Kostenrechnung ist ein Teilgebiet des modernen Controllings.
Controlling (vom engl.: „to control“: lenken, steuern, kontrollieren) koordiniert die Planung, Kontrolle und die Informationsversorgung. Sie ist keine Entscheidungsabteilung, sondern liefert der Geschäftsführung die Entscheidungshilfen. Controlling ist eine Managementfunktion, da dies eine zentrale Stellung innerhalb eines Unternehmens ist. Allerdings ist das Aufgabenfeld „Controlling“ immer umfangreicher geworden, so dass dies in mittleren und größeren Unternehmen durchaus eigene, der Geschäftsleitung direkt unterstellte Abteilungen sind. Kostenrechung ist aber, im Gegensatz zur Investitionsrechung, nur auf die kurzfristigen Entscheidungen ausgerichtet. Rechtliche Vorschriften gibt es eigentlich in der Kostenrechung keine.
Um diese kurzfristigen Entscheidungshilfen möglichst genau zu liefern, hat sich in der Vergangenheit folgender Aufbau gebildet:
1. Kostenartenrechung (Frage: „Welche Kosten sind angefallen?“)
2. Kostenstellenrechung (Frage: „Wo sind die Kosten angefallen?“)
3. Kostenträgerrechung (Frage: „Wofür sind die Kosten angefallen?“) Es gibt auch verschiedene Kostenrechungssysteme in diesem Aufbau, die sich je nach der Zielsetzung unterschiedlich nutzen lassen: Es gibt Systeme, die den Zeitbezug in den Vordergrund stellen (vergangenheits- oder zukunftsorientiert) oder den Sachumfang und die Art der Verrechung in den Vordergrund stellen Vollkosten- oder Teilkostenrechnung).
Somit ergeben sich, rein theoretisch, sechs Möglichkeiten der Kostenrechungssysteme.
Das Interesse dieser Ausführung soll sich auf den Bereich der Vollkostenrechung beschränken. Vollkostenrechung gibt es als IST-Kostenrechung, als Normalkostenrechung und als Plankostenrechnung.
Inhaltsverzeichnis
1. Kostenrechnungssysteme
2. Die Vollkostenrechnung
3. Schwächen der Vollkostenrechung
3.1 Kostenschlüsselung
3.2 Kostenproportionalisierung
3.3 Kostenverrechung
3.4 Unternehmensfehlentscheidungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die methodischen Schwächen der Vollkostenrechnung im Kontext betriebswirtschaftlicher Entscheidungsprozesse. Ziel ist es aufzuzeigen, warum die fehlende Differenzierung zwischen fixen und variablen Kosten in der Vollkostenrechnung zu Fehlentscheidungen im operativen Management führen kann und weshalb ergänzende Ansätze wie die Teilkostenrechnung für kurzfristige Entscheidungen notwendig sind.
- Grundlagen der Kostenrechnungssysteme
- Methodische Problematik der Vollkostenrechnung
- Auswirkungen der Kostenschlüsselung und -verrechnung
- Risiken der Vollkostenrechnung bei kurzfristigen Managemententscheidungen
- Notwendigkeit einer Abgrenzung zur Teilkostenrechnung
Auszug aus dem Buch
3.4 Unternehmensfehlentscheidungen
Unternehmensentscheidungen können kurzfristig, mittelfristig oder langfristig sein. Mittel bzw. langfristige Entscheidungen werden mithilfe der Investitionsrechnung getätigt. Dort wird die Investitionsentscheidung optimiert, realisiert und kontrolliert, also auch letztendlich darüber entschieden, ob eine Investition getätigt wird oder nicht (meistens hoher Kapitaleinsatz, langfristiger Kapitaleinsatz, weitreichende Entscheidungen).
