Aufgrund des z.T. schwierigen und problematischen Verhaltens von Schülern/innen im sonderpädagogischen Förderbereich der emotionalen und sozialen Entwicklung, ist es notwendig, Möglichkeiten zu suchen und zu finden, insbesondere schwer aggressiven Schülern/innen Formen eines kooperativen und wertschätzenden Umgangs miteinander nahe zu bringen. Solche Möglichkeiten liegen auf verschiedenen Ebenen im Sportunterricht. Er betont das „Miteinander“ und bietet gleichzeitig vielfältige soziale Lerngelegenheiten (vgl. Ungerer- Röhrich 1994, S. 153 ff), von denen in dieser Arbeit der Erwerb der Kooperationsfähigkeit als einer Kernfähigkeit sozialen Verhaltens am Beispiel des Judosports dargestellt werden soll.
Dazu ist zunächst eine begriffliche Untersuchung des Förderbereiches: Emotionale und soziale Entwicklung erforderlich.
Im Anschluss werden Fragen bezüglich des Begriffs „Kooperation“ geklärt. Es wird diskutiert, was Kooperation konkret bedeutet, warum es wichtig ist, die Fähigkeit zur Kooperation zu besitzen und inwieweit Kooperationsfähigkeit als Teil allgemeiner Sozialkompetenz zu verstehen ist. Anschließend wird die Sportart "Judo" vorgestellt. Nach einem kurzen historischen Abriss des Judosports und einer Erläuterung der grundsätzlichen Judoprinzipien wird die Frage aufgeworfen, inwieweit sich Judo überhaupt als Schulsport eignet und damit zusammenhängend, welche Möglichkeiten der Judosport, besonders im Vergleich zu anderen Kampfsportarten, bietet, kooperatives Verhalten zu fördern. Es wird sich zeigen, dass Judo als Interaktionsprozess verstanden werden kann, in welchem grundlegende, für erfolgreiche Kooperation bedeutsame Fähigkeiten erworben werden.
Hierauf folgt eine Darstellung der Möglichkeiten und Grenzen des Judosports im Hinblick auf die Förderung kooperativer Verhaltensweisen.
Unter Berücksichtigung der gefundenen Ergebnisse sollen sodann praxisrelevante Thesen formuliert werden.
Zur Sicherung von Ergebnissen und zur Dokumentation von zu erreichenden Lernzielen wird ein zur Evaluation geeignetes Instrumentarium verwendet; der Gruppen - ELDiB. Er wird abschließend vorgestellt.
Aus den bis hier erarbeiteten Aspekten ergibt sich die konkrete Unterrichtsplanung der Einheit, die im Anschluss dargestellt wird. Der Fokus liegt hierbei sowoohl auf sportlichen Inhalten als auch auf die sozialen Lernzielen.
An die Planung schließt sich die Dokumentation der einzelnen Unterrichtsstunden an.
Die Arbeit schließt mit einer kritischen Gesamtreflexion.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Förderschwerpunkt: Emotionale und soziale Entwicklung - Verhaltensgestört oder erziehungsschwierig?
