Führt der Einsatz der Wortschatzkiste im Sprachunterricht einer 4. Klasse einer Schule zu einem differenzierteren Wortschatz?


Examensarbeit, 2007

27 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. „Probleme“ eines undifferenzierten Wortschatzes im Bereich des schriftlichen Sprachhandelns
1.1 Definition Wortschatz
1.2 Über die Bedeutung schriftlichen Sprachhandelns für Schüler einer 4. Klasse – theoretische Grundlagen

2. Die Wortschatzkiste als eine Möglichkeit der Wortschatzerweiterung

3. Beschreibung der Lerngruppe
3.1 Die Klasse 4a der xxxschule
3.2 Exemplarische Einzelfallbeschreibungen/Individuelle Lernausgangslage

4. „Wir gehen heut` auf Wortschatzsuche!“
4.1 Beschreibung des Lernszenariums
4.2 Internalisierung in konkrete Sachzusammenhänge

5. Die „Wirksamkeit“ der Arbeit mit der Wortschatzkiste
5.1 Beobachtungen und Rückschlüsse: Gibt es individuelle
Lernfortschritte?!
5.2 Nebeneffekte: Fragen der Schüler auf der Metaebene

6. Konsequenzen für die Weiterarbeit/Ausblick

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

Einleitung

Diese Arbeit geht von der Fragestellung aus: „Führt der Einsatz der Wortschatzkiste im Sprachunterricht einer 4. Klasse zu einem differenzierteren aktiven Wortschatz?“

Das Zitat Ludwig Wittgensteins bildet, wenn auch in einem anderen Kontext, den „Leitgedanken“ meiner Arbeit. Sprachliche Grenzen sollen erkannt, geöffnet und wo möglich, erweitert werden. Gemeint ist eine Vergegenständlichung von Sprache, ihre ästhetische, gestalterische Funktion, im Kontext des Erfahrungshorizonts meiner Schüler.[1]

Der erste, theoretische Teil befasst sich mit der Definition des Begriffs Wortschatz und bezieht sich im Verlauf auf die Praxis sowie die Ausgangslage der Klasse 4a der XXXXXX in Frankfurt sowie der Bedeutung schriftlichen Sprachhandelns für Schüler dieser Altersgruppe.

Der nächste Abschnitt unternimmt den Versuch der Zusammenführung von Theorie und Praxis. Er beschreibt auf didaktischer und methodischer Ebene das Lernszenarium, zeigt Beispiele aus der Praxis auf und erörtert diese.

Am Ende geht es um die Überprüfung der Wirksamkeit der Wortschatzkiste im Sprachunterricht meiner 4. Klasse. Außerdem werden aufgetretene, erfreuliche Nebeneffekte beschrieben sowie die Konsequenzen für die Weiterarbeit erörtert.

Ziel dieser Arbeit ist es herauszufinden, ob die Arbeit mit der Wortschatzkiste als eine Möglichkeit der Wortschatzdifferenzierung bzw. Erweiterung in der Grundschule angesehen werden kann. Hat mein „Lernarrangement“ gewirkt?

Am Ende werden die Chancen, Grenzen und Möglichkeiten der Arbeit mit der Wortschatzkiste aufgezeigt und diskutiert.

1. Probleme eines undifferenzierten Wortschatzes im Bereich des schriftlichen Sprachhandelns. Beobachtungen aus der Praxis.

1.1 Definition Wortschatz

„Als Wortschatz bezeichnet man die „Gesamtheit der Wörter einer Sprache; Gesamtheit der Wörter, die jmd. anwenden kann.“[2]

Unterschieden wird in aktiven und passiven Wortschatz.

Der passive Wortschatz wird vom Sinn her verstanden, jedoch nicht aktiv angewandt. Der aktive Wortschatz hingegen wird beim Sprechen benutzt.

Der Wortschatz der deutschen Standardsprache umfasst ca. 75.000 Wörter. Insgesamt umfasst die deutsche Sprache zwischen 300.000 und 500.000 Wörtern bzw. Lexeme.[3] Diese Werte sind Schätzwerte, da der Wortschatz der Gegenwartsprache, ausgelöst durch unterschiedliche Einflüsse, einer ständigen Veränderung unterliegt. Man geht davon aus, dass im Alltagsleben 400 bis 800 Wörter ausreichend sind, um sich situationsangemessen verständigen zu können. Des Weiteren zeigt sich gerade in den neuen Kommunikationsbereichen (Chat, SMS, E-Mail…) ein Rückgriff auf nur noch 100 bis 200 Wörter. Ein kompetenter Redner dagegen verfügt dagegen über einen Wortschatz von ca. 4000 bis 10.000 Wörtern. Für das Verstehen anspruchsvoller Texte (Fachliteratur, Sachtexte, Klassiker…) benötigt man ca. 4000 bis 5000 Wörter.[4]

Der Grundwortschatz von Grundschülern zeichnet sich zumeist durch Funktionswörter wie Artikel, Präpositionen und Konjunktionen aus.[5] Ebenso enthält er viele Anglizismen (cool, in, hip, etc) und jugendsprachliche Komponenten, die sich von Peer Group zu Peer Group unterscheiden.

