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Das obszöne Schweigen

Bataille und Klossowski zwischen Erotik und der Leerstelle Gott

Title: Das obszöne Schweigen

Term Paper , 2009 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marina Reuscher (Author)

Philosophy - Miscellaneous
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Summary Excerpt Details

Die Termini Sprechen, Sein und Sinn erfahren im 19.Jahrhundert im philosophischen und literarischen Diskurs einen fundamentalen Wandel, der auf akademischer wie auf innerlicher Ebene einen Zustand der Irritation evozierte, der auch im zeitgenössischen Denken fortwährt. Entscheidendes Objekt ist hierbei die Sprache. A priori als universell identitäts- und sinngenerierende Instanz positioniert , wird nun die Einheit zwischen Denken und dem Akt des Sprechens, eine zuvor unablässige Allianz für die Bildung eines kohärenten Selbst bzw. Selbstbewusstseins, radikal in Frage gestellt. Der moderne Mensch der abendländischen Gesellschaft, deren rational-wissenschaftliche Basis in der Sprache als Garant des Logos wurzelt, befindet sich folglich in einer prekären Lage. Sein modernes menschliches Dasein, generiert aus dem sprachlichen System, kann auch nur durch die Struktur der Begriffe fortbestehen- die Lebensbedingungen der neuzeitlichen Gesellschaft sind unwiederbringlich mit der Zeichenwelt der Sprache verwoben. Es stellt sich die Erkenntnis ein, dass „kein Erfahrungsgehalt sich ohne Begriffsgeleise mitteilen [kann], die der Code der alltäglichen Zeichen in den Geistern eingegraben hat; und [dass] andererseits der Code der Alltagszeichen jeden Erfahrungsgehalt zensiert“ . Das aufkeimende Misstrauen der diskursiven Sprache gegenüber schafft eine doppelte Entfremdung: Verlust einer konsistenten Identität des Ichs und eine zunehmend brüchige Wahrnehmung der Realität der Umwelt und des kulturellen Gefüges. Es stellen sich die Fragen: Was sind die Erfahrungen, die nicht von Sprache beherrscht und durch sie induziert sind? „Wie ist es möglich, die Emotion aus ihrer stereotypierten Mitteilung zu extrahieren?“ Existiert ein prä-verbales Begehren und Bedürfnis? Ergo: Wer bin ich, wenn mein Denken sich nicht in Begriffen artikuliert. Sprache transmutiert von (und changiert zwischen) Identitätsstiftend zu Identitätsdestruierend. Diese Erfahrung, wesentlich von Nietzsche, de Sade und auch Freud initiiert, kulminiert nun insbesondere im Frankreich um 1900, eine Zeit beispielloser gesellschaftlicher Umwälzung:
[...]
[...]
Folgend wird erörtert, wie Bataille und Klossowski jeweils Sexualität und Religion in Theorie und Prosa zusammenführen und auf welche Weise diese Symbiose dem ‚Unkommunizierbaren’ in der Moderne ein Wiederaufleben ermöglichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das obszöne Schweigen: Bataille und Klossowski zwischen Erotik und der Leerstelle Gott

2.1 Die ekstatische Kommunikation Batailles

2.1.1 Restituierung archaischer Gewaltsamkeit

2.1.2 Die Erotik- Todessimulation als Chance

2.2 Die Geschichte des Auges

2.2.1 Gottes Abwesenheit

2.3 Die trügerischen Bilder Pierre Klossowskis

2.3.1 Coincidentia Oppositorum: Das Simulakrum zwischen Körper und Geist

2.4 Die Individualitäten der Roberte

2.4.1 Der Übergriff der reinen Geister

2.5 Das Phantasma und sein Double

3. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Sprache, Erotik und Religion bei Georges Bataille und Pierre Klossowski. Dabei steht die zentrale Frage im Fokus, wie diese Autoren versuchen, eine durch das moderne, rationalistische Sprachsystem verursachte Entfremdung zu überwinden und eine Kommunikation des Unsagbaren jenseits diskursiver Logik zu etablieren.

