Eine wesentliche Aufgabe von Finanzsystemen ist der intertemporale Liquiditätsaustausch von Akteuren mit Liquiditätsüberschüssen zu Akteuren mit Liquiditätsbedarf. Besonders Unternehmen, die keinen Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten haben, sind auf die Finanzierung durch Kreditinstitute angewiesen. Aufgrund der Ereignisse an den internationalen Finanzmärkten seit dem Jahr 2007 ist diese Funktion erheblich gestört und hat zu weltweiten Auswirkungen auf die Realwirtschaft geführt.
Die aktuelle Finanzkrise ist eine der schwersten Krisen in der Geschichte, doch sie ist nicht die Erste. In der Vergangenheit hat es bereits zahlreiche Finanzkrisen gegeben. Ziel dieser Arbeit ist es, Erfahrungen im Umgang mit Finanzkrisen und besonders mit notleidenden Banken zu untersuchen, und ob der Einsatz bestimmter Stabilisierungsmaßnahmen, die bereits in früheren Krisen eingesetzt wurden, auch in der heutigen Zeit bei der Bewältigung der Krise helfen können. Die schwedische Finanzkrise zu Beginn der 1990er Jahre wird in der Literatur, bspw. Ergungor (2007), oft als Positivbeispiel für ein erfolgreiches Krisenmanagement genannt. Deshalb möchte ich untersuchen, inwieweit das schwedische Krisenmanagement für die heutige Krise an den internationalen Finanzmärkten als Vorbild dienen kann, und welchen Nutzen man für die heutige Krisenbewältigung aus den schwedischen Erfahrungen im Umgang mit notleidenden Banken ziehen kann.
In Kapitel 2 soll zunächst ein Überblick über die Subprime-Krise und ihre Auswirkungen gegeben werden. Staatliche Interventionen haben oft adverse Effekte und sollten deshalb gut durchdacht sein und nicht ad hoc durchgeführt werden. Hierzu sollen in Kapitel 3 einige Maßnahmen zur Stabilisierung von notleidenden Banken aufzeigt werden, Voraussetzungen für ihren Einsatz erläutert und auf Gefahren hingewiesen werden, die mit einem Einsatz verbunden sind. In Kapitel 4 betrachte ich die Finanzkrise in Schweden zu Beginn der 1990er Jahre. Zunächst werde ich die Ursachen und den Krisenverlauf darstellen. Danach wende ich mich der schwedischen Krisenbewältigung zu und zeige den Weg aus der Krise auf. Kapitel 5 zeigt Parallelen und Unterschiede zwischen der schwedischen Krise und der Subprime-Krise auf. Dabei werde ich die Lehren aus der schwedischen Krise erörtern, die für das heutige Krisenmanagement und die heutige Krisenbewältigung hilfreich sein könnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Subprime-Krise – Ein Überblick
2.1 Ursachen und Verlauf der Krise
2.2 Auswirkungen der Subprime-Krise
3 Instrumente zur Stabilisierung notleidender Banken
3.1 Staatliche Garantien
3.2 Staatliche Eigenkapitalzufuhr
3.3 Asset Management Companies
3.3.1 Definition und Funktionsweise
3.3.2 Das deutsche Bad-Bank-Konzept
4 Die Finanzkrise in Schweden
4.1 Ursachen und Krisenverlauf
4.1.1 Regulierung und Liberalisierung des schwedischen Finanzsektors
4.1.2 Die Krise nimmt ihren Lauf
4.2 Schwedens Weg aus der Krise
4.2.1 Der Umgang mit den notleidenden Banken
4.2.2 Verwertung der schlechten Aktiva durch Securum
4.2.3 Die Kosten der Krise
5 Lehren aus der schwedischen Krise
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Bewältigung der schwedischen Finanzkrise Anfang der 1990er Jahre als Vorbild für das Management der aktuellen globalen Finanzkrise dienen kann. Im Fokus steht dabei die Analyse der Wirksamkeit staatlicher Stabilisierungsmaßnahmen bei der Restrukturierung notleidender Banken.
- Ursachen und Auswirkungen der globalen Subprime-Krise
- Wissenschaftliche Analyse staatlicher Interventionsinstrumente (Garantien, Rekapitalisierung, Bad Banks)
- Detaillierte Untersuchung des schwedischen Krisenmanagements als Positivbeispiel
- Kritische Bewertung der Übertragbarkeit schwedischer Erfolgsmodelle auf die heutige Situation
Auszug aus dem Buch
3.1 Staatliche Garantien
Erhebliche Kreditausfälle und Preisverfälle der Aktiva wirken sich stark auf die Liquidität einer Bank aus. Ein Bankrun in Krisenzeiten, der aufgrund von Unsicherheiten der Einleger über den Zustand ihrer Bank eintreten kann, würde die Liquiditätsprobleme einer Bank nur verstärken. Ein Bankrun kann, wie im Modell von Chen (1999) beschrieben, zu weiteren Bankruns bei anderen Instituten führen und so einen weiteren Liquiditätsverlust im System hervorrufen. Die Wahrscheinlichkeit eines Bankruns kann durch die Sicherung der Einlagen verringert werden. Eine staatliche Einlagensicherung verringert die Anreize für die Bankkunden, ihre Einlagen bei den Kreditinstituten abzuziehen (Diamond und Dybvig, 1983).
