Frühkindliche Vernachlässigung als ein Aspekt der Kindeswohlgefährdung

Wie kann perspektivisch Kinderschutzarbeit geleistet werden?


Bachelorarbeit, 2009
51 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Definition Kindesvernachlässigung
1.1 Formen der Vernachlässigung
1.2 Abgrenzung von Kindesvernachlässigung zu Kindesmisshandlung

2. Was braucht ein Kind? Schutzfaktoren des Kindes
2.1 Kindliche Lebensbedürfnisse
2.2 Kindliche Bedürfnisse aus bindungstheoretischer Sicht

3. Darstellung ausgewählter Risikofaktoren für Kindesvernachlässigung
3.1 Risikofaktoren des Kindes
3.2 Elterliche und familiäre Faktoren
3.2.1 Eltern mit Suchterkrankungen
3.2.2 Jugendliche Mütter
3.3 Gesellschaftliche Risikofaktoren
3.3.1 Familie im Wandel
3.3.2 Armut

4. Folgen von Kindesvernachlässigung
4.1 Gesundheitliche Auswirkungen
4.2 Auswirkungen auf die Bindungsqualität

5. Sozialpädagogische Handlungsmöglichkeiten bei Vernachlässigung
5.1 Darstellung ausgewählter präventiver Maßnahmen
5.1.1 Entwicklungspsychologische Beratung
5.1.2 Familienhebammen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

„Die Berliner Polizei hat zwei weitere Fälle von Kindesvernachlässigung aufgedeckt. Die Beamten fanden einen fünfjährigen Jungen in Mitte und ein 16 Monate altes Mädchen in Charlottenburg jeweils allein in Wohnungen vor. Das Baby war nackt, völlig verschmutzt und in einem katastrophalen Pflegezustand“ (Berliner Morgenpost, 13.03.2009).

0. Einleitung

„Ich möchte nicht zurück zu Mama!“ Mit dieser Aussage von Mary Ellen McCormack, verbunden mit einem Prozess gegen die Stiefmutter, wurde 1874 das Thema Kindesvernachlässigung und Kindesmisshandlung erstmals öffentlich (Die Zeit, 31.05.2007).

Schätzungen (Esser, 2002, S. 103) zufolge sind circa 5-10 % aller in Deutschland lebenden Kinder von Vernachlässigung betroffen. Dies entspricht einer Zahl von 250.000-500.000 Kindern unter sieben Jahren. Da Deutschland eines der wenigen Länder ist in der keine Statistik zur Häufung von Kindesvernachlässigung geführt wird, ist die tatsächlichen Anzahl der Kinder die von Vernachlässigung betroffen sind, nicht genau bekannt. In den meisten Gefährdungsfällen bei Kindern in Deutschland geht es um Vernachlässigung. Diese ist die „häufigste und für kleine Kinder gefährlichste Form aller Misshandlungen“ (vgl. Wolff, 2002, S.70), wird jedoch seltener in den Medien und der Öffentlichkeit, außer sie führt zum Tode eines Kindes, beachtet als etwa Fälle von körperlicher Kindesmisshandlung oder sexuellem Missbrauch. Obwohl Vernachlässigung in Deutschland die Mehrzahl der Gefährdungsfälle darstellt, „wächst das Wissen über die Folgen von Vernachlässigung nur allmählich und bleibt stellenweise hinter dem Wissen über die Folgen von körperlicher Misshandlung und sexuellem Missbrauch zurück“ (Kindler, 2005, S.24). Vernachlässigung stellt eine sozialpädagogische Herausforderung dar. Es ist schwierig Vernachlässigung frühzeitig wahrzunehmen und/ oder zu erkennen, da sie schleichend im Privatbereich abläuft und so meist erst erkannt wird, wenn die Kinder in eine Kindertagesstätte oder Schule kommen. Um allerdings Vernachlässigung zu erkennen beziehungsweise wahrzunehmen bedarf es eines Verständnisses was Vernachlässigung ist? Wie man sie erkennen kann? Welche Folgen sie für die weitere Entwicklung und Bindungsqualität der Kinder hat? Wo können frühe Hilfen ansetzen bzw. welche Möglichkeiten haben sie? Demnach wird die Arbeit so aufgebaut sein, dass im ersten Kapitel eine Begriffserläuterung zu Vernachlässigung unter Berücksichtigung der verschiedenen Formen der Vernachlässigung gegeben wird. Im zweiten Kapitel wird ein Einblick auf die Bedürfnisse des Kindes gegeben. Weiterhin werden im dritten Kapitel mögliche Ursachen und Hintergründe für eine Kindesvernachlässigung, unter der Berücksichtigung der Eigenschaften des Kindes, der persönlichen Faktoren der Eltern, sowie der sozialen Situation der Familie, die eine Vernachlässigung begünstigen können, gegeben. Im vierten Kapitel wird eine Übersicht auf die Folgen von Vernachlässigung in Bezug auf die gesundheitlichen Auswirkungen und die Bindungsqualität gegeben. Ein abschließender Einblick in sozialpädagogische Handlungsmöglichkeiten sowie präventive Maßnahmen wird im fünften Kapitel gegeben.

