Corporate Social Responsibility (CSR) als Gegenstand von Regulierung in Europa


Seminararbeit, 2008
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Corporate Social Responsibility vor dem Hintergrund der Globalisierung
1.2 CSR
1.3 Regulierung

2 Regulierung und Standardisierung in Europa
2.1 Entstehungsgeschichte
2.2 Das Grünbuch der EU
2.3 Ganzheitliche Sicht der sozialen Verantwortung
2.4 Das Multistakeholder Forum der Europäischen Union
2.5 Die EU-Politik seit 2006

3 Regulierung auf nationaler Ebene
3.1 CSR in Westeuropa
3.2 CSR in Nordeuropa

4 CSR zwischen Freiwilligkeit und verpflichtenden Regeln
4.1 Gründe befürwortender Positionen der Freiwilligkeit
4.2 Gründe ablehnender Positionen der Freiwilligkeit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

1.1 Corporate Social Responsibility vor dem Hintergrund der Globalisierung

Ein effizientes und gewinnbringendes Handeln multinationaler Unternehmen ist ohne adäquate Rahmenbedingungen sowie ein gesundes soziales Umfeld unmöglich. Dazu zählen eine Vielzahl konstruierter Voraussetzungen wie Gesetze und Verträge, die vom Staat geschaffen werden. Im Zuge der Globalisierung haben sich Rahmenbedingungen und soziale Umfelder jedoch in massiver Weise verändert und zu einer Flutwelle von kulturellen, sozialen und politischen Umwälzungen geführt.[1]

Die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft schafft gewaltige Wohlfahrtsgewinne und ist bereits für viele Menschen und Nationen unverzichtbar geworden. Dennoch führt der weltweite Austausch auch zu einer globalen Expansion von Problemen und möglichen Schäden.[2]

Vor dem Hintergrund der Globalisierung und der damit verbundenen dynamischen Entwicklung der Gesellschaft können die bisherigen territorialen staatlichen Regulierungen und Eingriffe nicht mehr genügen. Damit ein effektives Wirtschaften auf supranationaler Ebene weiterhin möglich ist, muss ein globaler Handlungsrahmen geschaffen werden, der die Unsicherheit über Rechte und Pflichten multinationaler Unternehmen beseitigt. Angesichts der begrenzten Handlungsressourcen kann ein politisches System allein diese Aufgabe jedoch nicht bewältigen und ist daher auf Systeme der Selbstorganisation angewiesen.[3] Die Unternehmen als Teil einer korporativen Bürgergesellschaft können durch die freiwillige Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung einen aktiven Teil zur Schaffung und Durchsetzung neuer Rahmenbedingungen beitragen und spielen damit eine zentrale Rolle beim Lösen der sozialen Probleme. Die Idee die dahinter steckt ist, dass Wirtschaft, Gesellschaft und Staat am besten florieren, wenn sie miteinander statt gegeneinander arbeiten. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Corporate Social Responsibility (CSR).[4]

Firmen werden durch neue und global vernetzte Informationstechniken für ihre Anspruchsgruppen immer transparenter. Durch das wachsende Bewusstsein der Konsumenten, welche die Herkunft von Produkten und Dienstleistungen zunehmend kritisch hinterfragen, und die gestiegene Aufmerksamkeit durch Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ist der Druck auf die Unternehmen, sich aktiv am CSR Prozess zu beteiligen, massiv gestiegen.[5]

Ziel der folgenden Arbeit ist es zu bestimmen, wie die Neuverteilung gesellschaftlicher Verantwortlichkeiten zwischen Staat, Unternehmen und Bürgern innerhalb Europas erfolgen kann. Der Autor konzentriert sich dabei auf die Frage, wie die europäischen Regierungen durch Regulierungen und Standardisierungen unternehmerisches Bürgerengagement fördern und aktiv unterstützen können.

1.2 CSR

CSR ist ein relativ unpräziser Begriff, für den eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen existieren. Eine einheitliche Interptretation lässt sich daher nur schwer finden. Dennoch hat sich in den letzten Jahren ein gewisses Grundverständnis entwickelt.

