Demografischer Wandel und die Gesundheit für Generationen

Eine Auseinandersetzung zu den bevorstehenden Zukunftsaufgaben im Gesundheitswesen


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen
2.1 Der demografische Wandel
2.2 Der vollkommene Markt
2.3 Ursachen eines unvollkommenen Marktes innerhalb des Gesundheitssystems
2.3.1 Asymmetrische Verteilung von Information und angebotsinduzierte Nachfrage
2.3.2 Adverse Selektion
2.3.3 Moral Hazard

3. Möglichkeiten und Grenzen der Implementierung marktwirtschaftlicher Strukturen in ein zukunfts- fähiges Gesundheitssystem
3.1 Marktversagen am Beispiel von Zuzahlungen
3.2 Auswirkungen marktwirtschaftlicher Strukturen im Gesundheitswesen

4. Diskussion zur Funktion von Markt- und Wettbewerbs- prozessen in einem zukunftsfähigen Gesundheitswesen:
Ein Balanceakt zwischen Effizienzsteigerung und sozialer Gerechtigkeit

5. Zusammenfassung und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In einer immer älter werdenden Gesellschaft kommt es naturgemäß zu einer stetig steigenden Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Dies gilt sowohl für die stationäre, die teilstationäre als auch die ambulante Versorgung. Alleine die quantitative Zunahme an kranken Patienten, jedoch auch die Kombination mit dem medizinischen und technischen Fortschritt und daraus resultierenden neueren, meist auch teureren Behandlungsoptionen, führt zu höheren Kosten. Diese müssen von der arbeitstätigen Bevölkerung getragen werden, welche in Zukunft relativ zu den Älteren betrachtet weiter abnehmen wird. Da die Finanzierung somit absehbar nicht dauerhaft und nachhaltig möglich sein wird, hat der Gesetzgeber das deutsche Gesundheitssystem in den letzten Jahren mehrfach reformiert. Ein Kernelement dieser Reformen ist die Implementierung von kosten- und qualitätsorientierten Markt- und Wettbewerbsprozessen in das Gesundheitssystem, u.a. durch die Einführung von Hausarztmodellen, der integrierten Versorgung, von medizinischen Versorgungszentren und Disease-Management-Programmen. Da jedoch wesentliche Bedingungen für einen funktionierenden Markt im wirtschaftswissenschaftlichen Sinne innerhalb des Gesundheitssystems nicht erfüllt sind und teilweise auch gar nicht erfüllbar sind, ist eine direkte Übertragung eines klassischen marktwirtschaftlichen Systems in das Gesundheitssystem mit den Gefahren des Marktversagens behaftet. Vor dem Hintergrund der nachhaltigen Finanzierungsproblematik infolge des demografischen Wandels sollen diese Besonderheiten innerhalb des Gesundheitssystems und insbesondere ihre Auswirkungen und ihre Funktionsfähigkeit im Hinblick auf zukünftige Kernaufgaben des Gesundheitswesens analysiert werden.

2. Theoretische Grundlagen und Begriffsdefinitionen

Im folgenden Abschnitt werden Details des in Deutschland prognostizierten demografischen Wandels innerhalb der Bevölkerung näher beleuchtet. Weiter werden allgemeine Grundlagen von vollkommenen und nicht vollkommenen Märkten definiert und in den Bezug zu den Besonderheiten innerhalb des Gesundheitssystems gestellt. Im Speziellen finden hier Prozesse Berücksichtigung, welche einer Etablierung eines vollkommenen Marktes im Gesundheitssystem entgegen stehen.

2.1 Der demografische Wandel

Der demografische Wandel bezeichnet die strukturelle Veränderung innerhalb der Bevölkerung hin zu einer durchschnittlich immer älter werdenden Gesellschaft. Dies liegt einerseits an einem Geburtenrückgang, andererseits daran, dass in den nächsten Jahren sehr geburtenstarke Jahrgänge das Rentenalter erreichen und die Menschen aufgrund verbesserter sozialer Bedingungen und immer besser werdender medizinischer Behandlungsmöglichkeiten auch immer älter werden. Berechnungen des Statistischen Bundesamtes zeigen z.B., dass der Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 5% im Jahr 2010 auf über 12% im Jahr 2050 ansteigen wird[1]. Der Anteil der sogenannten Älteren (60 Jahre und mehr) wird im selben Zeitraum von 26,3% auf 40,4% steigen[2]. Im Rahmen des „Generationenvertrages“, d.h., dass die arbeitstätige Bevölkerung durch ihre Beitragszahlungen u.a. die Krankheitskosten der älteren Generationen trägt, kommt es somit absehbar zu einer Schieflage, die dauerhaft mit den bestehenden Systemen nicht finanzierbar sein wird. Zu berücksichtigen ist weiter, dass die Bevölkerungszahl in Deutschland seit 2003 rückläufig ist und weiter abnehmen wird[3]. Mit den jüngsten Reformen im Gesundheitssystem versucht der Gesetzgeber auf diese Finanzierungsproblematik zu reagieren. Der Schwerpunkt der Reformen liegt in der Etablierung marktwirtschaftlicher Strukturen innerhalb des Gesundheitswesens, um über den erhöhten Wettbewerbsdruck eine Optimierung der Qualität bei gleichzeitiger Kostenreduktion und somit langfristig eine nachhaltige Finanzierbarkeit von qualitativ hochwertigen Gesundheitsleistungen zu erzielen.

