Zertifizierungssysteme in der Weiterbildung


Hausarbeit, 2007
19 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Struktureller Wandel und die Kompatibilität unseres Arbeitsmarktes

3. Europäisierung der Berufsbildung

4. Fortschritt durch Zertifizierung der beruflichen Bildung
4.1. Zertifikate und berufliche Bildung
4.1.1. Bedeutung von Zertifikaten
4.1.2. Funktionen von Zertifikaten
4.1.3. Zertifikatstypen
4.2. Regelungsfelder von Zertifikaten
4.3. Arbeitsmarktrelevanz der Zertifikate

5. Europäische Zertifizierungssysteme der Berufsbildung
5.1.1. Europass
5.1.2 ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training)
5.1.3. EQF (European Qualification Framework)
5.2. Rückwirkungen auf das duale System

6. Zertifizierungssysteme im Bereich der IT- Aus- und Weiterbildung
6.1. Deutsches IT-Weiterbildungssystem
6.2. Struktur der IT-Weiterbildung
6.3. Vorteile für Unternehmen und Fachkräfte
6.4. Neue Lernkultur

7. Einschätzung und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Qualifikationen der Mitarbeiter bestimmen heute zunehmend die Leistungsfähigkeit der Un-ternehmen. Kompetenzen, Fähigkeiten, Ideen und die Leistungs- bzw. Einsatzbereitschaft entscheiden über den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, die Bewältigung des strukturellen Umbruchs und über die Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft.1

Die raschen und nachhaltigen Veränderungen in der Weltwirtschaft gehen deshalb auch an unserer Arbeitswelt nicht spurlos vorüber. Neue Produkte müssen schneller als bisher entwi-ckelt und Innovation als permanente Aufgabe verstanden werden. Informations- und Tele-kommunikationstechniken eröffnen uns dabei die Möglichkeit, in einem weltumspannenden Netz der Forschung, Entwicklung, Beschaffung und Produktion zu agieren.2

Da Europa wirtschaftlich mehr und mehr zusammenwächst, hat der Europäische Rat von Lis-sabon im Jahr 2000 sich das Ziel gesetzt, in der europäischen Union einen hoch dynamischen und wettbewerbsfähigen Wirtschaftsraum zu schaffen, der mehr und bessere Beschäftigungs-möglichkeiten zulässt und durch ein nachhaltiges Wachstum gekennzeichnet ist. Eine der Schlussfolgerungen des Rates von Lissabon lautet: „Europas Bildungs- und Ausbildungssys-teme müssen sich auf den Bedarf der Wissensgesellschaft und die Notwendigkeit von mehr und besserer Beschäftigung einstellen. Sie werden Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten an-bieten müssen, die auf bestimmte Zielgruppen in verschiedenen Lebensphasen zugeschnitten sind: junge Menschen, arbeitslose Erwachsene sowie Beschäftigte, bei denen die Gefahr be-steht, dass ihre Qualifikation mit dem raschen Wandel nicht Schritt halten kann. Dieses neue Konzept sollte drei Hauptkomponenten aufweisen: Entwicklung lokaler Lernzentren, Förde-rung neuer Grundfertigkeiten, insbesondere im Bereich der Informationstechnologien, und größere Transparenz der Befähigungsnachweise“.3

Von hoher Wichtigkeit ist demnach, dass sich in einzelnen Branchen, welche in besonderem Maße europäisiert und globalisiert sind, europäische Qualifikationen bzw. Qualifikationspro-file und Standards entwickeln, die die Integration der Arbeitsmärkte und die Mobilität der Arbeitnehmer auf Dauer fördern.4

Von zentraler Bedeutung ist dabei eine Strategie lebenslangen Lernens, wobei der beruflichen Bildung, neben der allgemeinen und schulischen Bildung, eine bedeutende Rolle zukommt.5

2. Struktureller Wandel und die Kompatibilität unseres Arbeitsmarktes

Der anhaltende Strukturelle Wandel unserer Wirtschaft schlägt sich auch auf unseren Arbeit-markt nieder. In unserer sich ständig ändernden Umwelt spielen nicht nur Flexibilität sowie räumliche und berufliche Mobilität eine überaus bedeutende Rolle, sondern auch die fachli-chen Anforderungen an die Arbeitskräfte unterliegen einem stetigen strukturellen Wandel, der zu einem erhöhten Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeiter führt und der gedeckt werden muss. Zum einem geschieht dies durch Verstärkungen innerhalb des tertiären Bildungsberei-ches6 in den so genannten Mangelfächern. Aber auch die Weiterqualifizierung der Erwerbs-personen stellt eine zentrale Aufgabe für unsere Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft dar. Angesprochen ist hier auch eigenes Engagement und verschiedenste Initiativen der beruf-lichen Weiterbildung, die nicht zuletzt zur Idee des „Lebenslangen Lernens“ führt, um diese Herausforderung entsprechend zu meistern.

