Obwohl er niemals Sympathie zeigte für das von Kaiser Augustus errichtete imperiale Reich, so wurde der römische Geschichtsschreiber Titus Livius doch ein Freund von diesem. Augustus, dem im Jahr 27 v. Chr. der höchste Ehrentitel den der römische Staat vergeben konnte, den des Vater des Vaterlandes, verliehen wurde, feierte dies mit der Einweihung eines Forums das sich gegenüber dem Forum Caesars nach Osten hin erstreckte. Im Tempel, anhand von Bildern, wurde er als Vollender der Geschichte Roms dargestellt, wie dies auch Titus Livius in seinem Geschichtswerk „Ab urbe condita“, welches zur selben Zeit im Begriff war zu erscheinen, tat.
Die vorgelegte Proseminararbeit wird sich mit dem genannten ersten Buch „Ab urbe condita“ von Titus Livius beschäftigen. An diesem fand er denkbar den meisten Wohlgefallen, da er in ihm, die zu seiner eigenen Zeit geltenden und gerade wieder überführten Grundwerte des römischen Staates und Volkes darlegen konnte. Im Speziellen soll auf das Treffen beziehungsweise die Bündnisse von Aeneas und Latinus in Latium bei Livius eingegangen werden.
Zuerst wird ein kurzer Überblick über das Leben Livius‘ und sein Werk gegeben. Aus welchen Verhältnissen stammt er? Wie wurde er zum Geschichtsschreiber? Mit welchem Ziel verfasste er seine Bücher? Dann wird das zu beantwortende Problem der historischen Wahrheit bearbeitet, da schon den ältesten römischen Historikern nur klägliche Informationen über die ältere Geschichte Roms zur Verfügung standen , ist davon auszugehen, dass Livius die, in seinen Büchern hervorgehobenen Geschichten und Tatsachen, dichterisch ausschmückte und subjektiv einfärbte. Darüber hinaus ist zu erfragen, welches Verhältnis Livius und Augustus hatten und inwiefern es sich bei Livius‘ Arbeit um eine Verbeugung vor diesem handelte? Wer, eigentlich, gab die Werke in Auftrag? Aus welchen Quellen speisen sich die zur Geschichte verarbeiteten Informationen und wo hatte Livius sie her?
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung:
2. Livius und seine Werke
3. Die Bündnisse Aeneas-Latius in Latium bei Livius
4. Augustus und Livius
5. Quellen des Livius
6. Die historische Wahrheit des Werkes
7. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das erste Buch des Geschichtswerks "Ab urbe condita" von Titus Livius mit einem spezifischen Fokus auf die Bündnisse zwischen Aeneas und Latinus in Latium. Dabei wird das Ziel verfolgt, das persönliche und politische Verhältnis zwischen Livius und Kaiser Augustus zu beleuchten, die Quellenlage des Historikers zu bewerten und den Umgang mit historischer Wahrheit in seinem Werk kritisch zu hinterfragen.
- Analyse des Werdegangs und der Rolle von Titus Livius als Historiker.
- Untersuchung der legendären Begegnung und Bündnisschließung zwischen Aeneas und Latinus.
- Erörterung der persönlichen Beziehung zwischen Livius und Augustus vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Ideologie.
- Kritische Würdigung der Quellenarbeit und des methodischen Vorgehens von Livius.
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen dichterischer Ausschmückung und historischem Wahrheitsanspruch.