1. Definition Kindesvernachlässigung

Vernachlässigung kann anlehnend an den rechtlichen Rahmen gemäß § 1666 BGB “als andauerndes oder wiederholtes Unterlassen fürsorglichen Handelns bzw. Unterlassen der Beauftragung geeigneter Dritter mit einem solchen Handeln durch Eltern oder andere Sorgeberechtigte, das für einen einsichtigen Dritten vorhersehbar zu erheblichen Beeinträchtigungen der physischen und / oder psychischen Entwicklung des Kindes führt oder vorhersehbar ein hohes Risiko solcher Folgen beinhaltet” als auch gemäß §171 des StGB “als Gefährdung des körperlichen und sittlichen Wohls eines Kindes (unter 16 Jahren) durch gröbliche Vernachlässigung der Fürsorgepflichten“ gesehen werden.

In vielen deutschsprachigen Publikationen wird Kindesvernachlässigung definiert als „andauernde oder wiederholte Beeinträchtigung oder Schädigung der Entwicklung von Kindern durch die Sorgeberechtigten und -verpflichteten Personen aufgrund unzureichender Pflege und Kleidung, mangelnder Ernährung und gesundheitlicher Fürsorge, zu geringer Beaufsichtigung und Zuwendung, nachlässigen Schutz vor Gefahren sowie nicht hinreichender Förderung und Anregung motorischer, geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten” (Deegner; Körner 2006, S.81). “Diese Unterlassung kann aktiv oder passiv (unbewusst) auf Grund unzureichender Einsicht oder unzureichenden Wissens erfolgen. Die durch Vernachlässigung bewirkte chronische Unterversorgung des Kindes durch die nachhaltige Nichtberücksichtigung, Missachtung oder Versagung seiner Lebensbedürfnisse hemmt, beeinträchtigt oder schädigt seine körperliche, geistige und seelische Entwicklung und kann zu gravierenden bleibenden Schäden oder gar zum Tode des Kindes führen“ (Schone u.a. 1997, S. 21). Die in der Definition vorgenommene Unterscheidung zwischen aktiver und passiver Vernachlässigung ist in der Praxis für die Handlungsstrategien der Jugendhilfe von großer Bedeutung. Es ist für die weitere Arbeit entscheidend ob Vernachlässigung ein Resultat aus Überforderung und Nichtwissen (passive Vernachlässigung), oder ob die sorgeberechtigten Personen die Vernachlässigung erkennen und trotzdem keine Abhilfe schaffen oder sie bewusst herbeiführen (aktive Vernachlässigung). Vernachlässigung kann ebenfalls als primäre Beziehungsstörung zwischen Eltern- beziehungsweise Personensorgeberechtigten und Kindern definiert werden. So wird Vernachlässigung häufig als Wahrnehmungsstörung der Eltern bezeichnet. Diese erkennen auf Grund von beispielsweise eigenen traumatischen Kindheitserlebnissen und/ oder infolge einer Existenzgefährdung die notwendigen Bedürfnisse ihrer Kinder nicht mehr. Zum Teil sind die Wahrnehmungen der Eltern so gravierend verzerrt, dass sie der Annahme sind die Bedürfnisse ihrer Kinder ausreichend zu erfüllen (vgl. Brinkmann 2002, S. 65). Meist beginnt Vernachlässigung im Säuglings- und Kleinkindalter, bleibt aber sehr häufig bis zum Eintritt in den Kindergarten oder die Schule unerkannt. Dabei ist das Risiko an den Folgen einer chronischen Vernachlässigung durch Verhungern, nicht behandelten Infektionen sowie durch Unfälle, die durch schlechte Wohnverhältnisse und unzureichende Betreuung bedingt sind zu sterben für Säuglinge und Kleinkinder am größten (vgl. Wolff 2002, S. 71), da sie existenziell und psychisch von ihren Bezugspersonen abhängig sind (vgl. Schone 2007, S. 53).

