Seit fast 1.000 Jahren ist Bierkonsum in Deutschland nachweisbar. Traditionell hat Bier als jahrhundertealtes Kulturgetränk einen besonderen Status in Deutschland. Es zeichnet sich vor allem durch die große Sortenvielfalt, die sonst nirgends auf der Welt zu finden ist, aus.
Im zunehmenden Maße ist jedoch dieser alte Industriezweig, der seit seinen Anfängen viele Höhen und Tiefen durchlebt hat, von einem erneuten Wandel betroffen. Dieser führte in den letzten Jahren dazu, dass jedes Jahr Brauereien ihre Tore schließen müssen und mit ihnen ein Stück Kultur verloren geht. Die weltweite Einzigartigkeit der sich in der deutschen Brauwirtschaft gebildeten Struktur und Vielfalt wird durch diesen Prozess bedroht.
Obwohl Deutschland seit Jahren sowohl in der Bierproduktion als auch im Bierkonsum weltweit eine Spitzenstellung einnimmt, wie Leventhal berichtet, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Bierausstoß und der Bier-Pro-Kopf-Verbrauch seit Mitte der siebziger Jahre stagniert und seit 1986 sogar rückläufig ist. Einige der wichtigsten Auslöser der Konzentration in der deutschen Brauwirtschaft sollen hier stellvertretend aufgezeigt werden.
Der verschärfte Wettbewerb äußert sich zunehmend durch einen Verdrängungswettbewerb. Der Preisdruck, der durch den harten Wettbewerb zustande kommt, ist nur möglich durch die bestehenden enormen Überkapazitäten, die am Markt vorhanden sind. Entstanden sind diese Überkapazitäten aus der schwachen Absatzentwicklung bei gleichzeitiger Kapazitätserweiterung im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen. Zu dieser Entwicklung beigetragen haben vor allem die Kapazitätserweiterungen der westdeutschen Brauereien nach der Wiedervereinigung, um am Absatzboom in den neuen Bundesländern mit zu partizipieren. Nach der Rückbesinnung auf die alten Marken in den neuen Bundesländern büßten die westdeutschen Brauereien enorm an Absatz ein und bauten somit gleichzeitig Überkapazitäten auf.
Gründe und Motive für Wachstum durch Zukauf von Unternehmen
Der Begriff „Motiv“ lässt sich ungefähr mit den Worten „Beweggrund“, „Anlass“ oder „Antrieb“ umschreiben. Oberstes Motiv jedoch ist die Existenzsicherung und die Gewinnerzielung. Gründe und Motive für den Kauf von Unternehmen sind vielfältig.
Für viele Unternehmen stellen Akquisitionen die Hauptquelle für ihr Wachstum dar, für andere sind sie nur eine Ergänzung des internen Wachstums, z.B. zur Absicherung von Märkten bzw. Lieferquellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Konzentration in der Brauwirtschaft als Folge von Entwicklungsproblemen
1.1 Ursachen für die Konzentration in der Brauwirtschaft
1.2 Die Würzburger Hofbräu AG als Fallstudienunternehmen
1.3 Übernahmen als Wettbewerbsfaktor
1.4 Vorgehensweise zur Erreichung der gesetzten Ziele
2. Supply Chain in der Brauwirtschaft
2.1. Definitionen
2.2. Die Produktion von der Mälzerei bis zur Abfüllung
2.2.1 Die Flaschen- und Fassabfüllung
2.3 Die Distributions-Logistik
2.3.1. Die Auslieferung an die Kunden
3. Konzept zur Unternehmensakquisition in der Brauwirtschaft
3.1 Gründe und Motive für Wachstum durch Zukauf von Unternehmen
3.2 Ausgangspunkt für Akquisitionen
3.2.1 Akquisitionstypen
3.2.2 Akquisitionsstrategie
3.2.3 Planung des Akquisitionsprozesses
3.3 Die Unternehmensbewertung
3.3.1 Bedeutung und Risiken der Unternehmensbewertung
3.3.2 Bestimmung des Marktwertes des verwertbaren Sachanlagenvermögens
3.3.2.1 Maschinelle Einrichtungen
3.3.2.2 Fuhrpark
3.3.2.3 Gebinde
3.3.2.4 Sonstige Ausstattung
3.3.3 Bestimmung des Marktwertes der Kundenbeziehung
3.4 Der Kaufvertrag
3.5 Finanzierung des Kaufes
3.5.1 Finanzierungsformen der Akquisition
3.5.1.1 Eigenkapitalfinanzierung
3.5.1.2 Fremdkapitalfinanzierung
3.5.1.3 Mischform
3.6 Erstellung einer Plan Gewinn- und Verlustrechnung vor der vollständigen Integration
3.7 Gründung einer gemeinsamen Vertriebsgesellschaft
3.8 Die Zusammenlegung der Produktion
3.8.1 Teilstilllegung des Brauprozesses
3.8.2 Zusammenlegung der Fass- und Flaschenabfüllung