  • Kritik an der rationalistischen, logozentrischen Sprachstruktur der Moderne
  • Die Funktion von Erotik als transgressive, ekstatische Grenzerfahrung
  • Die Rolle des Simulakrums als Mittel der Identitätsauflösung bei Klossowski
  • Das Konzept des Heiligen in einer gottlosen, post-nietzscheanischen Ära
  • Das Verhältnis von Körper und Geist als Raum für existentielle Grenzüberschreitungen

Auszug aus dem Buch

2.1 Die ekstatische Kommunikation Batailles

„Also sprechen, denken, es sei denn scherzend oder…, heißt, die Existenz zum Verschwinden zu bringen: es heißt nicht, zu sterben, sondern tot zu sein.“

Die elementare Inkongruenz von Erleben und Artikulieren prägt auch das Werk George Batailles – subsumiert in der exorbitanten Sehnsucht nach Autonomie der menschlichen Existenz, die stets flüchtig, nicht fassbar, aber dennoch möglich erscheint. Die Chance des Subjekts liegt in der Überschreitung; die Überwindung des diskursiven und individuellen Seins, das besteht in der absoluten Objektivierung der modernen Welt. Der Akt der Transgression manifestiert sich ausschließlich im affektiven Zustand des Exzesses, den zu erreichen sich dem Menschen zwei Perspektiven bieten: „ […] spielen heißt, die Grenze zu berühren, so weit wie möglich zu gehen und am Rand eines Abgrunds zu leben. Ein freier, frei sein wollender Geist wählt zwischen Askese und Spiel.“ Askese stellt sich für Bataille dar als die erhabenste und souveränste Form einer inneren Erfahrung, die, religiös-mystisch, nur der übersinnlichen Entrückung heiliger Märtyrer gleichkommt. Das Spiel hingegen beinhaltet verschiedene Modi: Trunkenheit, Lachen, Poesie, Absurdität, Zorn, Heroismus, Liebe und Erotik. Sie bilden Bande der ‚Immanenz’, die es vermögen, die Herrschaft der ‚Transzendenz’, das die Aktivität ist, temporär zu durchbrechen, doch „in ihren Grenzen [sind sie] minderjährige Souveräne, die das Reich der Aktivität nicht in Frage stellen können.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Sprachverständnisses im 19. Jahrhundert und die daraus resultierende existenzielle Entfremdung des modernen Subjekts.

2. Das obszöne Schweigen: Bataille und Klossowski zwischen Erotik und der Leerstelle Gott: Dieses Kapitel analysiert, wie Bataille und Klossowski die christlich geprägten Moralvorstellungen und das rationale System durch die Thematisierung von Erotik und Gottesverlust herausfordern.

2.1 Die ekstatische Kommunikation Batailles: Untersucht Batailles Philosophie der Überschreitung, bei der das Spiel und die Askese als Wege zur authentischen, jedoch flüchtigen inneren Erfahrung dienen.

2.1.1 Restituierung archaischer Gewaltsamkeit: Analysiert den Rückgriff Batailles auf archaische Strukturen, um der rationalen Homogenisierung der Moderne entgegenzuwirken.

2.1.2 Die Erotik- Todessimulation als Chance: Erläutert die Erotik als zentralen Mechanismus zur Erreichung intensiver, bewusstseinsüberschreitender Zustände im Batailleschen Denken.

2.2 Die Geschichte des Auges: Interpretiert dieses Frühwerk Batailles als literarische Umsetzung seiner theoretischen Reflexionen über das Exzessive und Obszöne.

2.2.1 Gottes Abwesenheit: Beleuchtet die blasphemische Haltung und die destruktive Erotik der Protagonisten als Reaktion auf die moralische Instanz Gott.

