In dieser Arbeit wird zunächst die nichtfinanzielle Berichterstattung im Allgemeinen sowie die sogenannte Corporate Sustainability Reporting (CSR) - Richtlinie beleuchtet, welche den Grundstein für den Entwurf zur Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) bildet. Im Anschluss werden die Inhalte der CSRD beleuchtet, wobei eine kritische Betrachtung der Auswirkungen für Unternehmen und deren Berichterstattung erfolgt. Um beurteilen zu können, inwieweit Unternehmen schon heute in der Lage sind, die mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig geltenden Anforderungen der CSRD an die nichtfinanzielle Berichterstattung zu erfüllen, wird die nichtfinanzielle Berichterstattung der Unternehmen des DAX 40 analysiert.
Weltweit erfahren der Klimawandel, soziale Aspekte und eine verantwortungsgerechte Unternehmensführung eine zunehmende Relevanz. Diese sogenannten ESG-Aspekte (Environmental, Social und Governance) sind als drängende Handlungsfelder im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung angekommen. Die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit haben gezeigt, dass die steigenden Transparenzanforderungen der Stakeholder nicht durch den gegenwärtigen Verpflichtungsrahmen zur Berichterstattung über Nachhaltigkeitsleistungen erfüllt werden und die nichtfinanzielle Berichterstattung der mitunter reformbedürftigste Teilbereich des europäischen Bilanzrechts ist. Um den Forderungen vieler Stakeholder nach einer Reformation der nichtfinanziellen Berichterstattung nachzukommen, hat die EU den Entwurf einer CSRD vorgelegt, die einen entscheidenden Schritt zur Weiterentwicklung der nichtfinanziellen Berichtserstattung bilden soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Unternehmensberichterstattung im Wandel
3 Bedeutung und Verankerung nichtfinanzieller Informationen
3.1 Einführung der CSR-Richtlinie
3.2 Umsetzung der CSR-Richtlinie in nationales Recht
3.2.1 Anwendungsbereich und Befreiungsmöglichkeiten
3.2.2 Berichtsformate der nichtfinanziellen Berichterstattung
3.2.3 Inhaltliche Ausgestaltung
3.2.4 Wesentlichkeitsverständnis
3.2.5 Anwendung von Rahmenwerken
3.2.6 Prüfung der nichtfinanziellen Berichterstattung
4 Der Vorschlag zur Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)
4.1 Ursachen für die Überarbeitung der NFRD
4.2 Ziele des CSRD-Vorschlags
4.3 Wesentliche Inhalte des CSRD-Vorschlags
4.3.1 Ausweitung des Anwendungsbereichs
4.3.2 Ort und Format der nichtfinanziellen Berichterstattung
4.3.3 Inhaltliche Anforderungen nach dem CSRD-Vorschlag
4.3.4 Doppelte Wesentlichkeit
4.3.5 Berücksichtigung der Interessen von Stakeholdern
4.3.6 Standardisierung der Berichterstattung
4.3.7 Prüfung der Nachhaltigkeitsberichterstattung
4.3.8 Änderungen hinsichtlich der Corporate Governance
4.3.9 Enforcement und erweiterte Sanktionsbestimmungen
5 Kritische Würdigung des Entwurfs zur CSRD
6 Aktuelle Entwicklungen und Ausblick
7 Empirische Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichterstattung im DAX
7.1 Darstellung der Grundgesamtheit
7.2 Untersuchungsaspekte und Vorgehensweise
7.2.1 Bewertung der Verortung nichtfinanzieller Berichtsinhalte
7.2.2 Untersuchungsvorgehen zur inhaltlichen Ausgestaltung
7.2.3 Untersuchung des Wesentlichkeitsgrundsatzes
7.2.4 Bewertung der Berücksichtigung von Stakeholdern
7.2.5 Untersuchung und Bewertung angewendeter Rahmenwerken
7.2.6 Bewertung des Umfangs der externen Prüfung
7.2.7 Einstufung der Konformität mit dem CSRD-Entwurf
8 Ergebnisse der Untersuchung der Berichterstattung im DAX
8.1 Verortung der nichtfinanziellen Berichtsinhalte im DAX
8.2 Offenlegung eines Nachhaltigkeitsprogramms im DAX
8.3 Relevanz- und Wesentlichkeitsverständnis im DAX
8.4 Berücksichtigung von Stakeholdern im DAX
8.5 Anwendung von Rahmenwerken im DAX
8.6 Prüfungsumfang der Nachhaltigkeitsinformationen im DAX
8.7 Einstufung der CSRD-Konformität der DAX-Unternehmen
9 Zusammenfassung und kritische Würdigung der Ergebnisse
10 Handlungsempfehlungen
11 Gesamturteil und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen des EU-Richtlinienentwurfs "Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)" auf die Unternehmensberichterstattung. Ziel ist es, durch eine empirische Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichte von DAX 40-Unternehmen zu bewerten, inwieweit diese auf die zukünftigen regulatorischen Anforderungen vorbereitet sind und welche Konformitätsgrade bereits erreicht wurden.
