In der englischen Sprachwissenschaft spielt die Wortbildungslehre eine bedeutende Rolle. Dafür spricht nicht nur die Vielzahl an literarischen Werken, die sich mit diesem Teilgebiet der Sprachwissenschaft befassen, sondern auch die unterschiedlichen Theorien, Ansichten und Auffassungen über den Begriff `Wortbildung`.Die Problematik eine eindeutige Definition dafür zu finden wird bei Hans-Jörg Schmid in seinem Werk `Englische Morphologie und Wortbildung eine Einführung` besonders deutlich. Laut seiner Definition ist Wortbildung bzw.Derivationmorphologie folgendes:
„Die Derivationsmorphologie betrifft die Prozesse, mit Hilfe derer Sprecher des Englischen aus in der Sprache bereits vorhandenen Wörtern und Morphemen neue Wörter geformt haben bzw. bei Bedarf formen können.Es geht also um die Bildung neuer Wörter mit komplexer innerer Struktur.“(Schmid, 2005:14)
Laut dieser Definition wird eine genaue Abgrenzung der Wortbildung von der Morphologie schwierig. Schmids Überlegungen Wortbildung als ein Teilgebiet der Morphologie zu sehen widerlegt er jedoch,da sich die Wortbildung nicht ausschließlich mit rein morphologischen Fragestellungen beschäftigt.So werden Konversionen beispielsweise gebildet,ohne dass morphologische Elemente zum Wortartenwechsel beitragen.Anhand dieses Beispiels einer Begriffsklärung soll verdeutlicht werden wie kompliziert eine genaue Abgrenzung in sämtlichen Bereichen der Wortbildung sein kann.Ähnlich verhält es sich bei folgendem Sachverhalt: Wortbildung selbst lässt sich in viele verschiedene Prozesse untersteilen.Einer davon ist die Präfigierung.Dabei wird ein lexikalisch gebundenes Morphem,auch Präfix genannt vor ein freies lexikalisches Morphem, die Basis, gestellt.Dabei kann man viele verschiedene Präfixe hinsichtlich ihrer semantischen Relation im Bezug zur Basis unterscheiden.Ein spezieller Typ sind die sogenannten pejorativen Präfixe,welche zur Gruppe der einstellungsanzeigenden Präfixe gehören.Auch hier bedarf eine Abgrenzung der pejorativen Präfixe von anderen einstellungsanzeigenden Präfixen eine genauere Untersuchung. Daher werden in folgenden Punkten die Pejorativen Präfixe genauer betrachtet. Dabei ist es wichtig sie sowohl in Bezug auf ihre historischen etymologischen Hintergründe, Semantik, phonologischen Eigenschaften, Vorkommen in verschiedenen Wortarten und ihre Produktivität näher zu betrachten und zu analysieren.Zusätzlich wird ein Vergleich zur deutschen Sprache gezogen,um die Thematik weiter zu veranschaulichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Abgrenzung der pejorativen Präfixe von anderen einstellungsanzeigenden Präfixen.
3. Historischer Ursprung der pejorativen Präfixe
3.1 Historischer Ursprung des pejorativen Präfixes mal-
3.2 Historischer Ursprung des pejorativen Präfixes mis-
3.3 Historischer Ursprung des pejorativen Präfixes pseudo-
4. Wortbildung mit pejorativen Präfixen und dabei auftretende Besonderheiten
5. Vergleich mit der deutschen Sprache
6. Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Hintergründe, die Semantik sowie die produktiven Eigenschaften pejorativer Präfixe im Englischen und zieht einen vergleichenden Bezug zur deutschen Sprache.
- Historische Herleitung der Präfixe mal-, mis- und pseudo-
- Semantische Abgrenzung zu neutralen einstellungsanzeigenden Präfixen
- Phonologische und morphologische Besonderheiten bei der Wortbildung
- Analyse der Produktivität in verschiedenen Wortarten
- Kontrastiver Vergleich zwischen englischen und deutschen pejorativen Präfixen
Auszug aus dem Buch
3. Historischer Ursprung der pejorativen Präfixe
Das Präfix mal- drückt die Bedeutung ‚ill, evil, wrong, defective, improper‘ aus. Ursprünglich stammt es aus der französischen Sprache. Dort hatte das Präfix eine eher negative Bedeutung bzw. eine disqualifizierende, herabwertende Bedeutung. Ein Beispiel für ein französisches Wort, das dieses Präfix enthält ist malapert ‚unskilful‘. Das gleiche Wort taucht erstmals auch als eines der frühen Beispiele im Mittelenglischen auf. Allerdings hat es zu dieser Zeit in der englischen Sprache eher die Bedeutung ‚unbecoming insolent‘ (siehe Marchand, 1969:174). Ab dem 17. Jahrhundert bildete das Präfix in seiner produktivsten Phase viele Wörter, vor allem Substantive aus den Bereichen des Gesetzes und der Verwaltung, welche alle ein missbräuchliches, ungebührliches und ordnungswidriges Verhalten beschreiben.