2.3 Die trügerischen Bilder Pierre Klossowskis: Führt in die komplexe Welt Klossowskis ein, in der Moral und Identität durch die Inszenierung in seinen Romanen aufgelöst werden.

2.3.1 Coincidentia Oppositorum: Das Simulakrum zwischen Körper und Geist: Definiert das Simulakrum als ein Mittel, um über die Grenzen der diskursiven Sprache hinauszugehen und eine nicht kommunizierbare Erfahrung zu generieren.

2.4 Die Individualitäten der Roberte: Analysiert den Roman *Les lois de l'hospitalité* und die Zerlegung der Identität der Hauptfigur Roberte durch die Simulakra.

2.4.1 Der Übergriff der reinen Geister: Untersucht die Rolle der „reinen Geister“ als Simulakrum, das die rationale Integrität von Roberte unterwandert.

2.5 Das Phantasma und sein Double: Zusammenfassung der klossowskischen Ästhetik, in der die Wahrhaftigkeit des Seins in der iterativen Reproduktion von Fiktionen gesucht wird.

3. Schlussbetrachtung: Führt die Analyse zusammen und konstatiert, dass das Unterfangen beider Autoren, eine Erfahrung jenseits der Sprache zu systematisieren, aporetisch bleibt, aber als funktionelle Konzeption besteht.

Schlüsselwörter

Georges Bataille, Pierre Klossowski, Erotik, Sprache, Sprachkritik, Simulakrum, Transgression, Identität, Gott, Moderne, Existenz, Körper, Geist, Exzess, Entfremdung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die philosophische und literarische Auseinandersetzung von Georges Bataille und Pierre Klossowski mit der Unzulänglichkeit diskursiver Sprache und dem Wunsch nach einer Kommunikation, die existenzielle Grenzerfahrungen ermöglicht.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Im Mittelpunkt stehen die Themenfelder Erotik, Religion, Identität, Körper-Geist-Dualismus und die Kritik an der rationalistischen Moderne.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Bataille und Klossowski Sexualität und Religion zusammenführen, um dem „Unkommunizierbaren“ der Moderne ein Wiederaufleben zu ermöglichen.

Welche methodische Herangehensweise wird gewählt?

Die Arbeit kombiniert literaturwissenschaftliche Textanalyse mit philosophischen und soziologischen Theorien, um die Konzepte von Bataille und Klossowski in ihren Kontext zu setzen.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Konzepte der ekstatischen Kommunikation bei Bataille sowie die Verwendung des Simulakrums zur Identitätszersetzung bei Klossowski.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Argumentation?

Zentrale Begriffe sind Transgression, Souveränität, Simulakrum, Heterogenität, „das obszöne Schweigen“ und die „Leerstelle Gott“.

Wie unterscheidet sich die Auflösung der Identität bei Klossowski von Batailles Ansatz?

Während Bataille auf eine gewaltsame Dekonstruktion durch das Erotische setzt, strebt Klossowski eine Vervielfältigung von Sein und Identität durch das Simulakrum an.

Was bedeutet das Konzept der „reinen Geister“ im Roman Roberte ce soir?

Die „reinen Geister“ fungieren als Simulakra, die die kühl-rationale Integrität der Figur Roberte unterwandern und so die Differenz zwischen Fleisch und Geist thematisieren.

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Details

Title
Das obszöne Schweigen
Subtitle
Bataille und Klossowski zwischen Erotik und der Leerstelle Gott
College
University of Hagen
Course
Modul 10: Kulturelle Fremderfahrung im Spiegel der Literatur
Grade
1,0
Author
Marina Reuscher (Author)
Publication Year
2009
Pages
21
Catalog Number
V138301
ISBN (eBook)
9783640465170
ISBN (Book)
9783640462261
Language
German
Tags
Schweigen Bataille Klossowski Erotik Leerstelle Gott
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marina Reuscher (Author), 2009, Das obszöne Schweigen , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138301
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