Zu Anbeginn des 21. Jahrhunderts lebt die Menschheit in einem Zeitalter des Umbruchs. Globalisierung ist im Zuge des internationalen Verflechtungsanstiegs in nahezu jedwedem gesellschaftlichen Bereich zu einer der zentralen Einflußgrößen der Konstituierung zukünftiger Gesellschaftsordnung geworden. Waren, Dienstleistungen, Geld und Personen werden bei immer höherer Transfergeschwindigkeit und gleichzeitig zunehmender Nachfrage nach logistischer Leistungssteigerung auf dem Planeten von Ort zu Ort transferiert, und lassen räumliche Grenzen mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Mit dem Aufkommen moderner Technologien in Kommunikation und Logistik verlieren auch zunehmend sprachliche und kulturelle Barrieren an Einfluß und die gesellschaftliche Grenzziehung ist im globalen Zeitalter nicht länger ohne weiteres möglich.
Insbesondere durch den globalen Verflechtungsanstieg und die Herausforderungen die dieser dabei an eben jene kompensatorischen Instanzen und Sozialgebilde der derzeitigen Gesellschaftsorganisation stellt, treten traditionelle Bindungsmuster, deren entscheidendes physisches Element eine räumlich nahe Koexistenz war, zurück für die Hervorbildung von Lebensmodellen, die dem suggestiven Freiheitsgewinn unter der Idealisierung des heutigen sozio-ökonomischen Flexibilitätsanspruches an die Gesellschaft entsprechen. Die Etablierung von sozialen Bindungen ist im Zuge dessen in die Konfrontation mit der gesellschaftlichen Selbstverwirklichungsprämisse über die ökonomische Partizipation geraten. Durch die omnipräsente Bedrohung des Scheiterns bei der Nichterhaltung der Partizipation beflügelt, ist der ökonomische Erfolg, also der Erwerb und die Vermehrung von Geld, zur Grundfeste vom Glück des Einzelnen erwachsen, unter dessen Primat sich das Individuum von seinen natürlichen sozialen Bindungsmustern wie Familie, Freundeskreis, und anderweitiger sozialer Netzwerke, trennt, und sich den markt-wirtschaftlichen Anforderungen an die ständige Flexibilität und Verfügbarkeit des Einzelnen hingibt.
In dieser Arbeit soll daher der Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Atomisierung und der mentalen und habituellen Ökonomisierung nachgewiesen und untersucht werden, ebenso wie die Rahmenfaktoren, die zu der Herausbildung eines Typus Mensch beitragen, der sein Handeln in erhöhtem Maße nach ökonomischen Parametern ausrichtet und diese sozialen Bindungs- und Planungsgedanken gegenüber voranstellt.
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1: Einleitung – Quo vadis societas?
Kapitel 2: Die Bundesrepublik zwischen demographischer Alterung und sozialer Atomisierung
2.1 Die Bundesrepublik Deutschland im demographischen Wandel
2.2 Die Transformierung der Lebensverhältnisse
2.3 Implikationen der Pluralisierung der Lebensverhältnisse für die Gesellschaft
2.4 Vorläufiges Fazit
Kapitel 3: Das globale Zeitalter
3.1 Globalisierung: Wirtschaftliche Prämissen
3.2 Gesamtzunahme des Welthandels
3.3 Ausländische Direktinvestitionen und multinationale Unternehmen
3.4 Vernetzung durch Kommunikationstechnologien
3.5 Kulturelle Globalisierung am Beispiel der Fernsehunterhaltung
3.6 Kulturelle Homogenisierung
3.7 Sozialpsychologische Implikationen der Verwendung von Massenmedien
3.8 Nationalstaatlicher Kontroll- und Funktionalitätsverlust
3.9 Bedeutungsverlust nationalstaatlicher Zugehörigkeit für die Identitätenbildung
3.10 Globaler Neoliberalismus: Zwischen marktwirtschaftlicher Deregulierung und staatlicher Rationalisierung
Kapitel 4: Die Flexibilisierung des Menschen
4.1 Die Pluralisierung der Erwerbsformen
4.2 Folgen der Deregulation für die Arbeitsgesellschaft
4.3 Die Entgrenzung der Arbeitsgesellschaft
4.4 Zur Vereinbarkeit von Individualisierung und den neuen Arbeitsformen
4.5 Die Internationalisierung des Arbeitsmarktes
4.6 Die ‚Kinder der Deregulation’: Zur Vereinbarkeit von Berufsperspektiven junger Menschen mit den neuen Arbeitsmarktbedingungen der Globalität und Deregularität
4.7 Gewerkschaftliche Strukturen im Globalen Zeitalter
4.8 Fazit: Die Ökonomisierung der Gesellschaft
Kapitel 5: Von Gesellschaft und Unsicherheit
5.1 Unsicherheit im Vergleich zwischen Industrialisierung und Globalisierung
5.2 Konkurrenz
5.3 Scheitern
5.4 Psychosomatische Konsequenzen
5.5 Abschlußbetrachtung: Bindung versus Partizipation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Atomisierung der Gesellschaft und der zunehmenden Ökonomisierung des menschlichen Denkens. Ziel ist es, die Rahmenfaktoren zu beleuchten, die zur Herausbildung eines modernen, primär nach wirtschaftlicher Effizienz strebenden Menschenbildes beitragen, und die Auswirkungen dieses Prozesses auf soziale Gefüge und individuelle Lebensentwürfe im 21. Jahrhundert zu analysieren.