Ebenso kann die Zentralbank in ihrer Funktion als Lender of Last Resort Kredite an notleidende Banken vergeben, um deren Liquiditätsprobleme zu lindern. Die Liquiditätsversorgung durch die Zentralbanken ist, wie der Sachverständigenrat (2008) beschreibt, in ihrer Wirkung jedoch begrenzt.
Eine wichtige Liquiditätsquelle ist, neben Zentralbankgeld und den Einlagen der Kunden, der Interbankenmarkt. Banken mit Liquiditätsüberschüssen verleihen diese an Banken mit kurzfristigem Liquiditätsbedarf. In normalen Zeiten funktioniert dieser Liquiditätsaustausch reibungslos. In Krisenzeiten kommt es jedoch immer wieder vor, dass der Interbankenmarkt nicht funktioniert und keine effiziente Kapitalallokation möglich ist. Dies erschwert die Refinanzierung erheblich und erzeugt ebenfalls Liquiditätsprobleme.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Untersuchung des Krisenmanagements im Umgang mit notleidenden Banken und definiert die schwedische Krise als mögliches Vorbild für aktuelle globale Herausforderungen.
2 Die Subprime-Krise – Ein Überblick: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen, den wellenartigen Verlauf und die globalen wirtschaftlichen Auswirkungen der Subprime-Krise seit 2007.
3 Instrumente zur Stabilisierung notleidender Banken: Hier werden zentrale staatliche Eingriffsoptionen wie Garantien, Eigenkapitalhilfen und Asset Management Companies (Bad Banks) theoretisch fundiert und kritisch hinterfragt.
4 Die Finanzkrise in Schweden: Dieses Kapitel widmet sich der historischen Untersuchung der schwedischen Krise, beleuchtet die Rolle von Liberalisierungen sowie die erfolgreiche staatliche Krisenbewältigung mittels der Bank Support Authority und Securum.
5 Lehren aus der schwedischen Krise: Die Lehren betonen die Bedeutung politischer Unabhängigkeit, Transparenz und Einigkeit bei der Krisenintervention und diskutieren die begrenzte Übertragbarkeit auf die moderne, hochgradig vernetzte Finanzkrise.
6 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass universelle Lösungen fehlen, aber die schwedische Krise wichtige Richtlinien wie Transparenz und frühes Handeln bietet, während die heutige Krise internationale Kooperation erfordert.
Schlüsselwörter
Finanzkrise, Subprime-Krise, notleidende Banken, Staatliche Garantien, Eigenkapitalzufuhr, Asset Management Company, Bad Bank, Schweden, Krisenmanagement, Lender of Last Resort, Liquidität, Solvenz, Moral Hazard, Interbankenmarkt, Finanzmarktstabilisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Umgang staatlicher Akteure mit notleidenden Banken während Finanzkrisen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der schwedischen Finanzkrise der 1990er Jahre liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben den theoretischen Grundlagen zu Bankenkrisen stehen staatliche Stabilisierungsmaßnahmen wie Garantien, Rekapitalisierungen und die Gründung von Abwicklungsgesellschaften im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu untersuchen, ob und inwieweit das als erfolgreich geltende schwedische Krisenmanagement Erkenntnisse oder Vorbilder für die Bewältigung der heutigen globalen Finanzkrise liefern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und volkswirtschaftliche Literaturanalyse, die theoretische Modelle mit historischen Fallbeispielen vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Stabilisierungsmechanismen und eine umfassende Fallstudie zu Schweden, inklusive der Rolle von Securum und Retriva.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Finanzkrise, staatliche Intervention, Asset Management Company (Bad Bank), Moral Hazard und das schwedische Modell der Krisenbewältigung.
Was unterscheidet das schwedische Modell von heutigen Bad-Bank-Ansätzen?
Das schwedische Modell zeichnete sich durch eine hohe Transparenz, politische Unabhängigkeit der Aufsichtsbehörden und eine gezielte Sanierung aus, während heutige Ansätze bei strukturierten Wertpapieren oft an Bewertungsproblemen und mangelnder Transparenz scheitern.
Warum war der Zusammenbruch von Lehman Brothers laut Autor ein Fehler?
Der Autor zitiert den Sachverständigenrat, wonach die Nicht-Rettung von Lehman Brothers das Vertrauen in eine automatische staatliche Rettung zerstörte und den Interbankenmarkt durch massiven Vertrauensverlust fast vollständig zum Erliegen brachte.
- Quote paper
- Olaf Krehbiel-Gräther (Author), 2009, Der Umgang mit notleidenden Banken - Lehren aus der schwedischen Krise von 1990-1992, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138652