Worte sind nur ein Teil eines größeren Zusammenhangs. Teil einer sprachlichen Äußerung, ein Element im System der Sprache, welches es dem Menschen ermöglicht seine Gedanken und Gefühle mitzuteilen.[6] Dieses „System“, möchte ich versuchen, im gestalterischen, ästhetischen Bereich zu erweitern und Möglichkeiten aufzeigen, wie Schüler sich der Sprache bzw. Wörtern bewusst bedienen können. Denn Ziel des Deutschunterrichts sollte es unter anderem sein, „eine differenzierte und kreative sprachliche Verarbeitung von Eindrücken, Erlebnissen und Gefühlen“ zu ermöglichen.[7]

1.2 Über die Bedeutung schriftlichen Sprachhandelns für Schüler einer 4. Klasse - Theoretische Grundlagen

Schüler einer 4. Klasse sollten laut Rahmenplan mehr Sicherheit im chronologischen, spannenden und präzisen Erzählen erlangen, was das Erlernen kreativen Ausdrucks einschließt.[8]

Meinen Schülern der Klasse 4a fiel im Rahmen einer Schreibkonferenz während des Vorlesens auf, dass es ihren Texten gerade an Spannung und kreativem Ausdruck häufig fehlte (näheres unter 4.1). Diese „Sprachnot bzw. Spracharmut“ der Schüler war somit der Anstoß für meine Idee, eine Wortschatzkiste als festes Ritual im Unterricht zu installieren.

Sprache ist Träger von Sinn und Überlieferung, Schlüssel zum Welt- und Selbstverständnis und Mittel zwischenmenschlicher Verständigung. Sie hat grundlegende Bedeutung für die kognitive, emotionale und soziale Entwicklung der Kinder. „Aufgabe des Deutschunterrichts in der Grundschule ist es, den Schülerinnen und Schülern eine grundlegende sowie schöpferische sprachliche Bildung zu vermitteln, damit sie in gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituationen handlungsfähig sind.“[9] Auf schöpferische, kreative Weise beschäftigten sich die Schüler während der Arbeit mit der Wortschatzkiste mit Sprache. Sie übten sich in der spannenderen, präziseren schriftlichen Ausdrucksfähigkeit mit Hilfe „interessanter, schöner“ Wörter.

Sprachunterricht, so Bartnizky, soll die momentanen sprachlichen Möglichkeiten aktivieren und dazu anregen, diese weiterzuentwickeln.[10] Dazu muss sich die Lehrkraft zunächst selbst reflexiv mit Sprache auseinandersetzen, ihren Reichtum als bedeutsam anerkennen, um den Schülern Sprache in ihrer Ästhetik nahe bringen zu können. Dies ist ein mir persönlich wichtiger und ein, wie ich denke, den Schülern gewinnbringender Prozess, den ich im weiteren Verlauf zu erläutern versuche.

Die Arbeit handelt von dem Versuch, den Schülern einen ersten Impuls zu geben, den Reichtum der Sprache zu entdecken.

Sprache ist laut Ballhorn, „noch vor dem Reisen das Mittel der Welterschließung nach innen und nach außen“.[11] Meine Intention war es, das „innere Lexikon“ der Schüler, in ersten Ansätzen, zu bereichern. Dies erfolgte kleinschrittig, dem Rezeptionsvermögen von Schülern einer 4. Klasse entsprechend.

Die Schriftsprache, welche den „handelnden Umsatz“ mit der Wortschatzkiste bedeutet, ist eine besondere sprachliche Funktion, die sich in ihrem Aufbau und in ihrer Funktion von der mündlichen Sprache ebenso unterscheidet wie die innere Sprache von der äußeren. Die schriftliche Sprache setzt ein hohes Maß an Abstraktion voraus, denn sie ist eine Sprache ohne Intonation, ohne das Musische und Expressive.[12] Dies, so glaube ich, geht zunächst gegen das natürliche Mitteilungsbedürfnis von Kindern und muss in der Grundschule durch anregende, aus der Lebenswelt der Schüler stammende Schreibanlässe gefördert werden.

Schrift ist eine Sprache im Denken, in der Vorstellung. Dies erfordert gerade von Grundschulkindern eine hohe kognitive Leistung, welche es zu fordern und mit motivierenden Impulsen zu fördern gilt. Die Schüler lernen beim Schreiben die sinnliche Seite von Sprache zu abstrahieren, ihre Gefühle und Gedanken in Schrift statt in Laute umzusetzen. Hierbei soll ihnen in dieser Lerneinheit die Wortschatzkiste helfen, in dem sie den Schülern „bedeutsame“, ausdrucksstarke Worte anbietet.

Schreiben stellt für einige Schüler meiner Klasse eine mühevolle Aufgabe dar. Auch, weil es eine Sprache ohne Gesprächspartner ist, ist es für die Schüler anstrengender und fordert ein hohes Maß an Abstraktionsfähigkeit sowie Hilfestellung bzw. Impulsgebung meinerseits.

