In dieser Seminararbeit wird beschrieben wie sich die Mindestreserve der einzelnen Banken zu den Schlüsselzinssaätzen Einlagenfazilität, Spitzenrefinanzierungsfazilität und Hauptrefinanzierungssatz) der EZB verfällt und welche Auswirkungen diese auf den Tagesgeldmarkt vorweisen. Insbesondere wird hier die Funktion des EONIA herausgestellt mit bezug zur aktuellen Lage.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mindestreserve
2.1. Allgemeines zur Mindestreserve
2.2. Mindestreservepflichtige Institute
2.3. Mindestreservebasis
2.4. Verzinsung der Mindestreserveguthaben
2.5. Anbindungsfunktion
2.6. Stabilisierungsfunktion
3. Schlüsselzinssätze der EZB
3.1. Schlüsselzinssätze
3.2. Hauptrefinanzierungssatz
3.3. Satz der Spitzenrefinanzierungsfazilität
3.4. Satz der Einlagenfazilität
4. EONIA
5. Derzeitige Situation
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geldpolitische Rolle der Mindestreserve und deren Einfluss auf die Steuerung der Schlüsselzinssätze der Europäischen Zentralbank im Kontext der Finanzkrise. Dabei wird analysiert, warum das System zur Kontrolle des EONIA-Tagesgeldsatzes unter den Bedingungen der Überliquidität und des mangelnden Vertrauens am Interbankenmarkt an Funktionsfähigkeit verliert.
- Funktionen der Mindestreserve (Stabilisierungs- und Anbindungsfunktion)
- Mechanismen der EZB-Schlüsselzinssätze
- Kontrolle und Dynamik des EONIA-Zinssatzes
- Auswirkungen der Finanzkrise auf den Geldmarkt
- Geldpolitische Strategieänderungen der Zentralbank
Auszug aus dem Buch
2.6. Stabilisierungsfunktion
Die Stabilisierungsfunktion ist die zweite wichtige Funktion, die die Mindestreserve erfüllt. So werden die Zinssätze am Geldmarkt dadurch stabilisiert, dass die Geschäftsbanken während der Mindestreserve-Erfüllungsperiode das Recht der Durchschnittserfüllung haben und somit auf Liquiditätsschocks schnell reagieren können. Das heißt, wenn es zu einer Anspannung am Tagesgeldmarkt durch knappe Liquidität kommt und dadurch der Tagesgeldsatz steigt, kann es für eine Geschäftsbank sehr interessant sein, ihr Mindestreserve-Soll zu unterschreiten und dieses Geld am Tagesgeldmarkt anzulegen und den Spread zwischen Mindestreserve-Zinssatz und Tagesgeldsatz zu nutzen. Wenn es hingegen durch eine Überliquidität zu einer Verflüssigung des Tagesgeldmarktes kommt und somit der Tagesgeldsatz unter den Mindestreserve-Zinssatz fällt, werden die Geschäftsbanken ihre Mindestreserve-Soll überschreiten. Durch diese Handlungsweise findet der Tagesgeldsatz von sich aus wieder ins Gleichgewicht, ohne das die Zinsführerschaft der EZB gefährdet ist und es zu starken Schwankungen des Tagesgeldsatzes kommt. Die Mindestreserve fungiert somit Liquiditätspuffer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problematik der EZB-Geldmarktsteuerung während der Finanzkrise durch Überliquidität und der damit verbundenen Beeinträchtigung des EONIA-Zinssatzes.
2. Mindestreserve: Erläuterung der rechtlichen Grundlagen, Funktionen (Stabilisierung und Anbindung) sowie der Berechnungsmethodik der Mindestreserve.
3. Schlüsselzinssätze der EZB: Beschreibung des Hauptrefinanzierungssatzes sowie der beiden Fazilitäten (Einlagen- und Spitzenrefinanzierungsfazilität) als Instrumente der Offenmarktpolitik.
4. EONIA: Analyse des Referenzzinssatzes für den unbesicherten Euro-Tagesgeldmarkt und dessen Abhängigkeit von den geldpolitischen Maßnahmen der EZB.
5. Derzeitige Situation: Untersuchung der Marktverwerfungen während der Finanzkrise, in der der EONIA deutlich unter das Niveau des Leitzinses gefallen ist.
6. Schluss: Fazit zur Notwendigkeit der Rückführung der unbegrenzten Liquiditätsbereitstellung, um das Vertrauen am Interbankenmarkt wiederherzustellen.
Schlüsselwörter
EZB, Mindestreserve, EONIA, Finanzkrise, Tagesgeldsatz, Geldmarkt, Hauptrefinanzierungssatz, Liquidität, Zinskorridor, Offenmarktpolitik, Interbankenmarkt, Stabilisierungsfunktion, Anbindungsfunktion, Einlagenfazilität, Spitzenrefinanzierungsfazilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit geldpolitischer Instrumente der Europäischen Zentralbank im Rahmen der Finanzkrise ab 2007.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Der Fokus liegt auf dem Zusammenspiel von Mindestreservepflicht, den Schlüsselzinssätzen der EZB und der Steuerung des EONIA-Tagesgeldsatzes.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, warum das System der Zinssteuerung der EZB durch die Finanzkrise gestört wurde und der EONIA nicht mehr wie vorgesehen funktionierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Analyse der EZB-Vorschriften und eine empirische Betrachtung der Marktsituation anhand von Zinsdaten und EZB-Berichten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Darstellung der Mindestreserve und Zinsmechanismen sowie die praktische Analyse der Marktentwicklungen seit Beginn der Finanzkrise.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind EZB, Mindestreserve, EONIA, Finanzkrise und geldpolitische Steuerung.
Warum konnte die EZB den EONIA während der Krise kaum noch kontrollieren?
Aufgrund mangelnden Vertrauens zwischen den Banken und einer massiven Überliquidität durch die EZB wich der EONIA stark vom Leitzins ab.
Welche Rolle spielt die Einlagenfazilität in diesem Kontext?
Sie diente den Banken als sicherer Hafen, um überschüssige Gelder zu parken, anstatt sie im Interbankenmarkt zu verleihen.
Welche Lösung schlägt der Autor zur Marktstabilisierung vor?
Die Rücknahme der unbegrenzten Liquiditätsbereitstellung und die Wiedereinführung von Höchstmengen bei den Refinanzierungsgeschäften.
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- Philipp Heckele (Author), 2009, Funktion der Mindestreserve im Bezug auf die Schlüsselzinssätze der EZB, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138529