2.2 Zum Begriff der Kooperation
2.2.1 Kooperation: Die humane Form menschlichen Handelns
2.2.2 Betrachtung spezifischer kooperativer Verhaltensweisen
2.2.3 Kooperationsfähigkeit als Teil der Sozialkompetenz
2.2.4 Begründungszusammenhänge für die Förderung des kooperativen Verhaltens
2.3 Theorie des Judosports
2.3.1 Judo - Historie und Prinzipien
2.3.2 Judo als Schulsport?
2.3.2.1 Argumente für den Unterrichtsinhalt Judo
2.3.2.1.1 Physiologische Aspekte des Judosports
2.3.2.1.2 Kognitive Aspekte des Judosports
2.3.2.1.3 Affektiv- emotionale Aspekte des Judosports
2.3.2.1.4 Pädagogische Aspekte des Judosports
2.3.2.2 Judo im Vergleich mit anderen Kampfsportarten in der Schule
2.3.3 Judo als Interaktionsprozess
2.3.4 Möglichkeiten und Grenzen des Judosports, kooperative Verhaltensweisen zu fördern
3. Zusammenfassende Überlegungen und Perspektiven für die Praxis
4. Möglichkeiten zur Evaluation von Ergebnissen: Der Gruppen - ELDiB
5. Planung und Durchführung der Unterrichtseinheit
5.1 Planung der Einheit
5.1.1 Struktur der Einheit
5.1.2 Ziele der Einheit
5.1.2.1 Fachliche Ziele der Unterrichtseinheit
5.1.2.2 Prozessuale Ziele der Unterrichtseinheit
5.1.2.3 Individualziele der Unterrichtseinheit
5.1.3 Beschreibung der Lerngruppe
5.1.3.1 Allgemeines
5.1.3.2 Sozialverhalten
5.1.3.3 Lern- und Arbeitsverhalten
5.1.4 Didaktische Überlegungen zur Einheit
5.1.4.1 Bezug zu den Rahmenrichtlinien
5.1.4.2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
5.1.4.3 Zugänglichkeit
5.1.4.4 Didaktische Reduktion
5.1.4.5 Fachrichtungsspezifische Überlegungen
5.1.5 Sachstrukturanalyse der Einheit
5.1.5.1 Fachlicher Aspekt
5.1.5.2 Prozessualer Schwerpunkt
5.1.6 Lernvoraussetzungen und individuelle Lernausgangslagen
5.1.7 Pädagogische Konsequenzen
5.1.8 Methodische Überlegungen
5.1.8.1 Motivation
5.1.8.2 Medien und Sozialformen
5.1.8.3 Verfahren
5.1.8.4 Speziell auf die Fachrichtung bezogene Methoden/ Rituale
5.2 Durchführung der Unterrichtseinheit
5.2.1 Zur Darstellung der einzelnen Unterrichtsstunden
5.2.2 Kurzdarstellung der ersten Doppelstunde
5.2.3 Kurzdarstellung der zweiten Doppelstunde
5.2.4 Ausführliche Darstellung der dritten Doppelstunde
5.2.4.1 Thema und Ziele der Doppelstunde
5.2.4.2 Didaktische Überlegungen
5.2.4.3 Sachstrukturanalyse
5.2.4.4 Lernvoraussetzungen und individuelle Lernausgangslagen
5.2.4.5 Pädagogische Konsequenzen
5.2.4.6 Methodische Überlegungen
5.2.4.7 Kurzreflexion der dritten Doppelstunde
5.2.4.8 Verlaufsplanung
5.2.5 Kurzdarstellung der vierten Doppelstunde
5.2.6 Kurzdarstellung der fünften Doppelstunde
5.2.7 Kurzdarstellung der sechsten Doppelstunde
5.2.8 Kurzdarstellung der siebten Doppelstunde
5.2.9 Ausführliche Darstellung der achten Doppelstunde
5.2.9.1 Thema und Ziele der Doppelstunde
5.2.9.2 Didaktische Überlegungen
5.2.9.3 Sachstrukturanalyse
5.2.9.4 Lernvoraussetzungen und individuelle Lernausgangslagen
5.2.9.5 Pädagogische Konsequenzen
5.2.9.6 Methodische Überlegungen
5.2.9.7 Kurzreflexion der achten Doppelstunde
5.2.9.8 Verlaufsplanung
5.2.10 Kurzdarstellung der neunten Doppelstunde
5.2.11 Kurzdarstellung der zehnten Doppelstunde
6. Gesamtreflexion
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit die Sportart Judo als Interaktionssystem geeignet ist, um bei Schülern einer Förderschule mit dem Schwerpunkt "Emotionale und soziale Entwicklung" kooperative Verhaltensweisen zu fördern und Sozialkompetenzen zu stärken. Die Arbeit geht der Forschungsfrage nach, wie durch ritualisierte Abläufe und gezielte Bewegungsaufgaben im Judo ein "Miteinander" statt "Gegeneinander" im Kampfgeschehen erreicht werden kann.
- Förderung der Kooperationsfähigkeit bei Schülern mit Verhaltensstörungen
- Judo als pädagogisches Interaktionssystem statt reinem Zweikampfsport
- Bedeutung von Ritualen und festen Regeln für soziale Lernprozesse
- Konkrete Unterrichtsplanung und Evaluation mittels des Gruppen-ELDiB
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Judo - Historie und Prinzipien
Obwohl Judo eine relativ junge japanische Kampfsportart ist, lassen sich die Wurzeln bis ins 17. Jahrhundert und zum Verteidigungssystem „Ju-Jutsu“ zurückverfolgen. Judo als eigenständige Kampfsportart wurde 1882 von Jigoro Kano in Tokio begründet, der unter dem Deutschen Prof. Dr. med. Bälz Ju-Jutsu studiert hatte (vgl. Hofmann 1978, S. 9 f.). Die ihm hier auffallende Härte ließ ihn ein neues System entwickeln, welches „[…] auf dem Prinzip des Nachgebens basierte und der Charakter- und Persönlichkeitsbildung breiten Raum gab“ (ebd., S. 10). Dieses System nannte er Judo, was sinngemäß etwa „sanfter Weg“ bedeutet (vgl. Weinmann 2001, S. 12). In Deutschland wurde die erste Judo-Schule 1905 von Erich Rahn in Berlin eröffnet. Judo erhielt nach dem zweiten Weltkrieg „[…] einen ungeahnten Aufschwung“ (Hofmann 1978, S. 10).
