Die politische Kriegsrede und ihre Merkmale

Eine Untersuchung am Beispiel der Rede Winston Churchills vom 18. Juni 1940 („Their Finest Hour“)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009
29 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Teil – Kriegsrhetorik und Kriegsrede
2.1. Grundlagen der politischen Rhetorik
2.2. Die politische Rede
2.3. Die Kriegsrede als eigener Redetyp

3. Analyse: Die Rede Churchills vom 18. Juni 1940 („Their Finest Hour“)
3.1. Der Redner
3.2. Situation und Historischer Kontext der Rede
3.3. Thema und Intention
3.4. Argumentationsstruktur und rhetorische Stilmittel
3.5. Bewertung der Rede
3.6. Vergleich mit der „Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede“ vom 13. Mai 1940

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Wann immer eine Regierung beschließt, im Rahmen eines Krieges oder einer anderweitigen militärischen Auseinandersetzung Waffengewalt anzuwenden oder anzudrohen, erfordert die Situation in der Regel eine Rechtfertigung dieses Vorhabens. Aus diesem Grund wendet sich das jeweilige Staatsoberhaupt häufig in einer entsprechenden Rede an die Bevölkerung oder zumindest die einflussreichen Gruppen des Landes um die Gründe für den Krieg darzulegen und die Adressaten für diesen zu mobilisieren. Diese Ansprachen sind im Grunde genom-men so alt wie der Krieg selbst. So lässt sich Klein zufolge eine Tradition der mobilisierenden Kriegsrede ausmachen, die bis zu den thukydideischen Periklesreden und den Philippini-schen und Olynthischen Reden des Demosthenes zurückreicht (vgl. Klein 2003: 1515).

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob sich diese Ansprachen durch typische Merkmale auszeichnen, anhand derer man sie von anderen, im Rahmen der öffentlich-politischen Kommunikation gehaltenen Reden, abgrenzen kann und wenn ja, um welche es dabei handelt. Die Klärung dieser Frage steht dementsprechend im Mittelpunkt des ersten Teils dieser Arbeit. Dabei soll sich dem Phänomen der Kriegsrede schrittweise angenähert werden. So besteht der erste Schritt darin, zunächst ganz allgemein zu untersuchen, was unter dem Begriff der politischen Rhetorik verstanden werden muss. Dies ebnet den Weg für den nächsten Schritt, in dem aufgezeigt werden soll, was eine politische Rede ausmacht und wie sich der Charakter derartiger Ansprachen seit der Antike gewandelt hat. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass die Kriegsrede nur eine Unterkategorie der politischen Rede dar-stellt und dementsprechend in der modernen politischen Kommunikation neben zahlreichen anderen Redetypen steht. Im dritten und letzten Schritt soll schließlich herausgearbeitet wer-den, was eine Kriegsrede zu einer solchen macht, also welche Merkmale und Argumentati-onsmuster für diesen Redetyp charakteristisch sind.

Die Intention des zweiten Teils dieser Arbeit besteht dann darin, aufzuzeigen, wie Kriegsre-den in der Realität aussehen. Dazu soll vor dem Hintergrund der herausgearbeiteten theore-tischen Annahmen eine der bekanntesten Kriegsreden des 20. Jahrhunderts entsprechend analysiert werden: Die Ansprache Winston Churchills vom 18. Juni 1940, die nach einem berühmten Passus aus ihrem letzten Satz auch als „Their Finest Hour“-Rede bekannt ist. Dabei werden zunächst grundlegende Aspekte wie Redner, historischer Kontext sowie The-ma und Intention der Rede betrachtet. Anschließend werden der argumentative Aufbau so-wie die sprachlich-rhetorischen Mittel, die verwendet werden, genau untersucht. Vor diesem Hintergrund soll die Rede zudem bewertet werden. Der letzte Schritt besteht schließlich dar-in, die Rede mit der wohl berühmtesten Ansprache Churchills überhaupt zu vergleichen: Der so genannten „Blut-Schweiß-und-Tränen-Rede“ vom 13. Mai 1940.

2. Theoretischer Teil – Kriegsrhetorik und Kriegsrede

2.1. Grundlagen der politischen Rhetorik

Der Begriff der Rhetorik entstammt der Antike und wurde vom römischen Rhetoriklehrer Quintilian mit dem Satz „Rhetorice ars est bene dicendi“ – Rhetorik ist die Kunst, gut zu re-den – definiert (vgl. Ottmers 2007: 6). Doch was macht eine „gute“ Rede aus?

