Die Turbulenzen, die seit Mitte 2007 auf den Finanzmärkten zu beobachten sind, haben ihre Wurzeln in dem Markt für zweitklassige Hypothekenkredite bzw. Subprime Kredite und können als Auslöser des globalen Unsicherheits-Schocks angesehen werden. Die Wertsteigerungen der Immobilien gingen zurück und dadurch bedingt kam es zu Ausfällen bei Krediten von Privatpersonen mit schlechter Bonität, den sogenannten Subprime-Krediten. Die lockeren Kreditvergabestandards und mangelhafte Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer hatten zuvor zu einem stetigen Anstieg dieser Form von Krediten geführt. Zudem hat ein innovatives Instrument der Finanzbranche den Weiterverkauf von Krediten insbesondere von Subprime-Krediten ermöglicht und gefördert.
Die folgende Arbeit befasst sich mit dem Instrument, das ermöglicht Kredite oder jegliche Art von Schulden wie zum Beispiel Studentenkredite, Hypotheken, Kreditkartenforderungen und Autokredite und so weiter zu bündeln, diese international handelbar zu machen, um so die Risiken zu verteilen und verkaufen zu können. Dieses Instrument wird Verbriefung (engl. Securitization) genannt. Sie hat erstens dazu beigetragen, dass sich die Krise auf den internationalen Finanzmärkten ausbreiten konnte und zweitens sind Probleme auf dem Verbriefungsmarkt entstanden, weil die Qualitätsstandards des Verbriefungsprozesses nicht auf allen Stufen gleich geblieben sind. Sie führte dazu, dass die Kontrollanreize der Kreditnehmer abgeschwächt wurden und diese sich negativ auf die Kreditvergabestandards ausgewirkt haben. Die Weitergabe der Kreditrisiken zeigte Schwachstellen auf und so kam es, dass die komplizierten Finanzinstrumente die Funktionsfähigkeit von Teilen des Verbriefungsmarktes belasteten. Zu klären ist also, wie die Verbriefung von Subprime-Krediten und die damit einhergehende Risikoteilung zu der aktuellen Finanzkrise führen konnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Internationale Risikoteilung und die Verbriefung von Hypothekenschulden
2.1 Die Grundidee der Verbriefung
2.1.1 Verbriefungsformen
2.1.1.1 Asset Backed Securities
2.1.1.2 Mortgage Backed Securities
2.1.2 Der Ablauf des Verbriefungsprozesses
2.2 Empirische Befunde für die Existenz der internationalen Risikoteilung
2.2.1 Empirische Messungen der Verbriefung von Hypothekenkrediten
2.2.2 Empirische Messungen der internationalen Risikoteilung und Konsumglättung
2.2.3 Empirische Befunde für Verbriefung, Vermögenspreiszyklen und der internatinalen Risikoteilung
2.2.4 Zusammenfassender Überblick der Ergebnisse
3 Die Verbriefung und die Herabsetzung der Qualitätsstandards
3.1 Unstimmigkeiten in dem Verbriefungsprozess
3.1.1 Das Originate-to-Distribute-Modell
3.1.2 Die Principal-Agent Probleme
3.2 Der Effekt der Verbriefung auf das Screening im Rahmen von Subprime Krediten
3.2.1 Der FICO Score zur Ermittlung der Ausfallwahrscheinlichkeit
3.2.2 Der Effekt der harten und weichen Informationen auf die Vergabestandards
3.3 Der Effekt der Verbriefung auf die Vergabestandards
3.3.1 Das Datenmaterial für die empirische Analyse von KEYS et al.
3.3.2 Das Modell nach KEYS et al.
3.3.2.1 Empirische Befunde für die Veränderung in der Verbriefung
3.3.2.2 Empirische Befunde für Vertragsbedingungen und Kreditnehmereigenschaften
3.3.2.3 Empirische Befunde für die Messung der Leistung der Kredite
3.3.2.4 Die vollständig dokumentierten Kredite und die harten Informationen
3.3.3 Der Einfluss von unterschiedlichen Kreditgebern auf die Ergebnisse
3.3.4 Die Regulierung der Kreditgeber und deren Einfluss auf die Verbriefung
3.3.5 Zusammenfassender Überblick
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Verbriefung von Hypothekenschulden und der Entstehung sowie Ausbreitung der internationalen Finanzkrise, die ihren Ursprung im US-Subprime-Markt hatte. Ziel ist es zu analysieren, wie Verbriefungsprozesse die Kreditvergabestandards beeinflusst und zu einer mangelhaften Risikobewertung beigetragen haben.
