In dieser Ausarbeitung wird konzeptualisiert, inwieweit die Auseinandersetzung mit einer fiktiven Kriminalgeschichte im Unterricht zur Vermittlung von Aktiv und Passiv beitragen kann. Um dies präziser erläutern zu können, wird zunächst ein fachwissenschaftlicher Bezug des Unterrichtsthemas hergestellt, der in eine fachdidaktische Konzeptualisierung mündet.
Angelegt ist dieses Unterrichtskonzept für die Klassenstufen sieben bis zehn. Das Unterrichtskonzept zum Mini-Krimi wurde im Jahr 2017 von der Autorin Wortliebe auf dem Online-Lehrermarktplatz hochgeladen, welche eine Plattform für Unterrichtsmaterialien ist, wo sich zahlreiche Lehrer:innen ihre unterrichtserprobten Materialien mit ihren Kolleg:innen teilen. Das Dokument besteht aus zehn PDF-Seiten und beinhaltet neben Regeln, Übungen, einem Spicker, einer Hausaufgabe und einem Kompetenz-Check-Raster auch Lösungsblätter für die Lehrkräfte. In der Produktbeschreibung wird angepriesen, dass anhand des motivierenden Materials die Schüler:innen nicht nur die Täterin/den Täter der Kriminalgeschichte ermitteln, sondern zusätzlich alles Relevante rund um das Aktiv und Passiv erkunden.
Wesentlich ist das Verständnis des Aktivs und Passivs und die Vermittlung dieser im Unterricht. Grammatikstunden sind für Schüler:innen selten mitreißend, weshalb die Vermittlung Schwierigkeiten aufweisen könnte. Deshalb empfiehlt es sich, Grammatik in der Praxis nicht isoliert zu unterrichten, sondern diese in eine passende Situierung einzubetten, welche den Schüler:innen als Anker dienen kann. Auf diese Weise kann der Unterricht motivierender und gleichzeitig lehrreicher als das ledigliche Einführen von Regeln und dem anschließenden Wiederholen mit Übungen ohne jeglichen Kontext werden. Auch Lehrbücher zur Grammatik beinhalten selten anschauliche Übungen, welche den Schüler:innen das Lernen der Regeln erleichtern. Deshalb setzen Lehrkräfte zunehmend mehr auf das entdeckende Lernen, bei dem Schüler:innen „auf der Basis angebotener, nicht vorstrukturierter Beispiele, Phänomene, Situationen oder Probleme Wissen in Form von Konzepten oder Zusammenhängen selbst erarbeiten“ müssen. Laut Leuders hat diese aktive Konstruktion Vorteile wie die tiefere Verarbeitung, das nachhaltige Einprägen, die Förderung von Lernstrategien, das selbstregulierte Lernen und die intrinsische Motivation. Mit dem folgenden Unterrichtskonzept werden ebenfalls diese Ziele verfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fachwissenschaftlicher Bezug des Unterrichtsthemas
2.1 Vorgangs- und Zustandspassiv: Formenbildung
2.2 Vorgangspassiv: Syntaktische Einstufung
2.3 Der Gebrauch und die Bedeutung des Vorgangs- und Zustandspassivs
2.4 Passiv und Aktiv im Vergleich
3. Fachdidaktische Konzeptualisierung
3.1 Traditioneller deduktiver Grammatikunterricht vs. integrativer induktiver Grammatikunterricht
3.2 Angestrebte Kompetenzbereiche des Unterrichtskonzepts
3.3 Didaktischer Rahmen nach Klafki
3.4 Didaktische Reduktion
3.5 Handlungsorientierung: Geeignete Kommunikationsformen
3.6 Methodische Schlussfolgerungen für den Unterricht
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial einer fiktiven Kriminalgeschichte für einen integrativen und motivierenden Grammatikunterricht zur Vermittlung von Aktiv und Passiv in der Sekundarstufe I.
- Vermittlung von Grammatik durch Einbettung in einen motivierenden Kontext (Mini-Krimi)
- Gegenüberstellung von traditionellem deduktiven und integrativem induktiven Grammatikunterricht
- Didaktische Fundierung der Unterrichtskonzeption auf Basis der Klafki-Aspekte
- Fokus auf Kompetenzförderung (Schreib-, Lese- und Sprachgebrauchskompetenz)
Auszug aus dem Buch
2.4 Passiv und Aktiv im Vergleich
Das Wesentliche in einem Passivsatz ist der Vorgang, wonach man mit Was passiert? fragt. Der Verursacher einer Handlung ist beim Passiv zwar auch existent, aber befindet sich nur im Hintergrund, meistens ohne genannt zu werden (vgl. Hansen 2004: 129). Dies lässt sich damit begründen, dass der Urheber der Handlung entweder irrelevant ist, da eher der Vorgang im Vordergrund steht; oder er ist unbekannt. Eine weitere Möglichkeit könnte sein, dass der Urheber so selbstverständlich ist, dass es redundant ist, ihn zu nennen, wie zum Beispiel in dem Satz Das Haus wird renoviert (von irgendeiner Firma) (vgl. ebd.). In dem Unterrichtskonzept wird die Verursacherin/ der Verursacher des Einbruchs gleich zu Beginn des Einstiegstextes in der ersten Passivkonstruktion ausgelassen, welches zwei Gründe hat: Zum einen ist die Urheberin/ der Urheber zweitrangig, da der Einbruch im Vordergrund steht und zum anderen ist es Sinn des Unterrichtskonzepts, dass die Täterin oder der Täter erst bei fortlaufender Bearbeitung der Aufgaben ermittelt wird.