1.1 Formen der Kindesvernachlässigung

Eine verbindliche einheitliche Kategorisierung von Vernachlässigungsformen hat sich bislang in der wissenschaftlichen Forschung noch nicht herausgebildet. In der Regel wird in der Literatur aber unterschieden zwischen der körperlichen Vernachlässigung, der kognitiven und erzieherischen Vernachlässigung, der emotionalen/ psychischen Vernachlässigung sowie der Vernachlässigung durch unzureichende Beaufsichtigung. Diese Formen zeichnen sich durch unterschiedliche Unterlassungen aus, die im weiteren Text näher erläutert werden.

Die körperliche Vernachlässigung zeichnet sich durch einen Mangel an psychischer bzw. Gesundheitlicher Fürsorge und Schutz vor Gefahren aus. Sie beginnt meist schon während der Schwangerschaft durch Einnahme von Alkohol, Drogen und Nikotin. Die daraus entstehenden kindlichen Schädigungen werden von der werdenden Mutter billigend in Kauf genommen. Die Mutter verzögert oder verweigert notwendige medizinische Behandlungen bei Erkrankungen. Gesundheitliche Vorsorgeuntersuchungen werden nur unzureichend oder gar nicht wahrgenommen. Auch kann eine Vernachlässigung im Bereich der Ernährung auftreten. Die Kinder erhalten von ihren Eltern, auf Grund mangelnder Kenntnisse bei der Zubereitung der Nahrung, überhöhter Erwartungen an die Selbstständigkeit des Kindes und/ oder Fehleinschätzungen der kindlichen Entwicklung, keine adäquate ausreichende Ernährung (vgl. Ziegenhain u.a. 2004, S. 114). Diese benötigen sie allerdings um sich altersgemäß zu entwickeln. Bekommt das Kind nur eine unzureichende Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit kann es zu massiven Gedeih- und Entwicklungsstörungen kommen und im schlimmsten Fall zum Tode führen. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Gefahr des Austrocknens gravierend. Wird das Kind ausreichend aber nicht qualitativ, zum Beispiel zu fetthaltig ernährt, können Krankheiten wie Adipositas1 begünstigt werden. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann diese kalorienreiche aber qualitativ mangelhafte Ernährung zu Mangelerscheinungen wie Anämie und Vitaminmangel führen, welche das Wachstum und die Entwicklung ernsthaft gefährden können (vgl. Herrmann u.a. 2008, S.183). Ebenfalls zeichnet sich eine körperliche Vernachlässigung durch mangelnde Hygiene, Körper- und Zahnpflege, unangemessene Kleidung sowie durch das nicht vorhanden sein einer adäquaten Unterkunft2 aus.

Die zweite Form der Vernachlässigungen ist die kognitive und erzieherische Vernachlässigung. Kinder die in dieser Form vernachlässigt werden erfahren einen Mangel an Konversation3, Spiel und anregenden Erfahrungen, einen fehlenden erzieherischen Einfluss auf einen unregelmäßigen Schulbesuch, eine fehlende Beachtung eines besonderen und erheblichen Erziehungs- oder Förderbedarfs.