Kurzfristige Entscheidungen werden getroffen mit den Zahlen und Erkenntnissen der Kostenrechnung. Bei den kurzfristigen Entscheidungen können die fixen Kosten aber in der Regel nicht verändert werden. Maschinen, Abschreibungen oder auch Personal lassen sich nicht kurzfristig verändern. Also müssen Entscheidungen der Geschäftsführung kurzfristig die variablen Kosten betreffen. Dort ist aber eine große Schwäche der Vollkostenrechnung. Diese teilt die Kosten ja gerade nicht in variable und fixe Kosten auf. Die Teilkostenrechnung ist also eher geeignet, kurzfristige (operative) Entscheidungen zu treffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kostenrechnungssysteme: Dieses Kapitel erläutert die Einbettung der Kostenrechnung in das moderne Controlling und stellt den grundsätzlichen Aufbau der Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung dar.
2. Die Vollkostenrechnung: Hier werden die verschiedenen Ausprägungen der Vollkostenrechnung wie IST-, Normal- und Plankostenrechnung abgegrenzt und ihr historischer Kontext innerhalb der Kostenrechnungssysteme beleuchtet.
3. Schwächen der Vollkostenrechung: Das Kapitel analysiert kritisch die Probleme der willkürlichen Kostenschlüsselung, die Proportionalisierung von Fixkosten sowie die daraus resultierenden Gefahren bei der Entscheidungsfindung im Unternehmen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Vollkostenrechnung zwar für langfristige Zwecke ihre Berechtigung behält, jedoch für die operative Steuerung durch die Teilkostenrechnung ergänzt werden sollte.
Schlüsselwörter
Vollkostenrechnung, Teilkostenrechnung, Controlling, Kostenartenrechnung, Kostenstellenrechnung, Kostenträgerrechnung, Gemeinkosten, Einzelkosten, Fixkosten, Variable Kosten, Deckungsbeitrag, Unternehmensentscheidungen, Betriebsabrechnungsbogen, Preisuntergrenze, Kostenproportionalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Vollkostenrechnung und den damit verbundenen methodischen Schwächen, die in der betrieblichen Praxis zu fehlerhaften Managemententscheidungen führen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Kostenrechnungssysteme, die methodische Differenzierung zwischen fixen und variablen Kosten sowie die Auswirkungen dieser Rechnungsmethoden auf kurzfristige operative Entscheidungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, warum die Vollkostenrechnung für kurzfristige operative Entscheidungen ungeeignet ist und wie durch eine Teilkostenrechnung ein besseres Zahlenmaterial für die Unternehmensführung generiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deduktive Herangehensweise, bei der theoretische Grundlagen der Kostenrechnung dargestellt und anhand von Zahlenbeispielen (z. B. Zusatzaufträge) die Auswirkungen der verschiedenen Kostenrechnungsmethoden kritisch hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Systematik der Vollkostenrechnung, die spezifischen Schwächen wie die willkürliche Kostenschlüsselung und die Gefahr der Fehlentscheidungen bei Themen wie Zusatzaufträgen oder Eigenfertigung vs. Fremdbezug.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Vollkostenrechnung, Teilkostenrechnung, Gemeinkosten, Fixkosten, Deckungsbeitrag und operative Unternehmensentscheidungen.
Warum führt die Vollkostenrechnung bei der Annahme von Zusatzaufträgen oft zu falschen Ergebnissen?
Da die Vollkostenrechnung fixe Kosten auf die Stückzahlen umlegt, wird der Gewinn bei einer Produktionsausweitung durch die scheinbare Belastung mit Fixkosten niedriger gerechnet, als er tatsächlich durch den Deckungsbeitrag wäre, was zu einer fälschlichen Ablehnung profitabler Aufträge führen kann.
Ist die Vollkostenrechnung aufgrund der genannten Schwächen komplett abzulehnen?
Nein, der Autor betont, dass die Vollkostenrechnung trotz ihrer Schwächen bei kurzfristigen Entscheidungen für langfristige Betrachtungen und gesetzliche Erfordernisse (wie in der Steuer- oder Handelsbilanz) weiterhin ein notwendiges Instrument bleibt.
- Quote paper
- Pascal Verheyen (Author), 2007, Die Schwächen der Vollkostenrechnung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138309