Eine Persönlichkeit des 13.Jahrhunderts, die heute noch für ihre Mildtätigkeit als Heilige verehrt wird, ist Elisabeth von Thüringen.
Elisabeth von Thüringen war eine Person, die schon bei ihren Zeitgenossen einen bleibenden Eindruck hinterließ, der bis heute erhalten blieb. Dieser schlägt sich zum Beispiel in den zahlreichen Darstellungen ihres Lebens nieder. Im Jahr 2007 wurden anlässlich ihres 800. Geburtstags mehrere Ausstellungen, deren Inhalt ihr Leben und Schaffen war, eröffnet.
Wie ist Elisabeth dargestellt und welche Motive kehren wieder? Wie wurde sie von ihren Zeitgenossen wahrgenommen und welche Aspekte waren für diese von Bedeu-tung? Diese Fragen möchte ich anhand der Quellen zu beantworten versuchen.
Struktur der Untersuchung
1 Einleitung
2 Das Leben der Elisabeth von Thüringen
3 Die „imitatio Christi“ als Einfluss auf Elisabeths Leben
4 Die Darstellung Elisabeths in den Quellen
4.1 Schriftliche Quellen
4.1.1 Die „Summa Vitae“
4.1.2 Das “Libellus de dictis quator ancillarum sanctae Elisabeth confectus”
4.2 Elisabeths Darstellung in den Bildquellen
4.2.1 Das Elisabethfenster in Marburg
4.2.2 Der Elisabethschrein
4.2.3 Der Lübecker Elisabethzyklus
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wahrnehmung und bildliche wie schriftliche Repräsentation der Elisabeth von Thüringen als Heilige. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie ihre historische Identität, geprägt durch das Armutsideal und die Nächstenliebe, in zeitgenössischen Quellen und der nachfolgenden christlichen Kunst konstruiert und tradiert wurde.
- Analyse der zentralen schriftlichen Zeugnisse zum Leben der Elisabeth.
- Untersuchung der motivischen Darstellung karitativen Handelns in der mittelalterlichen Kunst.
- Betrachtung der Einflüsse der "imitatio Christi" auf Elisabeths Lebenswandel.
- Vergleich der bildlichen Repräsentationen (Glasfenster, Schrein, Zyklus) hinsichtlich ihrer Aussagekraft.
- Einordnung der Heiligenverehrung im Kontext der mittelalterlichen Armenfürsorge.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Summa Vitae
Die Summa Vitae wurde 1232 von Konrad von Marburg anlässlich des Kanonisationsverfahrens verfasst und bezieht sich lediglich auf die letzen fünf Lebensjahre Elisabeths. Da aber vor allem der spätere Teil ihres Lebens besonders intensiv vom Armutsgedanken und karitativer Aktivität beeinflusst war, ist sie trotzdem als Quelle geeignet.
Konrad schildert in seinem Text zunächst ihre Tätigkeit zu Lebzeiten Ludwigs: Elisabeth spendete nicht nur ihre gesamten Einkünfte aus ihren Ländereien, sondern verkaufte auch ihren Schmuck und ihre Kleider, um die Bedürftigen zu unterstützen. Zusätzlich dazu legte sie selbst Hand an und suchte das Hospital zweimal täglich auf, um dort Kranke zu versorgen.
Nach dem Tod ihres Mannes wollte Elisabeth zuerst als Bettlerin leben, was er als ihr Beichtvater jedoch ablehnte, so berichtet Konrad. Daraufhin schwor Elisabeth ihrem fürstlichen Leben ab und wollte auf ihren gesamten Besitz verzichten, was Konrad jedoch ebenfalls nicht gestattete. Er ordnete stattdessen an, dass ihr Witwengeld den Armen gespendet werden sollte, um die Schulden ihres Mannes zu begleichen.
Kapitelübersicht
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der mittelalterlichen Armenfürsorge und die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Quellenanalyse.
2 Das Leben der Elisabeth von Thüringen: Biografischer Abriss über die Lebensstationen Elisabeths, ihre Ehe und ihr späteres Wirken als Hospitalsschwester.
3 Die „imitatio Christi“ als Einfluss auf Elisabeths Leben: Theoretische Herleitung des Armutsideals und der christlichen Caritas als Antrieb für das Handeln Elisabeths.
4 Die Darstellung Elisabeths in den Quellen: Untersuchung der schriftlichen Zeugnisse (Summa Vitae, Libellus) und bildlicher Quellen (Glasfenster, Schrein, Zyklus) als Repräsentation der Heiligen.
5 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der Quellenaussagen und Reflektion über das bis heute bestehende Bild der Mildtätigkeit Elisabeths.
Schlüsselwörter
Elisabeth von Thüringen, Mittelalter, Armenfürsorge, Krankenpflege, Barmherzigkeit, imitatio Christi, Armutsideal, Summa Vitae, Libellus, Elisabethkirche Marburg, Bildquellen, Heiligenverehrung, Frömmigkeit, Nächstenliebe, Kanonisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Persönlichkeit Elisabeth von Thüringen und der Art und Weise, wie ihr Leben und ihre Frömmigkeit in schriftlichen und bildlichen Quellen des Mittelalters dargestellt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der christlichen Nächstenliebe, der Ausübung der sieben Werke der Barmherzigkeit sowie der Umsetzung des franziskanischen Armutsideals durch Elisabeth.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, anhand ausgewählter Quellen herauszuarbeiten, welche Motive in der Darstellung Elisabeths dominieren und wie diese ihre Wahrnehmung durch Zeitgenossen und nachfolgende Generationen prägten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse angewandt, bei der schriftliche Lebensbeschreibungen und bildkünstlerische Zyklen in ihrem jeweiligen Kontext auf ihren Gehalt und ihre Intention hin untersucht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung biografischer Eckpunkte, der theoretischen religiösen Grundlagen (imitatio Christi) sowie die detaillierte Auswertung von schriftlichen Quellen und bildlichen Darstellungen wie dem Elisabethfenster und dem Schrein.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Armenfürsorge, Barmherzigkeit, Heiligenverehrung, Elisabeth von Thüringen und die karitative Praxis im Mittelalter.
Warum spielt das "Libellus" eine besondere Rolle für die Forschung?
Das Libellus enthält die Zeugenaussagen von Leibdienerinnen, die einen unmittelbaren, wenngleich subjektiven Einblick in Elisabeths Alltag und ihre tatsächliche karitative Arbeit geben.
Wie unterscheidet sich die Darstellung im Lübecker Zyklus vom Elisabethfenster?
Während das Elisabethfenster die Werke der Barmherzigkeit eher allgemein und als Symbole darstellt, fokussiert sich der Lübecker Zyklus stärker auf konkrete Episoden aus dem Leben der Heiligen.
Welche Bedeutung hat der Verzicht auf Attribute im Elisabethschrein?
Dass Elisabeth auf den Reliefs des Schreins oft ohne Heiligenschein und in einfacher Kleidung dargestellt wird, unterstreicht ihre Rolle als demütige Dienerin und betont ihre Menschlichkeit trotz ihrer Heiligenverehrung.
Inwiefern beeinflusste Konrad von Marburg die Wahrnehmung Elisabeths?
Konrad verfasste die "Summa Vitae" explizit im Kontext des Kanonisationsverfahrens, was dazu führte, dass die Darstellung Elisabeths stark auf ihre religiöse Vorbildfunktion und ihre Selbstaufgabe ausgerichtet wurde.
- Quote paper
- Katharina Grafmüller (Author), 2009, Elisabeth von Thüringen in schriftlicher und bildlicher Darstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138676