MuttersprachlerInnen werden häufig mit dem Problem konfrontiert, Phrasen nicht erkennen zu können, weil diese nicht immer als Phrasen erkennbar sind. Die Arbeit zielt primär darauf ab, in Schulen dem genannten Problem entgegenzukommen. Als potenzielle Lösung soll ein Unterrichtskonzept für DaF/DaZ-Klassen in der Sekundarstufe dienen, das SchülerInnen mit türkischer Migrationsgeschichte deutsche somatische Phraseologismen anhand von türkischen somatischen Phraseologismen kontrastiv näherbringt.
Dr. Hans-Diether Grohmanns Aussage nach wirken DaF- bzw. DaZ- Lernende nur dann wie MuttersprachlerInnen, wenn sie Phrasen der deutschen Sprache beherrschen. Das Lernziel, um das es in dieser Arbeit geht, ist jedoch nicht nur der Erwerb deutscher Idiome, sondern parallel dazu auch türkischer Idiome, da Türkisch die Sprache ist, die bei den SchülerInnen häufig zu Hause gesprochen wird. Der Erwerb von Idiomen mit gleicher Bedeutung, aber zweier Sprachen kann Vorteile mit sich bringen, die diese Arbeit näher behandeln wird. Das Unterrichtskonzept besteht aus einer Stundenverlaufsskizze, die Förderung der
phraseologischen Kompetenz im Fremdsprachenunterricht, der Sachanalyse, der didaktischen Analyse und zuletzt der methodischen Analyse. Abschließend werden die wichtigsten Punkte im Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Annäherung an Phraseologismen und die fachdidaktische Fragestellung
2. Somatismen
3. Die Übersetzungsproblematik bei (somatischen) Phraseologismen
4. Unterrichtskonzept für DaF/DaZ-Klassen der Sekundarstufe
4.1 Stundenverlaufsskizze
4.2 Förderung der phraseologischen Kompetenz im Fremdsprachenunterricht
4.3 Sachanalyse
4.4 Didaktische Analyse
4.5 Methodische Analyse
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein Unterrichtskonzept für DaF/DaZ-Klassen der Sekundarstufe zu entwickeln, das Schülern mit türkischem Migrationshintergrund deutsche somatische Phraseologismen durch einen kontrastiven Vergleich mit ihren türkischen Entsprechungen vermittelt, um interkulturelle Kommunikation zu fördern und Sprachbarrieren abzubauen.
- Definition und Funktion von Somatismen als spezielle Klasse von Phraseologismen.
- Herausforderungen bei der Übersetzung somatischer Redewendungen.
- Methodik des kontrastiven Unterrichts zwischen dem Deutschen und Türkischen.
- Förderung der phraseologischen Kompetenz durch entdeckendes und anwendungsorientiertes Lernen.
- Integration kulturhistorischer Kontexte in den Fremdsprachenunterricht.
Auszug aus dem Buch
2. Somatismen
Eine spezifische Klasse von Phraseologismen sind Somatismen. Sie stellen Redewendungen/Idiome dar, die ein Nomen enthalten, das ein oder mehrere menschliche Körperteile oder ein Körperorgan bezeichnet. Somit bilden Somatismen das Grundlexem einer Wendung. Phraseologismen, die auf Körperteile bezogen sind, zeigen sowohl im Deutschen als auch im Türkischen eine hohe sprachliche Produktivität. Außerdem machen sie einen wichtigen Teil eines phraseologischen Wörterbuchs in der jeweiligen Sprache aus (vgl. Özbay 2011 : 72). Laut Özbay wird mit der Zeit immer mehr erkannt, dass Somatismen für FremdsprachenlernerInnen zugänglich gemacht werden müssen, da diese körperteilbezogene Phraseologismen im Alltag eine besondere Funktion erfüllen. Somatismen werden im alltäglichen Sprachgebrauch als feste Wortverbindungen vor allem in der gesprochenen Sprache benutzt. Als Beispiel im Deutschen führt der Autor „einen langen Arm haben“ (weitreichende Macht besitzen), „die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“ (Verdeutlichung von Entsetzen) und „Knöpfe auf den Augen haben“ (Offensichtliches nicht sehen). Türkische Beispiele nennt Özbay ebenfalls, nämlich „ağzı kulaklarına varmak” (über das ganze Gesicht strahlen) und “başını kaşıyacak vakti olmamak“ (viel zu tun haben) (vgl. Özbay 2011 : 73).
Bei den genannten Phraseologsimen sowohl in der deutschen als auch in der türkischen Sprache handelt es sich um die symbolische Funktion von den jeweiligen Körperteilen. Somatismen können von einer Kulturgemeinschaft zur anderen unterschiedlich sein. Solche Wortkombinationen sind stark von der kulturellen Färbung der betreffenden Gemeinschaft beeinflusst und sind ursprünglich Teil kultureller und historischer Ereignisse. Aus diesem Grund bereiten Somatismen FremdsprachenlernerInnen Schwierigkeiten (vgl. Özbay 2011 : 73).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Annäherung an Phraseologismen und die fachdidaktische Fragestellung: Dieses Kapitel führt in die Fachterminologie ein und begründet die methodische Notwendigkeit, Phraseologien kontrastiv im DaF/DaZ-Unterricht zu vermitteln.
2. Somatismen: Hier wird geklärt, dass Somatismen auf Körperteilen basierende Redewendungen sind, die aufgrund ihrer kulturellen Gebundenheit eine hohe Schwierigkeit für Lernende darstellen.
3. Die Übersetzungsproblematik bei (somatischen) Phraseologismen: Dieser Abschnitt beleuchtet die verschiedenen Arten der Äquivalenz und warnt vor den Problemen bei wortwörtlichen Übersetzungen zwischen verschiedenen Sprachsystemen.
4. Unterrichtskonzept für DaF/DaZ-Klassen der Sekundarstufe: Dieses Kapitel stellt das praktische Modell zur Vermittlung vor, inklusive Verlaufsskizze und didaktisch-methodischer Begründung.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass das vorgeschlagene Konzept einen effektiven Weg bietet, um interkulturelle Hindernisse abzubauen und das sprachliche Verständnis durch Vergleich zu schärfen.
Schlüsselwörter
Somatismen, Phraseologismen, DaF, DaZ, kontrastiv, Sprachunterricht, Interkulturalität, Äquivalenz, Redewendungen, Unterrichtskonzept, Mehrsprachigkeit, Sekundarstufe, Türkisch, Deutsch, phraseologische Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Vermittlung von somatischen Phraseologismen im DaF/DaZ-Unterricht und nutzt dabei einen kontrastiven Ansatz zwischen der deutschen und türkischen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Phraseologie, die Übersetzungswissenschaft, die Fachdidaktik für Fremdsprachen sowie die Berücksichtigung von Migrationshintergründen bei Lernenden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erstellung eines konkreten Unterrichtskonzepts, das somatische Redewendungen durch den Vergleich beider Sprachen für Schüler in der Sekundarstufe zugänglich und verständlich macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fachwissenschaftliche und fachdidaktische Analyse sowie die Entwicklung eines praktischen Unterrichtsmodells, das auf theoretischen Erkenntnissen der Sprachdidaktik basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Somatismen, die Analyse von Übersetzungsproblemen, die detaillierte Planung der Unterrichtseinheit und deren didaktisch-methodische Fundierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Somatismen, phraseologische Kompetenz, interkulturelle Kommunikation, DaF/DaZ und kontrastive Sprachenbetrachtung.
Warum ist die Türkischkenntnis der Lehrkraft für dieses Konzept wichtig?
Da das Konzept auf dem Vergleich deutscher und türkischer Redewendungen basiert, ist die Sprachkompetenz der Lehrkraft entscheidend, um die Rollenspiele und Bedeutungsnuancen der Schüler korrekt zu begleiten.
Welche phasenorientierte Methode wird für den Unterricht vorgeschlagen?
Es wird ein Modell aus den Phasen Entdeckung, Entschlüsselung und Verwendung empfohlen, um die Schüler schrittweise an die idiomatischen Besonderheiten heranzuführen.
- Arbeit zitieren
- Ilayda Can (Autor:in), 2021, Somatische Phraseologismen im DaZ-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1383271