In erster Linie war damit die Fähigkeit des Redners gemeint, persuasiv, also überzeugend, zu reden. Ottmers bezeichnet das rhetorische Sprechen und Schreiben daher auch als eine „auf Wirksamkeit bedachte Form des Kommunizierens“ (Ottmers 2007: 6). Die rhetorisch-persuasive Potenz einer Rede spielte vor allem in den politischen und forensischen Ausei-nandersetzungen der griechischen Stadtdemokratien und der römischen Republik eine zent-rale Rolle, wo es in erster Linie darum ging, sein Gegenüber von der eigenen Position zu überzeugen. In anderen Kontexten hingegen, etwa im antiken Schulbetrieb oder in der Lyrik, bezog sich der Begriff des „guten“ Redens hauptsächlich auf den Stil und die Ästhetik des jeweiligen Textes (vgl. Klein 1995: 62). Im Rahmen der öffentlich-politischen Kommunikation haftet dem Begriff der Rhetorik auch heute noch diese Doppeldeutigkeit an. Während näm-lich im alltagssprachlichen Gebrauch des Begriffes der Rhetorik eher die stilistische Kompe-tenz gemeint ist, bezieht man sich dabei in der wissenschaftlichen Fachsprache eher auf die Überzeugungskraft des Gesagten (vgl. Klein 1995: 62f).

Neben diesen beiden Aspekten weist das „gute“ Reden jedoch noch eine weitere Bedeu-tungsdimension auf. So wird sich damit oft auch auf die ethische „Richtigkeit“ des Gesagten und die moralische Qualifikation des Redners bezogen (vgl. Ottmers 2007: 6f). Hier ergibt sich allerdings das Problem, dass in der herkömmlichen Redekritik in der Regel politische Reden nur dann als „gut“ oder „groß“ im rhetorischen Sinne angesehen werden, wenn sie sich sowohl durch persuasiven Erfolg als auch durch ethisch-moralische Richtigkeit (aus der Sicht des Kritikers) auszeichnet. Dadurch werden allerdings mündliche Vorträge, die zwar in persuasiver Hinsicht durchaus große Wirksamkeit zeigen, unter ethisch-moralischen Ge-sichtspunkten jedoch verwerflich sind, von vornherein nicht als gute Reden betrachtet. Red-ner wie Hitler oder Goebbels etwa werden dementsprechend in der Regel nicht als „große“ oder „gute“ Oratoren, sondern schlicht als Demagogen angesehen (vgl. Klein 1995: 63). Vor diesem Hintergrund plädiert Kopperschmidt für eine andere Redekritik, bei der die ethisch-moralische Komponente einbezogen wird, ohne sie zum Hauptkriterium für die rhetorische Beurteilung einer Rede zu machen. Eine Rede muss demzufolge in kommunikativ übergrei-fende Verständigungsprozesse eingebettet sein, um überhaupt persuasive Wirkung erzielen und damit als rhetorisch „gut“ angesehen werden zu können. Dies geschieht in der Praxis etwa durch den Verzicht des Anspruches auf Unfehlbarkeit in der Rede und durch institutio-nelle Garantien für Redefreiheit für alle politischen Gruppen. Konkret bedeutet dies: Eine politische Rede kann nur dann als „gut“ bezeichnet werden, wenn sie den Adressaten in ei-ner Kommunikationssituation überzeugen kann, in der auch für den politischen Gegner die Möglichkeit besteht, seinen Standpunkt in einer Gegenrede dazustellen und zu legitimieren (vgl. Kopperschmidt 1990: 493ff). Zusammengefasst nennt Klein vor diesem Hintergrund drei Kriterien für die klassische rhetorische Beurteilung politischer Reden: (1) Stilästhetische Nor-men, (2) gelingende Persuasion und (3) strukturelle Dialogizität (vgl. Klein 1995: 64).