- Grundlagen des Verbriefungsprozesses und der Rolle der Zweckgesellschaften (SPVs)
- Einfluss der Verbriefung auf die internationale Risikoteilung und Konsumglättung
- Analyse der Principal-Agent-Probleme und des Originate-to-Distribute-Modells
- Untersuchung der Screening-Qualität im Subprime-Markt anhand des FICO-Scores
- Rolle von Kreditgebern (Banken vs. unabhängige Kreditgeber) und deren Regulierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Unstimmigkeiten in dem Verbriefungsprozess
In der aktuellen Krise kann von einer Spekulationskrise gesprochen werden. Die Besonderheit der Spekulationskrise liegt darin, dass der Spekulationsgewinn im Nutzungs- und Zirkulationsprozess die Oberhand gewinnt. Das heißt, dass am Markt nicht mehr überwiegend gekauft und verkauft wird, um wieder zu konsumieren oder zu investieren, sondern wieder verkauft bzw. gekauft wird, weil einem das Wissen, dass dadurch beachtliche Gewinne erzielt werden können, Hoffnung gibt. Die gegenwärtige Spekulationskrise ist durch die im US-Subprime-Markt gewährten faulen Hypothekenkredite entstanden. Die Banken, die mit den verbrieften Pools gehandelt haben, hatten darauf gehofft, dass sie durch die Vergabe der Kredite, vor allem der Subprime-Kredite, mehr Gewinne erzielen können. Die Vergabe der Subprime Kredite stellte für sie ein Segment dar, in dem sie ohne viel Kontrolle der Kreditnehmer Kredite vergeben konnten, wobei sie durch die Verbriefung diese risikoreichen Kredite wieder loswerden konnten. Die Verbriefung ermöglichte erst diese Fülle des Spekulationsbooms und führte beim Absturz der Preise dazu, dass die Kreditgeber hohen Wertverlusten ausgesetzt waren.
In diesem Punkt kommt der Beitrag der Verbriefung, den sie zur internationalen Finanzkrise geleistet hat, ins Spiel. Sie hat die MBS-Produkte und vor allem die risikoreichen Subprime-Kredite global verteilt und hat so zu Verwerfungen auf dem US-Hypothekenmarkt geführt. Durch die Verbriefung hatten die Banken auf einmal die Gelegenheit, mehr Kredite herauszugeben, ohne ihr eigentliches Eigenkapital zu erhöhen. Diese steigende Vergabe von Krediten, und dies vor allem im Subprime-Bereich, konnte erst durch die Verbriefung, die zu lockeren Kreditvergabestandards geführt hat, ermöglicht werden. Bei den Subprime-Krediten brauchte man keine Einkommensnachweise vorzulegen und so kam es, dass Haushalte mit schlechter oder eben gar keiner Bonität Hypotheken erhalten haben. Die Verbriefungen geschahen so massenhaft, dass aus den einfachen Schulden komplexe Mischformen entstanden, so dass am Ende nicht festgestellt werden konnte, welchen Wert die Produkte hatten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Ursprünge der Finanzkrise in zweitklassigen Hypothekenkrediten und stellt das Instrument der Verbriefung als zentralen Faktor für die Ausbreitung der Krise vor.
2 Internationale Risikoteilung und die Verbriefung von Hypothekenschulden: Dieses Kapitel erläutert das Grundkonzept der Verbriefung und analysiert empirisch, wie dieser Prozess die internationale Risikoteilung beeinflusst hat.
3 Die Verbriefung und die Herabsetzung der Qualitätsstandards: Das Kapitel untersucht die negativen Auswirkungen der Verbriefung auf Kreditvergabestandards, insbesondere durch Principal-Agent-Probleme und die Nutzung des Originate-to-Distribute-Modells.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Verbriefung zwar zur internationalen Risikoteilung beitrug, aber durch Anreizverzerrungen und lockere Screening-Standards die Grundlage für die globale Subprime-Finanzkrise legte.
Schlüsselwörter
Verbriefung, Subprime-Kredite, Finanzkrise, Risikoteilung, Hypothekenschulden, FICO-Score, Originate-to-Distribute-Modell, Principal-Agent-Problem, Asset Backed Securities, Konsumglättung, Kreditvergabestandards, Risikomanagement, Immobilienmarkt, Liquidität, Finanzmarktintegration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Rolle der Verbriefung von Hypothekenschulden in der globalen Finanzkrise und untersucht deren Auswirkungen auf die Kreditqualität und Risikoteilung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Verbriefungstechniken, Kreditvergabestandards, internationale Risikoteilung und die Auswirkungen von Anreizproblemen auf Finanzmärkten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, inwieweit die Verbriefung als Instrument zur Risikodiversifizierung zur Entstehung der globalen Finanzkrise beigetragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Literatur- und Datenanalyse durchgeführt, die auf empirischen Studien (z.B. von Keys et al. sowie Hoffmann und Nitschka) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Konzept der Verbriefung, empirische Befunde zur internationalen Risikoteilung und die Verschlechterung der Screening-Qualität bei Subprime-Krediten diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Verbriefung, Subprime-Kredite, Finanzkrise, Principal-Agent-Probleme, FICO-Score und Risikoteilung.
Warum spielt der FICO-Score eine so wichtige Rolle in der Analyse?
Der FICO-Score dient als zentraler Indikator für die Kreditwürdigkeit und als Schwellenwert, an dem sich die Verbriefungsfreundlichkeit von Krediten orientierte.
Wie beeinflusst die Distanz zwischen Originator und Investor die Kreditqualität?
Die Distanz schwächt die Kontrollanreize der Kreditgeber (Originatoren), was zu einer vernachlässigten Sorgfalt bei der Kreditprüfung und somit schlechterer Kreditqualität führt.
- Arbeit zitieren
- Gülten Yamik (Autor:in), 2009, Die Rolle der Verbriefung in der aktuellen Finanzkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138796