2.2 Der vollkommene Markt

„Als Markt wird das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage von Waren, Dienstleistungen und Rechten bezeichnet. In einer freien Marktwirtschaft kommt dem Preis die Funktion eines Wertmaßstabes zu. Im Markt pendeln sich Preise für verschiedene Güter auf einem Niveau ein, auf welchem die Nachfrage und das Angebot übereinstimmen“[4]. Folgende Bedingungen müssen für einen vollkommenen Markt erfüllt sein[5]:

- Alle Marktteilnehmer handeln nach dem Maximumprinzip, d.h., alle Anbieter streben nach dem Gewinnmaximum und alle Nachfrager nach dem Nutzenmaximum.
- Es herrscht vollständige Markttransparenz, d.h. alle Anbieter und Nachfrager sind stets vollkommen informiert.
- Es gilt die Homogenitätsbedingung, d.h, es gibt keine persönlichen und sachlichen, aber auch keine räumlichen und zeitliche Präferenzen.
- Anbieter und Nachfrager reagieren unendlich schnell auf Preisänderungen und andere Verschiebungen der Marktbedingungen.

Im Ergebnis eines vollkommenen Marktes kommt es zu einem Marktgleichgewicht, bei welchem die von Konsumenten (Patienten) nachgefragte Menge identisch mit der Angebotsmenge (z.B. Therapieformen) ist. Für das Gesundheitssystem würde dies jedoch bedeuten, dass im Krankheitsfall jeder die Therapie bekommt, die er bezahlen kann, was selbstredend mit Grundprinzipien eines Sozialstaates nicht vereinbar ist. In der Realität gibt es zudem keinen absolut vollkommenen Markt. Prinzipiell gilt jedoch: „Je höher der Vollkommenheitsgrad eines Marktes, desto stärker ist die Wettbewerbsintensität“[6].

2.3 Ursachen eines unvollkommenen Marktes innerhalb des Gesundheitssystems

Anhand der unter 2.2 aufgeführten Voraussetzungen für einen vollkommenen Markt wird deutlich, dass wesentliche Bedingungen dafür innerhalb des Gesundheitssystems nicht erfüllt sind und es sich demnach um einen nicht vollkommenen Markt mit dem Risiko für zahlreiche sogenannte Marktfehler handelt. Wesentliche Faktoren dafür sollen hier kurz erläutert werden.

2.3.1 Asymmetrische Verteilung von Information und angebots- induzierte Nachfrage

Für die Bedingungen eines vollkommenen Marktes spielt die Information eine entscheidende Rolle. Zwischen Experten (Medizinern) und Laien (Patienten) besteht immer eine Informationsasymmetrie. Daher müssen Patienten ihre Entscheidungen auf der Basis unvollständiger und asymmetrisch verteilter Information treffen. Zudem fallen bei Dienstleistungen meist Produktion (Anwendung einer Therapie) und Konsumption (Erhalt einer Therapie) zeitlich zusammen (Uno-actu-Prinzip), so dass Korrekturen nicht möglich sind. Der Erfolg einer Therapie lässt sich zudem häufig erst lange nach ihrem Erwerb, für Laien u. U. auch gar nicht objektiv beurteilen. Weiter besteht infolge der Principal-Agent-Beziehung zwischen Laie und Experte die Möglichkeit, dass ein Arzt (Agent) aufgrund der ungleich verteilten Informationsstände Verhaltensspielräume erlangt, welche er zu seinem Vorteil und auf Kosten des Patienten (Principal) ausnutzen kann. Auch wenn es in vielen Fällen gerechtfertigt erscheint, dass der Arzt die Entscheidungen über therapeutische Leistungen trifft, entscheidet somit doch letztendlich der Anbieter selbst über die Nachfrage (angebotsinduzierte Nachfrage). Von „Angebotsinduzierung“ wird gesprochen, wenn der Arzt seine Entscheidungen nicht ausschließlich zum Wohle seiner Patienten trifft, sondern eigene Interessen wie z.B. Verdienst oder Auslastung einfließen lässt[7].

[...]


[1] Vgl. Lauterbach , K.W. / Stock, S / Brunner, H: Gesundheitsökonomie. Lehrbuch für Mediziner und andere Gesundheitsberufe. 1. Auflage. Bern. 2006, S. 17, Abb. 1-6

[2] Vgl. Hajen, L / Paetow, H / Schumacher H: Gesundheitsökonomie. Strukturen – Methoden – Praxis. 4. Auflage. Stuttgart. 2008, S.41

[3] Vgl. Runde, A.: Studienbrief Nr. 0659-01 „Grundlagen der Gesundheitsökonomie“. SRH FernHochschule Riedlingen. Riedlingen 2009, S. 34f

[4] Runde, A.: Studienbrief Nr. 0659-01 „Grundlagen der Gesundheitsökonomie“. SRH FernHochschule Riedlingen. Riedlingen 2009, S. 31

[5] Wohe, G.: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 19. Auflage. München 1996, S. 632

[6] Wohe, G.: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. 19. Auflage. München 1996, S. 632

[7] Vgl. Runde, A.: Studienbrief Nr. 0659-01 „Grundlagen der Gesundheitsökonomie“. SRH FernHochschule Riedlingen. Riedlingen 2009, S. 49ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Demografischer Wandel und die Gesundheit für Generationen
Untertitel
Eine Auseinandersetzung zu den bevorstehenden Zukunftsaufgaben im Gesundheitswesen
Hochschule
SRH Hochschule Riedlingen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V138827
ISBN (eBook)
9783640483167
ISBN (Buch)
9783640483457
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demografischer, Wandel, Gesundheit, Generationen, Eine, Auseinandersetzung, Zukunftsaufgaben, Gesundheitswesen
Arbeit zitieren
Dr. med. Arne Warth (Autor), 2009, Demografischer Wandel und die Gesundheit für Generationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138827

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