Im Gegensatz dazu ist im Aktivsatz der Verursacher der Handlung wichtig. Um diesen ausfindig zu machen, stellt man die Frage Wer verursacht die Handlung? Aus diesem Grund wird der Verursacher auch genannt, nämlich eine Berliner Firma. Lässt man den Verursacher im Aktivsatz aus, so ist der Satz grammatikalisch unvollständig (…renoviert das Haus.). Der Verursacher einer Handlung ist in den meisten Texten wichtig, weshalb Aktivsätze häufiger vorkommen als Passivsätze (vgl. ebd.). Die Aufgaben 6A und 6B dienen dazu, das Umformen von Aktivsätzen in Passivsätze und umgekehrt zu üben. Durch die Bearbeitung dieser Aufgaben können die Schüler:innen auch deutlich erkennen, wer die Verursacherin/der Verursacher der Handlung ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Fragestellung vor, inwiefern eine fiktive Kriminalgeschichte zur Vermittlung der Lehrmodule Aktiv und Passiv beitragen kann und erläutert den Aufbau der Ausarbeitung.
2. Fachwissenschaftlicher Bezug des Unterrichtsthemas: Dieses Kapitel definiert die grammatikalischen Grundlagen des Vorgangs- und Zustandspassivs sowie des Aktivs und setzt diese in Bezug zu ihrer syntaktischen Einstufung und ihrem alltäglichen Gebrauch.
3. Fachdidaktische Konzeptualisierung: Hier werden didaktische Prinzipien wie das entdeckende Lernen nach Klafki und die didaktische Reduktion angewendet, um das Unterrichtskonzept methodisch in einen integrativen Rahmen einzubetten.
4. Fazit: Das Fazit resümiert die Vorteile des integrativen, induktiven Unterrichtsansatzes und weist gleichzeitig auf das Potenzial für zukünftige handlungsorientierte Erweiterungen hin.
Schlüsselwörter
Aktiv, Passiv, Grammatikunterricht, Vorgangspassiv, Zustandspassiv, Kriminalgeschichte, Integrativer Unterricht, Didaktische Reduktion, Schreibkompetenz, Lesekompetenz, Induktive Methode, Sprachgebrauch, Klafki, Handlungsorientierung, Klassestufe 7-10
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Konzeption eines Unterrichtsvorschlags für die Klassen 7-10, der die Grammatikthemen Aktiv und Passiv anhand einer fiktiven Kriminalgeschichte vermittelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die fachwissenschaftliche Differenzierung von Aktiv- und Passivarten (Vorgangs- vs. Zustandspassiv) sowie deren didaktische Vermittlung durch integratives und entdeckendes Lernen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Mehrwert einer kontextgebundenen, fiktiven Kriminalgeschichte gegenüber einem klassischen, eher trockenen Grammatikunterricht aufzuzeigen und dabei Kompetenzen wie Lese- und Schreibfähigkeit zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu fachdidaktischen Konzepten, insbesondere den Prinzipien nach Wolfgang Klafki, um die unterrichtliche Einbettung des Themas zu rechtfertigen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fachwissenschaftliche Klärung der Verbformen und eine detaillierte fachdidaktische Analyse, inklusive der Aspekte der didaktischen Reduktion und Handlungsorientierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Aktiv, Passiv, integrativer Grammatikunterricht, didaktische Reduktion, Klafki sowie verschiedene Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts.
Warum wird im Unterrichtskonzept auf eine fiktive Kriminalgeschichte gesetzt?
Der Kontext dient als "Anker" für die Schüler:innen, um Grammatik nicht isoliert, sondern in einer motivierenden, lebensnahen Rahmensituation zu erarbeiten, was den Lernerfolg laut Arbeit steigert.
Wie unterscheidet sich das Konzept von traditionellem Unterricht?
Es verzichtet auf deduktiven Unterricht (Regeln vorab) und nutzt stattdessen induktive Methoden, bei denen die Schüler das Wissen aus dem Material selbstständig und entdeckend erarbeiten.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2022, Die Vermittlung von Aktiv und Passiv am Beispiel einer Kriminalgeschichte (Deutsch, Klasse 7 bis 10), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1383287