In der vorliegenden Arbeit soll die verspätete Industrialisierung sowie die wirtschaftliche Entwicklung des ersten italienischen Nationalstaates in der Zeit zwischen 1870 und 1913 – also nach erfolgter Vervollständigung des Nationalstaates bis kurz vor den Beginn des ersten Weltkrieges – untersucht werden. Neben den rein ökonomischen Determinanten sollen jedoch insbesondere andere – politische - Faktoren Teil der Analyse sein. Eine besondere Rolle meiner Untersuchung nimmt dabei der sog. "trasformismo" ein.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemaufriss
2. Vorbedingungen der wirtschaftlichen Entwicklung Italiens
2.1. „Fare gli Italiani“ oder der Nord-Süd-Dualismus
2.2. Geographie
3. Wirtschaft und Wirtschaftspolitik
4. Analyse
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die verspätete Industrialisierung und die wirtschaftliche Entwicklung Italiens zwischen 1870 und 1913, wobei neben ökonomischen Determinanten insbesondere die Rolle des Staates sowie das politische Phänomen des „trasformismo“ analysiert werden.
- Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung und Industrialisierung nach der Staatsgründung
- Untersuchung des Einflusses staatlicher Interventionen auf das Wirtschaftswachstum
- Bewertung des „trasformismo“ als politisches Instrument und dessen Auswirkungen auf die Ökonomie
- Evaluierung des Nord-Süd-Dualismus und der wirtschaftlichen Disparitäten
Auszug aus dem Buch
2.1. „Fare gli italiani“ oder der Nord- Süd-Dualismus
Statt eines gemeinschaftlichen und friedlichen Einigungsprozesses erfolgte die italienische Nationenbildung mittels Gewalt. Auch wenn in vielen Landesteilen des neu zu schaffenden italienischen Staates Plebiszite abgehalten wurden, so ist die im März 1861 verabschiedete Verfassung formaljuristisch ein durch „Anschluß“ erweitertes Sardinien-Piemont. In der Folge wurden die piemontesischen Gesellschafts-, Verwaltungs- und Wirtschaftsstrukturen auf die anderen Landesteile angewandt und dadurch teils seit Jahrhunderten bestehende Strukturen zerstört. Der Grundstimmung innerhalb der politischen und wirtschaftlichen Eliten, aber auch der Bevölkerung allgemein wurde dabei keinerlei Rechnung getragen.
Vor allem im Süden des Landes, insbesondere auf Sizilien war die Gesellschaft staatsfeindlich oder doch zumindest ablehnend gegenüber dem Staat eingestellt. Dementsprechend wurde der Dualismus auch innerhalb des neugeschaffenen Staates fortgeführt. Das Mezzogiorno-Problem erweist sich dabei als äußerst persistent. Während sich im Norden bzw. im Nordwesten Italiens erste industrielle Strukturen und Fertigungsmethoden durchsetzen konnten, konzentrierte sich die Ökonomie des Südens auch im 19. Jahrhundert weiterhin allein auf die Landwirtschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemaufriss: Einleitung in die Thematik der verspäteten Industrialisierung Italiens zwischen 1870 und 1913 unter Berücksichtigung politischer Faktoren.
2. Vorbedingungen der wirtschaftlichen Entwicklung Italiens: Erörterung der historischen und geographischen Ausgangslage, insbesondere der divergierenden Entwicklungslinien zwischen Nord- und Süditalien.
2.1. „Fare gli italiani“ oder der Nord-Süd-Dualismus: Analyse des gewaltsamen Einigungsprozesses und der daraus resultierenden staatsfeindlichen Haltung im Süden.
2.2. Geographie: Darstellung der geographischen Einflussfaktoren auf die wirtschaftliche Stellung Italiens im europäischen Kontext.
3. Wirtschaft und Wirtschaftspolitik: Untersuchung der staatlichen Maßnahmen, des Protektionismus und der industriellen Entwicklung unter Cavour und seinen Nachfolgern.
4. Analyse: Überprüfung der aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der Rolle des Staates, des „trasformismo“ und der Disparitäten zwischen Nord- und Süditalien.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Modernisierung Italiens und der Persistenz der ökonomischen Probleme im Süden.
6. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Italien, Industrialisierung, Nationalstaat, Wirtschaftspolitik, Trasformismo, Nord-Süd-Dualismus, Mezzogiorno, Protektionismus, Kapitalakkumulation, Wirtschaftsgeschichte, Infrastruktur, Landwirtschaft, Disparitäten, Staatsgründung, Giolitti
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung Italiens im Zeitraum von 1870 bis 1913, kurz nach der Gründung des Nationalstaates bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die verspätete Industrialisierung, der Einfluss staatlicher Wirtschaftspolitik und die tiefgreifenden sozioökonomischen Disparitäten zwischen dem Norden und dem Süden Italiens.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die industrielle Entwicklung des jungen Nationalstaates durch die Analyse ökonomischer Determinanten sowie politischer Faktoren wie dem „trasformismo“ zu erklären und drei spezifische Hypothesen zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine literaturgestützte historische und wirtschaftswissenschaftliche Analyse durch, in der verschiedene Denkschulen und Datenmodelle miteinander verknüpft und bewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Vorbedingungen, der Wirtschaftspolitik, der Analyse der Hypothesen sowie eine Auswertung des Strukturwandels und der regionalen Investitionsunterschiede.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Industrialisierung, Nord-Süd-Dualismus, Protektionismus und das politische Phänomen des „trasformismo“.
Was versteht der Autor unter dem „trasformismo“?
Es handelt sich um eine politische Strategie zur Mehrheitsbeschaffung im Parlament, bei der durch Tauschgeschäfte und Koalitionen Opposition eingebunden wurde, was jedoch Korruption und ein einseitiges Machtgefüge begünstigte.
Wie bewertet der Autor den Einfluss des Staates auf die Industrialisierung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Staat eine entscheidende Rolle durch Investitionshilfen und protektionistische Maßnahmen spielte, was eine „Revolution von oben“ darstellte und den industriellen Aufschwung maßgeblich stützte.
Warum konnte der Süden wirtschaftlich nicht zum Norden aufschließen?
Neben der geographischen Randlage waren vor allem die konservative Haltung der süditalienischen Oberschicht und eine ineffiziente Infrastruktur entscheidende Hemmfaktoren für eine nachhaltige Entwicklung im Süden.
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- Patrick Krippendorf (Author), 2009, Die ökonomische Entwicklung Italiens 1870 – 1913 und der Einfluss des Staates, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138606