2.2. Die politische Rede

In der antiken rhetorischen Gattungslehre wurde die Rhetorik in drei wesentliche Redegat-tungen untergliedert, die Gerichts- die Fest- und die Beratungsrede. Als politische Rede wur-de zu dieser Zeit ausschließlich letztere angesehen, also die politische Beratungsrede vor der Volksversammlung oder einem anderen politischen Gremium. Diese hatte zum Ziel, durch An- oder Abraten das Publikum zugunsten einer bestimmten politischen Entscheidung im Sinne des Redners zu beeinflussen. Sie hatte also eindeutig persuasiven Charakter. Die Praxis der politischen Kommunikation hat jedoch gezeigt, dass die Beschränkung der politi-schen Rede auf die Beratungsrede im oben genannten Sinne nicht wirklich sinnvoll ist. So lassen sich in der Geschichte auch zahlreiche Reden mit außerordentlicher politischer Be-deutung ausmachen, die nach der klassischen Gattungslehre als Gerichts- oder Festreden, nicht aber als politische Reden klassifiziert werden müssten. Weitere Reden mit politischer Bedeutung lassen sich wiederum überhaupt nicht in das rhetorische Gattungsschema ein-ordnen. Daher soll die politische Rede hier, genau wie bei Klein, verstanden werden als län-gere mündliche Ausführung mit politischem Inhalt vor einem Publikum (Klein 2003: 1466).

Vor dem Hintergrund der stetig wachsenden Medienvielfalt und der Zunahme der politischen Aufgaben, die es auf kommunikativem Wege zu lösen gilt, hat sich vor allem im 20. Jahrhun-dert eine große Vielfalt unterschiedlicher Rede- und Texttypen im Bereich der politischen Kommunikation herausgebildet (Klein 2003: 1500). Angesichts dieser typologischen Vielfalt finden sich in der einschlägigen Literatur einige Ansätze, in denen politische Textsorten sys-tematisiert und anhand ihrer typischen Merkmale klassifiziert werden, etwa bei Klein (2000). Klein unterscheidet die verschiedenen Text- und Redetypen in der politischen Kommunikati-on anhand verschiedener Klassifikationskriterien, wobei seine primäre Kategorie der jeweili-ge Emittent ist, also der Autor (bei schriftlichen Texten) beziehungsweise der Redner (bei mündlichen Reden). Weitere Kriterien sind der oder die Adressat(en) sowie die kommunika-tive Grundfunktion des jeweiligen Textes. Hinzu kommen darüber hinaus Kriterien wie die Textart, das Thema oder bestimmte Texthandlungsmuster, also die kommunikativen Hand-lungen, die mit dem Text vollzogen werden (vgl. Klein 2000: 724f). Klein identifiziert dabei insgesamt 73 verschiedene politische Textsorten, von denen sich einige nur geringfügig voneinander unterscheiden. Darunter findet sich auch eine Vielzahl politischer Redetypen (vgl. Klein 2000).

Dieser Wandel von politischer Beratungsrede zur heutigen Typenvielfalt ist allerdings nicht der einzige Unterschied zwischen der modernen politischen Kommunikation und der klassi-schen Rhetorik. Klein zeigt anhand verschiedener weiterer Dimensionen politischer Reden, wie sich deren Charakter im Laufe der Zeit gewandelt hat: (vgl. Klein 1995: 71-82):

