Das korporatistisch geprägte Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland ist seit mehreren Jahren ein Umfeld konstanter Reformbemühungen. Der Trend der mit der „Lahnsteiner Klausur“ (1992) begonnenen Gesundheitspolitik geht hierbei weg von einer korporatistischen, hin zu einer mehr marktwirtschaftlichen, bezüglich Qualität und Wirtschaftlichkeit transparenten Steuerung der Gesundheitsversorgung.
Im Rahmen dieser Bemühungen sind u.a. das Gesundheitsstrukturgesetzt, das GKV-Modernisierungsgesetz (GMG), das Vetragsarztrechtsänderungsgesetzt, das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG), das Pflege-Weiterentwicklungsgesetzt, das GKV-Organisationsweiterentwicklungsgesetzt und das Krankenhausfinanzierungsgesetzt zu nennen. Im Hinblick auf die Intention des Gesetzgebers die sektoralen Grenzen in der Gesundheitsversorgung aufzubrechen, werden unter den Bedingungen des GMG und des GKV-WSG die Aufgaben analysiert, welche im Rahmen moderner Versorgungsformen dem öffentlichen Gesundheitsdienst obliegen sollten.
Struktur der Arbeit
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen
2.1 Die sektorale Gliederung des Gesundheitssystems und daraus resultierende Probleme
2.2 Aufgaben und sektorale Zuordnung der öffentlichen Gesundheitsversorgung und des öffentlichen Gesundheitsdienstes
2.3 Das GKV-Modernisierungsgesetz
2.4 Das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz
2.5 Integrierte Versorgungsformen, Managed Care und Disease Management Programme
3. Auswirkungen des GKV-Modernisierungsgesetzes und des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes bezüglich der Aufbrechung der Sektorisierung und der Versorgungsqualität im Gesundheitswesen
4. Diskussion: Welche Aufgaben sollten dem öffentlichen Gesundheitsdienst bei der Überwindung sektoraler Grenzen in der Gesundheitsversorgung obliegen?
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die gesetzlichen Reformen (GMG und GKV-WSG) zur Überwindung sektoraler Grenzen im deutschen Gesundheitssystem beitragen und welche Rolle dabei dem öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zukommt, um eine qualitativ hochwertige Versorgung zu gewährleisten.
- Sektorale Gliederung des deutschen Gesundheitssystems und ihre Defizite
- Analyse des GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) und des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes (GKV-WSG)
- Aufgaben und Versorgungsauftrag des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD)
- Auswirkungen des Wettbewerbsdrucks auf Versorgungsqualität und Patientenzugang
- Diskussion über das Potenzial sektorenübergreifender Versorgungsmodelle
Auszug aus dem Buch
2.1 Die sektorale Gliederung des Gesundheitssystems und daraus resultierende Probleme
Das Gesundheitssystem der Bundesrepublik Deutschland wird allgemein in die vier Hauptsektoren Prävention, Kuration, Rehabilitation und Pflege gegliedert, welche z.B. zur Strukturierung von Leistungspaketen weiter unterteilt werden können. Die Anwendung der Sektoren auf den Patienten erfolgt weiter im ambulanten, teilstationären oder stationären Bereich. Die Aufteilung eines Systems in viele Bereiche, welche im Endeffekt wieder einen einzelnen Patienten betreffen, wirft naturgemäß Fragen nach „Zuständigkeit“ und „Verantwortung“ auf und führt zu Problemen beim Informationsaustausch zwischen den Sektoren und erschwert die Zusammenführung und die (kosten-) effektive Nutzung von Fähigkeiten und Expertisen aus unterschiedlichen Sektoren. Im Ergebnis kommt es so bei der Behandlung eines Patienten durch mehrere Sektoren, was dem Regelfall entspricht, z.B. durch Doppeluntersuchungen zu einer Kostensteigerung ohne zusätzlichen Informationsgewinn und bei mangelndem Informationsfluss ggf. zu Qualitätsverlusten. Da dies vom Gesetzgeber erkannt wurde zielen u.a. das GMG und das GKV-WSG darauf ab, die Sektorisierung aufzubrechen und das Modell einer sogenannten „integrierten Versorgung“ und die Etablierung von Disease Management Programmen (DMP) durchzusetzen. Der Gesetzgeber verspricht sich durch diese Reformen eine Kostenreduzierung bzw. –eindämmung sowie eine qualitative Verbesserung der Gesundheitsversorgung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Reformdruck im deutschen Gesundheitssystem aufgrund demografischer und wirtschaftlicher Herausforderungen sowie das Ziel des Gesetzgebers, durch Marktmechanismen sektoralen Grenzen entgegenzuwirken.
2. Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen: Dieses Kapitel erläutert die sektorale Struktur des Gesundheitssystems und definiert die Rollen des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) sowie die zentralen Reforminhalte wie GMG, GKV-WSG und integrierte Versorgungsformen.
3. Auswirkungen des GKV-Modernisierungsgesetzes und des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes bezüglich der Aufbrechung der Sektorisierung und der Versorgungsqualität im Gesundheitswesen: Hier werden die Effekte der Reformen analysiert, wobei insbesondere der Einfluss des IQWiG und die Auswirkungen des Wettbewerbsdrucks auf die Versorgungsqualität beleuchtet werden.
4. Diskussion: Welche Aufgaben sollten dem öffentlichen Gesundheitsdienst bei der Überwindung sektoraler Grenzen in der Gesundheitsversorgung obliegen?: Die Diskussion bewertet die Steuerungsfunktion des ÖGD und kritisiert die zunehmende Tendenz zu einer Zwei-Klassen-Medizin durch die aktuellen Reformbemühungen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Reformziele bisher nur teilweise erreicht wurden und unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren Rolle des ÖGD und eines Präventionsgesetzes.
Schlüsselwörter
Gesundheitssystem, GKV-Modernisierungsgesetz, GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz, öffentliche Gesundheitsversorgung, öffentlicher Gesundheitsdienst, Sektorisierung, integrierte Versorgung, Managed Care, Disease Management Programme, IQWiG, Prävention, Wettbewerb, Patientenversorgung, Zwei-Klassen-Medizin, Gesundheitsreform.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie moderne Versorgungsformen unter den Reformgesetzen GMG und GKV-WSG dazu beitragen, die sektorale Trennung im Gesundheitswesen zu überwinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die sektorale Gliederung, die Rolle des öffentlichen Gesundheitsdienstes, die Auswirkungen von Wettbewerb auf die Qualität und die Effektivität von Disease Management Programmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, welche Aufgaben dem öffentlichen Gesundheitsdienst bei der Überwindung sektoraler Grenzen obliegen sollten, um eine bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung gesetzlicher Rahmenbedingungen sowie aktueller Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Reformgesetze, der Etablierung neuer Versorgungsstrukturen und der kritischen Bewertung der Auswirkungen auf Versorgungsqualität und soziale Gerechtigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie Sektorisierung, Prävention, GKV-Reformen, öffentlicher Gesundheitsdienst und Versorgungsqualität stehen im Zentrum der Untersuchung.
Warum wird der öffentliche Gesundheitsdienst als kritisch für die Prävention angesehen?
Der ÖGD verfügt aufgrund seiner Querschnittsfunktion über zahlreiche Kontakte zu allen Systemebenen und kann somit als Steuerungseinheit für präventive Maßnahmen dienen, die über rein kurative Ansätze hinausgehen.
Inwiefern wird eine Zwei-Klassen-Medizin thematisiert?
Die Arbeit diskutiert, dass durch den erhöhten Wettbewerbsdruck und finanzielle Anreize für Patienten der Zugang zu hochwertiger Versorgung zunehmend von der ökonomischen Situation abhängig werden könnte.
Welche Rolle spielt das Präventionsgesetz im Ausblick?
Der Ausblick weist darauf hin, dass ein umfassendes Präventionsgesetz notwendig wäre, um die Koordination der Gesundheitsvorsorge verbindlich zu regeln und die Qualität langfristig zu verbessern.
- Arbeit zitieren
- Arne Warth (Autor:in), 2009, Grundzüge moderner Versorgungsformen im Gesundheitswesen unter den Bedingungen des GKV-Modernisierungsgesetzes (2004) und des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetzes (2007), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138825