Gerade im Bezug auf diesen strukturellen Wandel und die immer stärker fortschreitende Glo-balisierung mit umfassenden wirtschaftlichen Verflechtungen in allen Bereichen und Bran-chen ist der Vergleich und die Anpassung der nationalen Bildungs- bzw. Weiterbildungssys-teme unverzichtbar.7

Die Lissabon-Strategie hat sich das Ziel gesetzt mehr und qualifiziertere Beschäftigung zu schaffen. Jedoch stehen dem die nationalen Bildungssysteme mit ihrer Intransparenz und Ab-schottung entgegen.8

3. Europäisierung der Berufsbildung

„Die deutsche Diskussion über eine Europäisierung der Berufsbildung befasst sich heute vor allem mit bildungspolitischen Aspekten. Im Vordergrund stehen Fragen danach, wie europäi-sche Regelungen nationale Verfahren der Transparenzsicherung, Qualitätssicherung und der Zertifizierung überformen können. Welche ordnungspolitischen und institutionellen Belange berührt sein können, und ob die EU-Kommission einen ausreichenden Zeitrahmen für die nationale Umsetzung vorgibt.“9 Das Vorhaben gestaltet sich jedoch überaus kompliziert, da in der beruflichen Bildung im Wesentlichen nicht staatliche Einrichtungen agieren, sondern vie- le Akteure wie Kammern, Innungen, Sozialpartner, Bildungsträger und vor allem Unterneh-men selbst. Dennoch findet ein Trend der weltweiten Standardisierung von Produkten statt. Dies fördert wiederum die Nachfrage nach vereinheitlichten Qualifikationsanforderungen, da sich beispielsweise die betriebswirtschaftlichen Regeln, Qualitätssicherungsverfahren und die Produktionsnormen in der Weltwirtschaft immer weiter angleichen. Die Nachfrage nach be-ruflicher Bildung verlangt nun mehr und mehr Inhalte und Zertifizierungen, welche sich nicht mehr von Land zu Land unterscheiden. Um dies zu gewährleisten sind neue Instrumente der Berufsbildung notwendig, die eine Vergleichbarkeit und Transparenz der beruflichen Bil-dungsabschlüsse und eine Nachvollziehbarkeit der Dokumentation der Bildungsinhalte be-wirken sollen. Dies verspricht höhere Mobilität von Arbeitnehmern und bessere Vergleiche der Unternehmen im Bezug auf die zu fordernden Qualifikationen bis hin zum Aufbau eines europäischen Arbeitsmarktes. Eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit seitens der Wirtschaft aber auch seitens der europäischen Bildungsanbieter resultiert daraus. Die Differenz der europäi-schen Berufsbildung und deren unterschiedliche Bildungskonzepten erschweren eine erfolg-reiche Positionierung der europäischen Bildungsanbieter. Um einen globalen Maßstab reprä-sentieren zu können sind europäische Standards notwendig.10

4. Fortschritt durch Zertifizierung der beruflichen Bildung

Hohe Bedeutung trägt der Bereich der beruflichen Weiterbildung. Die damit verbundene Zer-tifizierung von Lernleistungen rückt durch den flexiblen und dynamischen Arbeitsmarkt im-mer weiter in den Vordergrund. Das stetig wechselnde Anforderungsprofil gestattet es nicht mehr die gesamte Erwerbsphase seines Lebens ausschließlich durch eine Erstausbildung zu bestreiten. Deshalb ist ein strukturiertes Weiterbildungssystem notwendig, das Lernleistun-gen richtig einschätzt, Übergänge zwischen Erwerbs- und Lernphasen zulässt und dennoch berufliche Identität ermöglicht. Die Zertifizierung ist notwendig, um die erlangten Kenntnisse der beruflichen Weiterbildung effizient gegenüber Dritten zu veranschaulichen. Jedoch wurde ein einheitliches System der Weiterbildungszertifikate noch nicht entwickelt.11