- Analyse des regulatorischen Wandels von der NFRD zur CSRD
- Untersuchung der Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung (u.a. doppelte Wesentlichkeit)
- Empirische Evaluation der aktuellen Berichterstattungspraktiken im DAX 40
- Beurteilung der CSRD-Konformität anhand eines Punktesystems ("CSRD-Readiness Score")
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.2.4 Wesentlichkeitsverständnis
Die Unternehmensberichterstattung über nichtfinanzielle Informationen wird von dem Wesentlichkeitsverständnis des CSR-RL-UmsG geleitet und beeinflusst. Zusätzlich zu einer kurzen Beschreibung des Geschäftsmodells sind nach § 289c Abs. 3 HGB jeweils die Angaben zu den fünf genannten Aspekten zu machen, die für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage des Unternehmens sowie der Auswirkungen der Tätigkeit des Unternehmens auf diese Aspekte erforderlich sind.
Es wird demnach zwischen Informationen, die für das Verständnis der Auswirkungen des Unternehmens bzw. Konzerns auf die Nachhaltigkeitsaspekte (sog. „Inside-Out-Perspektive“) und Informationen, die für das Verständnis der Auswirkungen von Nachhaltigkeitsaspekten auf das Unternehmen bzw. den Konzern (sog. „Outside-In-Perspektive“) erforderlich sind, unterschieden. Ein häufiger Kritikpunkt ist die unklare Definition des Wesentlichkeitsverständnis des CSR-RL-UmsG. Es stellt sich die Frage, ob Unternehmen über wesentliche Auswirkungen auf nichtfinanzielle Belange auch dann berichten müssen, wenn keine Auswirkungen auf die ökonomische Lage des Unternehmens zu erwarten sind.
Nach herrschender Meinung zur aktuellen Rechtslage besteht aufgrund der „sowie“-Verknüpfung in § 289c Abs. 3 HGB derzeit lediglich eine Angabepflicht, wenn beide genannten Perspektiven erfüllt sind. Das heißt es gilt eine doppelte Wesentlichkeitsschwelle, wonach nur die Schnittmenge der Informationen in der nichtfinanziellen Berichterstattung anzugeben ist, die sowohl für das Verständnis des Geschäftsverlaufs, des Geschäftsergebnisses, der Lage des Unternehmens als auch für das Verständnis der Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die jeweiligen nichtfinanziellen Belange erforderlich bzw. wesentlich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die zunehmende Relevanz von ESG-Aspekten und den regulatorischen Rahmen der europäischen Nachhaltigkeitsinitiativen.
2 Unternehmensberichterstattung im Wandel: Erläutert die historische Entwicklung der nichtfinanziellen Berichterstattung ausgehend von der Sozial- und Umweltberichterstattung.
3 Bedeutung und Verankerung nichtfinanzieller Informationen: Analysiert die bestehende CSR-Richtlinie, deren Umsetzung in nationales Recht sowie die aktuellen Anforderungen an Berichtsformate und Prüfung.
4 Der Vorschlag zur Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD): Detaillierte Darstellung der geplanten Änderungen durch die CSRD, einschließlich Anwendungsbereich, Berichtsinhalten, doppelter Wesentlichkeit und Prüfungsanforderungen.