3.9 Abstimmung der Distributionslogistik
4. Anwendung des Konzepts bei der Übernahme der Brauerei Stumpf GmbH & Co KG durch die Würzburger Hofbräu AG
4.1 Die Brauerei Stumpf GmbH & Co KG
4.2 Verkauf der Brauerei aufgrund des verschärften Wettbewerbs
4.3 Die Unternehmensbewertung der Brauerei Stumpf GmbH & Co KG
4.3.1 Das verwertbare Sachanlagevermögen
4.3.1.1 Die Maschinellen Einrichtungsgegenstände
4.3.1.2 Die Wertermittlung der Flaschen, Kisten und Fässer
4.3.1.3 Bestimmung des Wertes des Fuhrparks nach der Schwackeliste
4.3.1.4 Sonstige Betriebsausstattungen
4.3.2 Der Kundschaftswert der Brauerei
4.4 Zustandekommen des Kaufvertrages
4.5 Gründung einer Vertriebsgesellschaft
4.6 Die Plan G+V vor Kauf der Brauerei
4.7 Zusammenlegung der Flaschen- und Fassabfüllung
4.7.1 Ab- und Aufbau der Bügelverschlussabfüllmaschine
4.8 Teilstilllegung der Produktion am Standort Lohr am Main nach Würzeanlieferung und Fertigstellung am Standort Würzburg
4.9 Das Auslieferungsgebiet der Würzburger Hofbräu AG und der Lohrer Bier GmbH
4.9.1 Abstimmung der Distributionslogistik beider Unternehmen
4.9.2 Auflösung des Standortes Lohr
5. Bewertung und Beurteilung der Akquisition
5.1 Synergieeffekte und Kostenvorteile, die durch die Zusammenlegung beider Unternehmen entstehen
5.2. Die Plan G+ V nach vollständiger Integration
6. Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert den Konzentrationsprozess in der deutschen Brauwirtschaft und entwickelt auf Basis eines konkreten Fallbeispiels – der Übernahme der Brauerei Stumpf GmbH & Co KG durch die Würzburger Hofbräu AG – ein systematisches Integrationskonzept zur Sicherung von Wettbewerbsvorteilen und Effizienzsteigerung.
- Ursachen für den Konzentrationsdruck in der Braubranche
- Logistische Grundlagen der Supply Chain in Brauereien
- Methodik zur Unternehmensbewertung und Preisfindung beim Unternehmenskauf
- Strategien für die operative Zusammenlegung von Produktion und Vertrieb
- Bewertung von Synergieeffekten und Integrationserfolgen
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Bedeutung und Risiken der Unternehmensbewertung
Der Gesetzgeber hat bisher keine allgemein verbindlichen Bewertungsregeln entwickelt, die für die Preisfindung beim Unternehmenskauf Gültigkeit beanspruchen können. Die Preisbestimmung hängt daher vom Markt ab, denn der Verkäufer wird versuchen, an den Meistbietenden zu verkaufen. In der Regel entrichtet der Käufer deshalb einen Preis, der über dem Buchwert des zu erwerbenden Unternehmens liegt.
Um einen ersten Überblick über das zu erwerbende Unternehmen und dessen Wert zu bekommen, kann anhand allgemeiner Informationen wie Marktanteil, Qualität des Managements und der bisher erzielte Gewinne ein ersten Eindruck erreicht werden. Die Bilanz bietet dabei einen ersten Anhaltspunkt sich, einen Überblick über die Vermögens- und Finanzlage der Gesellschaft zu verschaffen.
Um sich einen langfristigen Überblick über die Gesellschaft zu verschaffen, sollte vom Erwerber eine kritische Überprüfung der Betriebsergebnisse der letzen 5 Jahre vorgenommen werden. Diese kritische Betrachtung zeigt die Fluktuation dieser Ergebnisse der zu erwerbenden Brauerei sowie deren Wachstumstrend und führt zu einem besseren Verständnis der laufenden Ergebnisse der Gesellschaft. Besonderes Augenmerk ist auf die Gewinn- und Verlustrechnung der letzen Jahre zu richten. Hier genügt es nicht, die gesamte Gewinn- und Verlustrechnung, welche die Ergebnisse einiger Produktgruppen enthält, insgesamt zu betrachten, da hier viele Faktoren wirken, die sich eventuell aufheben können. Es empfiehlt sich vielmehr eine Aufteilung der Umsätze, der Grenzkosten, des Deckungsbeitrages und des Bruttoertrages nach Produkten vorzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konzentration in der Brauwirtschaft als Folge von Entwicklungsproblemen: Erläutert die Ursachen des marktwirtschaftlichen Konzentrationsdrucks in der deutschen Braubranche unter Berücksichtigung demographischer und sozioökonomischer Faktoren.