Demnach versteht man unter CSR die freiwillige Übernahme sozialer Verantwortung durch Unternehmen. CSR soll dabei weit über geltende gesetzliche Bestimmungen und die eigentliche Geschäftstätigkeit hinausgehen.

Es soll daher als Teil der Identität einer Unternehmung und deren integrierter Unternehmensstrategie verstanden werden.[6] Unternehmen sollen in ihrem Handeln nicht nur ihr eigenes Gewinnstreben berücksichtigen, sondern auch ihre Beziehungen zu betriebsinternen und externen Stakeholdern in Einklang bringen. Dazu zählen alle Personen und Gruppierungen, die ein berechtigtes Interesse an dem Verhalten eines Unternehmens haben, wie z. B. Arbeitnehmer, Anteilseigener, Kunden. Lieferanten sowie der Staat und die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit. CSR beschränkt sich dabei nicht auf bisher bekannten Begriffe wie Charity oder Philantrophie, sondern soll ein Investition in das Human- und Sozialkapital darstellen. Dies bedeutet eine dauerhafte freiwillige Verpflichtung der Unternehmen, ethisch richtig zu handeln. Dazu zählen unter anderem die Bereitstellung von Sicherheits- und Sozialstandards für die Mitarbeiter, die Förderung vielfältiger sozialer Projekte, ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen, der Schutz der Umwelt sowie die Einhaltung der Menschenrechte und der Schutz von Minderheiten.[7]

Dennoch steht das Konzept nicht im Widerspruch zur wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens. Langfristig führt es zu einer erhöhten Profitmaximierung, stiftet daher allen Beteiligten einen wechselseitigen Nutzen und geht nicht zu Lasten Dritter. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer Win-Win Strategie. Vor allem die Reputation nach außen durch CSR Maßnahmen hat einen positiven Einfluss auf den Absatz. Darüber hinaus können durch die Einhaltung von Umwelt- und Arbeitsstandards finanzielle Risiken minimiert und Krisen vorgebeugt werden, die den Ruf in Zusammenhang mit möglichen Rechtsstreitigkeiten schädigen könnten. Auch die Produktivität läst sich durch die verbesserten Arbeitsbedingungen und der damit verbundenen Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen.[8] CSR ist also „ein freiwilliges Konzept, das die Corporate Citizens zum Stakeholder-Dialog anleitet um Vertrauen in das Unternehmen aufzubauen und durch nachhaltige soziale und ökologische Aktivitäten soziale und wirtschaftliche Wertschöpfung zu generieren, mit dem Ziel, eine Daseinsberechtigung von der Gesellschaft zu erhalten“.[9]

Die Idee des CSR hat seine historischen Wurzeln in den USA und wurde erst vor kurzem von der europäischen Staatengemeinschaft aufgegriffen. Dies beruht auf der Tatsache, dass in den USA, aufgrund fehlender rechtlicher Vorschriften die meisten Sozialleistungen von Unternehmen erbracht werden. Das freiwillige gesellschaftliche Engagement wird daher als unabdingbare Notwendigkeit angesehen. In Europa hingegen ist die soziale Verantwortung traditionelles Inventar der Politik und gehört zum Grundverständnis der sozialen Marktwirtschaft. Viele europäische Sozialstaaten haben eine relativ große Regelungsdichte, welche die Rechte und Pflichten der Unternehmen festlegen. Darüber hinaus existieren Systeme zur sozialen Sicherung, die jede Form von Marktversagen verhindern, um so der Bevölkerung größt möglichen Wohlstand zu ermöglichen. Aufgrund des großen rechtlichen und institutionellen Rahmens der den Unternehmen vorgegeben ist hatten diese in der Vergangenheit kaum Möglichkeiten ihre CSR Aktivitäten eigenverantwortlich und individuell zu gestalten. Dies ist auch der Grund weshalb CSR in Europa noch ein relativ neuer Begriff ist. Mit der beginnenden Globalisierung und den damit verbundenen negativen externen Effekten geriet das System des Sozialstaates als einziger Erbringer sozialer Leistungen jedoch erstmals an seine Grenzen. Seit Anfang der 1990er Jahre findet in Europa ein Prozess des Umdenkens statt, und Unternehmen und Regierungen beschäftigen sich zunehmend mit der Frage, wie die Neuverteilung gesellschaftlicher Verantwortung erfolgen kann.[10]