Bekannte Beispiele sind malgovernment, also eine Regierung, die ihre Macht missbraucht und malexecution, ein schlechtes oder auch falsches Urteil. Im Bereich der Medizin waren die Präfixe vor allem im 18. Jahrhundert sehr produktiv. Einige der bekanntesten Beispiele sind malnutrition ‚Fehlernährung‘ und malodor ‚übler Geruch‘. Wobei malodor sich durchaus auch auf andere Bereiche, außerhalb der Medizin beziehen könnte. Medizinisch gesehen wird mit malodor jedoch ein übler Geruch beschrieben, der vor allem bei eiternden Wunden und diversen Krankheiten auftritt. Im Frühneuenglischen änderte sich die Schreibweise des Präfixes zu male-, was laut Marchand möglicherweise auf lateinische Entlehnungen wie malefaction oder malefactor zurückzuführen ist. Seit dem 18. Jahrhundert setze sich die Schreibung mal- jedoch durch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Wortbildung innerhalb der englischen Sprachwissenschaft und führt in die Thematik der pejorativen Präfixe ein.
2. Abgrenzung der pejorativen Präfixe von anderen einstellungsanzeigenden Präfixen.: Dieses Kapitel erläutert den Unterschied zwischen rein einstellungsanzeigenden Präfixen wie anti- und solchen, die eine spezifische Abwertung (Pejorisierung) beinhalten.
3. Historischer Ursprung der pejorativen Präfixe: Hier werden die etymologischen Wurzeln und die Entwicklung der Präfixe mal-, mis- und pseudo- im Englischen detailliert nachgezeichnet.
4. Wortbildung mit pejorativen Präfixen und dabei auftretende Besonderheiten: Das Kapitel analysiert die morphologischen und phonologischen Regeln, die bei der Kombination dieser Präfixe mit verschiedenen Wortstämmen auftreten.
5. Vergleich mit der deutschen Sprache: Abschließend werden Parallelen und Unterschiede zwischen englischen pejorativen Präfixen und ihren deutschen Entsprechungen wie miss-, fehl- oder schein- aufgezeigt.
6. Bibliographie: Dieses Kapitel listet alle für die Arbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen auf.
Schlüsselwörter
Pejorative Präfixe, Wortbildung, Derivationsmorphologie, Mal-, Mis-, Pseudo-, Linguistik, Englische Sprachwissenschaft, Semantik, Morphologie, Sprachvergleich, Fehl-, Schein-, Pejorativum, Sprachgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung pejorativer Präfixe im Englischen, ihrer Entstehung und ihrer funktionalen Verwendung bei der Wortbildung.
Welche Präfixe stehen im Fokus der Untersuchung?
Im Zentrum der Analyse stehen die Präfixe mal-, mis- und pseudo- und deren spezifische abwertende Funktion.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es, die pejorativen Präfixe historisch herzuleiten und sie von anderen Präfixen abzugrenzen, die lediglich eine Einstellung gegenüber der Basis ausdrücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine deskriptive und historisch-vergleichende Methode unter Rückgriff auf anerkannte sprachwissenschaftliche Literatur, um die morphologischen Prozesse zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Etymologie der Präfixe, die Analyse ihrer Produktivität in der heutigen Sprache sowie einen kontrastiven Vergleich mit der deutschen Sprache.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den zentralen Begriffen zählen Derivationsmorphologie, Pejorisierung, Wortbildungslehre und die spezifische Gegenüberstellung von Präfix-Semantiken.
Wie unterscheidet sich ein pejoratives Präfix von einer bloßen Verneinung?
Während eine reine Negation (wie bei 'anti-') lediglich eine entgegengesetzte Haltung markiert, vermittelt ein pejoratives Präfix eine direkte negative Einschätzung oder Abwertung des Sprechers gegenüber dem Inhalt der Basis.
Was ist die Besonderheit des Begriffs 'misbug' im Kontext der Untersuchung?
Der Autor führt 'misbug' als Beispiel an, in dem das pejorative Präfix 'mis-' eine bereits negativ besetzte Basis ('bug') modifiziert, was im Sinne des "Minus-plus-Minus-Prinzips" zu einer positiven Bedeutung führt.
- Arbeit zitieren
- Daniel Greiner (Autor:in), 2009, Pejorative Präfixe in der englischen Wortbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138901