Auszug aus dem Buch
3. Die Bündnisse Aeneas-Latius in Latium bei Livius
Nachdem Sieg der Griechen und der Einnahme Troias begibt sich der Sohn Anchises und der Göttin Venus Aeneas auf mehrere Irrfahrten. Nur für ihn und Antenor verzichteten die Achiver auf das Kriegsrecht. Gegen die Übrigen Troianer wurde grausam vorgegangen. Sowohl dem alten Recht auf Gastfreundschaft, ihrem Beharren auf Frieden als auch den Bemühungen um die Rückgabe der Helena hatten Aeneas und Antenor zu verdanken verschont worden zu sein. (Vers 1,1,1)
Antenor kommt mit einer führerlosen Schar Enetern über Umwege in die entlegenste Bucht des Adriatischen Meers vertreibt dort ansässige Eugeneer und besetzte das Land, dessen Volk nun Veneter genannt wird. (Vers 1,1,2 – 1,1,3)
Aeneas aber ist bestimmt durch ein höheres Schicksal zur Gründung eines größeren Staatswesens. Zuerst gelangt er nach Makedonien, dann verschlägt es ihn auf der Suche nach Wohnsitzen nach Sizilien bis er später mit seiner Flotte das Gebiet Laurentum oder Latium erreicht. (Vers 1,1,4) Gezeichnet von der langen Irrfahrt und mit nichts mehr an Bord als Waffen, gingen die dort gelandeten Troianer an Land, um auf diesem Gebiet Beute zu machen. In diesem Moment kommen die Ureinwohner und deren König Latinus bewaffnet aus der Stadt und dem Land angelaufen. (Vers 1,1,6)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, beleuchtet das Verhältnis zwischen Livius und Augustus und definiert das Ziel der Arbeit, die Bündnisse von Aeneas und Latinus zu untersuchen.
2. Livius und seine Werke: Es werden der Lebensweg des Livius, seine Herkunft aus Patavium sowie der Umfang und Charakter seines erhaltenen Geschichtswerks skizziert.
3. Die Bündnisse Aeneas-Latius in Latium bei Livius: Dieser Abschnitt beschreibt die Ankunft des Aeneas in Latium und die darauf folgende Bündnisschließung mit König Latinus sowie deren Konsequenzen.
4. Augustus und Livius: Das Kapitel analysiert die politische Laufbahn des Augustus und setzt sie in Bezug zum persönlichen und ideologischen Verhältnis des Historikers Livius zu seinem Herrscher.
5. Quellen des Livius: Es wird untersucht, auf welche annalistischen Traditionen und Vorgänger Livius bei der Abfassung seiner römischen Geschichte zurückgegriffen hat.
6. Die historische Wahrheit des Werkes: Hier wird der kritische Umgang mit Sagen und die subjektive Ausschmückung historischer Ereignisse durch Livius thematisiert.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der historischen Bedeutung und der literarischen Qualität des Livianischen Geschichtswerks.
Schlüsselwörter
Titus Livius, Ab urbe condita, Aeneas, Latinus, Latium, Augustus, Römische Geschichte, Annalistik, historische Wahrheit, Quellenkritik, Rom, Prinzipat, Sagen, Antike, Geschichtsschreibung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem ersten Buch des berühmten Geschichtswerks „Ab urbe condita“ des römischen Historikers Titus Livius, wobei insbesondere die narrative Darstellung der Anfänge Roms und der Bündnispolitik analysiert wird.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Biographie des Livius, der Analyse der Aeneas-Sage bei Livius, dem Einfluss von Kaiser Augustus auf den Historiker sowie der methodischen Herangehensweise an Quellen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das Verhältnis zwischen dem Geschichtsschreiber Livius und der politischen Macht unter Augustus zu klären sowie zu hinterfragen, wie Livius mit der mangelnden historischen Dokumentation der frühen römischen Geschichte umging.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgeschichtliche und historische Analyse, bei der vorliegende Quellen, Sekundärliteratur und das Werk „Ab urbe condita“ kritisch ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Lebens von Livius, eine detaillierte Betrachtung der Aeneas-Latinus-Episode, eine historische Einordnung der Ära Augustus sowie eine Auseinandersetzung mit den Quellen der Annalistik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Titus Livius, Augustus, Aeneas, Annalistik, Quellenkritik, historische Wahrheit und die römische Frühzeit.
Wie bewertet der Autor den Wahrheitsgehalt der Erzählungen bei Livius?
Der Autor legt dar, dass Livius die frühen Ereignisse Roms nicht als strikte Fakten, sondern als literarisch gestaltete Erzählungen wiedergibt, die durch subjektive Farbung und kreative Improvisation geprägt sind.
Welche Rolle spielte die Herkunft des Livius für seine Unabhängigkeit?
Die Arbeit hebt hervor, dass Livius als Paduaner eine gewisse Distanz zu stadtrömischen Bewegungen wahrte, was ihn davor bewahrte, seine Arbeit rein als imperiale Propaganda für Augustus zu konzipieren.
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- Felix Kornmann (Author), 2009, Das Bündnis Aeneas - Latinus bei Livius, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138598