Luthers Auseinandersetzung mit den Zwölf Artikeln der Bauernschaft von 1525


Essay, 2009

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Zwölf Artikel
2.2 Luthers erste Ermahnung zum Frieden
2.3 Wider die räuberischen und mörderischen Rotten
der Bauern
2.4 Luther und der Bauernkrieg im katholischen Religionsunterricht

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Zwölf Artikel von 1525 sind in der deutschen Geschichte unbestreitbar als Manifest der ersten deutschen Revolution und damit in einer Reihe mit der Märzrevolution von 1848 zu sehen. Selbst das II. Vatikanum setzt noch Ziele dieser Zwölf Artikel um, womit die Beschäftigung mit diesem Thema als sehr aktuell einzuschätzen ist.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ist die Gesellschaft nicht von Spannungen frei. In der Feudalgesellschaft kommt es bereits um 1510 zu einer Reihe lokaler Un­ruhen in der Bauernschaft. Diese versucht sich gegen die vorherrschenden Missstände aufzulehnen.

In den sogenannten Zwölf Artikeln von Memmingen[1] werden erstmals 1525 kon­krete Forderungen formuliert. Durch die reformatorischen Ansätze Luthers sehen die Bauern die Bestätigung dafür, dass der Leistungsdruck, der auf ihnen lastet, nicht Gottes Wille sein kann. In der Folge des Aufstandes verlieren ca. 100.000 Bauern ihr Leben.

Die Zwölf Artikel von Memmingen sind gleichsam Manifest dieser Revolte. Die Artikel werden in diesem Essay zunächst skizziert, um sie mit den ersten Stellungnahmen Luthers[2] zu vergleichen. Anschließend wird der Anhang[3] zu Luthers Stellungnahmen in Bezug auf die Theologie Luthers analysiert. Der Vergleich kann im Zusammenhang mit der Analyse zu einem tiefergehenden Verständnis führen, sodass im Anschluss zu reflektieren ist, ob im Religions­unterricht über den Ansatz der Bauernkriege in das Thema der lutherischen Theologie und der Unterschiede zum Katholizismus sinnvoll eingeführt werden kann.

2. Hauptteil

Im Folgenden wird der Versuch unternommen, die vorhandenen Quellen in Kürze darzustellen und miteinander zu diskutieren. Hierbei gehe ich nach dem Zeitpunkt der Entstehung vor, da sich die einzelnen Schriften jeweils aufeinan­der beziehen und auf diese Weise eine bessere Zuordnung möglich ist, um an­schließend zu überprüfen, ob eine Behandlung des Themas im Religionsunter­richt überzeugend ist.

2.1 Die Zwölf Artikel

Schon in der Anrede zu den Zwölf Artikeln wird deutlich, dass die Bauernschaft auf religiöser Basis argumentieren will. Die Autoren wünschen „Dem Christlichen leeser Fryd vnnd Gnad Gottes durch Christum“[4]. Mit dieser Grußfor­mel beginnt bereits der Apostel Paulus seine Briefe.[5] Dass die Schrift, Christus und die aktuelle, reformatorische Entwicklung den Ausgangspunkt der folgenden Artikel bilden, zeigt sich ebenso im Vorwort. Die Menschen, die die neue, lutherische Entwicklung als Legitimation für reformierendes oder gar ge­walttätiges Vorgehen gegenüber von geistlichen und weltlichen Obrigkeiten se­hen, verhielten sich gottlos.[6] Vielmehr wird angekündigt, dass die Zwölf Artikel Antworten auf Fragen nach dem weiteren Handeln von Seiten der Bauern gä­ben.[7] Damit jeder Leser auch nachvollziehen kann, dass sich die Bauern auf die heilige Schrift stützen, haben die Autoren am Rand die unterstützenden Bibel­stellen aufgeführt.

Der erste Artikel der Bauernschaft befasst sich mit der Pfarrerwahl. Die Bauern möchten das Recht haben, den Pfarrer ihrer Gemeinde selbst zu bestimmen und unter Umständen auch wieder abzusetzen. Dieser soll das Evangelium „lauter vn klar predigen one allen menschliche zu satz, leer und gebot“[8], also sämtliche subjektive Lehre oder Gebote des Herren unterlassen, damit das Evangelium für sich selbst sprechen kann.

Im zweiten Artikel wird gesagt, dass der große Zehnt, also die ca. 10-prozentige Steuer, dazu genutzt werden soll, dem Pfarrer „genugsam auffenthalt [zu] ge­ben“[9], also ihn zu besolden. Dieser Zehnt sei in jedem Fall zu zahlen, weil die Gültigkeit dieser Regel im Hebräerbrief verfestigt werde. Überschüsse aus dem Zehnt der Gemeinde sollen den Armen helfen. Der kleine Zehnt soll nicht mehr gegeben werden, weil laut Gen 1 Gott den Menschen frei erschaffen hat und der kleine Zehnt von Menschen erdichtet sei.

Der dritte Artikel handelt von der Loslösung der Leibeigenschaft des Bauern vom Grundherren. Christus selbst habe durch sein Blutvergießen den Men­schen erlöst und erkauft.[10]

Die übrigen Artikel beinhalten hauptsächlich juristische Forderungen. Diese sind aber in theologischem Zusammenhang im Hinblick auf Luthers Auseinanderset­zungen nicht bedeutsam.

Insgesamt also stellen sich die Bauern unter das Wort der Schrift und erkennen an, falls die Schrift gegen ihre Ansichten argumentiert.[11]

2.2 Luthers erste Ermahnung zum Frieden

In dieser ersten, direkten Reaktion auf die Zwölf Artikel ruft Luther, der durch den Thesenanschlag als Auslöser der Bauernbewegung gesehen worden ist, zum bedachtsamen Umgang untereinander auf; unterstützt aber keineswegs die theologischen Gehalte der Zwölf Artikel der Bauern. In der „Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft“ von 19./20. April 1525 spricht er auf der einen Seite die Fürsten und Herren an und urteilt negativ über ihre „ver­stockte vermessenheyt“ und ihren „hohmut“[12]. Auf der anderen Seite be­schreibt er diese Fürsten und Herren den Bauern gegenüber als Menschen, die es „wird sind und wol verdienet haben, das sie Gott vom stul stu(e)rtze“[13]. Zusammengefasst habe Gott alleine das Recht, die aktuellen Verhältnisse zu ändern. Selbst aufgebührte, bis in das geistliche Reich hineinreichende Macht sei sowohl auf Seiten der Bauern, als auch auf Seiten der Herren und Fürsten Sünde.

[...]


[1] Die Zwölf Artikel. Dye Grundtlichen Vnd rechten haupt || Artickel, aller Baurnschaft vnnd || Hyndersesses der Gaistlichen vn || Weltlichen oberkayten, von || wolchen sy sich beschwert || vermainen. Zitiert nach: Blickle, Peter: Die Revolution von 1525. 4 Karten, 7 Tabellen und 11 Abbildungen. Zweite, neu bearbeitete und erweiterte Auflage Studienausgabe, München/Wien 1983, S. 289-295.

[2] Martin Luther: Ermahnung zum Frieden auf die 12 Artikel der Bauernschaft. 19./20.4.1925. Zitiert nach: Laube, Adolf / Seiffert, Hans Werner u. a. (Hrsg.): Flugschriften der Bauernkriegszeit. Köln ²1978. Seite 203-222.

[3] Martin Luther: Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern. Mai 1525. Zitiert nach: Laube, Adolf / Seiffert, Hans Werner u. a. (Hrsg.): Flugschriften der Bauernkriegszeit. Köln ²1978. Seite 328-332.

[4] Die Zwölf Artikel .Seite 289, Zeile 4f.

[5] vgl. z. B. 1Kor 1,3.

[6] Vgl. Die Zwölf Artikel. Seite 289, Zeile 9-11.

[7] Ebd., Zeile 11-13.

[8] Ebd. Seite 290, Zeile 25f.

[9] Die Zwölf Artikel. Seite 291, Zeile 7.

[10] Ebd., Seite 291, Zeile 35f.

[11] Vgl. auch: Die Zwölf Artikel, Seite 294, Zeile 31- Seite 295, Zeile 9.

[12] Ermahnung zum Frieden, Seite 204, Zeile 2f. und Zeile 12.

[13] Ebd., Seite 207, Zeile 5f.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Luthers Auseinandersetzung mit den Zwölf Artikeln der Bauernschaft von 1525
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Lehrstuhl für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit)
Veranstaltung
Schwerpunkte der Reformationsgeschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V138814
ISBN (eBook)
9783640483129
ISBN (Buch)
9783640483334
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Luther, Bauernkrieg, 1525, Zwölf Artikel, Kirchengeschichte, Wider mit den räuberischen Rotten der Bauern
Arbeit zitieren
Stefan Rohde (Autor), 2009, Luthers Auseinandersetzung mit den Zwölf Artikeln der Bauernschaft von 1525, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138814

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