Diese empirische Arbeit diskutiert den Konsum von Cannabis unter Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland. Es wird die Arbeit der Jugendgerichtshilfe und dabei insbesondere das aktuelle politische Vorhaben der Legalisierung von Cannabis in Deutschland beleuchtet. Das Ziel dieser Thesis liegt in der Ermittlung des Handlungsbedarfs aus Sicht der Jugendgerichtshilfe bei einer Cannabis-Legalisierung. Hierzu wurden im Rahmen der qualitativen Forschung ausgewählte Expert:innen der Jugendgerichtshilfe und deren Kooperationspartner aus Justiz und Suchtberatung zur Thematik interviewt. Die Analyse erfolgte anhand der fokussierten Inhaltsanalyse nach Udo Kuckartz und Stefan Rädiker mithilfe des Programms MAXQDA zur Erstellung von Codier- und Kategoriensystemen. Die Auswertung der Interviews weist speziell im Bereich der Präventions- und Aufklärungsangebote sowie bei der geplanten Altersgrenze für eine legale Cannabisabgabe Handlungsbedarf auf und zeigt, dass eine Cannabis-Legalisierung insbesondere für die Altersgruppen der Jugendlichen und Heranwachsenden mit Herausforderungen und Risiken verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Die Jugendgerichtshilfe
3.1 Geschichtliche Grundlagen
3.2 Struktur und Körperschaft
3.3 Rechtliche Einbettung und Aufgabenbereich
3.4 Umgang mit Verfahren wegen Rauschmitteln
4. Cannabiskonsum unter Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland
4.1 Aktuelles Konsumverhalten unter Jugendlichen und Heranwachsenden
4.2 Auswirkungen durch den Konsum von Cannabis
5. Cannabis-Legalisierung in Deutschland
5.1 Die Pläne der Bundesregierung
5.2 Ein Blick auf das Ausland
6. Methodologie
6.1 Die qualitative Sozialforschung
6.2 Methodisches Vorgehen
6.2.1 Vorbereitung
6.2.2 Erhebung und Aufbereitung der Daten
6.2.3 Auswertung und Analyse
7. Darstellung der Ergebnisse
7.1 Aktuelle Situation in der Tätigkeit
7.2 Gründe für den Konsum
7.3 Umgang mit Cannabisdelikten
7.4 Die Cannabis-Legalisierung
7.4.1 Gleichbleibendes und Veränderungen
7.4.2 Herausforderungen
7.4.3 Chancen
7.5 Handlungsbedarf
8. Schlussfolgerungen und Ergebnisinterpretation
9. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den fachlichen Handlungsbedarf der Jugendgerichtshilfe im Kontext der geplanten Cannabis-Legalisierung in Deutschland. Das Ziel ist die Ermittlung spezifischer Herausforderungen und Anforderungen an die sozialpädagogische Praxis bei der Betreuung junger Menschen im Falle einer rechtlichen Neuregelung.
- Aktueller Stand der Forschung zum Cannabiskonsum bei Jugendlichen
- Struktur und rechtliche Rahmenbedingungen der Jugendgerichtshilfe
- Empirische qualitative Analyse durch Experteninterviews
- Diskussion von Präventionsansätzen und Altersgrenzen
- Prognose möglicher Auswirkungen auf die jugendstrafrechtliche Praxis
Auszug aus dem Buch
3.2 Struktur und Körperschaft
Wie es bereits aus dem geschichtlichen Hintergrund hervorgeht, wird die Jugendgerichtshilfe gemäß § 38 Abs. 1 und 2 JGG als Angelegenheit der Jugendämter definiert, welche sich mit ihrer fachlich pädagogischen Sichtweise in das Verfahren einbringt (Trenczek, 2018, S. 413). Sie soll vor allem die Perspektive auf eine erzieherische und soziale Betrachtungsweise lenken und lässt so die wichtigen Gesichtspunkte der Jugendhilfe in das Gerichtsverfahren miteinfließen (Trenczek, 2018, S. 413).
Die Zugehörigkeit zu den Jugendämtern verdeutlicht der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Trenczek folgendermaßen:
Es gibt keine vom Jugendamt gesonderte „JGH“, die für JGH-Aufgaben verantwortlichen Fachkräfte haben keine vom Jugendamt losgelösten Aufgaben oder Befugnisse. Die Besonderheit dieses Arbeitsfeldes liegt vor allem darin, dass typische leistungsrechtliche Aspekte (z.B. § 52 Abs. 2 und 3 SGB VIII) mit anderen Aufgaben in der Kooperation mit der Strafjustiz in einem von dieser dominierten Arbeitsfeld verknüpft werden, in dem die Jugendhilfe allerdings eigene, vom SGB VIII definierte Aufgaben wahrzunehmen hat. (Trenczek, 2018, S. 412)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt die Relevanz des Themas dar und begründet die Untersuchung des Handlungsbedarfs der Jugendgerichtshilfe bei einer Legalisierung.
