Jugendlicher Widerstand im Dritten Reich - Die „Rote Kapelle“


Hausarbeit, 2006
27 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund 1930-1945

2 Die Rote Kapelle
2.1 Ausgewählte Kurzbiographien von zentralen Mitgliedern der Roten Kapelle
2.2 Die wesentlichen Aktionen der Roten Kapelle Zettelklebeaktionen

3 Hauptziel, Motivation und unterstützende Kontakte der „Roten Kapelle“

4 Die Rolle der Frauen

5 Nach der Auflösung der Roten Kapelle

6 Mythen über die Rote Kapelle

7 Andere jugendliche Widerstandsgruppen:
7.1 Edelweißpiraten
7.2 Weiße Rose

8 Bedeutung für die politische Erziehung von Jugendlichen in der Gegenwart

9 Literaturliste

Vorwort

Zunächst erscheint es ungewöhnlich, im Fach Pädagogik eine Arbeit über die Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ zu schreiben.

Am Ende zeigt es sich aber, dass die Aktionen der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ in einem pädagogischen Zusammenhang gesehen werden können.

Das Verhalten der Mitglieder der „Roten Kapelle“ kann als Vorbild für Jugendliche in der Gegenwart gesehen werden. Die Motivation der Mitglieder der „Roten Kapelle“ lebte auch von Vorbildern. Deshalb habe ich im Folgenden auch das Schicksal von Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller nachgezeichnet.

Damals haben die Eltern der Widerstandskämpfer offensichtlich ihren Kindern gezeigt, dass man nicht jeden politischen Zustand hinnehmen muss. Sie haben ihnen gezeigt, dass es wichtig ist, politische Aussagen und Vorgänge, Ideologien und Pflichten zu hinterfragen. Da sie hoch gebildet waren, konnten sie ihren Kindern die komplexe Wirklichkeitsstruktur dieser Jahre gut erklären und auf ideologische Lügen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufmerksam machen.

Die pädagogische Notwendigkeit einer Erziehung zum Widerstand gegen Rassismus, Intoleranz und Neofaschismus besteht auch in der Gegenwart stärker denn je.

Nur die Sensibilisierung der Jugendlichen für diese Thematik, kann verhindern, dass sie immer jünger den Erwachsenen, die neofaschistisches Gedankengut verbreiten, unreflektiert folgen.

Auch hinsichtlich der Vorbildfunktion der Eltern ist die Geschichte der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ aussagekräftig. Sie erinnert daran, dass Erziehungs- und Bewusstseinsarbeit bei den Eltern beginnen muss, die heute oftmals zu selten mit ihren Kindern Gespräche über politische Themen führen und sie ermuntern, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Das Thema jugendlicher Widerstand ist somit auch ein aktuelles pädagogische Thema.

1 Zeitgeschichtlicher Hintergrund 1930-1945

Ein kurzer zeitgeschichtlicher Abriss dient dazu, die Entwicklung und die Aktivitäten der Widerstandsgruppe “Rote Kapelle“ zu verstehen und einzuordnen.

1930

In Deutschland ist die Wirtschaft krisengeschüttelt und liegt am Boden. Vier Millionen Arbeitslose fürchten um ihre Existenz und suchen nach politischen Antworten. Der Staat versucht, mit Sparprogrammen und Notverordnungen die Arbeitslosigkeit zu mindern. Die Koalitionsregierung aus Zentrumspartei und der Volkskonservativen Partei zerbricht, Heinrich Brüning aus der Zentrumspartei, geb. 1885, gest. 1970, wird zum neuen Kanzler ernannt. Die NSDAP erreicht bei den Wahlen zum Reichstag 107 Sitze.

Mitte des Jahres 1930 findet der „Ulmer Reichswehrprozess“ statt: Hitler schwört, dass er die Weimarer Verfassung einhalten wird.

In Deutschland wächst der innenpolitische Terror radikaler nationalsozialistischer Gruppierungen. Beinahe täglich kommt es zu Zusammenstößen linker und nationalsozialistischer Gruppen. (vgl. Friedrichs 1995, S. 418)

1932

Das Kabinett Brüning fordert das Ende der Reparationszahlungen aus Gründen der Wirtschaftssanierung. Auf der Konferenz von Lausanne wird ein Vorschlag Deutschlands zur Schuldentilgung angenommen. Die Schulden werden getilgt. Hindenburg wird wieder Reichspräsident. Deutschland hat bereits sechs Millionen Arbeitslose.