Die emotionale / psychische Vernachlässigung tritt meist im Zusammenhang mit körperlicher und sexueller Misshandlung sowie körperlicher Vernachlässigung gemeinsam auf. Die Beziehung zum Kind zeichnet sich durch nur wenig oder gar keine Zuwendung, Liebe, Respekt und Geborgenheit sowie fehlende Reaktionen auf die emotionalen Signale des Kindes aus. Diese Beziehung drückt sich durch permanentes Anschreien, Einschüchterung, Beleidigung oder Missachtung aus (vgl. Müller 2008, S. 53). Die psychische Vernachlässigung kann ebenfalls schon während der Schwangerschaft durch Leugnen der Schwangerschaft auftreten. Die Eltern zeichnen sich durch fehlende emotionale Fürsorge und Zuwendung aus. Das Kind bekommt unzureichende oder gar keine Unterstützung bei der Bewältigung der Alltagsanforderungen. Es werden durch die Eltern keine Grenzen gesetzt. Ebenso fehlt eine notwendige Belehrung über Gefahren. Die Kinder sind häufig Zeugen chronischer Partnergewalt zwischen den Eltern. Auch kommt diese Art der Ablehnung und Beziehungsverweigerung zu den Kindern, in der sogenannten Wohlstandsvernachlässigung vor. Die Kinder sind zwar ausreichend materiell versorgt oder sogar überversorgt aber es mangelt ihnen an Zuwendung und Unterstützung durch die Eltern (vgl. DKSB LV NRW e.V.4 u.a. 2007, S.16). Diese Form wird in der Literatur nicht als spezielle Form angesehen aber auch sie kann zu gravierenden Folgen für die Kinder führen. Sie hat zwar keine bedrohlichen Folgen für ihr Leben aber sie kann zu erheblichen psychischen Schäden führen.

Die vierte Form ist die Vernachlässigung durch unzureichende Beaufsichtigung. Durch die mangelnden Kenntnisse zur frühen Entwicklung oder überhöhten Erwartungen an die motorischen Fähigkeiten des Säuglings- oder Kleinkindes durch die Eltern, kann sich das Unfallrisiko erhöhen (vgl. Ziegenhain u.a. 2004, S. 113). So wird das Kind beispielsweise allein in der Badewanne sitzen gelassen. Auch werden die Kinder häufig über eine längere Zeit in der Wohnung allein gelassen, wo sie dann auf sich selbst gestellt sind, was das Auftreten von häufigen vermeidbaren Unfällen, Vergiftungen, Wohnungsbränden etc. begünstigen kann. Bei einer längeren unangekündigten Abwesenheit des Kindes oder herumtreiben des Kindes zeichnet sich das Elternverhalten durch keine entsprechende Reaktion aus (vgl. Deegner; Krüger 2006, S. 89).

1.2 Abgrenzung von Kindesvernachlässigung zu Kindesmisshandlung

Vernachlässigung zeichnet sich im Vergleich zu körperlicher Misshandlung häufiger durch einen schleichenden Verlauf im privaten Bereich mit sich allmählich aufbauenden Beeinträchtigungen der kindlichen Entwicklung aus, die meist erst im Kindergarten- oder Schulalter erkannt werden. So erleben vernachlässigte Kinder einen chronischen Mangelzustand in der physischen, emotionalen und sozialen Versorgung (vgl. DKSB LV NRW e.V. u.a. 2007, S.11). Zudem erleben vernachlässigte Kinder häufig zeitgleich oder später auch andere Formen der Kindeswohlgefährdung. Kindesvernachlässigung entsteht selten überraschend in akuten Krisen, wie es häufig bei Kindesmisshandlung zu sehen ist. Auch ist im Gegensatz zu Kindesmisshandlung bei Vernachlässigung immer klar wer die vernachlässigende Person ist (vgl. DKSB LV NRW e.V. u.a. 2007, S.12). Es sind die Eltern bzw. die Sorgeberechtigten. Der DKSB (2007) gibt zu bedenken, dass meistens den Müttern die Versorgungsaufgaben für die Kinder zugeschrieben werden und sie somit auch primär zu den Verantwortlichen gemacht werden. Die Väter entziehen sich der Verantwortung und damit auch gleichzeitig dem Vorwurf der Kindesvernachlässigung, obwohl sie ebenso wie die Mütter sorgeverpflichtet sind.