- Demographischer Wandel und gesellschaftliche Atomisierung
- Einflussfaktoren der Globalisierung auf soziale Strukturen
- Flexibilisierungsdruck der Ökonomie auf das Individuum
- Wandel von Arbeitswelten und Arbeitsformen
- Psychosoziale Folgen zunehmender Unsicherheit
Auszug aus dem Buch
Kapitel 1: Einleitung – Quo vadis societas?
Zu Anbeginn des 21. Jahrhunderts lebt die Menschheit in einem Zeitalter des Umbruchs. Globalisierung ist im Zuge des internationalen Verflechtungsanstiegs in nahezu jedwedem gesellschaftlichen Bereich zu einer der zentralen Einflußgrößen der Konstituierung zukünftiger Gesellschaftsordnung geworden. Waren, Dienstleistungen, Geld und Personen werden bei immer höherer Transfergeschwindigkeit und gleichzeitig zunehmender Nachfrage nach logistischer Leistungssteigerung auf dem Planeten von Ort zu Ort transferiert, und lassen räumliche Grenzen mehr und mehr an Bedeutung verlieren. Mit dem Aufkommen moderner Technologien in Kommunikation und Logistik verlieren auch zunehmend sprachliche und kulturelle Barrieren an Einfluß und die gesellschaftliche Grenzziehung ist im globalen Zeitalter nicht länger ohne weiteres möglich.
„In the most general sense, globalization is a matter of increasing long-distance interconnectedness, at least across national boundaries, preferably between continents as well. That interconnectedness has a great many aspects. We have ways of meddling with other people’s environments, from the destruction of rain forests and the intercontinental dumping of toxic wastes to global warming; and with their bodies, as in a growing transnational trade in human organs for transplants. The goods we buy may come from far away.”
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung – Quo vadis societas?: Einführung in das Thema des gesellschaftlichen Wandels und der ökonomisch getriebenen Transformation.
Kapitel 2: Die Bundesrepublik zwischen demographischer Alterung und sozialer Atomisierung: Analyse demographischer Entwicklungen in Deutschland und deren Einfluss auf traditionelle Lebensformen.
Kapitel 3: Das globale Zeitalter: Untersuchung globaler Wirkfaktoren wie Welthandel und Kommunikationstechnologie auf nationale Gesellschaftsstrukturen.
Kapitel 4: Die Flexibilisierung des Menschen: Betrachtung der Auswirkungen neoliberaler Arbeitsmarktbedingungen und neuer Erwerbsformen auf das Individuum.
Kapitel 5: Von Gesellschaft und Unsicherheit: Abschließende Betrachtung der psychischen und sozialen Folgen zunehmender Lebensunsicherheit und der Krise der Bindung.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Ökonomisierung, Gesellschaft, Atomisierung, Flexibilisierung, Arbeitsmarkt, Wohlfahrtsstaat, demographischer Wandel, Humankapital, soziale Unsicherheit, Identität, Neoliberalismus, Lebensformen, internationale Vernetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die wechselseitigen Beeinflussungen von wirtschaftlicher Globalisierung und der Veränderung sozialer sowie individueller Lebensstrukturen in der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der gesellschaftlichen Atomisierung, dem demographischen Wandel, der Flexibilisierung der Arbeitswelt und der zunehmenden psychischen Belastung durch wirtschaftlichen Druck.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Aufdeckung des Zusammenhangs zwischen der Zersetzung sozialer Gefüge und der zunehmenden Ökonomisierung des Menschen als Humankapital.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine soziologische Analyse, die theoretische Konzepte (z.B. Fordismus, Homo Oeconomicus) mit aktuellen demographischen und wirtschaftspolitischen Daten verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des demographischen Wandels, eine Analyse der globalen Rahmenfaktoren, eine Untersuchung der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und eine Betrachtung der sozialen Konsequenzen dieser Entwicklungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Globalisierung, Ökonomisierung, soziale Atomisierung, Flexibilisierung und der Bedeutungsverlust nationalstaatlicher Strukturen.
Wie beeinflusst die Globalisierung laut dem Autor die soziale Bindung?
Der Autor argumentiert, dass durch die Notwendigkeit ständiger beruflicher Flexibilität und Mobilität traditionelle, ortsgebundene Bindungen (Familie, Nachbarschaft) destabilisiert oder durch kurzfristige Zweckgemeinschaften ersetzt werden.
Welche Rolle spielen Massenmedien bei der Ökonomisierung des Denkens?
Medien fungieren als Sozialisierungsinstanz, die durch die Verbreitung homogener Konsummuster und der Suggestion ökonomischer Verwertbarkeit das Individuum zur Selbstvermarktung und Anpassung an den Markt motivieren.
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- Merlin Holthoff (Author), 2009, Quo vadis Societas? Die Atomisierung der Gesellschaft und die Ökonomisierung des Denkens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138947