Der Judosport unterliegt heute wie damals zwei grundlegenden, von Kano formulierten Prinzipien:
I.) Das technische Prinzip - „Sei-Ryoku-Zen-Yo“ (vgl. Janko/ Koring 1999, S. 17) „Aus der Übung der verschiedenen Methoden von Angriff und Verteidigung kam ich zu der Überzeugung, daß alles von der richtigen Anwendung des einen großen Prinzips abhängt: was immer das Ziel ist, es kann am besten erreicht werden durch den höchst wirksamen Gebrauch von Geist und Körper für diesen Zweck“ (Kano 1977, S. 155). Dieses Prinzip der größten Wirksamkeit beruht auf den Gesetzen des Nachgebens und Gleichgewichtbrechens. Es betont die möglichst rationelle Herangehensweise im Zweikampf, der möglichst mit geringem Energieaufwand „gewonnen“ werden soll (vgl. Hofmann 1978, S. 11)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die schwierige Stimmung an einer Förderschule und zeigt das Potenzial des Judosports zur Förderung sozialer Kompetenzen und kooperativen Verhaltens auf.
2. Theoretische Grundlagen: Dieser Teil definiert den Förderschwerpunkt, erläutert das Konzept der Kooperation sowie die Theorie des Judosports und dessen Bedeutung als Interaktionssystem im schulischen Kontext.
3. Zusammenfassende Überlegungen und Perspektiven für die Praxis: Hier werden die theoretischen Erkenntnisse gebündelt und der Nutzen eines strukturierten Judo-Unterrichts für die Praxis begründet.
4. Möglichkeiten zur Evaluation von Ergebnissen: Der Gruppen - ELDiB: Es wird das diagnostische Instrument ELDiB vorgestellt, welches zur Dokumentation von Lernfortschritten im Sozialverhalten dient.
5. Planung und Durchführung der Unterrichtseinheit: Dieser Abschnitt beschreibt die konkrete Struktur, Zielsetzung und methodische Umsetzung der Judoeinheit sowie die Reflexion der einzelnen Unterrichtsstunden.
6. Gesamtreflexion: Im abschließenden Kapitel werden die individuellen Lernfortschritte der Schüler diskutiert und der Erfolg der Intervention kritisch bewertet.
Schlüsselwörter
Judo, Schulsport, Kooperation, Sozialkompetenz, Förderschule, emotionale und soziale Entwicklung, Verhaltensstörung, Interaktionsprozess, Gruppen-ELDiB, Unterrichtsplanung, Gewaltprävention, Partnerarbeit, Ritualisierung, Erziehungshilfe, Kampfspiele.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie der Judosport in einer Förderschule mit dem Schwerpunkt auf emotionaler und sozialer Entwicklung genutzt werden kann, um kooperatives Verhalten bei Schülern mit Verhaltensstörungen zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Bedeutung sozialer Kompetenzen, das theoretische Fundament der "Kooperativen Pädagogik", die sportpädagogische Eignung von Judo sowie die konkrete didaktische Planung einer Unterrichtsreihe.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das primäre Ziel ist es, durch die Sportart Judo als "Interaktionssystem" soziale Lerngelegenheiten zu schaffen, die es den Schülern ermöglichen, vom destruktiven Verhalten zu einem kooperativen und wertschätzenden Miteinander zu finden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Neben einer fundierten theoretischen Aufarbeitung nutzt der Autor den "Entwicklungstherapeutischen Lernziel-Diagnose-Bogen" (ELDiB), um Ist-Stände zu erheben, Förderziele zu formulieren und Fortschritte in der Lerngruppe zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Begründung, warum Judo als "sanfter Weg" zu mehr Sozialkompetenz führt, und eine detaillierte Dokumentation der Unterrichtseinheit, inklusive Verlaufsplanung, Reflexionen der Stunden und individueller Förderpläne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind Kooperationsfähigkeit, Judo als Schulsport, Verhaltensstörungen, Sozialkompetenz, Interaktion, Ritualisierung, Konfliktlösung und der Einsatz des Gruppen-ELDiB zur Evaluation.
Wie geht der Autor mit der Problematik von "Kampfsport" an einer Förderschule um?
Der Autor argumentiert, dass Judo durch seine festen Regeln, die Ritualisierung (wie das Angrüßen) und den Fokus auf den Partner statt den Gegner Gewaltbereitschaft nicht fördert, sondern im Gegenteil ein "geschütztes Interaktionsfeld" für soziales Lernen bietet.
Warum ist der "Gruppen-ELDiB" für dieses spezielle Unterrichtsvorhaben so wichtig?
Er dient als festes Raster, um bei Schülern mit Verhaltensstörungen den Ist-Stand präzise zu erfassen, individuelle Förderziele (z.B. Kooperation, Gruppenregeln) zu formulieren und die Wirksamkeit der sportpädagogischen Maßnahmen objektiv zu dokumentieren.
- Quote paper
- Axel Ramberg (Author), 2005, Zur Förderung des kooperativen Verhaltens anhand ausgewählter Aspekte des Judosports, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138431