(1) Zeit: In der klassischen Rhetorik wurden politische Reden als punktuelle Ereignisse auf-gefasst, an deren Ende eine politische Entscheidung getroffen wurde, etwa im Sinne von Abstimmungen in der Volksversammlung (Punktualität). In den heutigen parlamentari-schen Demokratien hingegen werden politische Entscheidungen am Ende langwieriger Verfahren getroffen, die oft im Kontext gesellschaftlicher Diskurse stehen. Die einzelne Rede ist dabei nur ein kleiner Teil eines langwierigen Entscheidungsfindungsprozesses und steht neben vielen anderen Redebeiträgen mit dem gleichen Thema (Prozessuali-tät).
(2) Kontext: Die klassische politische Rede der Antike wurde als von anderen Reden isolier-ter Text begriffen (Monotextualität), während politische Reden heutzutage eher intertex-tuelle Bezüge aufweisen, etwa wenn in einer Rede die Aussagen des politischen Geg-ners kritisiert werden (!ntertextualität).
(3) Redner: In der traditionellen Rhetorik wurde der Redner als individuelles Subjekt ange-sehen (!ndividualität), während sich Politiker heute in der Regel als Repräsentanten ihrer Parteien und/oder des Staates äußern (Repräsentanz).
(4) Adressat: Im Falle der politischen Beratungsrede der rhetorischen Gattungslehre wur-den die Adressaten als weitgehend homogene Gruppe betrachtet (Adressatenhomogeni-tät). In der heutigen Realität der politischen Kommunikation müssen politische Redner hingegen versuchen, ein breites Spektrum von Adressaten, die sich hinsichtlich Alter, ökonomischer Stärke, Berufsstand, Konfession, politischer Gesinnung, usw. unterschei-den, mit ihrer Botschaft zu erreichen und ihre Rede darauf abzustimmen (Adressatenplu-ralität).
(5) Medium: Während in der klassischen Rhetorik vom direkten Kontakt zwischen Redner und Adressat(en) in face-to-face-Situationen ausgegangen wurde (Direktkontakt), zielt die moderne politische Kommunikation darauf ab, die Adressaten durch die Übertragung von Reden in den Massenmedien zu erreichen (Massenmedialität).
(6) Ziel: Mit der klassischen politischen Beratungsrede war die Absicht verbunden, das Pub-likum von der eigenen Sache zu überzeugen (Persuasion). In der heutigen politischen Kommunikation hingegen haben politische Reden nicht in jedem Fall eine persuasive In­tention, sondern zielen Vielmehr darauf ab, erfolgreich zu sein (politischer Erfolg). Damit ist zwar in vielen Fällen das Überzeugen der Adressaten gemeint, aber eben nicht immer. So kann es unter Umständen für den politischen Erfolg auch vorteilhafter sein, aus-weichende Formulierungen zu wählen oder den Adressaten zu langweilen.

Diese Veränderung der grundlegenden Charakteristika politischer Reden erfordert auch eine Anpassung der angesprochenen Kriterien der rhetorischen Redekritik. Dabei behält das Kri-terium der strukturellen Dialogizität zwar weiterhin Gültigkeit für die Beurteilung politischer Reden sowie auch die stilästhetischen Normen, die allerdings angesichts der Typenvielfalt politischer Reden sowie der Massenmedialität einer Anpassung bedürfen. Das Kriterium der Persuasion aber kann nicht mehr als alleiniges Kriterium für erfolgreiches politisches Reden herangezogen werden. Daher schlägt Klein vor, die Kriterien der Redekritik um die oben dargelegten Charakteristika zu erweitern. „Gut“ zu reden bedeutet in der heutigen politischen Kommunikation dementsprechend nicht nur, strukturelle Dialogizität zu realisieren und einen Stil zu präsentieren, der Medium und Textsorte angemessenen ist, sondern auch Prozessua-lität, Intertextualität, Repräsentanz und Adressatenpluralität im Hinblick auf den mit der Rede beabsichtigten Erfolg optimal zu berücksichtigen (vgl. Klein 1995: 34).

Ein weiterer Punkt, der hier angesprochen werden muss, besteht in der Argumentations-struktur politischer Reden, die trotz der heutigen Typenvielfalt stets ähnlich ausfällt. Argu-mentieren, also das Legitimieren des eigenen, beziehungsweise Delegitimieren des gegneri-schen Handelns steht in jeder politischen Rede im Vordergrund. Der Redner versucht dabei, die eigene Position argumentativ zu stützen und diejenige des Gegners zu kritisieren. In der Geschichte der politischen Rede lässt sich dabei stets eine bestimmte Konstellation von ver-schiedenen Typen von Argumenten ausmachen, die auch als Topoi (Singular: Topos) be-zeichnet werden.

Bei der Legitimierung politischen Handelns lässt sich dabei, unabhängig von politischen Inte-ressen und Ideologien, in nahezu allen überlieferten politischen Reden von der Antike bis zur Gegenwart eine feste Konstellation hierarchisch miteinander verknüpfter Topoi erkennen. Als obligatorische Bestandteile politischer Reden nennt Klein (vgl. Klein 2007: 132):

- Datentopos: Die Darstellung der Ausgangssituation
- Motivationstopos: Die Handlungsbereitschaft auslösende Bewertung dieser Situa­tion
- Finaltopos: Die Benennung der Ziele des politischen Handelns
- Prinzipientopos: Leitende Prinzipien und Werte, die der Situationsbewertung und/oder der Zielsetzung zugrunde liegen