Entdecken die Schüler jedoch, dass Schreiben Ausdrucksmöglichkeit, Faszination und Erlebnis sein kann, erhöht dies, so hoffe ich, die Bereitschaft, sich der Aufgabe zu stellen.

Differenzierteres, akzentuierteres, gestalterisches Schreiben zu unterstützen, war die Intention der Wortschatzkistenarbeit. Gegenüber dem mündlichen Sprachgebrauch sind schriftliche Texte festgehaltene und reproduzierbare Ausführungen, sie werden zum Gegenstand und damit wächst oder sollte der Anspruch auf Qualität wachsen, da die Texte für die Schüler bedeutsamer werden, weil sie eine Zuhörerschaft haben und auf Schreibkonferenzen bearbeitet und gewürdigt werden.

Durch zunehmende Sprachbewusstheit sollen die Schüler beim Schreiben allmählich über ausdrucksstärkere Worte verfügen sowie deren Vielfalt und Reichtum kennen lernen. Die Freude am bewussten Umgang mit Sprache, welche auch lesemotivierend wirkt, soll die sprachschöpferische Gestaltungsfähigkeit ausbauen und die Erlebnisfähigkeit gegenüber gestalteter Sprache unterstützen.

Der Zeitpunkt für die Arbeit mit der Wortschatzkiste war passend, da meine Lerngruppe sich in einer Umbruchsituation befindet, bedingt durch den bevorstehenden Schulwechsel, dem Beginn der Pubertät und damit einhergehend der Wechsel sozialer Beziehungen. Der sprachgestalterische, kreative, bewusste Umgang mit Sprache kann in solchen Lebenssituationen den Schülern helfen, ihre Gefühle, Ängste, Vorstellungen treffender, individueller zu formulieren.

Auch laut dem hessischen Bildungsplan ist die wichtigste Aufgabe des Deutschunterrichts, bei den Schülern Freude am Umgang mit Sprache zu wecken, zu steigern, sie zum Schreiben zu motivieren sowie ihnen in diesem Prozess Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.[13]

„Ich finde das mit der Wortschatzkiste eine tolle Idee, weil ich so gerne Geschichten schreibe und nun viele neue Wörter kenne“ (Hella[14] Kl. 4a)

„Fabelhaft ist ein tolles Wort, das hört sich richtig an.“

(Tarek Kl.4a)

2. Die Wortschatzkiste als eine Möglichkeit der Wortschatzerweiterung

„Ziel und Aufgabe des Unterrichts im Schreiben und Lesen ist die Hinführung zur Schriftkultur. Inhalte und Methoden des Schriftspracherwerbs sind diesem Anspruch verpflichtet.“[15] Die Wortschatzkiste stellt hier den Versuch einer hinführenden Methode zur Erweiterung der Schriftkultur dar. Den Beitrag, den sie dabei möglicherweise leisten kann, ist jedoch als ein kleiner Teilaspekt, als eine mögliche Komponente von Sprachaneignung zu verstehen.

[...]


[1] Aus Gründen der leichteren Lesbarkeit spreche ich von Schülern, meine jedoch Schülerinnen sowie Schüler.

[2] Wahrig Deutsches Wörterbuch, S.1446

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Wortschatz (11.12.2007, 20:34)

[4] ebd.

[5] Bartnizky,H.: Sprachunterricht heute, S.120

[6] Wahrig Deutsches Wörterbuch, Vorwort

[7] Hessisches Kultusministerium: Rahmenplan Grundschule, S. 88

[8] Hessisches Kultusministerium: Rahmenplan Grundschule, S. 98

[9] http://www.kmk.org/schul/Bildungsstandards/Grundschule_Deutsch_BS_307KMK.pdf (12.01.07, 21:50)

[10] Bartnizky, H.: Sprachunterricht heute, S. 17

[11] Balhorn, H.: Überall und nirgends. Vom lustvollen Umgang mit Sprache. In: Schatzkiste Sprache 1, S.115

[12] Wygotski, L.S.: Schriftliche Sprache (Sprechen und Denken, Auszügen). In: Schriftspracherwerb: Texte verfassen eine Textauswahl von Giesela Reuschling. Reader aus dem WS 2000/01

[13] http://www.bildung-staerkt-menschen.de/schule-2004/bildung-kurz/grundschule (02.01.2007, 20:30)

[14] Alle Namen der Schüler wurden geändert

[15] Hessisches Kultusministerium: Rahmenplan Grundschule, S.92

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Führt der Einsatz der Wortschatzkiste im Sprachunterricht einer 4. Klasse einer Schule zu einem differenzierteren Wortschatz?
Hochschule
Studienseminar für Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen Frankfurt
Autor
Jahr
2007
Seiten
27
Katalognummer
V138297
ISBN (eBook)
9783640465156
ISBN (Buch)
9783640462247
Dateigröße
948 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wortschatzarbeit Grundschule
Arbeit zitieren
Stefanie Scholl (Autor), 2007, Führt der Einsatz der Wortschatzkiste im Sprachunterricht einer 4. Klasse einer Schule zu einem differenzierteren Wortschatz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138297

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