2. Was brauchen Kinder?

Nach dem amerikanischen Psychologen Abraham Maslow benötigt der Mensch elementare Lebensbedürfnisse um sich zu entwickeln. Diese hat er in einer Pyramide dargestellt. Die Basis der Pyramide bilden die physiologischen Bedürfnisse. Darauf aufbauend folgen Schutzbedürfnis, Bedürfnis nach Verständnis und sozialer Bindung sowie Wertschätzungs- und Geltungsbedürfnis. Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung ist die Spitze der Pyramide. Der Kinder- und Jugendpsychologe Prof. Stefan Schmidtchen erweiterte die Pyramide um ein sechstes Bedürfnis. Dem Bedürfnis nach Anregung, Spiel und Leistung (vgl. Schone u.a. 1997, S. 24). Werden diese Bedürfnisse allerdings nicht ausreichend oder gar nicht erfüllt kann es „einerseits zu akuter Gefährdung an Leib und Leben“(Schrapper 2008, S.58) und andererseits zu Langzeitfolgen die das Kind in seiner Entwicklung beeinträchtigen können kommen. Die Folgen sind umso gravierender je niedriger das Bedürfnis in der Pyramide angeordnet ist. Das Ausbleiben der physiologischen Bedürfnisse kann zum Tod des Säuglings oder Kleinkindes führen.

Ebenso benötigt das Kind eine zuverlässige, stabile und berechenbare Beziehungsstruktur zu seinen Eltern bzw. Bezugsperson die ihm Unterstützung und Anregung und Raum für seinen persönlichen Entwicklungsprozess gewährt (vgl. Schone u.a. 1997, S.27). So kann eine sichere Bindung ein Schutzfaktor für das vernachlässigte Kind sein und eine unsichere Bindung ein Risikofaktor für die weitere kindliche Entwicklung.

Kindliche Schutzfaktoren und eine vorhandene Resilienz5 können Kinder bei der Bewältigung belastender Entwicklungsbedingungen unterstützen.

Resilienz ist eine Fähigkeit die im Entwicklungsprozess erworben werden kann. Dabei sind zwei entscheidende Faktoren von großer Bedeutung (vgl. zu Folgendem Laucht 2003, S. 65):

· Die Erfahrung gelungener Bewältigungen: Z um Beispiel kann ein Kind aus einer Erfahrung gestärkt hervorgehen, wenn es ein Problem oder eine Belastung selbstständig löst oder dieser gewachsen ist. Es erlangt damit ein steigendes Selbstwertgefühl kommende Belastungen oder Probleme erfolgreich zu bestehen.

· eine positive Bindungsbeziehung, eine nähere Erläuterung zu diesem Faktor erfolgt unter dem Punkt 2.2

Schutzfaktoren bei Kindern können in personale Ressourcen und soziale Ressourcen unterteilt werden. Personale Ressourcen können beispielsweise ein sicheres Bindungsverhalten, eine optimistische zuversichtliche Lebenseinstellung sowie positive Eigenschaften des Temperaments6, welche soziale Unterstützung und Aufmerksamkeit bei den Betreuungspersonen hervorrufen, sein. Soziale Ressourcen können eine positive soziale Beziehung in einem oder mehreren Lebensbereichen zu erwachsenen Bezugspersonen7, eine enge Bindung zu den Geschwistern sowie eine feste Struktur in einer Kinderkrippe oder Kindergarten und später auch in der Schule sein. In diesen Beziehungen ist ein Wertschätzendes8 Klima gegenüber dem Kind ein wichtiger Bestandteil (vgl. Kindler 2005, S.16).

Mit zunehmendem Alter kann es Kindern gelingen, solche psychischen und sozialen Schutzfaktoren auch außerhalb der eigenen Familie zu suchen.

2.1 Kindliche Lebensbedürfnisse

Für eine altersgemäße Entwicklung benötigen Kinder wie einleitend schon erwähnt die Erfüllung bestimmter elementarer Bedürfnisse. Zu diesen gehören laut Erkenntnissen der Entwicklungspsychologie folgende Grundbedürfnisse (vgl. zu Folgendem Schone u.a. 1997, S. 23):

