieren.
- Grundlagen der Hörästhetik und deren Verankerung im Deutschunterricht
- Differenzierung zwischen Hören und Lesen sowie deren sinnkonstituierende Funktion
- Funktionsweise und Rezeptionsbedingungen von Audioguides
- Didaktische Möglichkeiten zur Förderung der Vorstellungskraft mittels auditiver Medien
- Praxisnahe Anwendung am Beispiel des Romans „Einer wie Frank“ von Klaus Kordon
Auszug aus dem Buch
4.Möglichkeiten zur Imagination der erzählten Welt
Wird der Audioguide ähnlich wie das Hörspiel als auditives Medium betrachtet, so ist durch die Hörästhetik ein Ort gegeben dies im Deutschunterricht zu verankern (vgl. Wermke 1998, S.1). Auditive Medien könne die Vorstellungsbildung der Schüler*innen fördern. Dies ermöglicht eine atmosphärische Gestaltung, welche durch die technischen Eigenschaften des zum Beispiel Audioguides gegeben ist. So erlaubt ein Audioguide die Integration von Musik und Geräuschen (vgl. Müller 2012, S. 78).
Im Fall des Buches „Einer wie Frank“ (1999) geschrieben von Klaus Kordon bieten sich auch hierbei unterschiedliche Möglichkeiten die erzählte Welt eines Buches anhand des Audioguides zu imaginieren. Die Handlung vollzieht sich im Jahre 1955. Durch den Audioguide können die Kinder in die damalige Zeit versetzt werden. Eine inszenierte Geräuschkulisse wäre ein Beispiel dafür. Hierfür könnte man die natürlichen Geräusche nutzen (Beispiel: Lärm aus der Kneipe (vgl. Kordon 1999, S. 94). Um den Kindern jedoch den Vergleich beziehungsweise ein Hineinversetzen oder eine Vorstellung in die damalige Zeit von 1995 zu ermöglichen, könnte man auch Geräsuche, die heute nicht mehr gegeben sind, einbauen. Die Geräsuchkulisse von Videos über die Zeit im Jahr 1995 könnte integriert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung des Zuhörens für den Spracherwerb und das Lesenlernen und begründet die Notwendigkeit, auditive Medien wie den Audioguide als festen Bestandteil in eine medienintegrative Didaktik des Deutschunterrichts aufzunehmen.
2. Bereich der Hörästhetik: Dieser Abschnitt analysiert das bisherige Defizit an Hörerziehung im Deutschunterricht und definiert die Hörästhetik als Ansätze zur Förderung des bewussten Wahrnehmens von Lauten und Klängen, die als Brücke zur literarischen Bildung dienen können.
3. Audioguides: Das Kapitel ordnet Audioguides in den Kontext der Kunstkommunikation ein, erläutert die spezifischen Rezeptionsbedingungen im Vergleich zu Hörtexten und analysiert ihre didaktische Funktion bei der Vermittlung literarischer Werke.
4. Möglichkeiten der Hörästhetik zur Imagination der erzählten Welt im Audioguide: Der letzte Teil zeigt konkret auf, wie durch den gezielten Einsatz von auditiven Gestaltungsmitteln wie Musik, Geräuschkulissen und variierenden Sprecherstimmen die Imagination der erzählten Welt am Beispiel des Romans „Einer wie Frank“ unterstützt werden kann.
Schlüsselwörter
Hörästhetik, Audioguide, Deutschunterricht, Hörerziehung, Imagination, Literaturdidaktik, auditive Medien, Rezeptionsbedingungen, Medienkulturdidaktik, Sprachverstehen, Hörkompetenz, Klaus Kordon, Einer wie Frank, Vorstellungsbildung, Kunstkommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration des Audioguides als auditivem Medium im Deutschunterricht, um Schülern durch hörästhetische Methoden eine intensivere Imagination literarischer Welten zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen umfassen die Rolle des Hörens neben dem Lesen, die Theorie der Hörästhetik, die Funktionsweise von Audioguides als Textsorte sowie deren praktischen Einsatz zur Förderung der Vorstellungskraft im Literaturunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, welche Möglichkeiten der Didaktik der Hörästhetik sich anbieten, um Audioguides zur Unterstützung der Imagination einer erzählten Welt im Deutschunterricht gezielt einzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse basiert, um aktuelle medienpädagogische Konzepte und hördidaktische Ansätze auf die Anwendung von Audioguides zu transferieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen der Hörästhetik, eine Analyse der Textsorte Audioguide inklusive ihrer Rezeptionsvoraussetzungen sowie eine konkrete Anwendung dieser Erkenntnisse auf den Roman „Einer wie Frank“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Hörästhetik, Audioguide, Literaturdidaktik, Hörerziehung und Imagination charakterisieren.
Warum ist laut der Arbeit eine spezielle Geräuschkulisse entscheidend?
Eine inszenierte Geräuschkulisse ist laut Arbeit entscheidend, weil sie dem Rezipienten nicht nur Geräusche nennt (was kognitive Eigenleistung mindern könnte), sondern eine atmosphärische Einbettung schafft, die das Hineinversetzen in historische oder erzählte Welten aktiv unterstützt.
Wie soll laut Arbeit die Vorerwartung beim Hören gesteuert werden?
Die Vorerwartung soll im Deutschunterricht durch eine gezielte vorherige Beschäftigung mit dem literarischen Werk oder den behandelten Objekten aufgebaut werden, um die Rezeption zu erleichtern und eine Vorwissensaktivierung zu fördern.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Welche Möglichkeiten der Didaktik der Hörästhetik bieten sich noch weiter an, im Audioguide die erzählte Welt eines Buches zu imaginieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382534