Neuer Reichskanzler wird Franz von Papen, der die preußische Regierung absetzt. Bei den Reichstagswahlen kommt es zu blutigen Straßenschlachten. Das Land wird mit Notverordnungen regiert.

Kurt von Schleicher wird dritter Reichskanzler in diesem Jahr (vgl. ders., S. 419)

1933

Adolf Hitler wird nach dem Sturz des Papen- Kabinetts von Paul von Hindenburg an die Macht gebracht Nachdem der Reichstag in Flammen aufgegangen ist, wird am 27. und 28. Februar die gesamte „Rote Presse“ verboten, kommunistische und sozialistische Führer werden verhaftet.

Mit dem Inkrafttreten des „Ermächtigungsgesetzes“ geht die Weimarer Republik zu Ende. Die NSDAP übernimmt die alleinige Macht. Menschen werden aus politischen Gründen verhaftet und in KZs verschleppt.

Gegen die weiter wachsende Arbeitslosigkeit richtet der Staat den Arbeitsdienst, die Hitlerjugend und die Wehrpflicht ein.

Mit ersten Bücherverbrennungen beginnt die kulturelle Gleichschaltung.

Die NSDAP gründet ihre Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (K d F).

Martin Niemöller, der am 11. Januar 1892 in Lippstadt/Westfalen geborene und im Ersten Weltkrieg als U-Boot-Kommandant eingesetzte evangelische Theologe schließt sich mit 70 Pfarrern im „Pfarrernotbund“ zusammen, der sich gegen die Ausgrenzung von Christen jüdischer Herkunft aus dem kirchlichen Leben und gegen die Verfälschung biblischer Lehre durch die nationalsozialistischen „Deutschen Christen“ wehrt. (vgl. ders., S. 421)

1934

Die Länderparlamente werden aufgelöst und damit gehen ihre Hoheitsrechte auf das Deutsche Reich über.

Der Volksgerichtshof wird als Sondergericht geschaffen, an dem über Hoch- und Landesverrat verhandelt wird.

Nach dem „Röhm“-Putsch“, der blutigen Niederschlagung einer angeblichen Revolte der obersten SA- Führung unter Stabschef Röhm und General von Schleicher, Erich Klausener und Georg Strasser, wird die SS durch Hitler zu einer selbstständigen Organisation im Rahmen der NSDAP ernannt.

Reichspräsident Paul von Hindenburg stirbt und Hitler wird Staatsoberhaupt. Der am 04.Februar 1906 in Breslau geborene und am 09. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtete evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer nimmt als Leiter der deutschen Jugenddelegation in Dänemark an einer Tagung teil und hält eine antifaschistische „Friedensrede“, in welcher er eindringlich vor der drohenden Kriegsgefahr warnt.

Niemöller wird von all seinen Ämtern enthoben und erhält Redeverbot, weil er den Arierparagrafen aus theologisch-ethischen Gründen ablehnt. Er predigt im Untergrund weiter (vgl. ders. , S. 422).

1935

Die allgemeine Wehrpflicht wird eingeführt.

Der bis dahin freiwillige Arbeitsdienst wird per Reichsgesetz für Frauen und Männer gleichermaßen zur Pflicht.

Im September erlässt der Reichstag unter anderem das Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre, das Eheschließungen zwischen Juden und Ariern verbietet.

Dietrich Bonhoeffer leitet das Predigerseminar der Bekennenden Kirche (vgl. ders., S. 423)

1936

Der Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, wird zum „Chef der Deutschen Polizei“ ernannt.

Hitler eröffnet die elften Olympischen Sommerspiele im Berliner Olympiastadion vor 120.000 begeisterten Zuschauern.

Durch ein Reichsgesetz wird die gesamte deutsche Jugend in der Hitlerjugend zusammengefasst. ( vgl. ders., S. 424)

1937

Das Predigerseminar unter der Leitung von Dietrich Bonhoeffer wird durch die

Gestapo geschlossen, es arbeitet aber illegal weiter.

Niemöller wird verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt (vgl. Wind 1999, S. 221).

1938

Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW), über das Hitler den Oberbefehl übernimmt, wird errichtet.

Deutsche Truppen marschieren in Österreich ein.

Deutsche Truppen marschieren in Sudetendeutsches Gebiet ein.

Planmäßige Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung werden von Goebbels

angeordnet, nachdem Herschel Grünspan, ein siebzehnjähriger Pole, in der Deutschen Botschaft in Paris den Legationssekretär Ernst vom Rath erschoss.

Am 09. November werden zahlreiche jüdische Geschäfte und Einrichtungen zerstört, Synagogen werden angezündet (vgl. Friedrichs 1995, S. 426).

1939

Deutschland kündigt das Flottenabkommen mit England und den deutsch- polnischen Nichtangriffspakt auf und schließt ein Militärbündnis mit Italien.

Alle in Deutschland lebenden Juden werden per Gesetz verpflichtet, sich in einem Verein zu organisieren, mit dem Ziel, die Auswanderung zu fördern.

Am 01. September, um 04:45 Uhr überschreiten Deutsche Truppen die polnische Grenze an der Oder. Daraufhin erklären England und Frankreich Deutschland den Krieg.

Polen ist komplett von deutschen Truppen besetzt.

Hitler macht England und Frankreich vergeblich ein „Friedensangebot“.

Während einer Feier zur Erinnerung an den Marsch auf die Feldherrenhalle in München wird ein Attentat auf Hitler verübt, bei dem er nur leicht verletzt wird (vgl. ders, S. 426,427).

1940

Dänemark und Norwegen werden von deutschen Truppen besetzt , ebenso werden Belgien, die Niederlande und Frankreich angegriffen.

Die britische Luftwaffe greift das Ruhrgebiet an.

Die „Schlacht um Frankreich“ beginnt.

Im „Dreimächtepakt“ zwischen Deutschland, Italien und Japan verpflichten sich diese drei Länder zur gegenseitigen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Unterstützung.

In Warschau werden 350.000 Juden im Ghetto eingeschlossen.

Bei einem schweren deutschen Luftangriff auf Coventry werden 865 Menschen verletzt, 554 sterben.

Der „Fall Barbarossa“, die Weisung über die Vorbereitung eines Feldzuges gegen die Sowjetunion, wird von Hitler unterzeichnet.

Beginn der konspirativen Tätigkeit Bonhoeffers als Kurier der Widerstandsgruppe in der „Abwehr“. (vgl. Wind 1999, S. 221)

1941

Jugoslawien und Griechenland werden überfallen. Bald darauf kapituliert die

jugoslawische Armee.

Rudolf Hess, der „Stellvertreter des Führers“, soll Friedensvorschläge der britischen Regierung übergeben, wird aber verhaftet.

Das deutsche Schlachtschiff „Bismarck“ wird 400 Seemeilen westlich von Brest von britischen Seestreitkräften versenkt. Es sterben dabei 1977 Passagiere und Besatzungsmitglieder.

Am 22. Juni um 3:15 Uhr beginnt der deutsche Angriff auf die UdSSR. Hitler will Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichmachen, kurze Zeit später beginnt eine große Offensive gegen Moskau.

Am 07.12. um 7:00 Uhr kommt es zu einem Überraschungsangriff der Japaner auf Pearl Harbour.

Wenige Monate später verkündet Hitler seine Kriegserklärung gegen die USA.

Deutschland, Italien und Japan wollen diesen Krieg gemeinsam führen.

Niemöller wird in das KZ Dachau verlegt. (vgl. Friedrichs 1995, S. 429)

1942

In der „Wannsee- Konferenz“ werden „Maßnahmen zur Endlösung der Judenfrage“ festgelegt.

In Prag wird ein Attentat auf Reinhard Heydrich, stellvertretender Reichsprotektor und Chef des Reichssicherheitshauptamtes, verübt. Er erliegt am 4. Juni seinen Verletzungen. Himmler billigt den „Generalplan Ost“: Er sieht die Aussiedlung von 30 Millionen Polen, Tschechen, Ukrainern und Weißrussen nach Sibirien vor. Die sechste Armee (ca. 250.000 Mann) wird bei Stalingrad eingeschlossen.(vgl. Conze, Werner/ Hentschel, Volker 1996, S.272)

1943

Die Südgruppe der 6. Armee kapituliert in Stalingrad.

Goebbels hält in Berlin seine Rede über den „totalen Krieg“.

Die Geschwister Scholl werfen Flugblätter gegen Stalingrad in den Lichthof der Maximilians- Universität in München. Sie werden am 21. Februar zum Tode verurteilt. Der Aufstand im Warschauer Ghetto beginnt. Bis zum 16. Mai wird das gesamte Ghetto unter SS- Gruppenführer Stroop vernichtet. Dabei werden mindestens 56.000 Juden getötet.

Mussolini wird in Italien gestürzt.

Großadmiral Dönitz lässt die Geleitzugbekämpfung im Atlantik abbrechen. Bonhoeffer wird verhaftet und ins Wehrmachtsgefängnis Berlin- Tegel interniert. ( vgl. Wild, Dieter, 1999, S. 181)

1944

Unter dem „Sonderkommando Eichmann“: werden bis zum 27. Juni 380.000 Juden aus Ungarn deportiert; mindestens 250.000 von ihnen werden nach Auschwitz verschleppt.

Am 06. Juni um 6:30 Uhr beginnt die alliierte Landung in der Normandie. Am 20. Juli um 12:42 Uhr explodiert eine Bombe im „Führerhauptquartier“ Wolfsschanze, die Oberst Graf Stauffenberg in seiner Aktentasche versteckt hatte Hitler überlebt und wird nur leicht verletzt. Daraufhin werden Stauffenberg, General Olbricht, Oberstleutnant von Haeften und Oberst Quirnheim standesrechtlich erschossen.

Der Polnische Aufstand in Warschau dauert noch bis 2. Oktober.

Per Erlass wird der „Deutsche Volkssturm“ gebildet, welcher alle wehrfähigen Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren erfasst.

Beginn der deutschen Offensive in den Ardennen, die schnell scheitert. Bonhoeffer wird in den Gestapo-Keller in Berlin überführt.(vgl. ders, S. 183)

1945

Bei der Konferenz von Jalta beraten Stalin, Roosevelt und Churchill über das Schicksal Deutschlands nach Kriegsende: Die Aufteilung in Besatzungszonen, die Beteiligung Frankreichs, die Bildung eines Alliierten Kontrollrates und deutsche Reparationsleistungen.

Die Royal Air Force und US-Bomberverbände greifen Dresden an. Die Zahl der Toten konnte nie genau ermittelt werden.

Hitler erlässt den Befehl für „Verbrannte Erde“: sämtliche Industrie- und Versorgungsanlagen im Reichsgebiet werden zerstört.

Nach dem Tod Roosevelts glaubt Hitler irrtümlich, dadurch doch noch den Krieg gewinnen zu können.

Bei Torgau an der Elbe treffen sich amerikanische und sowjetische Truppen und teilen diesen Raum in zwei Teile.

Die „Vereinten Nationen“ werden in San Francisco gegründet.

Die Russen erobern Berlin, am 30. April erschießt sich Adolf Hitler, seine Frau nimmt Gift.

Die Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht wird im Hauptquartier von General Eisenhower in Reims von Generaloberst Alfred Jodl und Generaladmiral von Friedburg sowie General Oxenius (für die Luftwaffe) am 8. und 9. Mai unterzeichnet. Dietrich Bonhoeffer wird vom KZ Buchenwald über Schönberg ins KZ Flossenbürg überführt, wo er am 09. April hingerichtet wird.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Jugendlicher Widerstand im Dritten Reich - Die „Rote Kapelle“
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Autor
Jahr
2006
Seiten
27
Katalognummer
V138548
ISBN (eBook)
9783640470549
ISBN (Buch)
9783640470662
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendlicher, Widerstand, Dritten, Reich, Kapelle“
Arbeit zitieren
Caspar Daniel Pohl (Autor), 2006, Jugendlicher Widerstand im Dritten Reich - Die „Rote Kapelle“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138548

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