- körperliche Bedürfnisse wie Nahrung, Zärtlichkeit, Körperkontakt, geregelter Schlaf- Wachrhythmus etc.
- Schutzbedürfnisse wie Schutz vor Gefahren, Krankheiten etc.
- Bedürfnisse nach einfühlendem Verständnis: eine sichere soziale Bindung, Empathie etc.
- Bedürfnisse nach Wertschätzung: das Kind wird bedingungslos als seelisch und körperlich wertvoller Mensch anerkannt, es wird als autonomes Wesen anerkannt etc.
- Bedürfnisse nach Anregung, Spiel und Leistung wie die Förderung der natürlichen Neugierde, Anregungen und Anforderungen, Unterstützung beim Erleben und Erforschen der Umwelt etc.
- Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung: das Kind wird bei der Bewältigung von Lebensängsten unterstützt sowie bei der Entwicklung eines Selbstkonzeptes, der eigenständigen Durchsetzung von Bedürfnissen und Zielen etc.

Die körperlichen Grundbedürfnisse die die Basis der Pyramide bilden und die Schutzbedürfnisse stellen die Voraussetzungen zum Leben und Überleben für das Kind dar. Sie beinhalten die körperliche Unversehrtheit, Sicherheit und Versorgung (vgl. Werner 2005, S.82). Ein Kind benötigt demzufolge für eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung, dass ihm die grundlegenden physiologischen Bedürfnisse erfüllt werden. Das Alter des Kindes spielt hierbei eine bedeutende Rolle. So kann die Muttermilch oder eine gleichwertige Ersatznahrung9 den Grundbedarf des Kindes bis zum Beginn des siebten Lebensmonats decken. Dabei ist zu beachten das Kuhmilch erst ab dem zweiten Lebensjahr in die Ernährung aufgenommen werden sollte, da der Magen-Darm Trakt diese erst dann verdauen kann. Ab dem achten Monat kann dem Kleinkind eine qualitative feste Nahrung zugeführt werden. Allerdings sollt man im ersten Lebensjahr auf Rohkost verzichten, da sie die Darmschleimhaut des Kleinkindes reizt und somit noch nicht verträglich ist (vgl. Klein u.a.2009, S. 251). Ebenso benötigt es einen Schutz vor physisch und psychisch verletzenden Verhaltensweisen, schädlichen Einflüssen und Gefahren. Dazu gehört nicht nur das die Wohnung kindgerecht ausgestattet wird. Dieser Schutz sollte schon während der Schwangerschaft beginnen damit die Kinder einen gesunden Start in das Leben haben. Weiterhin ist es für die geistige und körperliche Entwicklung eines Kindes wichtig, dass es dem Alter und/ oder Entwicklungsstand entsprechend angeregt und gefördert wird. Durch die Ermutigung des Kindes und einer angemessenen Stimulation unterstützen die Bezugspersonen das Explorationsverhalten (vgl. Werner 2005, S.83).

[...]


1 Fettsucht

2 Eltern leben mit Kindern in einer völlig verschmutzten, viel zu kleinen oder verschimmelten Wohnung

3 Die Eltern beschränken sich in der Konversation mit dem Kind auf das Nötigste. Die Unterhaltung findet nur funktional statt.

4 Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

5 Unter Resilienz kann man die Fähigkeit Entwicklungsrisiken zu mindern oder zu kompensieren, negative äußere Einflüsse zu überwinden und sich gesundheitsförderliche Kompetenzen anzueignen verstehen (vgl. Laucht 2003, S. 64).

6 robustes, aktives, kontaktfreudiges, offenes und ausgeglichenes Verhalten

7 beispielsweise Großeltern, Tante, Onkel, Elternteil, Erzieher/ Erzieherin etc.

8 Wärme, Respekt und Akzeptanz gegenüber dem Kind

9 Pre-Nahrung: Fertigmilch die der Muttermilch so weit wie möglich angepasst ist

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Frühkindliche Vernachlässigung als ein Aspekt der Kindeswohlgefährdung
Untertitel
Wie kann perspektivisch Kinderschutzarbeit geleistet werden?
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
51
Katalognummer
V138918
ISBN (eBook)
9783640471355
ISBN (Buch)
9783640471713
Dateigröße
625 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frühkindliche, Vernachlässigung, Aspekt, Kindeswohlgefährdung, Kinderschutzarbeit
Arbeit zitieren
Janine Kitter (Autor), 2009, Frühkindliche Vernachlässigung als ein Aspekt der Kindeswohlgefährdung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138918

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