2. Supply Chain in der Brauwirtschaft: Analysiert logistische Prozesse vom Einkauf der Rohstoffe über die Produktion bis hin zur komplexen Distributionslogistik bei der Auslieferung an den Kunden.
3. Konzept zur Unternehmensakquisition in der Brauwirtschaft: Entwickelt einen theoretischen und methodischen Rahmen für den Unternehmenskauf, von der Motivationsanalyse über die Bewertung bis hin zur Zusammenlegung von Produktionsstandorten.
4. Anwendung des Konzepts bei der Übernahme der Brauerei Stumpf GmbH & Co KG durch die Würzburger Hofbräu AG: Transferiert das entwickelte theoretische Modell auf ein praktisches Fallbeispiel und beschreibt die konkrete operative Umsetzung der Übernahme.
5. Bewertung und Beurteilung der Akquisition: Beurteilt die Synergieeffekte, die Kosteneinsparpotenziale und die Auswirkungen der vollständigen Integration auf das Gesamtergebnis.
6. Ausblick: Skizziert zukünftige Herausforderungen und die fortbestehende Notwendigkeit einer klaren Markenpolitik innerhalb der Konzernstrategie.
Schlüsselwörter
Brauwirtschaft, Unternehmensakquisition, Integrationskonzept, Würzburger Hofbräu, Unternehmensbewertung, Distributionslogistik, Sachanlagevermögen, Kundschaftswert, Brauerei Stumpf, Produktionszusammenlegung, Synergieeffekte, Konzentrationsprozess, Bierabsatz, Unternehmensführung, Plan-GuV
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Konsolidierungsprozess in der Braubranche und leitet daraus ein methodisches Konzept zur erfolgreichen Akquisition und Integration mittelständischer Brauereien durch Großkonzerne ab.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Unternehmensbewertung, die strategische Planung von Unternehmenskäufen, die Logistik in der Braubranche sowie das Management von Integrationsprozessen nach einer Übernahme.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den gesamten Ablauf einer Brauereiübernahme – von der Bewertung bis zur operativen Zusammenlegung von Standorten – systematisch darzulegen und am Fallbeispiel der Übernahme der Brauerei Stumpf GmbH & Co KG durch die Würzburger Hofbräu AG zu evaluieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse zu Akquisitionstheorien und einer fallstudienbasierten Untersuchung (Case Study) eines realen Unternehmensübernahmeprozesses.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung logistischer Grundlagen, die Entwicklung eines Akquisitionskonzepts inklusive Unternehmensbewertungsverfahren und die praktische Anwendung dieses Konzepts auf das gewählte Fallbeispiel der Würzburger Hofbräu AG.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen: Unternehmensakquisition, Brauwirtschaft, Integrationskonzept, Kundschaftswert, Unternehmensbewertung, Deckungsbeitrag und Logistikkosten.
Warum spielt die Bewertung des "Kundschaftswertes" im Konzept eine zentrale Rolle?
Im Braugewerbe stellt der Absatzmarkt den entscheidenden Engpass dar. Daher priorisiert das Konzept den Erwerb der Lieferbeziehungen (Kundschaft) gegenüber der Übernahme von physischer Substanz (Grundstücke/Anlagen), da Letztere oft rationalisiert werden.
Wie wird im Fallbeispiel mit dem Problem der Produktionsstilllegung umgegangen?
Das Konzept schlägt eine langsame Integration vor, um bestehende Verträge und Kundenbeziehungen zu wahren, und nutzt die Gründung einer Vertriebsgesellschaft als Übergangsmodell, bevor Standorte nach mehreren Jahren komplett aufgelöst werden.
Welche Kosteneinsparungen werden durch die Integration erzielt?
Die Arbeit beziffert die Einsparungen durch Synergien – insbesondere bei Personal, Produktion und Fuhrpark – auf ca. 1,1 Mio. Euro pro Jahr, wobei die Integration der Abfüllung einen wesentlichen Beitrag leistet.
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- Christian Meier (Author), 2003, Übernahme von mittelständischen Brauereien durch einen Brauereikonzern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138336