4.1. Zertifikate und berufliche Bildung

4.1.1. Bedeutung von Zertifikaten

Zertifikate sind formelle, qualifizierte Nachweise von Weiterbildungsleistungen. Diese spie-len eine große Bedeutung für die Arbeitsmarktchancen und die beruflichen Entwicklungs-möglichkeiten der Zertifikatsinhaber.12 Unter Zertifikaten versteht man alle Bescheinigungen über den Abschluss von Ausbildungsgängen und Ausbildungsabschnitten.13

„Zertifikate können Bewertungen in Form von Noten, Testergebnissen, gutachterliche Stel-lungnahmen und Beurteilungen enthalten. Zertifikate bescheinigen nicht nur bestimmte Er-gebnisse von Bildungsprozessen, sie geben vielmehr explizit oder implizit Optionen für den Übertritt in weitere, höherwertige Bildungsprozesse und/oder für die Übertragung von Funk-tionen, deren Wahrnehmung an das Vorliegen des Zertifikats gebunden ist. Damit hat das Zertifikat Ähnlichkeit mit einem Wertpapier in der Weise, dass Rechte bescheinigt werden, deren Geltendmachung ohne das Zertifikat nicht erfolgen kann“.14 „Wie auch in anderen Län-dern bestätigt das Zertifikat nicht nur eine Qualifikation, sondern es ist für den Inhaber des Zertifikates gleichzeitig Mittel der beruflichen und gesellschaftlichen Positionierung“.15

4.1.2. Funktionen von Zertifikaten

Personen, die ein Zertifikat erwerben, diejenigen, die sich für die zertifizierte Kompetenz inte-ressieren, die zertifizierende Instanz selbst und die Gesellschaft bzw. einzelne Gesellschaftli-che Gruppierungen sehen in der zertifikatsgestützten Berufsbildung unterschiedliche Funktio-nen.

Basisfunktion ist die Bestätigung einer Lernleistung oder eins Lernerfolges (Bestätigungs-funktion), was durch Standardisierung eine Vergleichbarkeit (Vergleichsfunktion) mit anderen Personen ermöglicht und Berechtigung und Anspruch auf weiterführende Bildung verbrieft (Berechtigungsfunktion). Zudem besitzen Zertifikate eine Lernanreizfunktion, die motivierend zum weiteren, über den konkreten Lerninhalt hinaus, zum Lernen anregt. Durch den ausgeüb-ten Leistungsdruck im Bezug auf den Erwerb des Zertifikates kommt es zu einer Disziplinie-rungsfunktion. Zertifikate fungieren des Weiteren als Grundlage für eine Allokation des Zerti- fikatsträgers auf dem Arbeitmarkt (Allokationsfunktion).

[...]


1 Vgl. Loebe, 2000, S. 40.

2 Vgl. BMBF, 1999, S. 4.

3 Schlussfolgerungen des Vorsitzes. Europäischer Rat 2000.

4 Vgl. Fahle / Thiele, 2003, S. 11.

5 Behringer / Hanf, 2005, S. 26-29.

6 Der tertiäre Bildungsbereich umfasst den Bereich im Bildungswesen eines Staates, der aufbauend auf einer abgeschlossenen Sekundarschulbildung (Abitur oder Fachhochschulreife) auf höherqualifizierte Berufe vorberei-tet.

7 Vgl. Hörner, 2002, S. 69-70.

8 Vgl. Severing, 2006, S. 16.

9 Ebd. S. 18.

10 Vgl. Ebd. S. 18-22.

11 Vgl. Vespermann, 2005, S.1-2.

12 Vgl. Severing, 2006, S. 11-13.

13 Vgl. Schweikert / Grieger, 1971, S. 6.

14 Ebd. S. 6.

15 Münch, 1993, S.2.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zertifizierungssysteme in der Weiterbildung
Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V138442
ISBN (eBook)
9783640478804
ISBN (Buch)
9783640478538
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zertifizierungssysteme, Weiterbildung
Arbeit zitieren
Johannes Himmer (Autor), 2007, Zertifizierungssysteme in der Weiterbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138442

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zertifizierungssysteme in der Weiterbildung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden