Im Folgenden soll der Kunstwerk-Aufsatz Benjamins wiedergegeben und untersucht werden. Benjamins Thesen zur Veränderung der Kunst durch die Möglichkeit der Massenproduktion und seine Schlüsselbegriffe sollen herausgearbeitet und in Zusammenhang gebracht werden. Dann soll die Wirkung der technischen Reproduktion auf Film und Fotografie wiedergegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Die Geschichte der Reproduzierbarkeit
2.2. Echtheit des Kunstwerks
2.3. Die Aura des Kunstwerks
2.4. Die Einmaligkeit des Kunstwerks
2.5. Veränderte Rezeption der Aura - Ausstellungswert und Kultwert
2.6. Die Auswirkungen der technischen Reproduzierbarkeit anhand des Beispiels Film
2.7. Benjamins Nachwort: Die Ästhetisierung der Politik
3. Schluss
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit Walter Benjamins wegweisendem Aufsatz "Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" auseinander. Das zentrale Ziel ist es, Benjamins Thesen zum Strukturwandel der Kunst durch Massenmedien zu analysieren, seine Schlüsselbegriffe wie die "Aura" zu erarbeiten und deren Auswirkungen auf die zeitgenössische Wahrnehmung sowie die politische Instrumentalisierung von Kunst zu untersuchen.
- Historische Entwicklung der technischen Reproduzierbarkeit
- Verlust der "Aura" und der Einmaligkeit des Kunstwerks
- Verschiebung vom Kultwert zum Ausstellungswert
- Die Auswirkungen der technischen Medien Film und Fotografie
- Das politische Potenzial und die Gefahr der Ästhetisierung der Politik
Auszug aus dem Buch
2.3. Die Aura des Kunstwerks
Die Aura bedeutet hier die Eigenschaft originaler Kunstwerke. Gemeint ist die Eigenschaft der Einzigkeit des Kunstwerkes. Diese ist seine Aura. Durch den Ursprung des Kunstwerkes in der Tradition durch ein Ritual erhält es einen Kultwert; das Kunstwerk hat oder hatte eine Ritualfunktion inne. „Es ist nun von entscheidender Bedeutung, dass diese auratische Daseinsweise des Kunstwerks niemals durchaus von seiner Ritualfunktion sich löst.“
Die Aura wird folgendermaßen explizit definiert, als „einmalige Erscheinung einer Ferne, so nah sie sein mag.“ Ferne und Nähe sind in diesem Satz nicht räumlich zu verstehen, sonst erschiene der Satz sinnwidrig. Hervorzuheben ist in dieser Definition der Begriff der ‚Erscheinung’, die weniger als eine faktische Erscheinung zu verstehen ist als eine Erfahrung. Durch diesen Zusatz wird das Paradoxe der Definition aufgehoben; die Erfahrung von der Ferne des Objekts ist nicht eine räumliche, sondern eine emotionale. Die Ferne wird gegenwärtig, indem sie durch etwas anderes erscheint. Die Wahrnehmung der Ferne eines Kunstwerks meint vielmehr eine „unaufhebbare Distanz“, eine emotional empfundene Erfahrung einer Ferne des Kunstwerks, d.i. dessen Unnahbarkeit. „Das wesentlich Ferne ist das Unnahbare. In der Tat ist Unnahbarkeit eine Hauptqualität des Kultbildes.“ Trotz der möglichen räumlichen Überbrückung der Distanz, d.h. trotz der Nähe des Betrachters zum betrachteten Objekt, vermag er diese dem Kunstwerk eigene Unerreichbarkeit, seine Ferne nicht zu überwinden.
Wie im obigen Abschnitt deutlich wurde, ist die Aura also, da sie eng mit der Echtheit des Kunstwerks verknüpft ist, eine Eigenschaft des Wesens des Kunstwerks. Sie ist somit etwas, das dem Kunstwerk anhaftet oder nicht. Ist ein Kunstwerk echt, ist also sein Hier und Jetzt gewährleistet, so hat das Kunstwerk auch eine Aura.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen biographischen Abriss zu Walter Benjamin und führt in die Thematik der Auswirkungen technischer Medien auf die Kunst ein.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die historischen Grundlagen der Reproduktion, den Verlust der Aura sowie die massenmediale Rezeption anhand von Film und Fotografie.
2.1. Die Geschichte der Reproduzierbarkeit: Hier wird dargelegt, dass Kunst bereits früh durch Nachahmung reproduzierbar war, bevor technische Verfahren wie Film und Fotografie einen neuen Standard setzten.
2.2. Echtheit des Kunstwerks: Das Kapitel definiert Echtheit als das "Hier und Jetzt" und erläutert, wie durch technische Reproduktion die materielle Dauer und damit die Autorität des Originals verloren gehen.
2.3. Die Aura des Kunstwerks: Es wird der Begriff der Aura als "einmalige Erscheinung einer Ferne" eingeführt und als untrennbar mit der Ritualfunktion und Echtheit des Kunstwerks verbunden beschrieben.
2.4. Die Einmaligkeit des Kunstwerks: Dieses Kapitel beleuchtet den zeitlichen Charakter der Aura und die Ambiguität zwischen numerischer Singularität und der "Außerordentlichkeit" eines Werkes.
2.5. Veränderte Rezeption der Aura - Ausstellungswert und Kultwert: Die Untersuchung zeigt die Verschiebung vom ursprünglichen Kultwert hin zum durch die Reproduktion dominierten Ausstellungswert auf.
2.6. Die Auswirkungen der technischen Reproduzierbarkeit anhand des Beispiels Film: Dieses Kapitel analysiert, wie Film und Fotografie die Wahrnehmung verändern, die "Chockwirkung" erzeugen und die Rolle des Schauspielers zur Ware degradieren.
2.7. Benjamins Nachwort: Die Ästhetisierung der Politik: Hier wird der politische Missbrauch der Kunst durch den Faschismus und die notwendige Politisierung der Kunst als Gegenentwurf diskutiert.
3. Schluss: Die Zusammenfassung resümiert den Strukturwandel der Kunst als Ausdruck des Umbruchs zur Moderne und als Gefahrenquelle durch die Ästhetisierung des Politischen.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Kunstwerk, technische Reproduzierbarkeit, Aura, Kultwert, Ausstellungswert, Film, Fotografie, Ästhetisierung der Politik, Faschismus, Wahrnehmung, Chockwirkung, Moderne, Massenmedien, Originalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Walter Benjamins Aufsatz über das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit hinsichtlich der veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und der Rolle von Massenmedien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Kernbereichen gehören der Begriff der Aura, die Entwertung des Originals durch Vervielfältigung, die Verschiebung von Kult- zu Ausstellungswerten sowie die politische Vereinnahmung von Kunst.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Thesen Benjamins systematisch herauszuarbeiten, um zu verstehen, wie technische Entwicklungen das Wesen und die soziale Funktion der Kunst fundamental verändert haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medientheoretische Analyse und Interpretation von Benjamins Originaltext, ergänzt durch relevante Fachliteratur zu seinen Begriffen wie Aura und Autonomie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einordnung der Reproduzierbarkeit, die Untersuchung von Echtheit und Aura sowie eine vertiefende Analyse der Auswirkungen auf Film, Fotografie und politische Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Aura, technische Reproduzierbarkeit, Kultwert, Ausstellungswert, Film, Fotografie und Ästhetisierung der Politik beschreiben.
Warum geht laut Benjamin die Aura im Film verloren?
Da die Aura an das "Hier und Jetzt" gebunden ist, geht sie im Film verloren, weil der Schauspieler nicht unmittelbar vor dem Publikum agiert, sondern durch die Apparatur der Kamera ersetzt wird.
Inwiefern unterscheiden sich der Chirurg und der Kameramann bei Benjamin?
Benjamin nutzt den Vergleich, um zu verdeutlichen, dass der Kameramann – ähnlich wie ein Chirurg – operativ in die Wirklichkeit eingreift, anstatt sich dem Objekt wie ein Magier oder Maler rein betrachtend gegenüberzustellen.
- Quote paper
- Cana Nurtsch (Author), 2009, Über Walter Benjamins Aufsatz: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138570