Es ist sicherlich hinreichend bekannt und nachgewiesen, dass die Alpen einer häufigen massiven Vergletscherung unterlagen. Diese Arbeit soll jedoch zeigen, ob auch weitere Gebiete von ähnlichen Vorgängen betroffen waren. Im Vordergrund steht somit die Fragestellung, welche Ausmaße eine außeralpine Vergletscherung angenommen hatte, falls sie überhaupt statt gefunden haben sollte. In die nähere Betrachtung rücken hierbei die deutschen Mittelgebirge. Insbesondere spielen hier der Schwarzwald sowie der Bayerische Wald eine wichtige Rolle. Die Hausarbeit wird sich genauer mit den letzten beiden großen Kaltzeit – Komplexen auseinandersetzen. Namentlich handelt es sich hierbei um den Riß – und den Würmkomplex.
Um die vorangegangene Fragestellung zu analysieren, muss das bereits eingegrenzte Gebiet nach Zeugnissen einer glazialen Überformung untersucht werden. Im Bereich des Schwarzwaldes wird der Feldberg als Untersuchungsort eine bedeutende Rolle einnehmen. Ebenso zeigt sich der Arber im Bayerischen Wald als lohnenswertes Suchgebiet. Ergänzend dazu wird die Hausarbeit auf die Flussentwicklung der Wutach eingehen und untersuchen inwieweit glaziale Prozesse darauf Einfluss genommen haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Erörterung
2. Die Vergletscherung der Mittelgebirge während der Riß – Kaltzeit
2.1. Der Schwarzwald als Gletschergebiet während des Riß – Kaltzeit – Komplexes
2.2. Der Bayerische Wald als Gletschergebiet während des Riß – Kaltzeit – Komplexes
3. Exkurs: Die Eem – Warmzeit als Trennlinie zwischen den Kaltzeiten
4. Die Vergletscherung der Mittelgebirge während der Würm – Kaltzeit
4.1. Der Schwarzwald als Gletschergebiet während des Würm – Kaltzeit – Komplexes
4.2. Der Bayerische Wald als Gletschergebiet während des Würm – Kaltzeit – Komplexes
5. Die Wutach-Ablenkung
6. Abschließende Erörterung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Ausmaß der außeralpinen Vergletscherung in den deutschen Mittelgebirgen, insbesondere im Schwarzwald und im Bayerischen Wald, während des Riß- und Würmkomplexes sowie deren Einfluss auf die Flussgeschichte der Wutach.
- Glaziale Überformungsprozesse in deutschen Mittelgebirgen
- Vergleichende Analyse von Schwarzwald und Bayerischem Wald
- Charakterisierung des Riß- und Würm-Kaltzeit-Komplexes
- Geomorphologische Bedeutung der Wutach-Ablenkung
- Nachweis von Vereisungsspuren durch glaziale Sedimente und Formen
Auszug aus dem Buch
4.1. Der Schwarzwald als Gletschergebiet während des Würm – Kaltzeit – Komplexes
Im Schwarzwald lassen sich viele Zeugen der einstiegen Würm – Kaltzeit Vereisung finden. Es sind einige Moränenwälle dieser Periode erhalten. Auf Grund der Lage der tiefsten Kare in Nordöstlicher Ausrichtung lässt sich schließen, dass zur Würm – Kaltzeit ähnliche Witterungsabläufe wie heute stattfanden. Die vorherrschende Windrichtung war ähnlich wie heute Südwest. Die Dauer und Verbreitung der lang ausdauernden Schneeflecken zeugt von einem kontinentaleren Klima.
Vermutlich gab im Schwarzwald keine frühwürmzeitliche Vergletscherung. Auf Grundlage der Stratigraphie des Feldberggebietes lässt sich der Beginn einer großflächigen Vereisung mit dem hochwürmzeitlichen Maximalstand in Verbindung bringen. Die klimatische Schneegrenze lag damals in einer Höhe von 900 – 1000 m. Im nördlichen Schwarzwald fanden sich zur Würm – Kaltzeit in nach Nord und Nordost gerichteten Karen kleine Gletscher. Hier ist besonders das ca. 900 m hoch gelegene Gebiet um Kniebis – Hornisgrinde interessant. Eine stärke Vereisung fand sich ähnlich der Riß – Kaltzeit im südlichen Schwarzwald. Es wird hier von einer ca. 1000 km² großen flächenhaften Maximalvereisung ausgegangen.