2. Forschungsstand: Gibt einen Überblick über bisherige Studien zum Cannabiskonsum Jugendlicher und deren Zusammenhang mit der Straffälligkeit.
3. Die Jugendgerichtshilfe: Beleuchtet die historischen Grundlagen, rechtliche Einbettung sowie das Aufgabenprofil der Institution im Jugendstrafverfahren.
4. Cannabiskonsum unter Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland: Analysiert das Konsumverhalten und die gesundheitlichen bzw. neurobiologischen Auswirkungen.
5. Cannabis-Legalisierung in Deutschland: Detailliert die gesetzgeberischen Vorhaben der Bundesregierung und zieht Vergleiche zu internationalen Erfahrungen.
6. Methodologie: Erläutert das qualitative Forschungsdesign mittels explorativer Experteninterviews und die Auswertung durch fokussierte Inhaltsanalyse.
7. Darstellung der Ergebnisse: Präsentiert die gewonnenen Erkenntnisse aus den Interviews zu den Themenfeldern Prävention, Legalisierung und Praxisalltag.
8. Schlussfolgerungen und Ergebnisinterpretation: Führt die empirischen Ergebnisse zusammen und bewertet diese kritisch im Kontext der bestehenden Literatur.
9. Fazit und Ausblick: Resümiert die Arbeit und formuliert Perspektiven für zukünftige wissenschaftliche Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Cannabis-Legalisierung, Jugendgerichtshilfe, Jugendstrafrecht, Cannabiskonsum, Suchtprävention, Jugendkriminalität, Diversion, Sozialpädagogik, Experteninterviews, Konsumverhalten, Handlungsbedarf, Jugendschutz, Suchtberatung, Adoleszenz, Qualitative Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern dieser Bachelorarbeit?
Die Arbeit untersucht, welchen Handlungsbedarf Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe in Bezug auf das politische Vorhaben der Cannabis-Legalisierung in Deutschland sehen.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Zentrum stehen der aktuelle Cannabiskonsum Jugendlicher, die methodische Arbeitsweise der Jugendgerichtshilfe sowie die kritische Auseinandersetzung mit der geplanten Gesetzesänderung.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, durch qualitative Experteninterviews herauszufinden, ob und inwieweit sich die Arbeitsgrundlagen für die Jugendgerichtshilfe durch eine Legalisierung verändern und wo Anpassungsbedarf besteht.
Welche Methode wird angewandt?
Die Autorin nutzt qualitative Sozialforschung, konkret explorative Experteninterviews, die nach der Methode der fokussierten Inhaltsanalyse (Kuckartz/Rädiker) mit der MAXQDA-Software ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Neben theoretischen Hintergründen zur Jugendgerichtshilfe und dem Forschungsstand zum Konsumverhalten enthält der Hauptteil eine detaillierte Auswertung von Experteninterviews mit Vertretern der Jugendgerichtshilfe, der Justiz und der Suchtberatung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert auf Begriffe wie Cannabis-Legalisierung, Jugendgerichtshilfe, Jugendstrafrecht, Suchtprävention und qualitative Analyse.
Warum fordern die befragten Experten ein höheres Mindestalter für die Abgabe?
Die Experten kritisieren das geplante Alter von 18 Jahren und fordern 21 Jahre, da sie aufgrund der Gehirnentwicklung in der Adoleszenz eine höhere Gefährdung sehen und die Aufklärungsarbeit gegenüber Jugendlichen bei einer zu niedrigen Grenze als unglaubwürdig empfinden.
Wie bewerten die Experten die aktuelle Zusammenarbeit mit der Justiz?
Die Zusammenarbeit wird als essentiell angesehen, wobei die Intensität des Austauschs je nach Region und Staatsanwaltschaft variiert und die Arbeit durch den Fokus auf den Erziehungsgedanken im Jugendstrafrecht geprägt ist.
- Arbeit zitieren
- Simona Linder (Autor:in), 2023, Cannabiskonsum unter Jugendlichen und Heranwachsenden in Deutschland. Handlungsbedarf bei einer Cannabis-Legalisierung aus Sicht der Jugendgerichtshilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1387139