1.3 Regulierung

Um zu verstehen wie die Regulierung von CSR-Maßnahmen in Europa statt finden muss der Begriff zunächst genauer definiert werden.

Regulierung steht für die Summe aller Regeln mit denen der Staat versucht, steuernd in das Verhalten aller Wirtschaftsteilnehmer einzugreifen. Ziel ist es dabei einerseits unerwünschte Ergebnisse wie Marktversagen zu verhindern und zum anderen sozial wünschenswerte Perspektiven durchzusetzen. Zweck und Sinn von Regulierungsmaßnahmen ist also die Besserstellung aller an einem wirtschaftlichen Prozess beteiligten Akteure.[11] Regulierungen können außer von staatlichen Institutionen auch von privater Seite gesetzt werden. Dies können z. B. Zertifizierungs- oder Standardisierungsmaßnahmen sein, die von privatrechtlichen Organisationen durchgeführt werden.[12]

2 Regulierung und Standardisierung in Europa

2.1 Entstehungsgeschichte

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der zunehmenden Vernetzung der globalen Wirtschaft erkante auch die EU die Notwendigkeit des gesellschaftlichen Handelns von Unternehmen und begann sich mit der CSR-Thematik auseinander zu setzen. Das Ziel bestand darin, bürokratische Hemmnisse in Europa abzubauen und den Firmen mehr Raum für selbstorganisierte CSR Maßnahmen zu geben. Dabei stand von Anfang an fest, dass die Politik die Verantwortung für gesellschaftlich wünschenswertes Handeln nicht gänzlich den Unternehmen überlassen durfte.

Es sollte daher ein gesamteuropäischer Rahmen geschaffen werden, der die einheitliche Umsetzung des CSR-Konzepts förderte und den Unternehmen dennoch genug Raum ließ, ihr soziales Engagement individuell zu gestalten.[13]

[...]


[1] Vgl. Beschorner und Schmidt (2007) S. 105; Münstermann (2007) S.1-2.

[2] Vgl. Seitz (2002) S. 1.

[3] Vgl. Graf (2002) S. 8-9; Seitz (2002) S. 3.

[4] Vgl. Habisch (2003) S. 141-142; Seitz (2002) S. 44.

[5] Vgl. Gazdar/ Habisch (2006) S.13-14; Gramlich/Träger (2007) S. 70.

[6] Wieser (2005) S. 75-78.

[7] Vgl. Gazdar/ Habisch (2006) S.13-17; Sander S. 7-9.

[8] Vgl. Gazdar/ Habisch (2006) S. 16.

[9] Wieser (2005) S. 77.

[10] Vgl. Habisch/Schmidpeter (2008) S. 465-468 und 493-494; Münstermann (2007) S. 7-11.

[11] Vgl. www.insm-lexikon.de/regulierung.html

[12] Vgl. Helmenstein(1999), S. 319, zitiert nach Müller (2003) S. 43.

[13] Vgl. Gazdar/ Habisch (2006) S. 14-15.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Corporate Social Responsibility (CSR) als Gegenstand von Regulierung in Europa
Hochschule
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt  (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät Ingolstadt)
Veranstaltung
Management von Corporate Social Responsibility in der Multinationalen Unternehmung
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V138959
ISBN (eBook)
9783640485215
ISBN (Buch)
9783640485406
Dateigröße
419 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
CSR, Regulierung, Europa, Staat
Arbeit zitieren
Mattis Heinze (Autor), 2008, Corporate Social Responsibility (CSR) als Gegenstand von Regulierung in Europa , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138959

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