Feldberg, Herzoghorn, Belchen und Schauinsland bildeten die Nährgebiete der Vergletscherung des Südschwarzwaldes. Von hier aus strömten die Gletscher zu ihren unterschiedlichen Zehrgebieten. Im Südosten bildete sich die längsten Talgletscher mit ca. 25 km heraus. Es gab in diesem Zeitraum der Würm – Kaltzeit mehrere Vorstöße, welche sich mit verschiedenen Endmoränenwällen belegen lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeine Erörterung: Einleitung in die Thematik der außeralpinen Vergletscherung unter besonderer Berücksichtigung des Schwarzwaldes und des Bayerischen Waldes.
2. Die Vergletscherung der Mittelgebirge während der Riß – Kaltzeit: Darstellung der Vereisung während des Riß-Komplexes mit Fokus auf die spezifischen geomorphologischen Ausprägungen in den genannten Gebirgen.
2.1. Der Schwarzwald als Gletschergebiet während des Riß – Kaltzeit – Komplexes: Analyse der radialen Vergletscherung rund um den Feldberg und Identifikation glazialer Zeugen wie Kare und Endmoränen.
2.2. Der Bayerische Wald als Gletschergebiet während des Riß – Kaltzeit – Komplexes: Untersuchung der begrenzten Vereisung im Bayerischen Wald, die primär durch kleinflächige Gletscher und periglaziale Prozesse geprägt war.
3. Exkurs: Die Eem – Warmzeit als Trennlinie zwischen den Kaltzeiten: Erläuterung der Bedeutung der Eem-Warmzeit für die geologische Archivierung und als stabile Phase zwischen den Kaltzeitkomplexen.
4. Die Vergletscherung der Mittelgebirge während der Würm – Kaltzeit: Beschreibung der letzten großen Kaltzeitperiode und deren spezifischer glazialer sowie periglazialer Auswirkungen.
4.1. Der Schwarzwald als Gletschergebiet während des Würm – Kaltzeit – Komplexes: Detaillierte Betrachtung der Würmzeitlichen Vergletscherung mit Fokus auf das Feldbergmassiv und Zeugnisse wie den Titisee.
4.2. Der Bayerische Wald als Gletschergebiet während des Würm – Kaltzeit – Komplexes: Analyse der begrenzten Kar- und Talvergletscherungen im Bereich des Großen Arbers.
5. Die Wutach-Ablenkung: Darstellung der drastischen Veränderung des Wutach-Flussverlaufs infolge glazialer Prozesse und rückschreitender Erosion.
6. Abschließende Erörterung: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage zur Existenz und zum Ausmaß außeralpiner Vergletscherungen.
Schlüsselwörter
Außeralpine Vergletscherung, Schwarzwald, Bayerischer Wald, Riß-Kaltzeit, Würm-Kaltzeit, Feldberg, Wutach, Glazialmorphologie, Endmoränen, Karseen, Zungenbeckensee, periglaziale Prozesse, Erosion, Schmelzwässer, Quartär.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die deutschen Mittelgebirge, insbesondere Schwarzwald und Bayerischer Wald, von massiven Vergletscherungen betroffen waren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die glaziale Überformung, die Unterschiede zwischen Riß- und Würm-Kaltzeit sowie den Einfluss eiszeitlicher Prozesse auf die Flussentwicklung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist der Nachweis, dass eine außeralpine Vergletscherung in den genannten Mittelgebirgen stattgefunden hat, und die Analyse ihres Ausmaßes.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geomorphologische Analyse auf Grundlage stratigraphischer Untersuchungen und der Auswertung von Zeugnissen glazialer Überformung.
Was ist der Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Betrachtung der beiden Kaltzeitkomplexe in Schwarzwald und Bayerischem Wald sowie eine spezifische Fallstudie zur Wutach-Ablenkung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Riß-Kaltzeit, Würm-Kaltzeit, Glazialmorphologie, Moränen und Erosionsprozesse sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Wie unterscheidet sich die Vergletscherung im Schwarzwald von der im Bayerischen Wald?
Der Schwarzwald wies eine plateauartige Vereisung um den Feldberg auf, während der Bayerische Wald vorwiegend durch kleinflächige Kar- und Talvergletscherungen geprägt war.
Welchen Einfluss hatten die Kaltzeiten auf die Wutach?
Die Kaltzeiten führten durch Aufschotterungen und das Ausbrechen von Eisstauseen zu einer drastischen Ablenkung des Flusslaufs und verstärkten die rückschreitende Erosion.
Was ist die Bedeutung des Titisees in diesem Kontext?
Der Titisee dient als Zungenbeckensee als direkter Beleg für den Maximalstand des Feldberggletschers während der Würm-Kaltzeit.
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- Andreas Huhn (Author), 2009, Außeralpine Vergletscherung in Süddeutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138671