5 Kritische Würdigung des Entwurfs zur CSRD: Hinterfragt kritisch den Zeitplan der EU-Kommission und die Ambitionen des Entwurfs in Bezug auf die Unternehmenspraxis.
6 Aktuelle Entwicklungen und Ausblick: Diskutiert den Status quo der politischen Trilog-Verhandlungen und divergierende Positionen zwischen Rat und Parlament.
7 Empirische Untersuchung der Nachhaltigkeitsberichterstattung im DAX: Legt die Methodik der Untersuchung und das Bewertungsschema (CSRD-Readiness Score) dar.
8 Ergebnisse der Untersuchung der Berichterstattung im DAX: Präsentiert die empirischen Daten zu den verschiedenen Untersuchungskriterien wie Ort, Stakeholder und Rahmenwerke.
9 Zusammenfassung und kritische Würdigung der Ergebnisse: Fasst die Erkenntnisse zusammen und bewertet den Stand der Konformität im DAX 40.
10 Handlungsempfehlungen: Gibt praxisnahe Empfehlungen für Unternehmen und Prüfer hinsichtlich der künftigen Anforderungen.
11 Gesamturteil und Ausblick: Abschließende Einschätzung zur Transformation der Berichterstattung und dem Einfluss des CSRD-Prozesses.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeitsberichterstattung, CSRD, NFRD, ESG-Aspekte, DAX 40, Unternehmensberichterstattung, doppelte Wesentlichkeit, CSR-Richtlinie, EU-Kommission, Nichtfinanzielle Erklärung, Rahmenwerke, GRI-Standards, Externe Prüfung, Nachhaltigkeitstransformation, Sustainable Finance
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die inhaltlichen Anforderungen und Auswirkungen des EU-Richtlinienentwurfs "Corporate Sustainability Reporting Directive" (CSRD) auf die nichtfinanzielle Berichterstattung europäischer Unternehmen.
Welche Themenfelder stehen im Fokus?
Zentrale Felder sind die Ausweitung des Anwendungsbereichs der Berichtspflichten, das Konzept der doppelten Wesentlichkeit, die Standardisierung durch ESRS sowie die Einführung einer verpflichtenden externen Prüfung.
Was ist die primäre Forschungsfrage der empirischen Untersuchung?
Es wird untersucht, inwieweit Unternehmen des DAX 40 bereits heute die künftigen Anforderungen der CSRD erfüllen und wie hoch der wahrzunehmende Aufwand für die notwendige Anpassung der Berichterstattung ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es erfolgt eine empirische Analyse der Geschäftsberichte von 38 Unternehmen des DAX 40 unter Anwendung eines normierten Bewertungsschemas, das in einen "CSRD-Readiness Score" übersetzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufbereitung der CSR-Richtlinie und der CSRD sowie eine detaillierte empirische Untersuchung spezifischer Berichtsaspekte wie Verortung, Stakeholder-Einbindung und Prüfungsumfang.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind CSRD, Nachhaltigkeitsberichterstattung, doppelte Wesentlichkeit, DAX 40, ESG, Nichtfinanzielle Erklärung und externe Prüfung.
Wie unterscheidet sich die "doppelte Wesentlichkeit" im CSRD-Entwurf?
Sie umfasst sowohl die "Inside-Out-Perspektive" (Auswirkung der Unternehmensaktivitäten auf Mensch und Umwelt) als auch die "Outside-In-Perspektive" (Auswirkung externer Nachhaltigkeitsfaktoren auf das Unternehmen).
Warum wird der Zeitplan der EU-Kommission kritisiert?
Der Zeitplan gilt laut Autorin und zitierten Stellungnahmen als unrealistisch, da Unternehmen relevante Nachhaltigkeitsdaten erheben müssen, bevor alle sektorspezifischen Berichtsstandards endgültig verabschiedet wurden.
- Quote paper
- Eva Lüdemann (Author), 2022, Der EU-Richtlinienentwurf zur "Corporate Sustainability Reporting Directive" (CSRD). Inhalte, Auswirkungen und ex-ante Konformität der Nachhaltigkeitsberichterstattung im DAX 40, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382605