Diese vier Topoi lassen sich in nahezu jeder politischen Rede ausmachen und scheinen Klein zufolge vor allem nach Ende des Zweiten Weltkrieges kulturübergreifend universelle Gültigkeit erlangt zu haben. So werden politische Handlungen stets begründet durch bestimmte Ziele (→ Finaltopos), die aus Situationsbewertungen (→ Motivationstopos) abgeleitet werden, die sich wiederum einerseits auf die Darstellung der Ausgangssituation (→ Datentopos) und andererseits auf handlungsleitenden Prinzipien, Normen und Werte (→ Prinzipientopos) stützen. Hinzu kommen häufig weitere Argumenttypen, wie etwa der Hinweis auf Konsequenzen des politischen Handelns oder Nicht-Handelns (→ Konsequenztopos), die Berufung auf Autoritäten wie Experten oder Gott (→ Autoritätstopos) oder die Anführung von Beispielen (→ Exemplumtopos) (vgl. Klein 2008: 5). Politische Reden sind also niemals nur durch einen Topos gekennzeichnet, sondern wei-sen stets ein komplexes topisches Muster auf (vgl. Klein 2003: 1468)

2.3. Die Kriegsrede als eigener Redetyp

Obwohl man also in der heutigen politischen Kommunikation zwischen zahlreichen Arten politischer Reden unterscheiden kann, wird der hier untersuchte Redetyp, die Kriegsrede, in den meisten Ansätzen, die sich mit der Klassifikation politischer Textsorten befassen, nicht näher behandelt oder taucht sogar überhaupt nicht auf. Bei Klein wird beispielsweise ledig-lich kurz auf die formale Kriegserklärung eingegangen (vgl. Klein 2000: 740). Dieser offizielle Akt mit deklarativer Funktion ist jedoch scharf von der hier untersuchten Kriegsrede, die dar-auf abzielt, die Adressaten für einen bevorstehenden Militäreinsatz zu mobilisieren, abzu-grenzen. Letztere scheint allerdings in der deutschen Sprachwissenschaft (noch) keinen großen Stellenwert aufzuweisen, was sich auch darauf zurückführen lassen könnte, dass öffentliche Kriegslegitimationen hierzulande, zumindest in der jüngeren Geschichte, keine wirkliche Tradition haben. Schließlich hat Deutschland, abgesehen vielleicht von der Beteili-gung an den NATO Luftangriffen im Kosovo 1999 und dem derzeitigen Einsatz der Bundes-wehr in Afghanistan, seit Ende des Zweiten Weltkrieges keinen Krieg mehr geführt oder sich an einem beteiligt. Dementsprechend beziehen sich die meisten systematischen Analysen politischer Kriegsbotschaften, die sich in der sprachwissenschaftlichen Literatur finden, hauptsächlich auf Kriegsreden, die in den Vereinigten Staaten von dem jeweiligen Präsiden-ten zur Legitimierung US-amerikanischen Engagements in diversen militärischen Auseinan-dersetzungen gehalten wurden und werden. So beschäftigen sich beispielsweise Volmert (1993a, 1993b) und Götsch (1993) intensiv mit diesen so genannten justification speeches, die in den USA seit der Unabhängigkeitserklärung eine lange Tradition haben. Einer der we-nigen Ansätze, in denen bislang explizit deutsche Kriegsbotschaften systematisch analysiert und verglichen wurden, ist der von Wengeler (2005), der verschiedene Kriegsreden von Kai­ser Wilhelm II bis Gerhard Schröder auf gemeinsame Merkmale hin untersucht.

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Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die politische Kriegsrede und ihre Merkmale
Untertitel
Eine Untersuchung am Beispiel der Rede Winston Churchills vom 18. Juni 1940 („Their Finest Hour“)
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Die politische Rede
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
29
Katalognummer
V138675
ISBN (eBook)
9783640477319
ISBN (Buch)
9783640476992
Dateigröße
579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kriegsrede, Merkmale, Eine, Untersuchung, Beispiel, Rede, Winston, Churchills, Juni, Finest, Hour“)
Arbeit zitieren
Christopher Schwarzkopf (Autor), 2009, Die politische Kriegsrede und ihre Merkmale, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138675

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